Schlagwort-Archiv: Zugfahrt

Eine etwas andere Bahngeschichte

Es war gestern mal wieder soweit, dass ich mich für Stunden in die Obhut eines Schienenmonsters begab. Doch entgegen aller Befürchtungen hielt sich des Hartmuts Exverein sehr zurück im Vermiesen meines Reiseerlebnisses. Da mussten schon andere Bahnfahrer herhalten, dass es weniger angenehm oder zumindest nicht optimal verlief.

Dass meine Wasserflasche auslief und ein neues Buch einweichte und dass mein Laptop Videoschluckauf hatte, darauf werde ich mal nicht eingehen, denn das sind Schusseligkeiten, die ich mir selbst zuzuschreiben habe. Deswegen gehe ich gleich auf den netten Herrn ein, der mir gegenüber saß. Für manche ist so eine Bahnfahrt eine perfekte Möglichkeit, um Menschen kennenzulernen. Spricht nichts dagegen, denn immerhin ist die Wahrscheinlichkeit, einen von Benzindämpfen verbenebelten Autofreak zu treffen, um einiges geringer[1]. Und wenn man sich den schicken und teuren ICE aussucht, ist auch die Businessmandichte stark erhöht und sorgt für eine seriöse Atmosphäre.

Soviel zum ablenkenden Vorgeplänkel. Kommen wir zum konkreten Fall, in dem eine nicht näher spezifizierte Bloggerin den Fehler machte, ein Bier von einem jungen Mann (kein Businesstyp) anzunehmen und daraufhin mehrere Stunden dessen Einladungsversuche abzuwehren hatte. Das Bordbistro bietet da nicht so viel Auswahl und deswegen musste ein in Folie verpackter und aufgewärmter Butterkuchen und ein verquer schmeckender Weißwein herhalten. Nachdem der junge Mann es geschafft hatte, seine Telefonnummer rauszugeben mit der obligatorischen Angabe, sich mal zu melden, wenn blabla usw. usf. Prinzipiell ist da unsere Protagonistin nicht abgeneigt, so ein Angebot anzunehmen. Aber bei jemandem, der Müll für die Bahnmitarbeiter liegen lässt, Flaschen hinter die Sitze wirft und weitere hier nicht näher spezifierte unangenehme Eigenschaften aufweist, ist die Hemmschwelle ungleich größer, so dass der Zettel mit der Telefonnummer gleich mit dem Haufen Müll entsorgt wird. Und da mag man es der jungen Dame (?) auch nachsehen, dass sie die bei der Trennung des Zuges die Gelegenheit nutzte und dem Typen glaubhaft versicherte, nur der andere Zugteil führe zu seinem Zielbahnhof. War das fies oder reiner Selbstschutz?

Egal ob Fliegen oder Zugfahren: Kunden müssen zahlen

Wegen dem momentanen ICE-Chaos bei der Bahn[1] mag man auf die Idee kommen, die Deutschlandquerung aus Anlass des Weihnachtsfestes in der Luft statt auf Schienen zu verbringen. Ich bin ja ein großer Fan vom Bahnfahren (Beiträge) und habe auch nie, nie, nie irgendwelche Probleme oder Verspätungen erleben müssen[2] und der einzige Grund, auf ein solch angenehmes Erlebnis zu verzichten ist der Preis: selbst mit Bahncard50 kosten Hin- und Rückfahrt 125 Euro[3]. Der Sparpreis von 29 Euro (pro Fahrt) klingt da wesentlich angenehmer, doch ein Lottogewinn ist wahrscheinlicher als ein Sparpreis zur Hauptreisezeit.

Wenn den findigen Reisenden Preisängste plagen, denkt er natürlich sofort an Billigflieger. Und tatsächlich sind über Weihnachten Flüge für 0,00 Euro zu haben. Fantastisch! Leider haben auch die Billigairlines nix zu verschenken und deswegen kommen in meinem Fall dazu noch 40 Euro Steuern/Gebühren und 35 Euro für Gepäck und Check-In[4]. Der Gesamtpreis liegt mit 75 Euro87 Euro zwar noch locker unter dem Bahnpreis, aber das ist dennoch ein steiles Stück über den 0,00 Euro, die der Flug kosten sollte. Rechnet man dazu noch die Bahnfahrt zum/vom Flughafen ist der gesparte Betrag nicht mehr ganz so groß (und man kann nicht kostenlos stornieren).

Im Endeffekt ist der Kunde der Blöde, denn er muss zahlen (und im Falle der Bahn auch noch warten). Wenn jetzt jemand das Auto als Alternative nennen möchte, den frage ich mal diskret nach den Benzinpreisen und Versicherungsprämien und KFZ-Steuern und TÜV-Gebühren und Reparaturen usw. Diese Geldmgenge ausgeben für eine paar größere Fahrten im Jahr? Wenn dann jemand einwerfen möche, dass es kein eigenes Gefährt sein muss, sondern eine Mitfahrgelegenheit es auch tun würde, dem entgegne ich, dass das wohl wahr ist, aber nur für eine sehr, sehr, sehr kleine Untermenge der Reisenden auch zutrifft.

Eine unspektakuläre Bahnfahrt

Auch so etwas muss und kann und darf und soll es geben: eine Bahnfahrt ohne besondere Höhepunkte – nix zu berichten, keine Käsebrötchen-Stinkefüße[1], keine Unterbrechnungen, keine nennenswerten Verspätungen (alles unter fünf Minuten), keine Stromausfälle, keine nervigen Mitfahrer[2], keine Zuquatscher, keine Aftershave- oder Schweißstinkbomben. Kurz gesagt: nix ist passiert! Der Gelegenheitsbahnfahrer mag es kaum glauben, doch auch das gibt es tatsächlich! Ich habe es mit dem eigenen Bewusstsein und nicht im Land der Träume erlebt.

Ok, ein annäherndes Highlight gab es: Befragungen zur Kundenbewegung. Oder so ähnlich. Die Befrager tingeln angeblich schon seit 15 (!) Jahren durch alle Züge und befragen die Kunden woher sie wann fuhren und wie oft und mit welchen Vergünstigungen. Da ich in diesen 15 Jahren eine nicht unerhebliche Anzahl Bahnkilometer zurückgelegt habe und nie einem von diesem Verein begegnet bin, war mir das ein bisschen suspekt. Doch meine anfängliche Frostigkeit über diese Störung[3] konnte die Dame elegant auftauen und so glaube ich das mal.

In diesem Sinne: ein Prosit auf unspektakuläre Bahnfahrten!

  1. Ja, tatsächlich so etwas gibt es und wenn der junge Mann auch nach Aufforderung stur seine Schuhe und Füße getrennt lagert, dann wäre das erwähnenswerte eine Bahnfahrt gewesen. []
  2. Ok, fünf Pseudepunkermädels, die drei Stunden lang ihren iPod-Würfel-Lautsprecher aufdrehen sind im Prinzip schrecklich. Aber wenn die Musik stimmt, ist das aushaltbar. []
  3. Hab Doctor Who-DVDs geguckt – da darf man mich nicht stören! []

Der gestrige Freitag: dreckig und dunkel

Unglücke kommen selten allein und da die Woche am Montag dunkel begann, endete sie auch auf diese Weise und ein wenig Dreck kam noch dazu.

Der Tag begann recht gewöhnlich und die erste Hälfte verlief unberichtenswert. Doch sobald ich mich aufmachte, einen Zug zu erreichen, nahm das Unglück seinen Lauf. Schon beim Aufbrechen fielen die ersten schweren Tropfen und natürlich war das der erste Regen seit dem Wolkenbruch vom Montag Morgen.

Keine Minute später sprang meine Kette ab. Natürlich fiel sie vorne zwischen Kettenblatt und Schutzblech, dass es mehrere Minuten dauerte bis zur Weiterfahrt und dreckige Finger gab. Das ist das dritte Mal, dass mein Fahrrad kurz vor einer Zugfahrt den Dienst verweigert (1x Platfuß, 1x Kette gerissen). Ist das eine Zweiradverschwörung? Wollen die Dinger einfach nicht, dass man auf dein anderes Verkehrsmittel umsteigt? Jedenfalls führten die dreckigen Finger dazu, dass ich die Äpfel (= Reiseproviant) im Supermarkt nicht alle angefasst habe, sondern erst von allen Seiten angesehen habe und sicherlich ein interessantes Bild abgab. Glück im Unglück: Nach mehreren Minuten Warten an der langen Kassenschlange wurde eine zweite Kasse geöffnet und ich konnte mich nach ganz vorne drängeln.

Von da an war es ein Klacks und der Regen hörte gnädigerweise auf, sobald ich im Zug saß und zusammen mit der zurück gekehrten Sonne und den regennassen Fahrgästen gab es eine schöne, saunaartige Atmosphäre im RE.

Eigentlich…

säße ich seit einer halben Stunde im Zug gen Heimat. Aber gegen einen Triebwerksschaden sind sieben Minuten Umsteigezeit nicht immun und so darf ich zwei Stunden später mein Glück erneut versuchen. Wie mir der einzelne Mitarbeiter am Auskunfsschalter (Reisebüro wegen Feiertag natürlich geschlossen) nach zehn Minuten Anstehen versicherte, bekomme ich aber das Geld für meine nicht nutzbare Reservierung zurück. Yay!

Und auch wenn ich gerne wieder als Inspirationsquelle für bahnbrechend lustige Beiträge dienen würde, hoffe ich sehr, dass mir die seltsamen Mitfahrertypen größtenteils erspart bleiben!

Ich fahre ja gerne mit der Bahn, aber…

Nein anders. Ich finde ja, dass die Bahn das beste Verkehrsmittel für lange Strecken ist, aber…

Nein, noch anders. Ich habe aus finanziellen und geografischen Gründen keine andere Wahl als Bahn zu fahren, aber… Nein, kein aber. Is so!

RE
Creative Commons License photo credit: LordKhan
Was ich eigentlich sagen wollte: wenn man Glück hat, kann man in Ruhe ein paar Filme gucken ein Buch lesen richtig was schaffen, wie z.B. wissenschaftliche Artikel lesen oder einen Vortrag am Laptop zusammenstellen. Also wenn man Glück hat. Aber mit durchweichten Schuhen und Hosenbeinen (vom zum Bahnhof rennen im strömenden Regen) macht das alles keinen Spaß und deswegen guckt man dann doch lieber ein paar Folgen Doctor Who (oder so).

ICE
Creative Commons Licensephoto credit: Jan Bakker
Diesen Luxus gibt es natürlich nur im preislich etwas teurer gelagerten ICE. Doch wer keine 15 Stunden in acht verschiedenen Regionalbahnen verbringen möchte, der gönnt sich diesen Luxus. Bleibt allerdings noch das Problem, dass diese ominösen ICEs nicht auf allen Strecken fahren und wer das Vergnügen haben möchte, muss den dreistündigen “Zubringer”-RE hinter sich bringen. Der Vorteil ist allerdings, dass man danach was zu bloggen hat! Deshalb präsentiere ich heute

Meine Lieblingsbahnmitfahrer

  • Den Musik auf voller Lautstärke Hörer, dass alle Anderen weder Podcasts noch Hörbücher verstehen können-Typen erwähne ich mal nicht, denn dafür kann man ja zusammengeschlagen werden.
  • Und auch die am Handy dauernd “hallo bist du noch da, hallo hörst du mich”-Schreier sind so zahlreich, dass sie eigentlich schon zu jeder guten RE-Ausstattung gehören und hier keiner Erwähnung bedürfen.

Eine Bahnfahrt die ist lustig

Gerade habe ich eine interessante mehrstündige Bahnfahrt hinter mich gebracht. Mit dem modernen ICE ist das ja ganz angenehm. Zumindest die unbelebte Materie ist also positiv zu beurteilen. Bleiben noch die belebten Mitfahrer. Da trifft man ja immer wieder interessante Exemplare. Aber die Grenzen zwischen belebt und unbelebt verschwimmen da etwas, wenn man folgende Durchsage hört:

Der hintere Zugteil bitte mal beim Zugführer melden.

ICE in Dortmund

Nun aber zu den Menschen. Mein Nebensitzer war ein wirkliches seltsames Exemplar. Er trug Bermuda-Shorts mit Palmen-Sonnenuntergang-Optik (in knallgelb-orange!!!!) und nachdem er seine SMS-Korrespondenz erledigt hatte, fiel er in einen tiefen Schlaf. Und fing nach wenigen Minuten an zu Schnarchen. Und zwar lautstark und bei jedem Atemzug. Hätte ich in anstupsen und aufwecken sollen? Ich bin da in dieser Beziehung etwas schüchtern und habe es gelassen und meine Musik lauter gestellt. War sowieso nötig, da er seine Musik so laut hatte, dass ich die auch noch mitbekommen habe. Aber das ist ja ein bekanntes Phänomen. Zwischendurch ist er einmal hochgeschreckt und wurde von einer Mitreisenden informiert, dass er laut schnarche. Das schien ihn aber nicht weiter zu bekümmern und hat weitergeschlafen. Ganze anderthalb Stunden durfte ich das ertragen.

Damit gibt es seit heute für mich einen neuen Spitzenreiter bei den nervigsten Bahnmitfahrern. Dachte ich bisher, dass die Quasselstrippen, die einen krampfhaft vom Lesen abhalten wollen, schlimm seien. Oder die Telefonierer, die den ganzen Zug an ihrem Gespräch teilhaben lassen und die gesamte Mitfahrerschaft über intimste Details informieren. Ab heute weiß ich nun, dass die Extremschnarcher die Schlimmsten sind. Aber die sind wohl in jeder Situation nervig.