Ist die Julia plötzlich wahnsinnig geworden oder wurde sie entführt? Nein, die Julia hatte diese Woche kurzfristig die Gelegenheit einzuspringen und John Fogerty live zu sehen. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit haben wir es hier mit einem Künstler zu tun, der schon seit Jahrzehnten auf den Bühnen dieser Welt unterwegs ist. Doch da ich sowohl CCR mag als auch seine Soloalben (soweit mir bekannt), habe mich nicht lange überreden lassen, mich in das Gewühl der zum allergrößten Teil älteren Herrschaften zu stürzen. Es befanden sich jedoch auch vergleichsweise viele junge Menschen im Publikum, die meist mit ihren Eltern das Event miterlebten.
Fast pünktlich um 20 Uhr kam die Band auf die Bühne und dann auch der Sänger selbst, dem die man 65 Jahre nicht ansieht. Er rockte gleich los mit Up Around the Bend und legte Klassiker um Klassiker nach, bei denen das Publikum fröhlich mitging. Erst der sechste Song war vom aktuellen Album und davon kamen nur noch ein oder zwei weitere. Auch zwei Coverversionen packte er in die 24 Songs (Pretty Woman und Summertime Blues).
Zwischen jedem (!) Song wechselte er die Gitarre und auch die Begleitmusiker zeigten sich multiinstrumentalisch, besonders der vierte Gitarrist, der öfter mal zur Geige, Basstrommel oder Ukulele griff. Neben zahlreichen Wechseln gab es auch so manches Instrumentalsolo auf Geige, Drums, Mundharmonika und Gitarre. Stimmlich war Fogerty voll auf der Höhe und klang wie eh und eh.
Den Club Academy in Manchester habe ich exakt 367 Tage vorher schon mal besucht (Wave Pictures und Jeffrey Lewis), aber da war es lange nicht so voll und ausgelassen wie bei Mando Diao. Die zwei Vorbands (The Hedon Revolution und Sharks) heizten schon mal ordentlich ein und während der Pause wurde die Setlists auf die Bühne geklebt (und fotografiert). Es gab es sofort Diskussionen, welche Songs sie spielen und welche denn nun nicht. Wie zu erwarten, machte das aktuelle Album gut die Hälfte der Songs aus (7 von 13) und meinen Favoriten Down in the Past haben sie sträflicherweise ausgelassen.
Doch diese Gedanken waren egal, als nach und nach die fünf Bandmitglieder plus zwei Backgroundsängerinnen auf die Bühne kamen und ein wenig zurückhaltend loslegten. Sie ließen sich aber schnell vom begeisterten und textsicheren Publikum anstecken und sowohl auf als auch vor der Bühne floss der Schweiß in Strömen. Es war ziemlich hampelig und manchmal erdrückend, aber ich habe trotzdem einige brauchbare Fotos machen können:
Ok, das Letzte ist nicht so gut, aber Keyboarder Mats Björke war hinter den Boxen kaum ordentlich abzulichten. Das dritte Foto könnt ihr aus einer leicht anderen Perspektive und eine Zehntelsekunde früher abgedrückt auch hier ansehen. (Der zugehörige Bericht ist in Schwedisch.) Natürlich wurde auch fleißig per Handy gefilmt und hier gibt es einen gut einminütigen Ausschnitt aus Ochrasy, das Björn und Gustav alleine vortrugen:
Wie schon angekündigt, war ich am Freitag auf großer Fahrt ins regnerische Mecklenburg, um mir +/- anzusehen. Sie spielten im Mau-Club in Rostock, der nicht ganz gefüllt war. Dass ich wegen dem ungünstigen Fahrplan der Bahn in Rostock übernachten musste, erwies sich als Vorteil als meine Anfrage auf Fotografieren mit der DSLR abgelehnt wurde. So konnte ich schnell ins Hostel um die Ecke gehen und die große Kamera gegen meine kleine Knipse umtauschen. Doch ich war ja nicht zum Fotografieren, sondern zum Musik hören und Band gucken gekommen. Damit Ihr auch was davon habt, habe ich eine YouTube-Playliste zusammengestellt und am Ende eingebettet. Vorher gibt es aber noch eine wortreiche Beschreibung von mir.
Um halb elf war es dann endlich soweit und sie legten gleich mit Fadeout vom dritten Album Let’s Build a Fire los. Danach forderte Sänger/Gitarrist Patrick Ramos das Publikum mit “Come Closer” auf, den etwas lächerlichen Abstand zur Bühne zu verkleinern, was auch dankbar angenommen wurde. Danach ging es mit Snowblind vom aktuellen Album Xs on Your Eyes weiter, das live wesentlich lebendiger wirkt, was für alle Songs des Abends galt, denn es wurde richtig gerockt! Mit You’ve Just Got it All (von der EP Holding Patterns bzw. von der neu aufgelegten You Are Here [Extended]) wurden alle drei Alben abgehandelt, die ich kenne. Sänger/Gitarrist James Baluyut erzählte zwischendurch (in erstaunlich gutem Deutsch), dass ihm das lokale Bier – Rostocker – sehr gut schmecke, was das Publikum nicht ganz glauben wollte und was sie alles in den verschiedenen Städten gegessen haben. Bei The Important Thing is to Love übernahm erstmals Patrick das Mikro und dann endlich folgte Unsung auf den ich mich am meisten gefreut habe. Bis hierhin stimmen die gespielten Songs mit der Setlist überein, die ich nach Beendigung des Konzerts ergattern und mit Autogrammen versehen lassen konnte (von oben nach unten Bassist Tony Sanella, Patrick, James, Drummer Chris Deaner – Klick für Vergrößerung):
Überraschung! Ein weiterer Beitrag für das Projekt 52[1]! Jedoch wird es für das Thema Wertvoll ausnahmsweise kein Foto geben (ist keine zwingende Vorgabe), sondern ein gescanntes Blatt Papier. Das mag etwas hergeholt klingen, doch ein Blick auf das Papier bringt Klarheit:
Wer hier öfter mal vorbeischaut, wird wissen, dass ich Fan der Band Glasvegas bin[2] und im September in York auf einem Konzert war. Dort war ich in der allerersten Reihe und konnte nach dem Konzert eine Setlist ergattern. Man sieht (hoffentlich) an den Taperändern und an den Fußspuren, dass es sich um ein Original handelt.
Für das Projekt war der Scan ist ein anspruchsloser Ausweg, doch erstens wollte ich nicht ein klischeehaftes Wertvoll-Bild machen und zweitens ist das wertvoll für mich und zwar sowohl das Papier selber (als Souvenir) und auch das, woran es mich erinnert (das Konzert).
Für Uneingeweihte: Es handelt sich hier um ein Fotografieprojekt, wo jede Woche ein vorgegebenes Thema bearbeitet wird. Mehr dazu unter obigem Link. [↩]
Für mehr Beiträge zum Thema Glasvegas den Tag-Link unter der Überschrift anklicken. [↩]
Die Stadt mit dem beruehmten York Minster (je nach Quelle die groesste gothische Kathedrale in Nordeuropa – andere meinen das waere der Koelner Dom) und weiteren schnuckeligen uralten Gebaueden und Gassen. Ein grosser Kontrast zum sich im Umbruch befindlichen Liverpool.
1. Tag – 16. September – Wunde Fuesse
Nach der ereignislosen Zugfahrt sofort ins Touristenbuero und einen zweitaegigen Yorkpass besorgt (£ 32), der kostenlosen Eintritt in alle Attraktionen bietet. Lohnt sich, denn viele Museen und z.B. das Muenster kosten zwischen £ 5 und 15. Und dann flott zur Jugendherberge und moeglichst viel gesehen, denn die meisten Museen machen um 17h zu.
Natuerlich musste das Muenster als erstes besichtigt werden und es ist wirklich beeindruckend gross. Leider ist das beruehmte Ostfenster (eines der groessten und aeltesten) gerade fuer fuenf Jahre verdunkelt worden. Eine weitere schmerzhafte Erfahrung war das Platzen einer Ballenblase[1] und ueberhaupt faellt mir das Laufen mittlerweile sehr schwer. Danach zur Tour “Snickelways” mit einem Gothic-Fuehrer, der uns (mir und einem aelteren Herren) die kleinen Gassen und Hinterhoefe der Stadt zeigte – eine zweistuendige fantastische Einfuehrung in die Stadt.
Danach noch schnell zum Treasurer’s House, wo ich leider die letzte Tour verpasst habe, aber einen Gutschein fuer den naechsten Tag erhalten habe (wichtig, da der Pass nur einmal Eintritt gewaehrt). Das Haus ist beeindruckend und wurde vom Besitzer komplett mit Moebeln an den National Trust uebergeben. In jedem Raum ist ein Experte, den man fragen kann und die erzaehlen interessante Geschichten, z.B. der Enkel des Chauffers des Besitzers.
Sinnlose und amateurhafte Gedanken hauptsächlich rund um Musik und Fotografieren, ab und zu was über Bücher, Filme + TV, Persönliches, WordPress, Internet und ganz selten auch was zu Politik und Wissenschaft. Das Ganze zu digitalem Papier gebracht von juliaL49.
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