Schlagwort-Archiv: Edinburgh

Liukad #8: Running for Charity

Dieses urbritische Thema wollte ich schon sehr lange behandeln und da es diese Woche persönlich aktuell geworden ist, ergreife ich die Gelegenheit. Doch fangen wir von vorne an.

Wer sich einmal auf die Insel verirrt hat und sich die Läden genauer angesehen hat, dem wird aufgefallen sein, dass es sehr viele sogenannte Charity Shops gibt. Auch in Büchern, Filmen und Serien wird oft auf “Oxfam Shops” hingewiesen. Diese Läden basieren darauf, dass man ihnen Kleidung, Bücher, Krimskrams, und was nicht alles spendet, das sie dann verkaufen. Es sind vor allem Krebs- bzw- Krankheits-Forschungs-Wohltätigkeitsorganisationen, aber auch Organisationen für Obdachlose, christliche Vereine und das besagte Oxfam sind dabei. Und dass Recycling hierzulande erst langsam in Schwung kam, ist (angeblich) auf diese Charity Shops zurückzuführen.

Im gleichen Tätigkeitsbereich gibt es jedes Jahr die Aktionen Children in Need (November) und Red Nose Day (März), wo während eines Telethons[1] und mit Spezialangeboten in Supermärkten und mehr oder weniger verrückten Aktionen von Schulklassen, Privatpersonen, Bürogemeinschaften und überhaupt dem ganzen Land Geld gesammelt wird. Es ist üblich, dass es einen Kuchenverkauf gibt und die Bereitschaft zu spenden ist sehr weit verbreitet und selbstverständlich. In Deutschland werden jährlich um die 3 Milliarden Euro gespendet, während es hierzulande um die 10 Milliarden Pfund sind. Das ist beachtlich, wenn man die geringere Bevölkerung und den höheren Wert der Währung bedenkt (Quellen: UK, D).

Pudsey Bear and Red Noses

Pudsey Bear von Children in Need und die Nasen vom Red Nose Day

The Innertube timelapse – life in Edinburgh’s fastlane

Radeln in einer hügeligen Stadt ist manchmal frustrierend, aber das ist akzeptabel, solange man ordentliche Radwege hat. Edinburgh hat davon eine ganze Menge und die Seite Inntertube Map ist ein Projekt, das diese in den Mittelpunkt rückt. Es gibt einen Faltplan (ja, echtes Papier!) und auf der Webseite kann jeder Geschichten zu einzelnen Strecken oder Punkten einreichen.

Ich habe mich bisher nur am Rande damit beschäftigt, da mein Stadtteil enttäuschend wenig dezidierte Radwege hat (im (interaktiven) Hintergrund der Seite wäre das “südlich” der dunkelgrünen Strecke). Aber folgendes Video macht Lust auf mehr, für diejenigen, die mal in Edinburgh waren, weckt es hoffentlich Erinnerungen und wer einen Besuch geplant hat, wird vielleicht zum Buchen inpsiriert[1]:

Im zugehörigen Blogbeitrag erzählt der Ersteller einiges zum Entstehungsprozess, natürlich auch zum Wetter:

If anything the elements became a part of the story – and if you live in Edinburgh, you’ll appreciate how dramatically it can change from one moment to the next. I was lucky enough to capture some of those moments. I was on Portobello Prom when sunny skies turned to a blizzard of hail, and at the foot of a snow covered Arthur’s Seat only to see it melt within an hour.

Die Musik ist meinem Geschmack nach schrecklich, aber man die ja stumm schalten und was angenehmeres als Hintergrund hören. Viel Spaß!

  1. In Bezug auf Edinburgh gibt es nur die Gruppe derjenigen, die mal hier waren und derjenigen, die unbedingt mal die Stadt besuchen wollen. []

Edinburgh International Science Festival: Richard Feynman, Mars One, bunte Ballons uvm

Morgen geht nach zwei Wochen das Science Festival zuende und ich habe natürlich einige Veranstaltungen (kostenlos wie bezahlt) besucht und viel gelernt.

Ein besonderes Ereignis war die Vorführung der Dokumentation The Pleasure of Finding Things Out über den Physiker Richard Feynman von 1981. Bzw. eigentlich ist es mehr ein langes Gespräch über eben jenes Thema. Der Regisseur/Produzent Christopher Sykes redete andschließend mit Robin Ince über den Film. Natürlich gibt es den auch auf YouTube und wer 50 Minuten Zeit hat, sollte sich das ansehen:

Im Laufe des Gesprächs kamen die beiden auch auf andere Sendungen zu sprechen, die Christopher Sykes mit Richard Feynman erstellt hat. Dabei ging es vor allem um die Serie Fun to Imagine, wo der Nobelpreisträger beim Thema Magnete erstmal die grundlegende Frage “Warum?” bespricht:

Des Weiteren gab es einen Vortrag von Bas Lansdorp über Mars One, seine non-profit Firma, die bis 2023 vier Menschen auf den Mars bringen will. Es ging um die Machbarkeit, die Risiken, die Technologien, die Ernährung, den Zeitplan, Familienplanung, Kolonisation etc. Dabei handelt es sich um eine einfache Fahrt, denn weder existiert die Technologie, um in der dünnen Atmosphäre eine Rakete zu starten, noch würde man es nach der Anpassung an 40% Erdanziehungskraft überleben, wenn plötzlich wieder 1G auf einen einwirken.

Keep on Running

Es ist knapp drei Jahre her, dass ich angefangen habe zu Laufen bzw. mal wieder angefangen habe und dieses Mal dabei geblieben bin. Da ich gestern ein gutes Rennen gelaufen bin, ist es eine gute Gelegenheit diese drei Jahre mal genauer zu betrachten.

So richtig geplant war das nicht, dass ich mit nur vier Wochen Vorbereitungszeit einen 10 km-Lauf absolviere. Ich war Letzte, aber das hat mich natürlich nicht abgeschreckt, denn immerhin habe ich überhaupt die 10 km beendet! Obiges Video bzw. der zugehörige Film waren also tatsächlich eine passende Parallele.

Danach bin ich dabei geblieben dank meiner Motivation aus technischen Gründen (Apps, die die Trainings aufzeichnen), aus Zeitvertreib (Anhören von Hörspielen, hauptsächlich von Big Finish), aus Landschaftsentdeckung (Umzung an den Bodensee), weil man nach praktisch-schicker Ausstattung shoppen kann und einfach weil es Spaß macht und mit der Zeit immer leichter fällt.

Ich habe die folgenden Monate tatsächlich durchgehalten, bin auch im Winter bei Schnee und Eis in Dunkelheit gelaufen. Dafür habe ich zwei Tage die Woche später angefangen zu arbeiten, aber das war es mir wert. Es gab auch Montate, da bin ich nur am Wochenende gelaufen, da die 18 km zu und von der Arbeit mit dem Fahrrad genug Bewegung bedeuteten.

Ein positiver Nebeneffekt ist, dass ich mittlerweile knapp 15 kg an Gewicht abgenommen habe. Das kann aber auch damit zusammenhängen, dass ich nicht mehr eine Packung Snickers am Tag und mehrmals die Woche Big Macs und Chicken McNuggets esse…

Song des Tages: Woodpigeon – Edinburgh

Schon wieder ein Song mit dem Titel meiner Lieblingsstadt! Der Kanadier (!) Mark Andrew Hamilton und seine Kameraden sind anscheinend öfter mal hier unterwegs (ebenso wie in Wien). Dementsprechend hat er hier einige musikalische Freunde gefunden, die man im folgenden Video sehen kann (namentlich Withered Hand, Rob St John und eagleowl[1] ). Natürlich endet das Video mit einem schicken Standbild der Stadt. Oh, der Song an sich ist schnuffig-kuschelig-schön und ist das Anhören wert:


Woodpigeon – Edinburgh (Official Music Video) from Blue Iris Films on Vimeo.
via HeyTube

Wer nur der Musik lauschen möchte, dem sei der Bandcamp-Track empfohlen:

Dort kann man das gesamte Album Thumbtacks + Glue (erschienen letzte Woche) für knackige $8 (kanadische Dollar, ~6 Euro) erwerben.

Und auch in diesem Beitrag möchte ich das Ganze fotografisch untermalen und was wäre besser geeignet als ein paar Verrückte auf den Dächern der Stadt:

Rooftops

Blick über die Dächer Edinburghs

  1. Ersteren habe ich sofort erkannt und auch die anderen kamen mir vage bekannt vor. []

Liukad #7: Council Tax und das Steuerjahr

In deutschen Landen haben die ersten Fleißigen schon ihre Steuererklärung abgegeben, doch hier im UK hat das alles noch Zeit. Ende Januar war kurz die Aufregung bei den Prokrastinierern groß, denn die Deadline für die Online-Abgabe für das Jahr 2011/2012 lief ab (Quelle) und danach muss man Strafe zahlen (gleicher Link, etwas weiter unten).

Doch warum so spät, wird der verwirrte Deutsche fragen. Nun das Steuerjahr geht vom 6. April bis 5. April. Warum das so krumm ist, hängt mit dem Kalenderwechsel im 18. Jahrhundert zusammen (Quelle). Die Briten sind ja gerne traditionell.

Neben der Einkommensteuer gilt dieses Datum auch für den sogenannten Council Tax, den jeder je nach Wert des Wohnraumes bezahlen muss. Das wird dann für lokale Dinge wie Schulen, Bibliotheken und Abfallentsorgung verwendet. Dazu kommen (Ab-)Wasserkosten. In Deutschland ist das für eine Mietwohnung meistens in den Nebenkosten enthalten. Meistens, weil z.B. in meinem vorherigen Wohnort Allensbach jeder Zugezogene seine Müllbeutel inkl. Rechnung beim Rathaus abholen muss und ab dem zweiten Jahr zugeschickt bekommt. Das nur am Rande.

Hier muss man sich bei Einzug für den Council Tax anmelden und je nach Wert des Hauses wird man in ein “Band” eingeteilt, der einem bestimmten Betrag Steuer entspricht. Klingt bescheuert und willkührlich, aber die haben sich sicher was dabei gedacht. Bei Mehrfamilienhäusern gilt das Band pro Wohnung. Dabei wird immer davon ausgegangen, dass zwei oder mehr Personen dort wohnen. Wer alleine wohnt (“when there are fewer than two residents”), bekommt 25% Rabatt, worüber ich sehr dankbar bin.

Liukad #6: Kein Name an der Tür

Eine weitere seltsame Eigenheit hierzulande ist die völlige Ignoranz gegenüber demjenigen, der an einer bestimmten Adresse wohnt. Die Royal Mail hat die Aufgabe, eine Sendung an die angegebene Adresse zu liefen. Egal, ob die dort lebende Person mit dem Namen auf dem Brief übereinstimmt. Klingt komisch, ist aber so.

Es ist wesentlich seltener, dass ein Name an der Türklingel oder an der Wohnungstür steht. Die meisten Mehrfamilienhäuser und Apartmentblocks haben nur Nummern als Klingel. Das heisst entsprechend, dass auf jeden Fall die Wohnungsnummer in der Adresse enthalten sein muss. Manche Häuser haben auch Namen, so dass dies als Angabe ausreicht. Da die Postleitzahlen oft auf eine einzige Strasse hinweisen, reicht es theoretisch, Hausnummer (plus Wohnung) und die Postleitzahl anzugeben und der Brief kommt an!

Normal

Man könnte jetzt denken, dass so Nachsendeaufträge schwer möglich sind, aber irgendwie schafft die Royal Mail das doch. Theoretisch zumindest, ich habe es noch nicht ausprobiert. Soweit ich das verstanden habe, ist das auch kostenlos und auf unbestimmte Zeit. Die Deutsche Post dagegen verkauft nur sechs- oder zwölfmonatige Weiterleitungen.

Anscheinend ist das den meisten Menschen aber nicht bewusst oder egal, denn ich bekomme regelmäßig Post für meine Vormieter. Ich weiß, dass einer eine Fahrschule hat(te), einer ein Kind, das Impfauffrischungen braucht, dass einer keine Kreditkarte von seiner Bank möchte und dass einer demnächst wieder einen kostenlosen Augenuntersuchungstermin wahrnehmen kann[1].

no junk mail

Liukad #5: Schnee

Ja, auch hier schneit es manchmal und die letzten Tage sogar ein paar Zentimeter, die sogar noch bleiben sollen. So sah es gestern morgen beim Blick aus dem Fenster aus:

Es schneit tatsächlich auuch in Schottland

Schneeflöckchen, Weißröckchen, wwwmmmmbbmmbwbwwwbbb

Am Dienstag gab es die erste Ladung und durch ungünstige Umstände (Schneefall mittags, Sonne nachmittags, Frost nach Einbruch der Dunkelheit) war der Heimweg eine große Rutschpartie. Mich hat es zweimal mit dem Rad hingelegt, da meine schicken blauen Rennradreifen kein Profil haben. Mein Steißbein tut jetzt noch weh und ich bin den Rest des Weges (inkl. Umweg, da an der Landstraße kein Gehweg ist) nach Hause gelaufen.

Doch das soll nicht Thema sein. Das Problem war, dass trotz Priorität 1 der fraglichen Straßen noch nicht gestreut war, obwohl einige Stunden seit Schneefall vergangen waren. Laut dem Plan der Stadtverwaltung werden diese Straßen vorsorglich und als erstes bei Schnee und Eis gestreut. Pustekuchen! Selbst am nächsten und übernächsten Tag waren noch Eisreste zu sehen[1].

Es schneit doch öfters.

Im Dezember war es nur ein bisschen Puderzucker

Hier wird einfach anders kalkuliert und das Chaos bei den seltenen Wintereinbrüchen in Kauf genommen. Wie Konstantin schon schrieb (Bericht aus London), gibt es wesentlich weniger Räumfahrzeuge und kaum Winterreifen. Ich habe das Thema mal auf Arbeit angesprochen und keiner wusste, dass die sich schon ab 7°C lohnen und nicht nur bei Schnee sinnvoll sind. Kann das evtl. mit Versicherungen zusammenhängen? Ich meine, dass in Deutschland ein Anreiz besteht, mit Winterreifen zu fahren.

Musik des Jahres 2012 (Blog-Parade von cimddwc)

Logo Musik des Jahres 2012Eine Dreikönigstradition ist die Beendigung der Blog-Parade von cimddwc zur Musik des vergangenen Jahres. Auch ich mache wieder mit, wobei sich mein Musikkonsum im letzten Jahr radikal geändert hat.

Ich war auf so vielen Konzerten wie nie (Liste bei last.fm), was natürlich mit meinem Umzug nach Edinburgh zusammenhängt. Aber auch in Konstanz und “Umgebung” ist einiges los, wenn man es darauf anlegt. Mein Konzertkonsum hat entsprechend diktiert, was ich für Musik höre, sowohl in Vorbereitung als auch als Nachklang. Aber die größte Veränderung war, dass ich kaum noch Musik gehört habe. Weder unterwegs noch auf Arbeit oder zu Hause habe ich mehr als ein paar Mal Musik gehört. Vielleicht ändert sich das ja in diesem Jahr wieder.

Jedenfalls kann ich dennoch meinen jeweiligen Favoriten in Song, Album und Konzert herauspicken, auch wenn es nicht so eindeutig wie in den Jahren zuvor war.

Song des Jahres

Eine etwas ungewöhnliche Wahl, aber den größten und langanhaltensten Eindruck hat Hitchhiker’s Guide to the Galaxy Radio Show Live gemacht. Die Show habe ich im Juli besucht und danach die zugehörige Aufnahme entstanden, die als der Song des Jahres zählt. In Edinburgh war Neil Gaiman das Buch und das hat natürlich zum positiven Gesamteindruck beigetragen.

(hoffentlich könnt Ihr den Trailer ansehen in diesem zurückgebliebenen Land von Deutsch)

Album des Jahres

Die Band Meursault war mir vorher als etwas knarzige und eigenwillige Kapelle bekannt und warum ich ein Ticket zur Albumeröffnung erstand, ist mir bis heute ein Rätsel. Allerdings ist Something for the Weakend ein eher untypisches Album für die Band (Labelseite). Das Konzert war gänsehautig und das Album ist ebenso beeindruckend.