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Serienkritik: Black Books

Es ist schon eine ganze Weile her, dass Josie mir diese Serie empfohlen hat und nach meiner Begeisterung für Spaced, The IT Crowd und Father Ted war es Zeit für Black Books (warum, das kriegen wir später). Wir haben es hier mit einer britischen Sitcom zu tun, die über drei Staffeln und 18 Folgen einen Einblick in das Leben dreier grummeliger Taugenichste bietet.

Black Books

Die Handlung spielt fast ausschließlich in der namensgebenden, schäbigen Buchhandlung von Bernhard Black (Dylan Moran), der sich vor allem durch reichlichen Alkoholgenuss, Zigarettenkonsum, Misanthropismus und einen charmanten irischen Akzent auszeichnet. Seine aus unerfindlichen Gründen beste Freundin ist Fran Katzenjammer (Tamsin Greig), die den Krimskramsladen nebenan führt bzw. ab der zweiten Staffel auf Arbeitssuche ist. Um die Geschichte in Schwung zu bringen, stößt am Anfang Manny Bianco (Bill Bailey) dazu, der seinen stressigen Job als Buchhalter für das ruhige Leben als Mädchen für alles aufgibt.

Die Geschichten sind oft zu absurd, um real zu sein, aber das ist man ja von der Insel gewöhnt. Es ist ein Rätsel, wie der Buchladen mit solch inkompetenten und kundenunfreundlichen Mitarbeitern sich halten kann, aber das ist man ja von Sitcoms gewöhnt. Thematisch dreht es sich öfter um die Spannungen zwischen Manny und Bernhard und auch hier ist es sehr realitätsfern, wie ersterer immer wieder trotz der schlechten Behandlung durch letzteren zurückkehrt. Würde ich aber auch machen, denn wer kann schon John Cusack widerstehen?!?

Black Books: The Entertainer

Serienkritik: Spaced

Spaced-DVD“Tonight is gonna be a large one” ist der Untertitel des Blogs von bullion und seit einigen Tagen weiß ich endlich, woher der Spruch stammt, nämlich aus der britischen Sitcom Spaced. Bevor jetzt alle schreiend davon rennen, bleibt mir noch ein bisschen gewogen und lasst Euch davon überzeugen, dass wir es hier mit einem Meisterwerk zu tun haben!

Vor über zehn Jahren lief die erste Staffel und in den sieben Episoden erfuhren wir vom Leben einiger durchgeknallter und doch völlig normaler Mittzwanziger in London. Tim ist ein Comiczeichner, der es bisher zum Aushilfsverkäufer in einem Comicshop gebracht hat und er zieht mit Daisy zusammen, die gerne Schriftstellerin wäre, aber bis auf einige fragwürdige Selbsthilfeartikel noch nie was veröffentlicht hat. Rund um die beiden gibt es schrullige Freunde und Hausbewohner und sehr, sehr, sehr viele popkulturelle Anspielungen, besonders Filme und Videospiele, die der typische Geek gut findet und entsprechend auch erkennt.

Der Grund für die vielen Anspielungen liegt im Team begründet, die selber große Film-, Comic- und Videospielfans sind. Die Rede ist von Simon Pegg (Tim, Drehbuch), Jessica Stevenson (Daisy, Drehbuch) und Edgar Wright (Regie), die einige Jahre später durch Shaun of the Dead richtig berühmt wurden. Auch Nick Frost ist mit von der Partie und macht in seinem ersten Schauspieljob eine hervorragende Figur. Überhaupt sind alle Charaktere, Haupt wie Neben wie Gast, hervorragend besetzt und Kenner des britischen Fernsehens werden auf viele bekannte Gesichter treffen (Bill Bailey, David Walliams, Mark Gatiss, John Simm, Lee Ingleby, Ricky Gervais, …). Die Besetzung alleine würde keine tolle Serie ausmachen, aber die knackigen Drehbücher und filmische Regie perfektionieren das Unterhaltungspaket.

Serienkritik: State of Play

State of Play DVD-CoverGerade auf der Suche nach sechs Stunden fantastischer Unterhaltung? Wenn ja, dann auf jeden Fall weiterlesen, wenn nein, dann trotzdem, denn es lohnt sich! Die BBC-Serie State of Play von 2003 hört sich der Beschreibung nach an wie ein politischer Journalisten-Thriller im Sinne von All The President’s Men/Die Unbestechlichen. Das Geniale an der Umsetzung ist jedoch, dass all die ikonischen Ideen vom Film integriert und mit unerwarteten Wendungen erweitert wurden.

Es beginnt damit, dass an einem gewöhnlichen Morgen ein schwarzer Junge erschossen wird und etwa zur gleichen Zeit eine Regierungsangestellte auf den Gleisen der Londoner Underground den Tod findet. Wie sich herausstellt, haben diese beiden Fälle natürlich etwas miteinander zu tun. Die junge Frau arbeitete für den Abgeordneten Stephen Collins (David Morrissey) aus Manchester[1] und der ist befreundet mit dem Reporter Cal McCaffrey (John Simm). Die etwas übertrieben wirkende Reaktion von Collins zum Tod seiner Angestellten während der Pressekonferenz bringt den Stein ins Rollen und bald ist ein ganzes Team von Reportern auf den Spuren des Falls bzw. der Fälle bzw. des zusammenhängenden Falls.

Es kommt keine Sekunde Langeweile auf, denn das vorgelegte Tempo ist scharf. Dabei kommen kleine humoristische Einstreuungen nicht zu kurz und sogar für einige wiederkehrende detailreiche Nebenfiguren reicht es. Details sind überhaupt das Stichwort, denn davon gibt es viele. Ich hatte jedoch nie das Gefühl den Faden zu verlieren, weil immer genau in der richtigen Menge dosiert neue Informationen übermittelt und mit vorhandenen Informationen verbunden wurden.

Englisch lernen mit TV-Serien #25: to not split infinitives

Im neuen Jahr feiert meine Serie über Serien ihr vierteljahrhundertliches Jubiläum und das wird genutzt, um ein kontroverses Thema zu behandeln, das selbst unter Grammatikexperten umstritten ist. Es gibt ein sehr berühmtes Gegenbeispiel, das vom Autor des heutigen Beispiels verballhornt wurde. Zu beidem später mehr.

Aufgegriffen wird das Thema in einer Doctor Who-Folge, die in jeder Bestenliste auftaucht und von vielen Fans als eine ihrer Lieblingsfolgen angesehen wird[1]. Es handelt sich hierbei um City of Death, eine Folge aus der 17. Staffel mit Tom Baker als dem vierten Doktor, der aber in der fraglichen Szene überhaupt nicht auftaucht, sondern der Graf Carlos Scarlioni, der nicht das ist, was er zu sein scheint und seine Frau hat das herausgefunden:

COUNTESS
Now, who are you?

COUNT
I am Scaroth.

COUNTESS
Scaroth?

COUNT
Last of the Jagaroth.
It has not been difficult keeping secrets from you, my dear. A few fur coats, a few trinkets, a little nefarious excitement.

COUNTESS
What are the Jagaroth?

COUNT
The Jagaroth, an infinitely old race and an infinitely superior one. I shall show you what you want to know my dear.

(COUNT REMOVES HIS HUMAN FACE TO REVEAL HIS TRUE FORM)

COUNT (DISTORTED VOICE)
I am Scaroth. Through me, my people will live again.
I’m glad to see you’re still wearing the bracelet I designed for you, my dear. It is, as I said, a useful device.

(BUZZING)

(COUNTESS SCREAMS IN AGONY AND COLLAPSES)

COUNT
Goodbye, my dear. I’m sorry you had to die. But then, in a short while, you will have ceased ever to have existed.

  1. Beim Whocast etwa wird angeraten, die Folge auswendig zu lernen. []

Serienkritik: Jekyll

Jekyll DVD-CoverWenn eine Fernsehserie mich so sehr begeistert, dass ich alle Folgen hintereinander gucke, dann muss diese mit einem eigenen Eintrag gewürdigt werden. Es handelt sich um Jekyll, eine sechsteilige BBC-Serie von Steven Moffat. Man sollte sich unbedingt die DVD-Box besorgen, doch dazu mehr am Ende des Artikels.

Die Geschichte Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde von Robert Louis Stevenson sollte jedem zumindest ungefähr bekannt sein – irgendwas mit Verwandlung, böse und gute Seite etc. Die Serie Jekyll spielt mit diesem Thema, ist jedoch in gewissem Sinne eine Fortsetzung oder man könnte auch sagen, moderne Variante der Geschichte. Dementsprechend spielt die Handlung in der heutigen Zeit und die Hauptperson ist Dr. Jackman, gespielt von James Nesbitt. Gleich am Anfang wird man mitten ins Geschehen geworfen und so völlig in den Bann gezogen. Der Zuschauer erfährt dennoch erst nach und nach, worum es genau geht, z.B. bekommt man den “Anderen” erst verhältnismäßig spät zu sehen.

Die physische Verwandlung ist nicht so extrem, wie man das von vorherigen Verfilmungen kennt, aber deutlich genug und Jimmy Nesbitt macht seine Sache ganz hervorragend, so als ob es tatsächlich zwei verschiedene Personen wären. Ein bisschen Make-Up und CGI-Effekte unterstützen da nur die unterschiedliche Körpersprache und Sprechweise. Wunderbar auch, wie sich das Verhältnis im Verlauf der Geschichte ändert und sich den Gegebenheiten anpasst.

Stichwort Verlauf. Die Ereignisse sind in den wenigsten Fällen vorhersehbar, was auch durch hervorragend eingesetzte Rückblenden verwirklicht wird. Es gibt keine wirklichen Cliffhanger am Ende einer Folge, aber man möchte dennoch wissen, wie es weitergeht und so kann es eben kommen, dass man alle Folgen bis spät in die Nacht anschaut.

Englisch lernen mit TV-Serien #11: to dovetail

Hallo und “Have you tried turning it off and on again?” oder so ähnlich. Keine Angst, ich bin nicht verrückt geworden (bzw. noch verrückter), ich habe nur diese Woche drei Staffeln IT Crowd[1] in der Limited Internet In A Box-Edition erhalten (Beitrag mit Bild). Und da ich die Szene, in der das Internet als Box vorgestellt wird, in meiner Englisch-Lern-Serie schon verwendet habe, kommt hier eine andere Folge zu Ehren.

Das heutige Wort kommt nicht im normalen Dialog vor, sondern im Audiokommentar von Drehbuchschreiber/Regisseur Graham Linehan (Blog, Tumblelog). In der Folge 2.04 The Dinner Party verkuppelt er einige Charaktere und er erklärt, wie das zustande kam. Man stelle sich die folgenden Zeilen mit einem irischen Akzent vor:

Really, it’s just a way of life making easy for myself by separating the storylines and then following them and not having to integrate everything. And that’s probably another reason why this show remained kind of underwritten up until the last moment. I probably thought less work needed to be done because there was no integration and because the plot lines weren’t dovetailing.
But at the same time I’ll often fall back on – it might be a little bit lazy – but I’ll often fall back on pairing people off and getting them into separate storylines.

  1. Es ist übrigens egal, ob man das eitieh oder itt ausspricht. Beides ist möglich und die Doppeldeutigkeit ist beabsichtigt. []

Abendlicher Fernsehgenuss auf Jahre hinaus gesichert

Whomania! Sicherlich haben es die meisten schon mitbekommen, dass ich Fan der britischen Serie Doctor Who bin, die vor einigen Jahren ihre Wiederbelebung erfahren hat. Die ersten zwei Staffeln liefen mittlerweile auch in Deutschland, allerdings mit mäßigem Erfolg[1]. Die erste Staffel von 2005 wird gerade wiederholt (Sendetermine) und die allerallererste Staffel von 1963 werde ich ab heute auch genießen können. Bei folgendem Bild könnt Ihr wahlweise vor Neid erblassen oder Euch mit mir freuen, dass nun praktisch unabhängig von Fernsehprogramm bin:

Doctor Who DVDs (William Hartnell Era)

Die Extras sind für eine DVD – pardon Serie – dieses Alters hervorragend, z.B. mit Audiokommentaren, Specials und einer bisher ungesendeten Folge. Und da das durchgängig für alle bisher erschienenen DVDs gilt, wird hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft meine Sammlung ungefähr so aussehen. Darüber hinaus ist der Vokabelnachschub für meine Serie Englisch lernen mit britischen TV-Serien gesichert.

In diesem Zusammenhang möche ich auch noch auf einige (lose mit dem Thema verwandte) Links verweisen. Den Anfang macht das Projekt Gegen Synchronisation, das gute Gründe aufführt, die ich nur unterschreiben kann (hab ich auch). Eine Diskussion mit gegenteiligem Anfang gab es vor zwei Wochen bei Schaps. Ein anderes Thema ist die Musik in Serien, die auf DVDs oft ausgetauscht wird. Dazu gibt es einen exzellenten Beitrag bei den fünf Filmfreunden.

  1. Was nicht verwunderlich ist, bei ungünstigen Sendezeiten, kaum Werbung und mit groben Schnitzern versehen. Ach ja, die Sychronisation war auch grässlich. []

Pfingstwochenende auf dem roten Planeten

Am vergangenen Wochenende habe ich mir eine große DVD-Dosis verpasst.[1] Neulich habe ich mir die UK-Version von Life on Mars* zugelegt.[2] Und da gibt es viel, viel Bonusmaterial. Zum einen gibt es zu jeder Folge einen Audiokommentar und dann noch auf jeder der vier DVDs Extras wie z.B. Out-takes. Herrlich! Nicht nur eine spärliche Bildergalerie wie bei der deutschen DVD-Box.

Die Folgen im Original habe ich neulich schon mal gesehen. Aber an diesem Wochenende habe ich mir die volle Dröhnung Extras gegeben. Jeweils eine Doku und dann zwei Folgen mit Audiokommentar. Man erfährt sehr viele Hintergrundinformationen und fühlt sich eingeweiht. Hier z.B. dass Sam wirklich in jeder Szene dabei ist und dass ich mit meiner Annahme Life on Mars = Die Zwei + Zurück in die Vergangenheit gar nicht so falsch lag. Ich liiiieeeebe Audiokommentare. Vielleicht liegt das auch an meiner Vorliebe für die eher technische Seite von Filmen und Serien (Enstehungsgeschichte, Drehorte, Ausleuchtung, SchauspielerInnen etc.). Deshalb kann ich auch Fan-Fiction nicht so viel abgewinnen.

Life on Mars, Die Zwei, Quantum Leap

Vielleicht schaffe ich es ja heute noch, die acht Folgen so anzuschauen. Das ist ja wieder ein neues Erlebnis, jetzt wo ich mehr Details und Zusammenhänge von der Entstehung kenne. Und auch, weil ich jetzt mit Untertiteln gucken kann und Gene’s Kommentare noch besser verstehen kann. Dazu eines meiner Lieblingszitate aus der ersten Folge (gefunden auf WikiQuotes)

Das Leben der Anderen wieder aktuell

Das Leben der AnderenErst am Wochenende habe ich mir Das Leben der Anderen mit Audiokommentar von Drehbuchautor und Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck angesehen. Als der Film rauskam und auch noch dann als er den Oscar gewann, habe ich gedacht, den schaue ich mir nicht an, weil der nicht gut sein kann. Aber da lag ich völlig daneben. Von Donnersmarck hat fünf Jahre dafür recherchiert und sich mit vielen Menschen getroffen (Opfer und Täter) und wohl ein sehr wahrheitsgetreues Bild abgeliefert. Aus diesem Grunde durften sie auch im Original-Stasi-Archiv drehen. Jeder, der den Film noch nicht gesehen hat, dem empfehle ich das dringend nachzuholen. Und dafür sollte man sich die DVD beschaffen (ausleihen oder kaufen) und sich den Audiokommentar ansehen. Es lohnt sich!!! (Bildquelle: Wallpaper von der offiziellen Seite)

Warum ist der Film wieder aktuell? Nun, mittlerweile hat es wohl jeder mitgekriegt, dass wieder Geruchsproben genommen wurden im Rahmen der Festnahmen von G8-Gegnern. Im SPON-Artikel heißt es

Die Probennahme hat besonders auch bei früheren DDR-Bürgerrechtlern Entsetzen ausgelöst. “Eine solche Praxis erinnert mich an Stasi-Methoden”, sagte der ostdeutsche Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD). Er warnte im Zusammenhang mit dem Vorgehen gegen die G-8-Gegner vor Hysterie, “die zu Polizeistaatsmethoden à la DDR führen”.

Unverständlich dagegen finde ich die Reaktion von Westerwelle, der meinte:

Ein Bundestagsvizepräsident, der die deutsche Polizei eines Rechtsstaates gleichsetzt und vergleicht mit der Stasi, der ist meines Erachtens für solche Ämter nicht geeignet.

Quelle: Tagesschau vom 23. Mai um 20.00 (Beitrag “Innere Sicherheit”, bei etwa 1m44s).

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