7. Geburtstag mit sieben Videos

Das verflixte siebte Jahr hat mein Blog also soweit überstanden. Zu feiern gibt es nicht viel, denn die ganzen vielen Konzerte, auf denen ich in den letzten Wochen und Monaten war, sind praktisch spurlos am Blog vorbeigegangen. Dennoch haben mich diese und kommende Konzerte zu einer Videoparade inspiriert. In den letzten Tagen haben irgendwie viele der Bands, denen ich auf Twitter folge, neue Videos veröffentlicht und um die soll es nun hier gehen (mit Hinweis auf Konzert, falls relevant). Happy Birthday 49 Suns!

Falls Ihr die Videos aufgrund von Geoblocking nicht ansehen könnt, müsst Ihr mich besuchen kommen, oder sowas wie Proxtube installieren.

Frightened Rabbit – Woodpile
26.02.13 HMV Picture House, Edinburgh

Hey Rosetta! – Carry Me Home
13.11.12 The Voodoo Rooms, Edinburgh

Stornoway play Sounds from a Room (Session)
13.02.13 Oran Mor, Glasgow

Race Horses – My Year Abroad
14.02.13 Alhambra Theatre, Dunfermline

Various Cruelties

Trapped Mice – Arthur’s Seat

via Hey Tube

Rachel Sermanni – Breathe Easy
15.10.12 Pleasance Theatre, Edinburgh

Liukad #4: Temperaturunempfindlichkeit

Die Temperaturen sind auch hierzulande mittlerweile um die Null Grad und wir hatten sogar schon ein paar Schneeflocken. Als Normalsterblicher begegnet man diesem Naturereignis mit entsprechend angepasster Kleidung. Briten, und ganz besonders Schotten, fallen allerdings nicht in diese Kategorie. Die laufen immer noch hier und da mit T-Shirts oder kurzen Stoffhosen und Chucks durch die Gegend. Seitdem ich darauf achte, sind die Jogger in Shorts in der eindeutigen Mehrheit. Selbst bei knapp unter Null und Eis auf den Straßen lässt die präferierte Laufkleidung die Beine frei. Zu beobachten z.B. auch beim Great Winter Run vor vier Jahren:

Great Scottish Winter Run 2009

Beim nächsten Mal werde ich auch dabei sein, aber garantiert mit langer Hose und Thermounterhemd. Ich habe mal einen Läufer gefragt, warum er denn unbedingt Shorts anzieht und er meinte “they are much more comfortable than those long running tights”. Seltsame Vorstellung von Komfort! Als Test bin ich auch einige Male bei ca. fünf Grad mit Dreiviertelhose laufen gewesen und es ist tatsächlich auszuhalten. Kurzärmelig würde ich allerdings nicht empfehlen, denn die Arme frieren sonst evtl. ab. Auf dem Rad werde ich das nicht testen, wobei ich in den letzen Tagen einige Unerschrockene mit knielangen Hosen gesehen habe.

Ein Argument, das ich öfter gehört habe, war “You dress for the second mile”. Das hat tatsächlich seinen Sinn, denn auch wenn man anfangs friert, hat man den ganzen Rest der Strecke adäquate Kleidung. Ist allerdings doof, wenn man nicht munter durch die Gegend radelt, sondern bibbernd an der Bushaltestelle steht.

Gestrandet in Glasgow

Gestern Abend war ich auf einem Konzert der Wave Pictures (mein mittlerweile drittes) und es war sehr spaßig. Sänger David sah ein bisschen blass und aufgedunsen aus und ich hoffe nicht, dass die Flasche Jack Daniels, an der er nebenher genippt hat, ein böses Zeichen ist. Allerdings waren alle drei in guter Stimmung und besonders David hat viele Soli gespielt.

Darum soll es hier aber überhaupt nicht gehen, wie die Überschrift verraten haben wird. Das Konzert endete nach drei Zugaben (insgesamt 18 plus zwei Vorbands) um halb zwölf. Das war perfekt, denn um Mitternacht und fuhr der vorletzte Zug. Ich kam überpünktlich am Bahnhof an und habe mich erstmal nicht gewundert, dass kein Gleis für den abfahrenden Zug angegeben wurde. Es gab nur zwei ankommende Züge aus Edinburgh um 0:01 und 0:26.

Erst sehr langsam dämmerte es mir, dass keiner mehr zurück fuhr. Ich hatte die Zeiten zweimal geprüft, aber irgendwie muss ich einen Knick in der Optik gehabt haben.

Jedenfalls habe beim Warten in der Taxischlange nach Hostels und Hotels gesucht und mehrere angerufen. Samstags in Glasgow ist aber ohne Reservierung nichts zu machen. Schlussendlich habe ich was gefunden, was wenige Gehminuten entfernt war und preislich verschmerzbar.

Frühstück

Hmm, lecker und reichhaltig

Das Zimmer war kurzfristig aufgrund eines Notfalls frei geworden und ich konnte zugreifen. Ich habe sogar ein Ladegerät ausleihen können, das einem Mitarbeiter gehört, so dass ich nicht völlig informations- und weckerlos die Nacht überstehen musste.

Immerhin hat man mir mein Frühstück schon in einer braunen Papiertüte ausgehändigt. Das besteht aus einer Mini-Cornflakes-Packung[1], einer Mini-Milchflasche (250ml!!) und einem Orangensaft.

Edinburgh in Bild und Ton

Aus Anlass des Nationalfeiertages waren am vergangenen Wochenende einige hochkarätige Attraktionen in ganz Schottland kostenlos zu besuchen, inklusive des Edinburgh Castle. Das habe ich zwar schon sehr oft besucht, weil ich vor zehn Jahren Mitglied bei Historic Scotland war, aber das ist eben schon eine Weile her. Da es aber auch im Winterhalbjahr mit immerhin £14,50 zu Buche schlägt, war der kostenlose Eintritt ein willkommener Anlass.

Das Wetter war knackig kalt mit blauem Himmel, d.h. die Menschenmassen blieben aus und man konnte schöne Bilder machen. Das habe ich entsprechend auch getan:

Looking north from Edinburgh Castle

Arthur

Scottish National War Memorial at Edinburgh Castle

Ich habe auch zwei Panoramen angefertigt, die natürlich am besten in der Lightbox direkt bei flickr anzusehen sind.

Passend dazu haben die White Tapes einen Song der Lake Poets mit dem Titel Edinburgh empfohlen und den gibt es hier auch anzuhören. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass die Aussprache der Stadt von diesen englischen Banausen komplett falsch ist (es muss /ˈɛdɪnbʌrə/ ED-in-burr-ə heißen):

Leben im UK als Deutscher (Liukad) #3: Sahne

Willkommen zum dritten Teil meiner kleinen Serie, wo es diesmal um die angekündigte Sahne gehen soll. Wie auch bei der Milch gibt es hier fetthaltige Unterschiede. Wie ich gerade bei Wikipedia gelernt habe “ist [Sahne] physikalisch gesehen eine Emulsion von Milchfett in Wasser, die daraus durch Emulsionsumkehr hergestellte Butter eine Emulsion von Wasser in Milchfett.”

Muss man nicht unbedingt wissen, denn es reicht, dass es in Deutschland süße und saure Sahne gibt. Grob gesagt. Bei der sauren kann man noch Schmand und Crème fraîche hinzuzählen, aber meine Geschichte handelt von Schlagsahne. Ich stand im Supermarkt und brauchte für einen Nachtisch (für geladene Gäste!) Schlagsahne, d.h. whipping cream, die aber nicht aufzufinden war. Es gab nur single, double und clotted cream. Da mir die double cream als viel zu dick und schwer in Erinnerung war, habe ich single cream genommen, was ein fataler Fehler war.

Crème chantilly

Nach mehreren Minuten vergeblichen Rührens habe ich parallel auf dem Handy im Internet nach Erklärungen gesucht und herausgefunden, dass die 18% Fett nicht ausreichen, denn damit die Sahne steif wird, benötigt es mindestens 30%. Wieder was gelernt! Die single cream wird hier so wie sie ist über den Kuchen oder die Erdbeeren gegossen. Mir kommt das nicht sehr appetitlich vor, aber ist sicherlich nur Gewöhnungssache.

Umgekehrt rümpfen die Briten sicherlich die Nase über die deutsche Kaffeesahne mit 10%. Diese wird zwar immer seltener benutzt, aber meine Großeltern können sich kaum etwas anderes in den Kaffee vorstellen. Hierzulande ist das wiederum die half cream (12%, laut Wikipedia “uncommon, some cocktails”). Für den deutschen Kaffee wird vielleicht noch Kondensmilch akzeptiert, welche normalerweise 10% Fettgehalt hat.

Song des Tages: Cancel The Astronauts – I Am The President Of Your Fanclub (And Last Night I Followed You Home)

Mit einem solchen Titel hat man natürlich meine Aufmerksamkeit! Und wenn eine Band aus Edinburgh kommt erst Recht. Die Aufmerksamkeit kam allerdings schon vor einigen Jahren und zwar – glaube ich – über Nicorola, der zwei Beiträge über Cancel The Astronauts verfasste (mit singulärem Titel, tsts). Jedenfalls ist die EP mit dem Stalker-Fan-Titel kostenlos auf Bandcamp zu haben:

Im September brachte die Band das erste Album heraus, Animal Love Match, und es sollte am Wochenende vorher eine Album Launch Party geben. Diese musste jedoch kurz vorher abgesagt werden, da der Club aufgrund verärgerter Nachbarn keine Konzerte geben konnte. Morgen (passenderweise am St. Andrews Day) wird diese nun nachgeholt und ich bin dabei. Hoffe ich, denn das Ticket hat wohl die Post verschlampt. Wir werden sehen. Bis dahin stalke ich die Band weiter…

Leben im UK als Deutscher (Liukad) #2: Wohnungssuche

Nachdem der erste Liukad-Beitrag gut ankam und nach mehr verlangt wurde (und die Kommentare jetzt wieder funktionieren), geht es nun mit dem nächsten Thema weiter.

Als ich im Juni hierher gezogen bin, war natürlich meine dringenste Frage die nach einer Wohnung. Die erste Zeit konnte ich günstig über die Uni im Studentenwohnheim wohnen, aber das hatte ich optimistischerweise für maximal einen Monat eingeplant.

Es hat auch tatsächlich geklappt, dass ich nach zwei Wochen schon in meine eigene Wohnung einziehen konnte. Ein bisschen Glück und Kompromiss war allerdings dabei. Mein Vorteil war, dass der turnover[1] die Fluktuation sehr hoch ist. Die durchschnittliche Zeit in einer Mietwohnung ist wesentlich kürzer als in Deutschland. Das hat meiner Meinung nach zwei Hauptgründe: möblierte Wohnungen und kurze Kündigungszeiten. Dazu kommt, dass nicht der Mieter die Maklergebühren zahlt (falls anwendbar), sondern der Vermieter und dann sind auch nur um die £75 für eine erfolgreiche Vermittlung fällig.

Umzugskartons

am Tag nach dem Einzug sah es noch etwas chaotisch aus

Die Suche läuft nach völlig anderen Kriterien, denn die Größe einer Wohnung wird nach Schlafzimmern berechnet, d.h. eine Zweizimmerwohnung wird als “1 bedroom flat” bezeichnet. Die Grundfläche wird selten angegeben (eher bei Verkauf als bei Vermietung) und einen Grundriss gibt es nur in Ausnahmefällen. Wie soll man denn da wissen, ob die Wohnung geeignet ist? Da hilft nur Anschauen. Das lässt sich zum Glück schnell arrangieren.

Und es begab sich vor 49 Jahren

Als in Amerika die Welt unterging, wurde in Großbritannien eine neue erschaffen. Zwar nur im TV, aber an dieser wird bis heute weiter gebaut und war an mehreren Baustellen, d.h. parallel (Spin-Offs) und in anderen Medien außer TV (Audio, Buch, Comic). Da 49 meine Lieblingszahl ist, gibt es zum 49. Geburtstag eine Übersicht über alle 226 Stories bis zum letzten Christmas Special (#226) und die Spin-Offs. Wenn man es genau nimmt, sind es fast 800 Episoden, aber das würde potentielle, neue Fans nur abschrecken. Ach so, es geht um Doctor Who:

Im Channel von BabelColour gibt es viele weitere Tributes, z.B. die einzelnen Doktoren, Companions und Monster.

Update: Ich habe den Veröffentlichungszeitpunkt geändert, so dass er genau mit der Erstausstrahlung übereinstimmt.

Leben im UK als Deutscher (Liukad) #1: Milch (und Einheiten)

Es sind nun schon über sechs Wochen seit meinem letzten Eintrag vergangen und so möchte ich Euch endlich mal am täglichen Leben hier in Schottland teilhaben lassen. Es gibt kaum große, aber viele, kleine Unterschiede, die mir auffallen und die möchte ich in einer neuen Beitragsserie vorstellen. Wenn Euch das zusagt/interessiert, lasst es mich wissen[1].

Inspiriert wurde ich von einem gestrigen Erlebnis, das mich beinahe in die Verzweiflung getrieben hat. Es geht um Milch. Man könnte denken, das ist in Europa alles ähnlich, aber er gibt gewaltige Unterschiede! Bevor wir ins proteinliche Detail gehen, beschäftigen wir uns zunächst mit dem Empire.

Ja, hier wird häufig noch in imperialischen Maßen gerechnet. Vor zehn Jahren war es viel schlimmer, da musste man schon Glück haben, dass auf der Packung die Angabe in ml ebenfalls angegeben wurde. Mittlerweile ist diese Angabe zwingend notwendig (meine ich), aber es gibt meist noch in Klammern oder in kleiner Schrift die Menge in fl oz (1 fluid ounce = 28,4 ml). Damit einhergehend haben sich auch die Packungsgrößen angepasst, d.h. Sahne wird z.B. im 300 ml Becher verkauft und nicht als 10 fl oz (= 284 ml). Zur Sahne komme ich in einem gesonderten Eintrag noch einmal zurück (und warum ich gestern fast verzweifelte).

Frischmilch hingegen wird immer noch in Pintgrößen verkauft und zwar in allen erdenklichen: ½ 1, 2, 3, 4, 6 Pint. Der Grund ist, dass es billiger wird, je mehr man kauft. Außer für Extremtrinker und Großfamilien ist es aber extrem unpraktisch, 3½ Liter-Kannen zu kaufen und so bezahlt man eben mehr.