Greifswald: dynamisch und zukunftsicher laut Zukunftsatlas

Diese Woche wurde der Zukunftsatlas 2007 veröffentlicht, eine gemeinsame Studie vom Handelsblatt und dem Beratungsunternehmen Prognos. Greifswald hat die Spitzenposition in einer bestimmten Rangliste erhalten, wie man es in der gestrigen OZ (Ostseezeitung) schwarz auf weiß im Artikel Greifswald hat Zukunft lesen konnte (Lokalteil)[1]:

Als schnellster Aufsteiger unter allen 439 deutschen Kommunen macht Greifswald von sich reden. In nur drei Jahren kletterte die Hansestadt im bundesweiten Ranking um 224 Plätze auf Rang 101.

Der Rang an sich ist noch verbesserungswürdig, aber was nicht ist, kann ja noch werden…

Am Tag vorher sprang es uns von der Titelseite entgegen, dass Greifswald Aufsteiger Nummer 1 ist und im Wirtschaftsteil gab es sogar eine große Grafik mit Angaben über die Zukunftschancen und -risiken der einzelnen Regionen. In der Einleitung des Artikels hieß es

Namhafte Forschungseinrichtungen, erfolgreiche Firmen und viele junge Leute machen Greifswald zur dynamischsten Region Deutschlands.

Und woher kommen die ganzen jungen Leute? Einen großen Anteil trägt natürlich die Uni bei (“Greifswald ist eine Universität mit Stadt und nicht eine Stadt mit Universität”) und als Studienanfänger könnte man es schlechter treffen als die älteste schwedische Uni. Neben der schönen Umgebung (“Wohnen wo Andere Urlaub machen”) gibt es eine überschaubare und leicht beradelbare Stadt mit ausreichend (jaha!) Freizeit- und Unterhaltungsangeboten. Die Uni ist zwar nicht mehr sooo klein (fast 11.000 Studenten), aber trotzdem noch familiär, auch in den bevölkerungsreichen Studiengängen. Wer will schon nach München (Nummer 1 in punkto Zukunftssicherheit), wenn es da doch so viel teurer und unüberschaubarer ist?!? Nicht umsonst bekommt jeder Ersti (vor allem ZVS-Opfer) den Spruch zu hören “Wer in Greifswald studiert, weint zweimal: einmal, bevor er kommt und einmal, wenn er geht”. Also warum sich das unnötige Weinen am Anfang nicht ersparen und gleich herkommen? Ich bin übrigens komplett drum herum gekommen, weil ich freiwillig hergekommen und immer noch hier bin…

Fahrrad vs Auto bzw Auto vs Fahrrad

Gestern am späten Vormittag gab es einen kleinen Zwischenfall, in den ein Auto und ein Fahrrad involviert waren. Ich fuhr los, er fuhr los und dann waren wir zur selben Zeit an derselben Stelle auf der Straße… Jedenfalls geht es meinem Fahrrad jetzt nicht mehr so gut (das Hinterrad wurde überfahren), aber mir geht es zum Glück recht gut: nur mein Knie schillert in allen möglichen Farben und mein Laufstil sieht nicht ganz so gleichmäßig und elegant aus.

Es wurde viel aufhebens gemacht, da gerade ein Krankenwagen vorbeikam und die riefen dann auch gleich die Polizei. Naja, das ist Pflicht, wenn ein Personenschaden (= ich) aufgetreten ist. Die brachten mich dann gleich ins Krankenhaus und stellten mir interessante Fragen, um zu testen, ob mein Kopf was abbekommen hat. Ich wusste das Datum nicht richtig, aber das ist verzeihlich nach fast drei Wochen Urlaub. Das Röntgen meines Knies ergab dann nichts Auffälliges und ich durfte weiter meines Weges gehenhumpeln.

Tatort als Schlafmittel

Oha, dieses Jahr ist es wohl Mode den Tatort möglichst langsam und künstlerisch wertvoll zu gestalten. Keine nennenswerte Action, mehrere Minuten bis das erste Wort gesprochen wird, lange Kamerafahrten, langsame (geradezu grausame) Musik etc. Das bezog sich jetzt auf den gestrigen Berliner Tatort Dornröschens Rache. Wirklich einschläfernd. Und das Ende…

Empfehlungen von Last.fm sind diese Woche sehr seltsam

Nachdem ich letzte Woche subtil darauf hingewiesen wurde, dass ich doch Radiohead hören solle, habe ich diese Woche nochmal bei den wöchentlichen Empfehlungen von Last.fm reingeschaut.

Diese Woche bekam ich ein mehr als seltsames Ergebnis. Von den empfohlenen Künstlern kenne ich die meisten nicht, was aber eigentlich Sinn der Sache ist. Aufgrund meiner Wochencharts hätte ich ein völlig anderes Ergbnis erwartet. Folgendes fiel mir auf

  • Von den Künstlern, aufgrunddessen mir die Empfehlungen gemacht wurden, kenne ich kaum einen.
  • Top-Künstler der letzten Woche war mit großem Abstand Johnny Cash, da er letzte Woche Geburtstag hatte. Erwartet hätte ein wenig Country oder ältere Künstler.
  • Keiner meiner 40 meistgespielten Künstler taucht in der “ähnlich wie”-Liste auf.
  • Aus der Woche davor tauchen immerhingerade mal fünf der 40 meistgespielten Künstler in der “ähnlich wie”-Liste auf.
  • Einige Empfehlungen basieren auf Künstlern, die ich noch nie im Leben gehört habe und die auch aufgrund meines restlichen Musikprofils mehr als unwahrscheinlich sind.
  • Von den fünf am häufigsten in der “ähnlich wie”-Liste auftauchenden Künstlern, habe ich nur einen überhaupt je gehört, aber zuletzt vor mehr als einem halben Jahr.

Der Vollständigkeit halber hier die Empfehlungen der letzten Woche. Vielleicht werde ich ja demnächst mal The Arcade Fire, The Decemberists, The Shins und Sufjan Stevens hören, weil ich die ja angeblich sowieso so gern mag….

  • The Postal Service ähnlich wie Death Cab for Cutie, The Shins, Bright Eyes and Modest Mouse
  • Interpol ähnlich wie The Arcade Fire, Bloc Party, Radiohead and The Strokes

Sylt statt Seychellen

unterwegs In der aktuellen Klimadebatte um die Reduzierung des CO2-Ausstoßes gibt es den Vorschlag, doch seinen Urlaub lieber in Deutschland zu verbringen, also auf Sylt statt auf den Seychellen. Auch in Deutschland gebe es viele schöne Regionen zu entdecken[1].

Die Vorteile dieses Vorschlags liegen auf der Hand. Sylt statt Seychellen bedeutet

  • sehr viel weniger CO2-Emissionen,
  • günstiger (der Flug ist oft der größte Einzelposten bei einer Urlaubsreise),
  • weniger zeitaufwändig (begrenzt, da eine Auto- und/oder Fährfahrt zum Urlaubsort ebenfalls sehr lange dauern kann),
  • schöne Ecken in Deutschland zu entdecken (die es ja wahrlich gibt),
  • der regionale Tourismus wird gestärkt, d.h. die Wirtschaft in Deutschland.

Ende Januar brachte BBC ein Special über das Thema mit dem Titel Should I Really Give Up Flying. Dabei war auch ein Bericht einer jungen Frau, die zum Schutz der Umwelt nicht mehr fliegen möchte und deshalb zu einer Hochzeit in Australien nicht abgehoben ist (Gone to ground). Im Ergebnis hat sich auch tatsächlich nur 60% der CO2 eines Fluges verbraucht (1,65 Tonnen statt 2,7 Tonnen). Allerdings hat es sie auch mehr als viermal so viel gekostet (2000 GBP statt 450 GBP) und sie hat 49 mal so lange gebraucht (51 Tage statt 25 Stunden). Die Frau hält sich wirklich an ihre Vorsätze! Aber nicht alle sehen das so. Die BBC startete auch eine Umfrage, wer aus Umweltgründen evtl. das Fliegen aufgeben würde und jeweils die Hälfte entschieden sich dafür bzw. dagegen.

Auch ich bin mir nicht ganz schlüssig, denn einerseits möchte man umweltfreundlich sein, andererseits kann und möchte man das Fliegen nicht immer vermeiden. Vor weniger als einem halben Jahr, war ich noch Stolz auf meinen geringen ökologischen Fußabruck (siehe Beitrag), aber seitdem bin ich schon einmal über den großen Teich geflogen (nach Baltimore) und nächste Woche werde ich erneut fliegen (nach Kanada). Zufällig war der Bundesvorsitzende der Grünen Bütikofer auf demselben Flug.

Neu bei NDR2

Bei NDR2 werden ab und zu Lieder mit dem Jingle Neu bei NDR2 eingeleitet. An sich nichts Ungewöhnliches. Außer dass diese Lieder oft gar nicht mehr neu sind, sondern sogar schon mehrere Wochen in den Charts. Zuletzt aufgefallen ist mir das bei America von Razorlight[*]. Das Veröffentlichungsdatum ist laut Amazon der 1. Dezember 2006 und bei NDR2 wurde das im Februar als Neu bezeichnet. Aufgefallen ist mir das vor allem, weil dieses Lied um Weihnachten herum bei SWR3 rauf und runter lief und dann zwei Monate später möchte man mir das als neu verkaufen. Und das Album, welches ebenfalls letztes Jahr erschien, wurde letzte Woche Donnerstag beim Soundcheck Neue Musik vorgestellt.

Weitere Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit wären Fairytale Gone Bad[*] von Sunrise Avenue, das auch erst dieses Jahr eingeführt wurde, obwohl die CD schon letzten August (!) veröffentlicht wurde. Oder All Good Things[*] von Nelly Furtado, das erst vorgestellt wurde, als es schon mehrere Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts war.

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Es regnet draußen

Das ist doppelt gemoppelt, weil es selbstverständlich ist, dass es draußen regnet. Sollte es einmal wider Erwarten drinnen regnen, dann darf man das ruhig erwähnen, aber ansonsten reicht ein einfaches “Es regnet”.

P.S. Es regnet tatsächlich gerade mehr oder weniger. Das ändert sich alle paar Minuten. Aber ich sitze ja schön im Trockenen.

Vom Mythos, dass Islam und Terror gleichzusetzen sind

Die nicht-religiöse Tageszeitung The Christian Science Monitor[1] veröffentlichte letzte Woche einen interessanten Artikel von Kenneth Ballen.[2]

Der Artikel stellt zwei Umfragen in den USA und den bevölkerungsreichsten muslimischen Ländern (Indonesien, Pakistan, Bangladesh, Nigeria) gegenüber. Gefragt wurde nach “Bomben- und anderen Angriffen, die absichtlich gegen Zivilisten gerichtet” sind. Antwortmöglichkeiten waren u.a., dass diese Angriffe “niemals gerechtfertigt” oder “oft oder manchmal gerechtfertigt” sind.

Die Umfrage in den USA wurde im Dezember 2006 vom Program on International Public Attitudes (PIPA) der Universität Maryland durchgeführt. Weniger als die Hälfte (46 Prozent) der Amerikaner antworteten “niemals” und fast ein Viertel (24 Prozent) meinten “oft oder manchmal”.

In den muslimischen Ländern wurde die Studie von Terror Free Tomorrow durchgeführt. Das Ergebnis war, dass die drei asiatischen Staaten zu mindestens Dreivierteln solche Angriffe als “niemals gerechtfertigt” sehen (Indonesien: 74 Prozent, Pakistan: 86 Prozent, Bangladesh: 81 Prozent). Die Zahl für Nigeria wird nicht erwähnt.

Weiter wird auf die negativen Folgen der wiederholten Stereotypisierung von Muslimen in den Medien und von der Minderheit der Radikalen selber hingewiesen. Dadurch ist es einerseits schwierig in muslimischen Ländern Unterstützung für den Krieg gegen den Terror zu finden. Andererseits bekommen dadurch die radikalen Gruppierungen weiter Futter für ihre Anschuldigungen gegen den Westen.

Die Organisation Terror Free Tomorrow hat in den letzten zwei Jahren mehr als zwanzig Studien in muslimischen Ländern durchgeführt mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen (World’s Largest Muslim Countries Welcome U.S. Navy, American Aid Key to Favorable Muslim Public Opinion, und weitere).

Holeritis in Trier und Umgebung

Porta NigraGerade bin ich auf den Zwiebelfisch-Beitrag Wo holen seliger denn nehmen ist gestoßen, der von der Trierer bzw. moselfränkischen Eigenart berichtet, dass man anstelle des Verbs holen immer nehmen holt nimmt. Sehr amüsanter und interessanter Artikel. Und die darauffolgenden Einsendungen (Hart im Holen) mit weiteren Beispielen und Anekdoten haben mich mehrmals laut auflachen lassen. Wirklich empfehlens- und lesenswerte Artikel.

Nun aber zum Anlass dieses Beitrags, warum schreibe ich darüber? Nun, ich habe die letzten dreieinhalb Jahre meines Schuldaseins in eben dieser schönen Moselstadt verbracht. Wir sind dorthin gezogen, als ich mitten in der zehnten Klasse war und so wurde ich nicht nur mit dem Problem des Aufholens, sondern auch dem des Holens konfrontiert. Mir hat natürlich niemand von der Trierer Besonderheit berichtet und ich wunderte mich bei Gelegenheit sehr.

In der ersten Woche z.B. im Kunstunterricht sagte meine Tischnachbarin wiederholt “Welche Farbe hole ich denn jetzt?” Und ich war völlig verwirrt, weil ich nicht wusste, wo sie die denn herholen will, weil ihr Farbkasten doch direkt vor ihr stand. Aber man hat mich dann irgendwann aufgeklärt und dann war alles klar. Ich habe mich allerdings nie daran gewöhnt zu sagen, dass ich einen Film auf Video aufgeholt oder Gewicht abgeholt habe. Da ich im Judoverein war, habe ich diese Formulierung des öfteren gehört. Mittlerweile gibt es ja nicht mehr soviele Telefone mit Hörer, sonst wäre es sicherlich in Trier immer noch Standard zu sagen, dass man den Telefonhörer aufgeholt hat.