6 Quebec City

Fakten über die Stadt

Quelle: Wikipedia-Artikel über Québec (Stadt)

  • Hauptstadt der gleichnamigen Provinz,
  • ca. 530.000 Einwohner in der Stadt und ca 720.000 im Ballungsraum,
  • zweitälteste europäische Siedlung in Kanada,
  • Name leitet sich von Kebek ab, bedeutet „Engstelle“ in der Algonkin-Sprache,
  • einzige Stadt in Nordamerika, deren Festungsanlagen noch intakt sind,
  • war im Laufe der Geschichte fast vierhundert Jahre Hauptstadt der einen oder anderen Art.[1].

Erster Tag

Der Weg vom Bahnhof bis zur Herberge ist nicht weit, ich spare mir also das Geld für den Bus und laufe. Aber ich habe die geographische Eigenheit der Stadt nicht mit in Betracht gezogen. Es geht nämlich steil bergauf und das Ziehen meiner Tasche durch den Schnee bergauf ist auch auf kurzer Strecke ziemlich anstrengend. Aber die Herberge ist super. Ich habe diesmal sogar Frühstück inklusive und ein Vierbettzimmer für mich alleine (vorerst).

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Den Nachmittag nutze ich, um die obere Altstadt (Haute-Ville Vieux-Québec) zu Fuß zu entdecken. Das Château Frontenac ist wirklich beeindruckend und ich laufe die gesamte Terrasse Dufferin und die Promenade des Gouverneurs am Cap Diamand entlang. Man hat einen herrlichen Ausblick über den mit Eisschollen übersäten St-Lorenz-Strom.

Am Abend gibt es von der Herberge aus einen kombinierten Stadtrundgang mit einer Fährfahrt, um die (nun herrlich beleuchtete) Stadt vom Fluss aus zu bewundern.

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Wie die Zufälle so spielen treffe ich eine meiner Zimmergenossinnen aus Montréal wieder. Und am nächsten Morgen treffe ich zwei aus Ottawa! Man möchte echt nicht glauben, dass Kanada das zweitgrösste Land der Erde ist.

Zweiter Tag

Es schneit mal wieder. Aber so richtig. Die Stadt ist unter mehreren Tonnen Schnee begraben. Aber schon früh sind die Räumdienste und Anwohner beschäftigt, alles freizurämen. So ist nur der fallende Schnee ein Hindernis für den eifrigen Touristen, die Straßen und Gehwege sind soweit frei.

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Aber das ist sowieso nicht so wichtig, da im Winterhalbjahr zwei der besten Museen dienstags freien Eintritt haben. Zuerst gehe ich ins Musée de la civilisation. Ich habe Zeit für zwei temporäre und zwei permanente Ausstellungen (wie immer in englisch und französisch). Die permanenten sind hervorragend. Die temporäre über das Cinéma québequois ist enttäuschend. Viele Filmausschnitte von Filmen, die ich natürlich nicht kenne und die interessanten Ausstellungsstücke kann man nicht richtig genießen, weil die Beschriftungen so weit verstreut sind. Dadurch wird der Audioguide immer durcheinander gebracht (die Beiträge sind ortsabhängig) und man kriegt die Hälfte nicht mit. Aber die andere Ausstellung über Tintin in Peru (deutsch: Tim & Struppi) ist wider Erwarten fantastisch. Erst geht es um den Aufbau der zwei Comicbände und wie Autor Hergé recherchiert hat für die Geschichte. Beide Bände liegen auch zum Selberlesen aus (engl. und frz.) und die Geschichten sind wirklich gut. Den größten Teil der Ausstellung nehmen aber die Geschichte Perus und die einzelnen Indianervölker (Inkas etc.) ein. Bis ich da durch bin, ist es halb drei. Das sind viereinhalb Stunden – neuer Rekord.

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Schnell geht es auf zum Musée de l’Amérique française (Französisch-Amerika Museum), das die einzelnen französischen Enklaven in Nordamerika beleuchtet. Dazu gibt es mehrere Ausstellungen über die Geschichte des Museumsgebäudes, ein ehemaliges Seminar und Internat. Die Schule hat eine der ältesten und umfassendsten Sammlungen von wissenschaftlichen Geräten (hauptsächlich aus der Physik). Alles sehr interessant. Und ich werde mal wieder zur Schließenszeit um fünf freundlich aber bestimmt zum Ausgang verwiesen.

Das Wetter hat sich mittlerweile sehr zum Besseren gewandt und ich laufe noch weiter durch die Stadt und gönne mir ein original französisches Baguette.

Den Abend beschließe ich mit einem weiteren Film, der in der Herberge gezeigt wird. Ich habe Glück, denn die Mehrheit will den in englisch sehen.

Dritter Tag

Der allerletzte Tag!!! Das Wetter ist super und ich kann es kaum erwarten meinen Füßen einen langen Tag zuzumuten. Aber dann beim Frühstück ein Schock: mein Essen ist weg, der Reiseproviant für die Rückreise morgen. Und mein Käsekuchenkonfekt. Woran lag’s? Ich Schussel habe das falsche Datum auf meine Kiste geschrieben und mein Essen wurde kurzerhand dem Gemeinwohl überantwortet. Aber ich kann fast alles retten, bis auf die Süßigkeiten natürlich, denn die hat sich schon jemand genommen. Ärgerlich, aber war ja meine eigene Dummheit. Als Belohnung dafür hole ich mir später ein Häagen-Dazs-Eis (im Angebot für 1,50 weniger als normalerweise).

Aber erst geht es weiter durch die Stadt. Ich habe eine kostenlose Broschüre der Touristeninformation, in der man verschiedene Spaziergäge machen kann, zum Kennenlernen der einzelnen Stadtteile. Alles in französisch natürlich. Ich bin überrascht, dass ich die Beschreibungen größtenteils verstehe. Immerhin sind es fast 10 Jahre, dass ich mich zum letzten Mal mit dieser Sprache auseinandergestetzt habe.

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Und ich bin froh, dass ich meine Reise von Westen nach Osten geplant habe. So konnte ich mich langsam ins Französische einfinden. In Ottawa ging es los, dass es die Beschreibungen alle zweisprachig waren, aber jeder spricht englisch. In Montréal dann die Beschreibungen nur französisch, und die meisten sprechen französisch, aber alle können sehr gut englisch. Und jetzt hier in Québec kann man selbst in der Touristeninformation nur ein paar Brocken englisch erwarten.

Am Nachmittag besuchte ich auch endlich die berühmte Zitadelle, heute Truppenstandort des 22. Regiments, dem einzigen frankokanadischen Regiment. Deshalb darf der Name auch nur auf französisch ausgesprochen werden, wie unser Tourguide uns mitteilt. Die Tour ist recht gemütlich, da außer mir nur noch ein Pärchen aus Baltimore dabei ist, deshalb auch nur eine einsprachige statt der normalerweise zweisprachigen Tour.

Und später, als ich mir die Plains of Abraham ansehen wollte (wo 1759 eine halbstündige Schlacht das Schicksal von Kanada entschied, weil die Briten gegen die Franzosen gewannen), da passierte das Malheur. Auf dem Parkplatz, wo ausnahmsweise kein meterhoher Schnee lag, sondern nur geschmolzenes Schmutzwasser habe ich einen weniger eleganten Sturz getan und meine Hose war völlig ruiniert. Den Rest des Nachmittags habe ich damit zugebracht die Hose zu Waschen (jetzt weiß ich auch, wofür man Handwaschmittel mitnimmt) und zu trocknen, d.h. zu fönen. Ein würdiger Abschluss meiner Reise! Die Nacht war auch nicht viel besser, da nämlich an diesem Tag tatsächlich alle Betten besetzt wurden und natürlich wieder zwei Mädels dabei waren, die bis spät nachts ausgingen (ist ja Spring Break) und danach noch alkoholinduziert die Betten zersägt haben. So hatte ich bis um halb sieben nicht wirklich viel geschlafen und musste auch noch extra leise sein, als ich das Zimmer verließ, um die Rückreise anzutreten. Und ich sollte auch die nächsten 36 Stunden nicht schlafen, denn die Rückreise mit Bus, Zug, Flugzeug und Zug (mit zwischendurch noch zwei Airport-Express-Bussen und einer Metro) hat sich etwas in die Länge gezogen.

  1. 1608-1627 & 1632-1763 von Französisch-Kanada & Neu-Frankreich (150 Jahre),
    1763-1791 von der Provinz Québec (28 Jahre),
    1791-1841 von der Provinz Niederkanada (50 Jahre),
    1849-1865 von der Provinz Kanada (16 Jahre),
    1867-heute von der Provinz Québec (140 Jahre)
    Summe: 384 Jahre []