Kanada

Eine Dokumentation meines Kanada-Urlaubs vom 6. März bis 22. März 2007. Für meine Freunde, für Interessierte und auch für mich selber.

Reiseverlauf

Vorbereitungen

Der Urlaub rückt näher und ich habe soweit alle Vorbereitungen abgeschlossen.

Den Flug habe ich schon Anfang Januar gebucht. Was auch gut war, denn mittlerweile kostet der zeitlich so günstige Flug fast das Doppelte. Auch habe ich mir einen Greyhound-Buspass zugelegt. Das war allerdings etwas komplizierter, da deren Buchungswebsite im Januar nicht funktionierte. Und dann wurde es fast schon knapp, weil man mindestens 21 Tage vor Antritt der Reise bestellen muss. Damit kann ich auch den Zug zwischen Montreal und Toronto benutzen, was ich am letzten Tag dann tun werde, da ich nach und von Toronto fliege. Zu guter Letzt habe ich auch die Bahnfahrt zum und vom Flughafen in Deutschland gebucht. Mit einer Bahncard ist das auch gar nicht so erschreckend teuer.

Unterkünfte habe ich auch schon alle gebucht. In Toronto, Ottawa, Montreal und Quebec werde ich in Jugendherbergen (Hostels) schlafen. In Niagara Falls auch in einem Hostel, allerdings nicht in dem offiziellen vom Herbergsverband, weil das bis Ende März nur Gruppen aufnimmt. Und in Kingston gibt es keine Hostels, da habe ich mir ein schönes B&B ausgesucht. Das war nicht so einfach, weil viele zwar (mehr oder weniger brauchbare) Informationen im Internet bereitstellen, aber keine Möglichkeit der Buchung. Und per E-Mail eine Buchung durchzuführen ist aufwändiger – wenn sich denn jemand meldet, was nicht bei allen der Fall war. Ja, ich hätte auch einfach anrufen können, aber ich bin ein fauler Internet-Mensch und mache sowas lieber anonym und mit Bestätigung zum Ausdrucken.

Als Vorbereitung habe ich zwei Reiseführer gewälzt. Zuerst den Lonely Planet Guide Canada, damit ich mich entscheiden konnte, wo genau ich denn hin möchte. Ich habe bisher sehr gute Erfahrungen mit diesen Reiseführern gemacht, d.h. mit denen von Edinburgh und Bermuda (interessante Kombination, was?). Besonders gut finde ich die Geheimtipps und Anregungen für Spaziergänge. Und die Informationen für Unterkünfte, denn die sind speziell für den kleineren Geldbeutel gedacht. Dann habe ich mir den Baedeker Kanada Ost zugelegt. Der ist etwas teurer ausgelegt, aber dafür speziell für deutsche Touristen und etwas detaillierter, da nur der Osten abgehandelt wird. Beide haben schon viele Lesezeichen und sehr viel Textmarker abbekommen.

Das Aktualisieren dieser Seiten sollte kein großes Problem darstellen, da alle Hostels Internetzugang haben bzw. sicherlich Internetcafes aufzutreiben sein sollten. Dass ich auch schon während des Urlaubs Bilder hochladen kann, ist allerdings unwahrscheinlich. Mein Notebook möchte ich nicht mitnehmen, da es erstens die meiste Zeit unnötiges Gepäck darstellt, zweitens es auch abhanden kommen oder beschädigt werden könnte und drittens würde die Stromversorgung ein weiteres zu lösendes Problem darstellen.

Hinreise

Mittlerweile bin ich im zweitgrößten Land der Erde angekommen. Der Tag begann früh mit der Bahnfahrt von Greifswald nach Berlin. Dabei begleitete mich einen herrlichen Sonnenaufgang, den ich auch fotografisch festgehalten habe. Am Flughafen musste ich etwas länger warten, da der Flug davor Verspätung hatte und die Warteräme in Tegel recht klein sind. Aber ich habe mir die Zeit mit Beobachten des Nachrückbereichs der Taxis vertrieben (eine wirklich sehr interessante, fast wissenschaftliche Angelegenheit). Und ich habe eine Frau beobachtet, wie sie zwei Taschen in einem sehr komplizierten Verfahren neu gepackt hat. Im Endeffekt hat sie eigentlich nur das Gepäck ausgetauscht. Ich als Packfetischist musste mich sehr zurückhalten, um nicht einzugreifen.

Vor dem Flug nach London wurde ich praktisch nicht kontrolliert, musste nur durch den Metalldetektor gehen. Gleiches dann in London. Und schließlich saß ich dann endlich im Flieger nach Toronto. Der Flug fing gut an, mit einem Alkoholiker hinter mir, der mehrmals lautstark nach Bier verlangte und einem mit empfindlichen Magen vor mir. Aber wenigsten war die Filmauswahl recht gut. Erst habe ich Griffin & Phoenix gesehen. Allerdings gab es einige Tonausfälle, die bei einer romantischen Komödie doch sehr störend sind. Der Film war recht gut, aber mit Amanda Peet und Dermot Mulroney würde ich alles gut finden. Danach habe ich mich an Casino Royale getraut[1]. Der Film war überraschend erfrischend und anders und wesentlich besser als erwartet.

In Kanada angekommen, hat man mir die Touristenmasche irgendwie nicht abgenommen und ich musste durch drei Stationen im Zoll und bei der Einwanderungsbehörde. Zum Glück hatte ich alle Buchungsbestätigungen der Hostels ausgedruckt und konnte alles nachweisen. Draußen erwarteten mich dann saftige minus 13 Grad. Auf den Airport Express musste ich glücklicherweise nur fünf Minuten warten. Der brachte mich dann sicher in die Stadt.

Operation Rückreise

Da ich mich im Verlauf der Reise immer weiter ostwärts (bis nach Quebec City) und damit weg vom Flughafen (in Toronto) bewegt habe, musste ich erst einmal die eigentliche Reise wieder rückgängig machen, um überhaupt zurückfliegen zu können. Die Verbindungen waren etwas ungünstig, so dass ich nicht einmal frühstücken konnte (obwohl ich ausgerechnet in der letzten Herberge Frühstück inklusive hatte). Dazu kam, dass es genau am Tag der Rückreise einen Fall der berühmten überfrierenden Nässe gab. Mit Gepäck und den Berg runter ist das eine besonders vorteilhafte Kombination. Ich bin denn dementsprechend auch weniger formschön auf dem Boden gelandet. Danach bin ich auf der Straße gelaufen, die ja zum Glück um sieben Uhr morgens schon eisfrei, aber noch nicht so befahren war.

Von Quebec bin ich mit dem Bus nach Montreal gefahren. Der fährt jede Stunde, das war also nicht das limitierende Element. Das war der Zug von Montreal nach Toronto. Es gibt sechs Züge pro Tag, im Abstand von einer bis vier Stunden. Und genau diese vier Stunden waren das Problem, da ich den früheren Zug nehmen musste. Und was für einen Zug! Man fühlt sich eher wie im Flugzeug, inkl. Boarding-Zeit. Eine halbe Stunde vor Abflugfahrt wird der Zug geboardet und man wird in die entsprechenden Abteile verwiesen, je nachdem wo man hinfährt. Was eigentlich völliger Blödsinn ist, da der Zug als Ganzes die komplette Strecke fährt und es auch Durchgänge zwischen den Abteilen gibt. Das ist also nicht so wie bei manchen ICEs, die sich irgendwann trennen, weil der eine nach A und der andere nach B fährt und man nur im Bahnhof umsteigen kann. Jedenfalls war der Zug schön schnell, d.h. drei Stunden schneller als mit dem Bus.

Zwischendurch hatte ich in Montreal (wo ich mit der Metro vom Busbahnhof zum Zugbahnhof gefahren bin) noch das Problem, dass es mehrere Bahnhöfe gibt und ich natürlich zum falschen gefahren bin. Ich wunderte mich etwas, dass da kaum jemand war und vor allem gab es keine Gleise und Züge. Doch bevor ich in Panik verallen konnte, hat mich ein netter Herr gerettet. Er hat meine Tasche getragen (!) und mir den Weg gezeigt, denn der richtige Hauptbahnhof war zum Glück nicht weit.

Der Zug brachte mich also sicher nach Toronto und da musste ich nur noch in den Airport Express einsteigen. Ticket hatte ich ja schon, weil ich bei der Ankunft einen billigeren kombinierten Hin- und Rückfahrtschein gekauft hatte. Und dank der super Verbindungen war ich knappe vier Stunden vor Abflug am Flughafen. Naja, besser zu früh als zu spät.

Mit dem Flugzeug ging es dann zurück über den großen Teich, erst nach London und schließlich nach Berlin. Und der Flug war sehr unterhaltsam. Eigentlich hätte ich ja schlafen sollen, da wir über Nacht geflogen sind, aber Biritsh Airways hat ein neues Entertainment System, bei dem man aus über 100 Filmen auswählen kann (aktuelle und Klassiker), wann und welchen Film man ansehen möchte. Ich habe drei Filme während des siebenstündigen Flugs geschafft. Zusammen mit den zwei Filmen auf dem Hinflug, zweimal Kino in Kanada und einem Filmabend in der Herberge sind das acht Filme in 18 Tagen. Das sind weit mehr Kinofilme als ich in den letzten Jahren im Kino gesehen habe!

Jedenfalls, in Berlin bin ich dann wieder mal mit dem Bus vom Flughafen zum Hauptbahnhof und schließlich mit dem Zug nach Greifswald gefahren. Und nach nur gut 38 Stunden unterwegs war ich dann schließlich wieder zu Hause!

Gedanken und Tipps

Als nicht kanadischer Staatsbürger bekommt man eine Rückerstattung der Steuern auf Unterkunft und gekaufte Artikel, wenn man innerhalb von 60 Tagen das Land verlässt. Es gibt die Einschränkung, dass einzelne Artikel einen Wert von mindestens 50 Dollar (vor Steuern) haben und der Gesamtbetrag über 200 Dollar liegen. Man schickt dann die Originalbelege (keine Kreditkartenbelege) und einen Ausreisebeweis (z.B. die Boardkarte, wenn man fliegt) innerhalb eines Jahres an die entsprechende Behörde. Und die bearbeiten das dann und schicken einen Scheck. Zu beachten ist, dass Artikel über 250 Dollar einen Stempel von der Zollbehörde benötigen (kriegt man am Flughafen) und dass man das nur an die offizielle Behörde schicken sollte. Denn die machen das ohne zusätzliche Gebühren. Es gibt Dutzende private Firmen, die das für einen erledigen, aber die schneiden sich dann einen hübschen Batzen vom Kuchen ab. Das kann sich wirklich lohnen, denn allein für die (billigen) Unterkünfte meiner Reise bekomme ich über 30 Dollar (20 Euro) Steuern wieder.

Update zur Steuerrückerstattung Nachdem ich das Formular einige Tage nach meiner Rückkehr eingeschickt habe (Porto kostete über drei Euro), dauerte es ca. sechs Wochen, bis ich einen Scheck über den Betrag zugeschickt bekam. Funktioniert also einwandfrei und auch noch relativ schnell. Ende Update

Wer bei den Reisekosten sparen möchte, sollte sich genau die verfügbaren Bus- bzw. Zugpässe anschauen und vergleichen. Ich habe mir einen Discovery Pass von Greyhound für 487 Dollar (ca. 320 Euro) zugelegt, aber damit habe ich nicht gespart. Leider konnte ich auf der Seite von Greyhound die Preise für einzelne Verbindungen nicht rausfinden, da es immer wieder Fehler gab. Also bin ich auf Nummer sicher gegangen und habe den Pass gekauft. Allerdings hätte ich durch Einzelkäufe wohl grob geschätzt maximal 350 Dollar (ca. 230 Euro) bezahlt. Als Mitglied des Jugendherbergsverbandes bekommt man 25% Rabatt auf den Fahrpreis. Und wenn man am Tag vorher das Ticket kauft, ist es noch einmal billiger. Also 100 Euro umsonst bezahlt. Deshalb vorher genau prüfen, ob sich ein Buspass lohnt!

Und wo wir schon von Jugendherbergen sprachen. Wer in den offiziellen vom internationalen Verband unterkommt, für den lohnt sich allein für wenige Tage Aufenthalt die jährliche Mitgliedschaft. Man bekommt nämlich die Übernachtung vier oder fünf Dollar billiger und wer in mehreren Herbergen übernachtet, bekommt 15% Rabatt, wenn man den Beleg der vorherigen vorlegt. Außerdem liegen die Herbergen meist sehr günstig mitten in der Stadt und so kann man auch zu Fuß die meisten Touristenattraktionen erreichen.

  1. Wer sich über das feminine „e“ am maskulinen Casino wundert, sollte mal in die Post an den Zwiebelfisch schauen, da gibt es eine Erklärung. []

Ein Gedanke zu „Kanada“

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