2 Nottingham

Begrüßt wird man mit einem großen Busbahnhof und einem hässlichen Einkaufszentrum, aber dahinter zeigt sich Nottingham von seiner schönsten Seite.

Das Hostel liegt einen guten Fußmarsch entfernt, was ich erst für zeitlich zu knapp gehalten habe, um rechtzeitig zum Konzert zu kommen. Aber es reicht sogar noch für ein gemütliches Abendessen-Sandwich, bevor ich den Club aufsuche.

Da es ein 14+ Event ist, bekommen Volljährige wieder ein pinkes Armband und es muss spätestens um 10 Uhr Schluss sein.

Die erste Vorband Hey Sholay schlägt sich gut angesichts der noch geringen Zuschaueranzahl. Der Aufbau für Worship dauert länger, denn die bringen zwei Macbooks mit. Musikalisch nicht so ganz meine Wellenlänge, aber alle vier sehen super aus…

Dann endlich ist es soweit und wir werden mit toller Musik versorgt. Die fünf Jungs von Dry the River sind selber begeistert und erzählen zwischen den Songs. Die Bandbreite ist unglaublich, von Akustikgitarre mit drei Stimmen bis hin zu vollem Jam mit zwei E-Gitarren, Bass, Schlagzeug und Geige ist fast jede Kombi und Tempo mal geboten.

Nach dem Konzert war Sänger Peter ziemlich heiser, aber ich habe ihn (hoffentlich) davon überzeugt, dass die nächste Tour auch ganz in den Süden von Deutschland führen muss. Sein Angebot „Hamburg“ war mir nicht ganz nah genug.

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Am nächsten Morgen heißt es erstmal Frühstück besorgen. Leider macht die Sandwich-Bar gegenüber trotz eingraviergen „7am“ erst um 8 Uhr auf. Nach viel Laufarbeit gebe ich auf und hole mir was beim „Bäcker“. Für die nächsten Tage sorge ich vor mit Porridge zum Selbermachen in der Hostelküche.

Gestärkt wird die Stadt erkundet. Sobald das Castle öffnet, bin ich drin. Das mittelalterliche steht nicht mehr, weil es abgerissen wurde, um nicht von Oliver Cromwell genutzt werden zu können.

Die Anlage ist überraschend schön und weitläufig. Auch das Museum ist exzellent und behandelt Robin Hood nur in einer Spezialausstellung, die sich mit der Legende auseinandersetzt. Zusätzlich mache ich eine Tour durch die Höhlen. Die ist super und unser Guide erzählt viel und interessant.

Nach dem Castle ist Lunch im Ye Olde Trip to Jerusalem dran, einer der vielen Pubs, der der älteste in England ist. Die Höhlen sind leider nur noch im Rahmen einer gebuchten Tour zugänglich.

Den Rest des Nachmittags verbringe ich mit Laufen, Gucken, Ausruhen, Shopping. Zu meiner Freude gibt es hier eine Filiale von Forbidden Planet und ich muss mich zurückhalten, nicht lauter UK-only Doctor Who-Zeug zu kaufen (soll heißen, das kann man nicht über die Webseite kaufen, da es nur innerhalb vom UK verschickt wird).

Ein Glücksgriff erwartet mich beim Bodega Social Club, wo ich nach einem Poster vom Konzert fragen wollte. Es sind nicht nur Dry the River drauf, sondern auch Slow Club, die am Montag hier spielten. Als ich vorbeikommen, wird das Poster im Glaskasten gerade ausgetauscht und ich kann es mitnehmen!

Den Tag beschließe ich nicht mit einem Konzert, denn französischer Indietronic war mir dann doch zu fragwürdig. Stattdessen habe ich One Day im Kino gesehen und es hat sich gelohnt. Adaptiert vom Autor David Nicholls selber unter der Regie von Lone Scherfig (An Education) wurden genau die richtigen Details übernommen und die richtigen Plots weggelassen. Endlich mal eine Buchverfilmung, die man sich anschauen kann, wenn man das Buch kennt. Klar gibt es einige Auslassungen, die ich gerne gesehen hätte, aber der Gesamteindruck war positiv. Wie der Film ohne Vorkenntnisse wirkt, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber die Erzählstruktur des Buches wurde beibehalten und auf die Vorteile des Filmmediums angepasst.

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Die Stadt ist übrigens eine seltsame Mischung aus alt und neu, es stehen Fachwerkhäuser neben hässlichen Betonblöcken neben Glassfassaden. Und unglaublich viele Ladenlokale, Wohnungen und Häuser stehen leer. Stellenweise wirkt es wie eine Geisterstadt. So richtig touristisch ist es nicht, was natürlich gut ist, aber auch zeigt, dass erstaunlich wenig los ist. Ein Stadtteil hat viele Second Hand Shops und schnuckelige Cafés, aber damit kann man ja keinen ganzen Tag lang verbringen.

Ich habe heute die meiste Zeit in den Galleries of Justice verbracht. Dort gibt es verschiedene Schauspieler, die im alten Gericht und Gefängnis Geschichten erzählen.

Außerdem habe ich einen langen unfreiwilligen Spaziergang gemacht. Dank einer geschlossenen Wolkendecke und dämlich führenden Straßen bin ich einmal im Kreis durchs Industriegebiet gelatscht. Falls jemand mal da hin möchte, möge er mich fragen, ich kenne mich jetzt einigermaßen aus.

Abgeschlossen wird der Tag mit einem weiteren Kinobesuch: Tinker Tailor Soldier Soldier Spy, der heute anläuft. Evtl schließe ich mir mich danach noch einigen (deutschen) Studenten für eine Pubtour an.

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Aus dem Pub ist nichts mehr geworden, da ein ordentlicher Thriller plus Aufstehen um 6 Uhr sich nicht gut damit vertragen.

Am nächsten Morgen schien erst wunderbar die Sonne und dann regnete es sich ein. Zum Glück ließ das nach auf dem Weg nach Warwick.