1 Liverpool

1. Abend – 12. September – Orientieren

Heute nachmittag planmaessig angekommen (bzw. sogar 20 Minuten zu frueh). Der Kapitaen hat schon waehrend des Fluges mit dem herrlichen englischen Humor eingestimmt. Angekommen habe ich auf der Busfahrt in die Stadt ein nettes Paerchen kennengelernt, die mir ein paar Tipps gegeben haben und auf die Penny Lane hingewiesen. Ueberhaupt sind die Beatles ein grosses Thema. In der Jugendherberge (schoen zentral gelegen) heissen die Gaenge „Strawberry Fields“ und „Penny Lane“ etc.

Der heutige Tag war nicht so ereignisreich, ich bin ein wenig durch die Stadt gelaufen und habe im riesigen, neuen Liverpool One Einkaufszentrum den HMV aufgesucht. Stolz darf ich berichten, dass ich trotz einer Fuelle von DVD- und CD-Angeboten keinen Penny ausgegeben habe!

Morgen geht es dann richtig los, denn heute werde ich nicht mehr alt, da ich sowieso noch ein Schlafdefizit von letzter Nacht aufholen muss. Man darf gespannt sein.

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1. Tag – 13. September – Beatles und Geister

Frueh ging es los mit einem stilechten Fruehstueck mit Speck, Ruehrei und Baked Beans on Toast. Danach war aber erst mal nur Rumlaufen angesagt, da Museen etc. erst um 10 Uhr oeffnen. Eigentlich wollte ich kostenlose Kultur machen, aber da die Beatles Story doch schon geoeffnet hatte, habe ich die £12,50 schon heute investiert[1] Als alter Beatles-Fan habe ich nicht wirklich viel Neues erfahren, aber mit dem Audioguide und den vielen wirklich gut gemachten Ausstellungen mit einer Vielzahl Memorabilia war immerhin ein Teil der Investition gerechtfertigt.

Danach habe ich noch mehr Geld ausgegeben, naemlich fuer zwei Touren, einmal die Shiverpool Ghost Tour[2] und fuer die Magical Mystery Tour.

Letztere war eine zweistuendige Rundfahrt zu all den relevanten Orten, z.B. alle Wohnhaeuser der Beatles, die entweder noch normal bewohnt werden oder in den Haenden des National Trust sind. Unglaublich, dass es Leute gibt, die extra zu einem stinknormalen Wohnhaus fahren, um es zu fotografieren, nur weil dort George Harrison geboren wurde. Aber auch Strawberry Field (kein Plural!) und Penny Lane durften nicht fehlen. Abgeschlossen wurde im (wieder aufgebauten) Cavern Club, wo uns eine Postkarte mit exklusiven Motiv versprochen wurde, die aber aus war und deswegen gab es eine mit dem Roundabout von Penny Lane. Aber die Livemusik dort war exzellent; drei Herren gesetzteren Alters trugen alte Beat- und Rock’n’Roll-Klassiker vor. Insgesamt jedoch kommt man an der Tour bzw. dem Museum nicht vorbei, wenn man als Beatles-Fan in Liverpool ist.

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Danach ging es auf den Turm der Liverpool Cathedral, die groesste in Grossbritannien und die fuenftgroesste weltweit. Man hat mich zum verguenstigten Studentenpreis reingelassen, obwohl ich keinen Ausweis vorlegen konnte. Die Aussicht vom Turm ist fantastisch und da das Wetter ebenso war, erst recht.

Am Abend dann die Shiverpool Ghost Tour (genauer: Hope Street Shivers), die beim Philharmonic Pub begann, der vor allem wegen seiner herrlichen Mosaike im Herrenklo beruehmt ist. Die Tour selber war super, mit zwei verkleideten Guides, die sich einen Spass daraus gemacht haben, diejenigen immer wieder zu erschrecken, die einmal zusammengezuckt sind. Es gab viele Geistergeschichten an den unheimlichsten Orten und die Tour endete in einem Tunnel auf einem Friedhof. Absolut empfehlenswert!

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Danach bin ich noch in ein paar Pubs gewesen mit zwei Scousers, die ich waehrend der Tour kennengelernt habe. Wir waren erst im Philharmonic, wo uns Damen wenigstens per Handycam die Mosaike gezeigt wurden. Dann ging in einem Ausweichpub, weil das Pilgrim schon geschlossen hatte[3]. Im Jacaranda waren wir nur ein paar Sekunden, weil es viel zu voll war, aber auch das 3345 war sehr gut, vor allem die Musik. Stichwort Musik: die beiden waren sehr beeindruckt von meinem Musikwissen und haben mich zum Liverpudlian ehrenhalber ernannt…

2. Tag – 14. September – Museen

Nachdem ich gestern so viel Geld ausgegeben habe, war heute Sparen angesagt. Und das geht am besten in den guten Museen und Kunstgalerien, die wirklich freien Eintritt haben. Vorgenommen habe ich mir zwei Museen und zwei Galerien, die in sieben Stunden (10-17) abgeartbeitet werden muessen, also knapp kalkuliert.

Begonnen habe ich mit dem World Museum, wo gerade die Ausstellulng The Beat Goes On: From the Beatles to the Zutons gezeigt wird. Dort wird die Musikgeschichte Liverpools von den Vierzigern bis heute vorgestellt. Und die ist wirklich einmalig und es ist unglaublich, wie viele Musiker aus Liverpool kommen oder Verbindungen zur Stadt haben. Deswegen haelt sie auch den Guinness-Rekord fuer die meisten Nummer Eins Hits. Unter den vielen Stuecken ist neben den unvermeidlichen Beatles-Artefakten auch, das Original-Regal vom Poster des Wombats-Album „A Guide to Love, Loss, and Desperation“. Meine Vermutung wurde bestaetigt, dass von jedem Song etwas zu sehen ist. Daneben lag die Pinballmaschine aus Holz vom Cover des Zutons-Albums „Tired of Hanging Around“ und man konnte den Gefaengniskittel aus dem Valerie-Video bewundern.

Die restlichen Teile des Museums (Naturgeschichte, Weltraum, Aegypten etc.) habe ich bis auf einen kostenlosen (!) Planetariumsbesuch nur gestreift. Denn es ging kurz in die Central Library, genauer die Picton Library, die architektonisch absolut einmalig ist (Pantheon als Bibliothek) und dann in die Walker Art Gallery. Auch hier habe ich die beruehmten Gemaelde nur im Vorbeigehen gesehen, denn die Spezialausstellung Ben Johnson’s Liverpool Cityscape 2008 and the World Panorama Series alleine ist schon einen Besuch wert und unglaublich (noch bis 2. November). Dort habe ich denn auch ein einzelnes Pfundstueck investiert um das Panarama in Posterform zu haben.

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Nach diesen beeindruckenden Spezialausstellungen blieben noch zweieinhalb Stunden fuer die Attraktionen im Albert Dock, namentlich das Merseyside Maritime Museum und die Tate Gallery. Letztere habe ich nicht mehr geschafft, denn meine Fuesse wollten einfach nicht mehr, aber im selben Gebaeude ist auch das International Slavery Museum. Die letzte Stunde habe ich fast nur im Sitzen verbracht mit dem Anschauen der verschiedenen Touchdisplay-Videos, da meine Fuesse einfach nicht mehr wollten.

Am Abend noch ein Pint Real Ale im Baltic Fleet getrunken, dem einzigen Brew Pub in Grossbritannien. Aber da ich so wenig gegessen hatte, war das mehr als genug. Als ich dann gegen 11 in die Jugendherberge zurueck kam, waren in meinem Zimmer alle schon am schlafen. Seltsam!

3. Tag – 15. September – Restessen

Beim Fruehstueck wurde ich von einer deutschen Schulklasse ueberrannt, die gleich etwas angewidert vom Ruehrei „Boah, morgens kriege ich sowas nicht runter!“ ihre Deutschheit bewiesen. Andere fragten verzweifelt „Was kann man denn hier essen?“ Also ich haette gedacht, dass am Fruehstuecksbuffet alles essebar ist. Ein schlimmeres Erlebnis hatte ich jedoch einmal in der Jugendherberge in Edinburgh, wo ich mir Porridge zum Fruehstueck gemacht hatte. Die deutschen Reisenden kommentierten diese Koestlichkeit mit „Iiieh, ist das ekelig!“. Hinweis an alle Deutschen: Etwas, das jemand im Begriff ist zu essen, mag man zwar eklig finden, aber man darf ihm/ihr das niemals sagen!

Da das Wetter nicht wirklich gut war (nicht wie am Wochenende) und seit heute der Spaceport Montags geschlossen hat, bin ich nicht wie geplant mit der Merseyfaehre gefahren und kann entsprechend nicht berichten, ob Gerry da tatsaechlich singt. Der ausschlaggebende Grund war besagter Spaceport, wo eine es gerade Doctor Who-Ausstellung gibt, die ich sehr, sehr, sehr, sehr gerne gesehen haette…

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So bin ich also am Albert Dock rumgeschlichen, habe mir diverse kleine Museen angesehen und war doch noch in der Tate Gallery, die aber halb geschlossen ist, da am Samstag eine neue Ausstellung zur Biennal eroeffnet wird.

Und dann war es auch schon Zeit in den Bus nach Manchester zu steigen, wo ich auf das erste von vier Konzerten gegangen bin. Die Busfahrt hin fing wegen einer Reifenpanne eine halbe Stunde zu spaet an und auf der Rueckfahrt gab es einen leichten Herzinfarkt, aber ansonsten war nicht viel los. Das Konzert war natuerlich fantastisch! In der Manchester Academy war viel los, da im Hauptsaal Bon Iver gespielt hat, doch die Wave Pictures und Jeffrey Lewis Band fand ich sehr viel besser. Ich habe mich sogar noch mit den Wave Pictures unterhalten koennen, da sie waehrend des Hauptacts den kleinen Shop betreut haben. So konnte ich mein CD-Booklet von allen Dreien signieren lassen. Ach ja, Jeffrey Lewis und Band waren auch fantastisch, besonders die „Film“einlagen (dazu nach dem Urlaub mehr).

16. September – Abreise

Das fruehe Aufstehen fiel mir nach der spaeten Rueckkehr erstaunlich leicht und so konnte ich bequem zum Bahnhof laufen und den gemuetlichen Zug nach York besteigen.

Foto-Album bei flickr

  1. Laut beiden Reisefuehrern war der Preis bis letztes Jahr noch £. []
  2. Die jetzt £ 9 kostet, weil £ 1,50, weil waehrend Liverpool 08 Capital of Culture administrativer Mehraufwand anfaellt. []
  3. Im Ausweichpub wurde ich doch tatsaechlich nach meinem Ausweis gefragt, als ich an der Reihe war, eine Runde auszugeben. []

3 Gedanken zu „1 Liverpool“

  1. *lach* Es ist klasse, daß Du eine schöne Zeit in Liverpool hattest. Ich war am 15.09 auch im Royal Liverpool Hospital zur Untersuchung. Ich habe an Dich gedacht als ich in Lime Street Station ankam.

    Albert Dock liebe ich. Es ist einfach toll dort. Bei den Beatles war ich auch schon mit meiner Cousine. Ansonsten war mir der Eintritt zu teuer.

    Die Scoucers haben ja einen anderen Akzent als der Rest vom Nordwesten. 🙂

    Leider war es ein wenig regnerisch, aber heute ist ein wunderschöner sonniger Tag.

    Ich wünsche Dir noch eine schöne Reise.

    lg Netty

  2. Netty, ich habe auch an dich gedacht 🙂 Albert Dock ist wirklich gut zum Schlendern geeignet. Und der Beatles-Eintritt ist ja nur momentan wegen Liverpool 08 so hoch (bzw. das hoffe ich mal).

  3. Julia, der Eintritt war schon immer so hoch, leider! Wir wohnen schon so lange hier u. mit meiner Cousine war ich das erste Mal dort.

    Morgen muß ich wieder zum Liverpool Royal. Hast Du den Betonklotz vom Bahnhof (Hinterausgang) sehen können.

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