1 Cambridge

Sodele, bin gut angekommen und habe am Abend ein bisschen Orientierung betrieben.

Eigentlich hatte ich vorgehabt, mobil online zu gehen und zwei Wochenpläne von T-Mobile zu kaufen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Jetzt habe ich 5 Pfund für 24h Hostel-WLAN ausgegeben, um nachzulesen, wo ich die Einstellung im Milestone zum Datenroaming finde. Naja, aus Fehlern lernt man und das ist ja gar nicht das Thema.

Cambridge ist absolut fantastisch. Schnuckelig und englisch wie es nur geht mit Reihenhäusern aus dem Klischeehandbuch und viel Sandstein in der Innenstadt. Am Ankunftstag war es sehr windig, aber sonnig und über 20 Grad. So sieht ein perfekter Urlaub aus!

Gerade warte ich auf das Frühstück, das es erst um halb Acht gibt. Danach mache ich die Colleges unsicher…

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Der Tag verlief bisher anstrengend! Vom Hostel habe ich ein vergünstigtes Punting-Ticket erworben und bin gleich mit der ersten Tour gefahren. Nick hat uns in einer Stunde an den meisten Colleges vorbeigefahren und viel erzählt – ein perfekter Einstieg in den touristischen Tag.

Anschließend habe ich mir die Colleges zu Fuß angesehen, aber bis auf eines nicht von innen, denn die waren entweder geschlossen oder verlangten Eintritt. Vielleicht hole ich das morgen nach. Die Wren Library musste natürlich sein, auch wenn entgegen vorheriger Angaben die Originalausgabe der Principia Mathematica nur Fellows des Trinity Colleges zugänglich ist. Die haben überall Privilegien, z.B. beim Abstellen ihrer Räder. Einen Porter habe ich gefragt, wie er das denn überprüft und er meinte, die 70 regelmäßig parkenden kennt er und wer sonst,mit genug Selbstbewusstsein sein Rad abstellt, der ist wahrscheinlich auch berechtigt.

Überraschenderweise hat sich der bis dahin sonnige Tag dann von der weinenden Seite gezeigt und ich bin ein bisschen durch die Shops getingelt. In meinem Fall sind das Bücherläden, CD/DVD-Shops und Sportgeschäfte. Hab aber nichts Passendes gefunden. Nur einen Schock musste ich verarbeiten, da ich meinen Geldbeutel in einem der gemütlichen Sessel liegen gelassen hatte. Zum Glück lag er einige Minuten später noch unberührt da (zumindest fehlte kein Geld). Außerdem hat sich die Sonne wieder durchgesetzt.

Diesen Teil des Tages habe ich mit dem Polarmuseum abgeschlossen. Das ist wie die meisten dieser Art kostenlos und toll gemacht. Morgen werde ich evtl. noch ein oder zwei weitere (kostenlose) Museen besuchen.

Jetzt ist erstmal Ausruhen und Stärken angesagt, bevor es heute Abend zum ersten Konzert des Urlaubs geht.

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Stichwort Fahrräder: bisher dachte ich, Greifswald und Konstanz seien Fahrradstädte, aber Cambridge spielt in einer ganz anderen Liga. Das betrifft sowohl die Anzahl als auch die Infrastruktur. Es gibt viele Radweg, Abstellmöglichkeiten, Läden, etc und die Autofahrer nehmen gezwungenermaßen Rücksicht. Lampen gibt es kaum, nur blinkende LEDs, die irgendwo angebracht sind (zur Not um den Hals) oder gar kein Licht und gefahren wird ohne Gucken kreuz und quer. Des Weiteren sind diese schnuckeligen Holzkörbe aus An Education immer noch Standard und Gepäckträger werden viel seltener genutzt.

Nun zum Konzert: es war herrlich! Die beiden Vorbands hätten unterschiedlicher nicht sein können (Indietronic von drei Teenagern und Rock’n’roll von vier Hipstern), aber Big Deal haben das Publikum verzaubert. Mit zwei Gitarren haben sie die ca 60 Menschen überzeugt, dass man kein Schlagzeug braucht. Zwischendurch erzählten sie, dass Casey mal im Portland Arms gearbeitet hat und sie nun ihre ein Jahr lange Tour endlich beenden.

Die Stimmung war ziemlich ruhig und da habe ich ein bisschen die Energie vermisst. Aber die ruhige Musik gibt das nicht unbedingt her. Getroffen habe ich dort einen Vater, der von seinem Sohn hergeschleift wurde und letzterer hatte wirklich Ahnung von Musik. Sowohl historisch als auch aktuell kennt er sich aus und hat schon viele tolle Bands gesehen. Da wurde ich richtig neidisch, weil sie auch Im November die Arctic Monkeys sehen werden. Die beiden waren so nett, mich nach dem Konzert zurück zum Hostel zu bringen und meinen Blasen den über 2km langen Weg zu ersparen.

Der dritte und letzte Tag in Cambridge ist angebrochen und so wie das Wetter aussieht, werde ich wohl wieder viel Rumlaufen und Gucken.

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Der Tag verlief tatsächlich mit viel Rumlaufen und Gucken. Ein weiteres College habe ich angesehen – Christ’s wo Darwin studierte (kann auch Jesus gewesen sein, es sind so viele!). Der Garten ist toll und hat sogar einen eigenen Pool (mit entsprechenden Regeln, welche Studenten den nutzen dürfen).

Weiter ging es mit Darwin, denn das Sedgewick Museum (kostenlos, fantastisch) handelt von der Erdgeschichte, Fossilien und Geologie. Letztere hat Darwin während seiner Beagle-Reise ausführlich betrieben, was ihn zum Schluss führte, dass die Erde wesentlich älter ist als angenommen und das wiederum war die Grundlage für seine Evolutionstheorie, denn sonst hätten die Anpassungen nicht genug Zeit gehabt.

Nach diesem lehrreichen Ausflug ging es weiter nach Nottingham.