Kategorie-Archiv: Lesen

Mal liest mit den Augen… (und erst dann wird vom Gehirn verabeitet)

Von U_mag zu uMag: von glanzweiß zu mattgrau

Heute gibt es einen etwas ungewöhnlichen Test, denn (wie so manch anderer Blogger) wurde ich vom U_mag/uMag gefragt, ob ich es rezensieren möchte. Öfter mal was Neues und die Seite sagte mir zu und so habe ich eine alte (November 2009) und die erste neue Ausgabe (Februar 2010) zugeschickt bekommen.

Noch bevor ich letzte Woche die neue Ausgabe erhalten habe, las ich die erste vernichtende Kritik und war doppelt gespannt, wie mein Eindruck sein würde. Was ich von dem Artikel mitgenommen habe, ist, dass eine sog. “Kreativagentur” das Magazin neu gestaltet hat. Wir werden sehen, was das für Auswirkungen hat. Erst einmal ein visueller Vergleich:

U_mag und uMag im Vergleich

Links die alte Version, rechts die neue. Wie man vielleicht erkennen kann, ist das Magazin kleiner in Höhe und Breite, aber gewachsen in der Dicke. Letzteres täuscht jedoch, da beide Ausgaben 82 Seiten beinhalten. Der Grund für die Dickenerhöhung macht sich beim Aufschlagen bemerkbar, denn aus den vormals gewohnt dünnen, glatten, weißen Hochglanzseiten sind dicke, aufgeraute Umweltpapierseiten geworden. Ist erstmal ungewohnt, aber das weckt Assoziationen zu der Art Bücher, die ich gerne lese und von daher zähle ich das als Pluspunkt.

Ich habe beide Ausgaben komplett durchgelesen, was ich bei Magazinen fast immer mache und die vergleichsweise kurzen, aber zahlreichen Interviews (fast immer jeweils eine Doppelseite) sind knackig und für den webverwöhnten und aufmerkskamkeitsgeschädigten Mitzwanziger bis Mitdreißiger von heute genau das Richtige. Die Aufteilung hat sich geändert insofern, dass vorher die Themen durcheinander waren (Literatur folgt Musik folgt Film folgt Musik folgt Film folgt Literatur und dazwischen noch Kunst). Jetzt ist alles schön getrennt, was man altmodisch nennen mag, ich aber bevorzuge. Allerdings sind durch die Trennung die hübschen Indikatoren in der Ecke unnötig geworden, was schade ist, denn die fand ich sympathisch.

Buchempfehlungen: Edwin A. Abbott – Flatland, Ian Stewart – Flatterland

Heute gibt es eine Doppelbuchempfehlung, die ich schon lange machen wollte und durch die letztwöchige Folge von The Big Bang Theory erinnert wurde. Dort erwähnt einer der Charaktere “the two-dimensional world described in Edwin Abbott’s mathematical fantasy, Flatland.” und genau darum geht es heute und um eine der vielen inoffiziellen Fortsetzungen.

Flatland CoverIch habe die beiden Bücher vor anderthalb Jahren verschlungen, deswegen wird die Inhaltsangabe etwas unsicher, aber auf jeden Fall ist sie ungewöhnlich. Flatland wurde von Abbott im Jahr 1884 mit dem Untertitel A Romance of Many Dimensions veröffentlicht und scheint mit gerade einmal 95 Seiten (Digireads-Ausgabe von 2005) leicht verdaulich. Wie der Name schon andeutet, ist es jedoch etwas komplizierter, denn der Erzähler A Square berichtet von seiner Heimat Flatland und wie die Bewohner (geometrische Figuren wie Fünfecke, Kreise, Linien etc.) leben und zurecht kommen. Er erzählt von der Beschaffenheit der Häuser, den Gesetzen, der Klassenhierarchie (je mehr Ecken und je regelmäßiger, desto besser) und dass Frauen Linien sind. Es beginnt damit, dass er einen seltsamen Traum von Lineland hat und wenig später von einer Kugel besucht wird, die ihn die unglaubliche dreidimensionale Welt von Spaceland entführt. Seine Erfahrungen soll A Square nutzen, um die Regierung vom Evangelium der dritten Dimension zu überzeugen.

Das klingt wirklich seltsam, oder?! Ist es auch und zwar nicht nur die Idee, sondern auch die komplette Ausarbeitung des Lebens in Flatland, z.B. wie sich die verschiedenen Formen untereinander erkennen, dass die Priester (fast) Kreise sind und dass es mal Farben gab und diese nach einer gescheiterten Revolution verboten wurden.

Buchempfehlung: Mark Haddon – The Curious Incident of the Dog in the Night-Time

The Curious Incident of the Dog in the Night-TimeZu Weihnachten habe ich ein bezauberndes Buch geschenkt bekommen, das ich Euch ans Herz legen möchte. Ich kann es aus mehreren Gründen empfehlen, sowohl vom Inhalt und dem Schreibstil her als auch als idealer Einstieg für das Lesen von englischsprachigen Büchern.

Der seltsame Titel deutet es schon an, dass es sich hier nicht um ein 08/15-Buch handelt. Es ist geschrieben aus der Perspektive des 15-jährigen Christopher Boone, der Asperger-Syndrom hat, eine Form des Autismus. Das wird jedoch nie explizit gesagt, sondern man merkt es allmählich, wenn Christopher von seinem Alltag erzählt, dass er nicht aus Gesichtern auf die Stimmung schließen kann, dass er nicht angefasst werden möchte und dass er kein gelbes Essen isst. Sein Autismus ist nicht Teil der Geschichte, sondern erlaubt “nur” eine ungewöhnliche Erzählweise.

Es beginnt damit, dass Christopher erzählt, wie er den Hund der Nachbarin mit einer Forke im Leib tot aufgefunden hat und dass seine Lehrerin ihm aufgetragen hat, darüber Buch zu führen. So erklärt er alle Unklarheiten des täglichen Lebens, schweift ab und berichtet von seiner Begeisterung für Mathematik. Letztere führt auch dazu, dass die Kapitel mit Primzahlen nummeriert sind. Doch immer ist sein Ziel die Aufklärung dieses “Verbrechens” und er macht tatsächlich einige Entdeckungen, die große Umwälzungen für sein Leben bedeuten.

Sonia Rossi – Fucking Berlin

Als ich mich auf der Seite Über mich umsah um etwas über Julia zu erfahren, entdeckte ich unter den unzähligen Interessen der kuriosen Doktorandin auch ihre Leidenschaft für Bücher. Da erinnerte ich mich an ein Buch, das ich in England (dem Land in dem Julia gerade verweilt) gelesen habe. So formte Robert von Spontis seinen Gastbeitrag für Julia von 49suns.

Ich lese nicht gerne Romane und Geschichten. Die sind nichts für mich, mir fehlt einfach die Muse in ein Buch einzutauchen und gekonnt die Welt darin zu erkunden. Was ich aber immer schon gerne gelesen habe, sind (Auto)Biografien, Tatsachenberichte und Dokumentationen die sogenannten Klugscheisserbibeln. Vielleicht ist das so ein Männer/Frauen Ding was uns neben anderen Kleinigkeiten voneinander unterscheidet, Frauen sind mehr für eine Geschichte mit Anfang, Höhepunkt und Happy End, Männer mögen Tatsachen (auch nackte), Fakten und Wissen. Was lag also näher alles zu verbinden?

Eine Bekannte, der ich Charlotte Roches “Feuchtgebiete” geliehen hatte, beglückte mich dann auch kurz vor meiner London Reise mit einem Buch und begleitete das mit den Worten:  “Musst du gelesen haben! Das gefällt Dir bestimmt.” So steckte ich mir also Sonia Rossi’s “Fucking Berlin” ins Handgepäck.

Literatur und Natur: Wuthering Heights und der Peak District

In Vorbereitung auf meinen Aufenthalt im schönen Nationalpark Peak District habe ich pflichtbewusst den Roman Wuthering Heights (Sturmhöhe) von Emily Brontë gelesen[1]. Der Titel leitet sich aus einem der beiden Schauplätze des Romans, dem Anwesen Wuthering Heights. Dort und in Thrushcross Grange spielt praktisch die gesamte Geschichte. Die Anwesen liegen im Peak District und die Landschaft wird öfter erwähnt und hat einen indirekten Einfluss auf die Charaktere, aber das war es auch.

Panorama: Peak District

In dieser Hinsicht war das Lesen umsonst, aber es hat sich dennoch gelohnt. Wuthering Heights wird mittlerweile als der beste Roman der Bronte-Schwestern angesehen und auch wenn ich keine weiteren Werke kenne, so kann ich sagen, dass Emily mit ihrer einzigen Arbeit etwas Ungewöhnliches geschaffen hat. Hierzulande verbindet man mit englischer Literatur von weiblichen Autoren aus dem 18./19. Jh. oft die ungleich bekanntere Jane Austen, doch deren Romane sind mit Wuthering Heights nicht vergleichbar. Hier geht es richtig zur Sache, das Leben ist einfacher, der Umgangston rauher und das Ende kein glückliches. Die Erzählweise ist viel kompakter, es gibt weniger handelnde Personen und Schauplätze. Das lässt Raum für die Konzentration auf die Emotionen und Beweggründe der Hauptpersonen. Ich war positiv überrascht von der Ehrlichkeit und Intensität der Beschreibungen.

Die komplizierte und unglückliche Liebesgeschichte von Geschichte von Heathcliff und Catherine wird in Rückblicken von einer Haushälterin erzählt. Am Anfang war es schwer sich einzufinden, weil die Sprache ungewohnt ist und die Familienverhältnisse undurchsichtig. Doch nach und nach gewöhnt man sich daran und es hat seinen Sinn, dass man nicht sofort durchsteigt, wer mit wem wie verwandt ist. In der Ausgabe der Wadsworth Collection[2] sind einige Wörter in Fußnoten erklärt und so versteht man auch den Diener Joseph, der im lokalen Dialekt spricht.

Welten entdecken mit Walter Moers

Jetzt habe ich also die einmalige Gelegenheit für Julia einen Gastbeitrag zu schreiben  solange Sie Ihre Reise macht und da lasse ich mich natürlich nicht lumpen und behandle heute ein Thema, welches vor allem die Bücherwürmer unter Euch Lesern ansprechen dürfte. Ich persönlich bin eine große Leseratte und dabei beschränke ich mich nicht auf feste Genres, sondern lese das, was mir gefällt und ganz neu entdeckt habe ich für mich die literarische Welt von Walter Moers und dabei ganz besonders seine Zamonien-Romane. Ich möchte Euch also heute eine kleine Rezession über die 2 bereits von mir gelesenen Zamonien-Romane geben und einen kurzen Ausblick auf die 3 für mich noch ausstehenden, die da wären: Rumo & Die Wunder im Dunkeln, Der Schrecksenmeister, Ensel & Krete, Die Stadt der Träumenden Bücher und die 13 1/2 Leben des Käpt`n Blaubär. Die meisten verbinden Walter Moers sicherlich erstmal mit Käpt`n Blaubär so wie er in der Sendung mit der Maus gezeigt wird, oder aber mit dem kleinen Arschloch, aber welch fantasievolle Welten und Figuren er mit Zamonien geschaffen hat, dass wissen die wenigsten und ich kann Euch garantieren, es lohnt sich, aber fangen wir einfach an.

Buchempfehlung: Rob Sheffield – Love is a Mix Tape

Manchmal kommen mehrere Dinge zusammen, die zu einem wundervollen Erlebnis führen und so auch im vorliegenden Fall. Das Buch, um das es geht, wurde vor ein paar Tagen von Indiestreber Thomas empfohlen und gestern veröffentlichte Beety die Auswertung seiner Mixtape-Parade. Da ich das Buch von einiger Zeit gekauft und dem wachsenden Stapel ungelesener Bücher hinzugefügt hatte, bewegten mich diese beiden Erwähnungen dazu, gestern abend anfangen zu lesen. Und ich habe es in einem Rutsch komplett durchgelesen!

Mix Tape: T-Shirt und Buch

Das alleine sollte schon Empfehlung genug sein, aber man kauft die Katze ja nicht im Sack. Rob Sheffield schreibt mittlerweile für den Rolling Stone und somit kann man davon ausgehen, dass es interessant geschrieben ist. Natürlich hätte das schief gehen können, denn eine Albumrezension ist etwas anderes als das eigene Leben. Doch mit Hilfe verschiedenster Mixtapes, die Rob und seine Frau Renée im Laufe der Jahre erstellt haben, erzählt er seines und ihr Leben, von der Kindheit (sie als Baptistin in den Appalachen, er als irischstämmiger Katholik in Boston) über ihr Kennenlernen, Verlieben und ihren Tod. Ja, ihren Tod, denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Das Buch bzw. die vielen Mixtapes (eines pro Kapitel) sind eine Art Therapie und Erinnerungshilfe, eine Liebeserklärung an seine Frau und an die Musik von den 50ern bis in die 90er. Es finden sich abenteuerliche Mischungen auf den verschiedenen Kassetten, von Country und Oldies über Punk, Grunge, Indie-Rock bis hin zu Charts-Pop und Hip Hop. Auf dem Papier klingen die Zusammenstellungen oft seltsam, doch Rob versteht es, die Hintergründe zu erklären und es juckt einen, die Mixtapes nachzubauen[1]. Besonders toll ist es natürlich, wenn vermeintlich unbekannte Bands auftauchen und man fühlt sich als Musikkenner.

Nur sechs aus 100 Büchern gelesen?

Listen sind immer und überall beliebt und ganz besonders Bestenlisten oder Listen mit Dingen, die man unbedingt gemacht haben muss. Im vorliegenden Fall wurde BBC’s The Big Read Top 100 zu einem Meme (Stöckchen) umfunktioniert (im Februar) und über viele verschlungene Wege erreichte es schließlich Dany und damit mich. Die Liste wurde durch Befragung des des britischen Publikums erstellt, was man bedenken sollte. Das Meme hat im Laufe der Monate etwas gewandelt, denn die folgende Liste stimmt nicht ganz damit überein.

Jedenfalls steht irgendwo, dass laut BBC die meisten Menschen nur sechs der folgenden Bücher gelesen haben. Ob das auch in meinem Fall so ist, wird sich gleich herausstellen und ich übernehme Danys System der Markierung (die sich ebenfalls die Mühe gemacht hat, zu den mehrheitlich englischen Titel die deutsche Version zu finden): die von mir gelesenen Bücher sind fett markiert; die angefangenen, aber nie zu Ende gelesenen rot; bei Mehrteilern, die ich noch nicht alle gelesen habe oder Bücher, die ich unbedingt noch lesen will grün; Bücher, von denen ich den Film gesehen habe, sind blau. D.h. blau und fett heißt, gelesen und gesehen. Außerdem schreibe ich noch dazu, ob auf englisch oder deutsch gelesen. Auf geht’s!

Buchempfehlung: Ben Elton – Blind Faith

LONDON :: London Eye
Creative Commons License photo credit: Crystian Cruz
Heute gibt es ein ungewöhnliches Buch als Empfehlung (nicht, dass ich gewöhnliche Bücher lesen würde…). Wie genau ich auf Ben Eltons Blind Faith gestoßen bin, weiß ich nicht mehr, nur dass es ewig lange in meinem Amazon-Einkaufskorb war und es irgendwann als Versandkostenvermeidungsfüller herhalten musste. Und es hat sich mehr als gelohnt!

Inhalt: Das Buch ohne Vorwissen zu lesen, habe ich als Vorteil empfunden und deswegen werde ich hier nicht zu viel verraten. Nur soviel, dass es in einer Welt spielt, die der heutigen ähnlich ist, aber sehr überspitzt dargestellt. Das bezieht sich auf die Radikalisierung des Glaubens (der “Tempel” ist die höchste Instanz), fehlende Privatsphäre (Bloggen und “Tubing” ist Pflicht!), Klimaerwärmung (die halbe Welt ist überflutet) und Überbevölkerung (Menschenmassen überall). Trafford Sewells Leben ist auf den ersten Blick völlig anders, aber beim genaueren Hinsehen sind wir nicht allzu weit von einer solchen Welt entfernt. Man könnte das Buch als Utopie bezeichnen, wenn dies nicht so schwerwiegend klingen würde. Stellenweise erinnert es an 1984, doch gerade als der Leser nach einigen Dutzend Seiten genau das vermutet, wird das Buch erwähnt – genial!

Die Zusammenhänge werden nach und nach enthüllt, geschickt in die Geschichte eingewoben und die absurdesten Lebensumstände wunderbar logisch erklärt. Dabei hat Ben Elton so einige skurrile Einfälle und ob die Parallenen zu 1984 sich bis ans Ende durchziehen, möge der interessierte Leser selber herausfinden! Das Buch ist meines Wissens bisher nur auf englisch erschienen (Amazon-Partner-Link) und wer nur ansatzweise gutes Englisch versteht, sollte sich daran wagen.