Zum Welttag des Buches 30x “About A Boy” zu verschenken

Morgen ist Welttag des Buches und dazu gibt es die Aktion Lesefreu(n)de. Dafür wurden 33.333 “Lese-Fans” ausgesucht, um eines von 25 Büchern 30x zu verschenken. Meine erste Wahl fiel auf About A Boy von Nick Hornby und das habe ich nun zu verschenken.

Welttag des Buches: About A Boy

Das Buch ist auf deutsch und wer Interesse hat, ein Exemplar zu bekommen, gehe bitte folgendermaßen vor[1]:

  1. Schreib einen Kommentar mit gültiger E-Mail-Adresse (wird nicht angezeigt), dass du gerne eines haben möchtest. Mit guter Begründung können es evtl. auch zwei Bücher sein.
  2. Schicke mir bis Samstag, 28.04.2012 um 9 Uhr deine Anschrift. bis Samstag, 5.05.2012 um 9 Uhr deine Anschrift. Das kann per E-Mail sein, über das Kontaktformular erfolgen oder mit “findest du im Impressum meines Blogs” mitgeteilt werden.
  3. In KW 18 sollte dann ein Exemplar des Buches bei dir eintrudeln. Sollte es zu viele Interessenten geben, werde ich diejenigen informieren, die kein Buch bekommen.

Wer auch noch gerne Adressat unbekannt von Kressmann Taylor bekommen möchte, der schaue bei Josie vorbei.

NACHTRAG vom 5.05.2012: Es sind alle Bücher verschenkt!

  1. Nachtrag vom 29.04.2012: Nach der ersten Woche habe ich noch knapp die Hälfte der Bücher. Deswegen werde ich am nächsten Samstag erneut verschicken. Das Datum wurde in der Liste entsprechend angepasst. []

Buchempfehlung: Rob Shearman – Everyone’s Just So So Special

Wie der Name des Buches schon sagt, gibt es hier etwas ganz Besonderes abzugreifen. Rob Shearman (ja, genau der Autor von Dalek) hat ein weiteres Buch mit Kurzgeschichten veröffentlicht. Das alleine wäre Grund zum Feiern, aber wer noch etwas mehr möchte, kann eine eigene, persönliche, gewidmete Geschichte dazu bekommen!

In den Geschichten geht es um Geschichte und Menschen und überhaupt. Das Format und der Aufbau ist ungewöhnlich und am besten schaut man sich das selber an. Neben einer Taschenbuchausgabe, gebundenen und in Leder gebundenen Ausgabe gibt es noch das Überspezial mit handgeschriebener Geschichte:

There are one hundred special leatherbound editions to be released. Each one of them will contain an utterly unique story, featuring the name of the book’s owner, and that namesake’s fictional place in history. Partially handwritten by me. And to prove they’re all different – that I really am that mad – I shall post the stories online here, all one hundred of them, every few days, from August 1st until I finish. (I’m guessing somewhere around Christmas. …I hope.)

Die Geschichten erscheinen auf diesem Blog und die erste ist bereits online (und zeigt den herrlich schrägen Humor, der einfach unschlagbar ist). Meine Geschichte ist bald auch dran. Ja, richtig gelesen: ich habe eine Ausgabe der limitierten Edition abgegriffen. Das Buch hat die Nummer 72, aber die Vorfahrengeschichten gehen nicht nach dieser Nummerierung.

Auf der Seite selber steht, dass noch einige Exemplare verfügbar sind, aber die Bestellseite funktioniert nicht. Kann also sein, dass es schon zu spät ist… Lesenswert ist das Buch auch so und deswegen solltet Ihr gleich zugreifen! Und vielleicht auch gleich noch die gnadenlos komisch-skurrile Sammlung Love Songs for the Shy and Cynical mitbestellen.

Sein Talent wird Herr Shearman übrigens bald weitergeben, denn er hat ab September eine Gastprofessur in der schönsten Stadt der Welt (s. BBC-Artikel).

Nachtrag: “Meine” Geschichte ist mittlerweile erschienen und zwar hier bzw. auch auf dem neuen WP-Blog hier. Es ist eine sehr lange und natürlich absolut fantastische Geschichte geworden!

Stöckchen: Bin ich bibliophil

Die Frage ist eigentlich rhetorisch, aber man dem auch semi-wissenschaftlich auf den Grund gehen. Denis/gorgmorg hat eine Frageliste in der Unfugfabrik entdeckt und beantwortet. Jenny bittet nicht nur um Teilnahme, sondern auch um Feedback und das gibt es natürlich ebenfalls. Auf geht’s:

  1. [x] Du gehst nie ohne Buch aus dem Haus.
  2. [x] Dein Bücherregal nimmt den größten Teils deines Zimmers ein.
  3. [x] Du teilst dein Bett mit Büchern.
  4. [x] Du inhalierst den Geruch von Büchern.
  5. [ ] Du streichelst Bücher.
  6. [x] Du kaufst jedes Mal etwas, wenn du in eine Buchhandlung gehst.
  7. [ ] Dein SuB[1] ist dreistellig und tendiert zur Vierstelligkeit.
  8. [ ] Du unterhältst dich mit den Buchcharakteren.
  9. [ ] Du gibst im Monat mehr Geld für Bücher, als für Lebensmittel aus.
  10. [x] Du bereist die Orte, die in deinen Büchern genannt werden.
  11. [x] Du hältst Bücher für eine bessere Altervorsorge, als Aktien etc. .
  12. [ ] Du zeltest am Tag der neuen Bucherscheinung deines Lieblingsautor vor der Buchhandlung deines Vertrauens, um als erste/r ein Exemplar zu ergattern.
  13. [ ] Deine Familie und Freunde wisse nicht mehr, welches Buch sie dir zum Geburtstag schenken sollen, weil du schon alles hast.
  14. [x] Du verbindest mit mindestens ¼ deiner Bücher im Regal ein Ereignis, an das du dich gerne zurück erinnerst.
  15. [x] Bei dem Wort Buch, wirst du sofort aufmerksam.
  16. [ ] Deine Familie und Freunde wissen nicht mehr wie du aussiehst, weil du ständig ein Buch vor der Nase hast.
  17. [x] Menschen, die Bücher nicht mögen, magst du nicht.
  18. [ ] Du gehst auf die Lesung jedes Autors, dessen Buch du im Regal stehen hast.
  19. [ ] Du benutzt Bücher als (Kuschel-) Kissen.
  20. [ ] Du vergleichst deine Freunde mit Buchcharakteren.
  21. [ ] Deine besten Freunde heißen Bertelsmann, Carlsen, Heyne, Lyx &Co. und heißen alle „Verlag“ mit Nachnamen.
  22. [x] Dein SuB weigert sich vehement dagegen kleiner zu werden.
  23. [ ] Du versuchst Buch-Flatrates mit den Verlagen auszuhandeln.
  24. [x] Du lernst eine neue Sprache, damit du nicht warten musst, bis das Buch endlich auf Deutsch erscheint.
  25. [ ] Wenn du einmal ein Buch angefangen hast, legst du es bis zum Schluss nicht mehr weg.
  26. [x] Du verleihst keine Bücher, weil du Angst hast, dass jemand deinen Lieblingen Schaden zufügen könnte.
  27. [x] Man könnte meinen, du besitzt eine eigene Bücherei oder Buchhandlung.
  28. [ ] Deine besonderes Schätze bekommen einen Platz in deiner (gesicherten) Vitrine.
  29. [ ] Wenn dich dein Partner vor die Wahl stellt „Ich oder das Buch“, antwortest du „Von welchem Buch reden wir denn?“
  30. [ ] Du verbringst mehr Zeit mit Lesen als mit anderen Dingen (Job, Schlafen, Freunde und Familie).
  31. [ ] Du magst keine eBooks.
  32. [x] Buchverfilmungen findest du in der Regel schlecht und du hättest es viel besser umgesetzt.
  33. [ ] Du schreibst ein Buch darüber, wie es mit deinen Buchlieblingen weitergeht.
  34. [ ] Du besitzt immer noch das Buch, welches du als erstes gelesen hast.
  35. [ ] Du kennst dich besser mit der aktuellen Beststellerliste aus als die meisten Buchhändler/innen.

Zur Auswertung heißt es:

0-5 Antworten: Du brauchst dir keine Sorgen machen. Mit dir ist alles in Ordnung. Vielleicht solltest du aber mal öfter ein Buch in die Hand nehmen.

6-10 Antworten: Mit dir ist noch alles in Ordnung. Du bist ein ausgeglichener Viel-Leser, der neben Büchern noch viele andere Hobbies hat.

11-15 Antworten: Dein Zustand ist kritisch. Aber du kannst immer noch damit umgehen, wenn du mal kein Buch zur Hand hast.

Ab 16 Antworten: Bitte besuche sofort ein Treffen der anonymen Bibliophilen!

Mti 15 Antworten bin ich also noch so gerade im grünen Bereich… Einige Auswahlmöglichkeiten sind allerdings interpretationswürdig und ich könnte bis zu drei Antworten nach oben oder unten gehen.

Feedback: Die Fragen sind nach meinen Eindruck stark auf die Gruppe derjenigen ausgerichtet, die deutschsprachige Bestseller in gebundener Form lesen.

Ich lese bevorzugt Taschenbücher (und kann darauf warten), ich bestelle fast nur im Internet (gebraucht und neu), meine Bücher sind zu 95% auf englisch, die restlichen 5% sind schwedische Bücher, die auf deutsch besser übersetzt sind. Frage 24 habe bejaht, da ich angefangen habe, Schwedisch zu lernen mit dem Hintergedanken, Liza Marklund und Henning Mankell im Original zu lesen. Dass ich nicht durchgehalten habe, steht auf einem anderen Blatt.

Die erste Frage habe ich bejaht, da ich immer ca. ein halbes Dutzend Hörspiele auf meinem Milestone mit mir trage und die zählen auch, oder?

Warum ist man bibliophil, wenn man keine eBooks mag?! Darauf sind doch auch Bücher, oder etwa nicht? Ich habe mal verschiedene eBook-Reader in einem Buchladen ausprobiert und war angenehm überrascht. Langsam spiele ich mit dem Gedanken, mir einen zu Weihnachten zu leisten – von wegen Geschenkenotstand und so.

Und nun ist es an Euch meine Antworten zu analysieren und/oder selber Kreuzchen zu machen.

  1. Stapel ungelesener Bücher []

Buchempfehlung: Doctor Who: The Writer’s Tale: The Final Chapter

The Writer's TaleSo viele Doppelpunkte gibt es selten in einer Überschrift, aber wir haben es hier auch mit einem seltenen Exemplar von Buch zu tun.

Alles begann im Februar 2007 mit der Idee, dass der Redakteur einer Zeitschrift – Benjamin Cook vom Doctor Who Magazine – dem Drehbuchschreiber von Doktor Who – Russell T. Davies – ein paar Fragen zum Schreibprozess stellt, um daraus einen Artikel zu machen. 31 Monate und 693 eng beschriebene Seiten später kann man davon ausgehen, dass das eine ziemlich optimistische Herangehensweise war.

Jedenfalls war die Prämisse der Great Correspondence, dass RTD am Beispiel des Skriptes für das Weihnachtsspecial 2007 erklärt, wie er ein Skript für Doctor Who schreibt. Nach anfänglichen allgemeinen Mails, die RTD hauptsächlich mit Prokrastinieren verbringt, geht es endlich los und dem Leser wird ein tiefer Einblick geboten. Das mäandert natürlich durch viele Themen, wie Schreiben allgemein, Hintergrundvorgängen zu Doctor Who, vorherige Arbeiten als auch die Biografie von RTD.

Benjamin Cook stellt einige wirklich knackige Fragen, aber der Großteil der Zeilen stammt von seinem Gegenpart, der vor allem tief in der Nacht sehr persönliche und ehrliche Geschichten und Gedankengänge offenbahrt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und wer von sich denkt, an Aufschieberitis zu leiden, der kann hier von einem Meister noch was lernen. Man spürt richtig die Verzweiflung zwischen den Zeilen, die dann und wann zu echter Euphorie umschwankt, wenn er wieder eine tolle Idee hatte und/oder viele Seiten Skript geschafft hat.

Für mich war das Buch optimal geeignet, denn ich interessiere mich sowohl für Doctor Who als auch für die Vorgänge hinter den Kulissen. Es macht Spaß zu entdecken, welche Details schon Jahre vorher geplant waren (z.B. die letzte Zeile des zehnten Doktors) und welche großen Umwälzungen erst in letzter Minute getätigt wurden (z.B. das Ende von Adelaide Brooke). Witzigerweise hat auch der E-Mail-Austausch hier und da Einfluss auf die Skripte gehabt. Außerdem lernt man durch die schonungslose Offenheit ganz andere Seiten von RTD kennen wie den verletzlichen Schreiber und den rücksichtslosen Produzenten.

Das Buch ist wie schon angedeutet eine Sammlung von E-Mails (plus einiger SMS) und alleine die Betreffzeilen lohnen den Kauf (“Charlie Hunnam’s Arse”, “Stephen Moffat’s Thighs” etc.). Diese Taschenbuchausgabe mit dem Zusatz The Final Chapter erschien im Januar 2010 und ist eine Verdoppelung im Vergleich zur gebundenen Ausgabe, die im September 2008 erschien. Ich würde in jedem Fall das Taschenbuch empfehlen, nicht nur weil es billiger ist, sondern auch weil es nicht mitten in den Vorbereitungen zu The Next Doctor abbricht, sondern mit RTDs L.A.-Umzug nach Beendigung von David Tennants Ära endet.

So gut das Buch auf meine Interessen zugeschnitten ist, so ungeeignet mag es für andere Leser sein. Man sollte sich sowohl für die Serie interessieren[1] als auch dafür wie Fernsehen gemacht wird, insbesondere der Schreibprozess am Beispiel von RTD. Einige Rezensionen beschweren sich darüber, dass das gar kein Einführungsbuch für angehende Drehbuchschreiber sei, aber die haben einfach den Titel nicht richtig gelesen. Außerdem würde ich allen RTD-Hassern und Gay Agenda-Verschwörern abraten.

Wer nicht dazu gehört und/oder meine Interessen teilt, möge beherzt zugreifen und zwar gerne über meine Amazon-Partnerlinks: DE für 21,99 € oder UK für £ 8,94.

Die Früchte der ganzen Schinderei kann man übrigens auf der offiziellen Seite herunterladen, d.h. dort gibt es die Skripte für alle 2009er-Specials und sechs aus Staffel vier inkl. des Xmas-Specials.

PS: Mein Dank geht an Markus vom English-Blog, bei dem ich einen Gutschein gewonnen habe, mit dem ich das Buch gekauft habe.

PPS: Wer kennt das Buch schon und kann ebenfalls ein Urteil abgeben?

  1. Wobei man dank hilfreicher Fußnoten auch komplett ohne Vorkenntnisse durchkommen sollte. []

Buchempfehlung: David Nicholls – One Day

David Nicholls - One DayLetzte Woche war ich unterwegs und habe das vorliegende Buch zuende gelesen. Eine Frau neben mir hatte zufällig das gleiche Buch dabei, allerdings auf deutsch. Dabei hat man aus dem knackigen und doppeldeutigen One Day nicht etwa Ein(es) Tages, sondern ein einfallsloses und beschreibendes Zwei an einem Tag gemacht[1].

Soviel also zum Titel, jetzt kommen wir zum Inhalt: Am 15. Juli 1988, dem Saint Swithin’s Day, verbringen Emma und Dexter ein paar Stunden miteinander. Sie haben gerade die Uni in Edinburgh abgeschlossen und werden bald getrennte Wege gehen – Dexter auf gammelige Weltreise, die er sich durch seine wohlhabende Herkunft leisten kann und Emma auf Jobsuche, die sich trotz eines sehr guten Abschlusses schwierig gestaltet.

Jedes Jahr am gleichen Tag treffen wir wieder auf die beiden und erfahren, was sie so in der Zwischenzeit zustande gebracht und getrieben haben. Die einzelnen Kapitel (= Jahre) werden sehr unterschiedlich beschrieben, was sehr viel Spaß macht. Mal sind es Briefe der beiden, mal einzelne Momentaufnahmen aus der jeweiligen Perspektive, mal ein gemeinsam verbrachter Urlaub.

Ebenso erfrischend ist die Beziehung, denn es handelt sich nicht um einen schnöden Liebesroman, sondern um die Beschreibung einer ungewöhnlichen Freundschaft über die Jahre. Und wie sich das Leben von Em und Dex, Dex und Em verändert, wie sie sich durchschlagen, mit kleinen und großen Problemen fertig werden, ihre beruflichen Karrieren auf und ab gehen, ihre Liebeseziehungen anfangen, verlaufen und enden usw. Natürlich schleichen sich ab und zu unnötige Klischees in die Schreibe ein, aber das wird durch die vielen cleveren Details, interessanten Wendungen und genauen Alltagsbeobachtungen wett gemacht.

Kommen wir noch mal auf den Titel zurück. Die offensichtliche Interpretation ist die des eines Tages, des 15. Juli, an dem der Leser über den Fortgang des Schicksals der zwei Hauptpersonen informiert wird. Die andere Bedeutung ist die des Herausschiebens, dass sich eines Tages, ja wenn man sich nur aufrafft, dann, ja dann wird sich alles ändern und alles besser werden. Sowohl Emma als auch Dexter haben Träume und Probleme, die sie anpacken wollen bzw. müssen und doch (lange) nicht tun. Die Verarbeitung dieser zweiten Bedeutung ist David Nicholls sehr gut gelungen und man findet sich oft selbst wieder in den Beschreibungen. Deswegen finde ich es auch so schade, dass man das in der deutschen Übersetzung so unter den Tisch hat fallen lassen.

Es gibt übrigens einen Song namens St. Swithin’s Day von Billy Bragg (Live-Video), den Nicholls in den Danksagungen erwähnt. Davon gibt es eine wunderschöne Version von Ben Gibbard:

Wer mal reinlesen möchte, kann dies bei Amazon tun und bei Gefallen zugreifen (alles Partnerlinks): Amazon UK für £3,99, Amazon DE für €8,70 (englisch), Amazon DE für €14,00 (deutsch).

  1. Bitte entschuldigt diese grantige Einleitung, aber so ziemlich jedes englische Buch, das ich in letzter Zeit gelesen habe, hat einen dämlichen deutschen Titel und darüber musste ich mich mal aufregen. []

Buchempfehlung: Christopher Moore – Fool

Christopher Moore - FoolNebenstehendes knallgelbe Buch ist mir neulich im Buchladen ins Auge gesprungen und da ich “cover blurbs” normalerweise ignoriere, habe ich nur die Namen Douglas Adams und Terry Pratchett überflogen und mich ans erste Kapitel gemacht. Diesen Schritt habe ich nicht bereut und ob es auch was für Eure Augen ist, soll dieser Beitrag zeigen.

Bevor der geneigte Leser richtig anfangen kann zu lesen, bekommt er eine Warnung über profanes Vokabular, split infinitives und eine Besetzungsliste präsentiert. In Letzterer tauchen illustre Namen wie Lear, Goneril, Regan und Cordelia auf. Theaterfreunde und Englischstudenten werden hellhörig, denn ja, das ist tatsächlich bis auf ein paar Details dieselbe Liste wie bei Shakespeare’s King Lear. Beachtenswerte Ausnahmen sind das Benennen des Narren als Pocket, Drool (Narren-Auszubildener) und ein Geist (“There’s always a bloody ghost”). Eine größere Abweichung sind die Hexen aus Macbeth, aber die bereichern die Geschichte ungemein.

Erzähler ist der namensgebende Fool und neben den aktuellen Ereignissen um den ereignisreichen Ruhestand von König Lear, gibt er seine Geschichte zum Besten, wie er in einem Kloster aufwuchs, als reisender Gesell im Schloss ankam und die drei Königstöchter kennenlernte.

Die Sprache ist wirklich derb und geeignet, um sein (britisches) Fachvokabular rund um Sex zu komplettieren und sich auf Jahre hinaus einen Vorrat an außergewöhnlich farbenfrohen Beleidigungen anzueignen. Doch hauptsächlich ist es einfach sehr witzig geschrieben und die Verweise auf Adams und Pratchett sind gerechtfertigt. Außerdem sind sie geeignet, das richtige Publikum anzuziehen, denn der absurde und schwarze Humor ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Doch wer wie ich Freude daran findet, wird dieses Buch lieben. Moore ist Amerikaner und deswegen bedient er genau die britischen Slangklischees, die man als Mitausländer sich so vorstellt.

Ein weiteres Merkmal sind die vielen Referenzen auf verschiedene Religionen (Christeintum, Paganismus, Griechen, Hexen, …) und wie die Protagonisten ständig hin und her konvertieren. Zeitlich passt das nicht so ganz, denn im 13. Jh. war alles fest in christlicher Hand und Moore gibt auch selber im Nachwort zu, dass das eher in achten oder neunten Jahrhundert geschah. Die Zeitachse war jedoch schon durcheinander gewirbelt, da der historische Leir of Britain, falls er tatsächlich existierte, eher um das Jahr 400 v. Chr. lebte und da gab es keine Schlösser und Hofnarren.

Um die zeitliche Verwirrung auf die Spitze zu treiben, ist die Sprache nicht nur dem heutigen Englisch angepasst – Shakespeare-Englisch versteht man heute kaum noch und Chaucer-Englisch erst Recht nicht – sondern strotz so vor Anachronismen. Es werden Weetabix und Mazdas erwähnt und eine Anspielungen auf Pasteur fiel mir auf.

Fazit: Empfehlung für Freunde absurden Humors, die an der Verballhornung von Shakespeare und britischer Geschichte keinen Anstoß nehmen.

Wer zugreifen möchte, kann das z.B. bei Amazon für 8,70 € tun. Wer Banause sein möchte und die deutsche Version lesen, muss bis Oktober warten und 8,99 € ausgeben [Partnerlinks]. Ich beschäftige mich derweil mit den anderen Büchern von Christopher Moore, von denen ich schon so einiges gehört habe (z.B. Lamb. The Gospel According to Biff, Christ’s Childhood Pal).

Buch(nicht)empfehlung: Jon Savage – England’s Dreaming (The Sex Pistols and Punk Rock)

Jon Savage - England's DreamingNach dem Tod von Malcolm McLaren im April gibt es keinen besseren Zeitpunkt, um das Buch England’s Dreaming von Jon Savage zu lesen, das die Entstehungsgeschichte der Sex Pistols beschreibt. Angepriesen als die Sicht des Managers McLaren soll das Buch die “andere” Seite zeigen im Gegensatz zur bekannten Version von Sänger Johnny Rotten. Ob das auch mein Eindruck ist, soll dieser Beitrag zeigen.

Das Buch erschien zuerst 1991, d.h. zwölf Jahre nach dem Ende der beschriebenen Ereignisse. Bis dahin hat der Autor unzählige Interviews mit allen nur entfernt am Geschehen Beteiligten geführt und auch anscheinend jedes einzelne Gespräch im Buch verarbeitet. Das ist das Hauptproblem meiner Meinung nach: die ausufernde Ausführlichkeit! Auf den 540 Seiten (plus 180 Seiten Anhang plus 10 Seiten Index) kommt jeder zu Wort, der mal in einem obskuren Fanmagazin erwähnt wurde, im gleichen Kunstkurs mit einer der Hauptpersonen war oder ein Politik-/Gesellschafts-/Musikexperte der Sechziger und Siebziger ist.

Mindestens die Hälfte des Textes besteht nur aus Zitaten und das bedeutet erstens, dass die Formulierungen umständlich und teilweise unverständlich sind (aus dem Zusammenhang gerissen, Umgangssprache) und zweitens, dass man in den seltensten Fällen weiß, um wen genau es sich handelt. Bei hunderten Personen kann ich mir nicht über mehrere Seiten merken, wer jetzt mit “Kent”, “Thomas” oder “Smith” gemeint ist. Zudem kenne ich als Spätgeborener (= nach 1979) nicht sämtliche Bandmitglieder aller mehr oder weniger wichtigen englischen Bands aus den Siebzigern.

Das macht es sehr schwer, das Buch zu lesen. Ich habe letzten Herbst damit angefangen und mit vielen Unterbrechungen habe ich es diese Woche endlich fertig gelesen. Dabei waren die vier Hauptteile die eigentlichen schweren Brocken (1: 12/71-08/75, 2: 08/75-12/76, 3: 12/76-06/77, 4: 06/77-01/78), wo ich oft nur wenige Seiten am Stück lesen konnte, bis es mir zu langweilig, aufwändig und/oder kompliziert wurde. Der letzte Teil “! January 1978 – May 1979″ dagegen ist mit seinen 70 Seiten und kondensierter Schreibweise sehr gut geraten. Es kam mir so vor, dass dem Autor gesagt wurde “Du hast insgesamt nur 500 Seiten, also jetzt nur noch 30, um das Ende der Band und den Tod von Sid Vicious unterzubringen!”. Dass es dennoch mehr als das Doppelte wurde, ist z.B. der Beschreibung der politischen Umstände geschuldet, die zur Wahl Margaret Thatchers führten. Doch im Gegensatz zu vorherigen Kapiteln wird hier die Geschichte klar und knapp geschildert. Der Aufbau ist logisch und chronologisch und es gibt keine seitenlangen Exkurse in die Philosophie und Kunstwelt.

Stichwort Sid Vicious: Wer wie ich bisher wenig Ahnung von der Geschichte der Sex Pistols hat, wundert sich wahrscheinlich, dass das bekannteste Mitglied der Band auf den ersten 300 Seiten nur ein Dutzend Mal im Vorbeigehen erwähnt wird. Es fehlt auch die kleinste Andeutung, dass er erst sehr viel später als Ersatzbassist einstieg und vorher “nur” ein Fan war. Der Autor setzt voraus, dass man mit der erweiterten Bandgeschichte eng vertraut ist und erzählt ohne Hervorhebung von unwichtigen Ereignissen und Wendepunkten. Wenn der Leser noch nie vom Grundy-Skandal oder der Ketten-Schlägerei im 100 Club gehört hat, übersieht er leicht die Signifikanz. Außerdem wird sehr viel an politischem Hintergrundwissen vorausgesetzt, was einem englischen Leser 1991 sicherlich eher parat war als einem Ausländer im Jahre 2010.

Wie man anhand dieser Absätze herauslesen kann, hat mir das Buch nur bedingt gefallen. Es ist ein riesiges Nachschlagewerk für den Fan, der schon alles weiß, aber als “The best book about punk rock and pop culture ever.” (NME) würde ich es nicht bezeichnen. Immernhin erfährt man jedes Detail jeder Auslage des Sex-Shops von Malcolm McLaren und Vivienne Westwood und jedes T-Shirt-Design samt Entstehungsgeschichte. Andererseits garantiert die unaufgeregte Schilderung und die Tatsache, dass wirklich Jeder zu Wort kommt, dass das Buch einigermaßen objektiv ist. Es schlägt sich nicht auf die Seite von Manager McLaren oder Sänger John Lydon, die 1979 einen jahrelangen Rechtsstreit begannen.

Fazit: Wer einen ersten Einblick in die Punkgeschichte haben möchte, ist mit diesem Buch schlecht beraten. Wer sein Expertenwissen vertiefen möchte, der könnte kein besseres Buch dafür finden.

Nachtrag: tobi kommt zu einem ähnlichen Urteil über das Buch The Clash Stalking.

Jekyll (TV-Serie) im Vergleich zu The Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde

Vor einiger Zeit habe ich mir die berühmte Erzählung The Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde von Robert Louis Stevenson zugelegt, um u.a. zu erfahren, warum sie eine solche Faszination ausübt. Ein weiterer Grund war ein Vergleich zur “Fortsetzung” Jekyll, einer sechsteiligen Fernsehserie, die absolut grandios ist. Lobeshymnen auf die Serie findet der interessierte Leser bei tobi, mir und beety (milde Spoiler).

Vergleich von Buch und Serie

The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde by Robert Louis Stevenson

Der Text ist für einen Roman viel zu kurz (meine Ausgabe hat 54 Seiten) und besteht aus einigen Augenzeugenberichten und Briefen, die aus Sicht des Rechtsanwalts Utterson dem Leser präsentiert werden. Es passiert spektakulär wenig und erst wenn schon alles vorbei ist, erfahren wir den genauen Ablauf der Geschehnisse.

Natürlich ist es schwierig im Nachhinein zu urteilen, weil der Mythos Jekyll/Hyde zur Genüge bekannt ist und das Unfassbare und Schockierende nach 125 Jahren nicht mehr wirkt. Der Text ist nicht auf Spannung ausgelegt, sondern regt eher zum Nachdenken und Philosophieren an. Der Aufbau ist recht clever und wir erfahren, wie gesagt, nicht in chronologischer Reihenfolge die Geschichte, sondern eher bruchstückhaft und aus verschiedenen Sichtweisen.

Interessanterweise wurde eine Sache angesprochen, die mich schon länger verwunderte: Warum verkörpert Hyde die böse Seite, während Jeykll beides ist, d.h. gut und böse? Wie ist das möglich? Die Frage wird nicht beantwortet, aber immerhin wird sie gestellt.

Das englische Original war recht schwierig zu lesen, da sich die Sprache erstaunlich weiterentwickelt hat und Stevenson ein gewisses Talent für uneindeutige Satzkonstruktionen hat. Außerdem tauchen einige unbekannte Begriffe und Dinge auf, die es heute nicht mehr gibt. Aber da der Text nicht allzu lang ist, kann man sich dennoch daran wagen. Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, kann beim Projekt Gutenberg den Text runterladen oder bei Amazon[1] für gut einen Euro zugreifen[2]. Einen besonderen Kick gibt sicherlich die Hörbüchversion, bei der Saruman Christopher Lee vorliest [1].

Jekyll von Steven Moffat

Es handelt sich hier nicht um eine Verfilmung, sondern um eine Modernisierung der Geschichte. Hauptperson ist Dr Tom Jackman, der ein gefährliches Alter Ego entwickelt und langsam die Kontrolle über die Situation verliert. Auch hier wird nicht chronologisch vorgegangen und der Zuschauer wird mitten ins Geschehen geworfen, als gerade eine psychiatrische Krankenschwester das Parkett betritt. Nach und nach erfahren wir, was genau mit Jackman passiert, wie es seine Familie beeinflusst und was das alles für bedeutende Hintergründe hat.

In den sechs knapp einstündigen Folgen[3] wird die Geschichte immer wieder in ungeahnte Richtungen gelenkt und es passieren überraschende Wendungen, bis man schließlich an einem vorläufig befriedigenden, jedoch eigentlich offenen Ende anlangt.

Steven Moffat ist ohne Frage ein Genie und ich habe mich auch bei der vierten Sichtung der Serie vorzüglich amüsiert. Bisher sind mir keine groben Fehler oder unlogischen Verläufe aufgefallen, was natürlich die beste Empfehlung für einen wiederholten Genuss ist.

Und da läppische vier Pfund (plus Versand) beim momentanen Wechselkurs praktisch nichts sind, sollte man bei Amazon UK zuschlagen[1].

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Ein seltsamer Unterschied ist die Gestalt der bösen Verkörperung. Im Original ist Hyde klein und hässlich, geradezu abstoßend, während er in der Serie größer, attraktiver und selbstsicherer als sein Gegenpart ist. Die Art der Verwandlung ist unterschiedlich, was ich jedoch aus Spoilergründen für die Serie nicht weiter ausführen kann.

Gleich ist der Kampf von Jeykll/Jackman gegen den bösen Eindringling, der mehr und mehr die Oberhand gewinnt und dass die beiden Gegensätze (zunächst) nichts von den Aktionen des jeweils anderen wissen.

Einige Namen aus dem Original tauchen in der Serie wieder auf, wie z.B. der oben erwähnte Utterson, der Butler Poole und die Vornamen Henry und Edward der beiden Hauptpersonen in den Söhnen Harry und Eddie von Jackman.

Welche weiteren Gemeinsamkeiten und Unterschiede sind Euch aufgefallen? Vorausgesetzt Ihr kennt die Erzählung (ansonsten: nur 54 Seiten!) und die Serie (ansonsten: Kaufen! Jetzt!)…

  1. Das ist ein Partnerlink, d.h. wenn darüber bestellt wird, bekomme ich eine kleine Provision, der Preis ändert sich aber nicht. [] [] []
  2. Diese billigen Bücher sind hervorragend geeignet, um kostenlosen Versand zu erzwingen, der bei mindestens einem Buch gilt. []
  3. Die deutsche Version ist wie immer auf 50 Minuten beschnitten und es fehlen 40 Minuten von den ursprünglichen 340. []

Buchempfehlung: Mark Haddon – A Spot of Bother

Vor knapp zwei Monaten habe ich Mark Haddons Buch The Curious Incident of the Dog in the Night-Time vorgestellt, das einfach nur fantastisch ist. In den Kommentaren schlug Thomas das zweite Erwachsenen-Buch von Haddon vor, der sonst eher für Kinder schreibt.

Doch erst war ich ein wenig zögerlich, denn die Inhaltsangabe von A Spot of Bother sprach mich nicht so an. Es geht um einen Rentner, der einen verdächtigen Fleck auf seiner Hüfte entdeckt und überzeugt ist, dass er an Krebs sterben wird. Dadurch bringt er sein Leben und das seiner Familie gehörig durcheinander, die allerdings auch selbst genug Blödsinn veranstalten.

Schließlich habe ich mir das Buch gebraucht besorgt und war ziemlich schnell angetan. Haddon hat eine unglaublich tolle Art der Beschreibung, mit sehr vielen kleinen Details, die man kennt, aber nie darauf achtet. Er versteht es, selbst wirklich dämliche Handlungen durch die Gedankengänge der jeweiligen Person als die einzig logische Verhaltensweise darzustellen. Das ist eine weitere Besonderheit des Buches, dass nämlich die vier Hauptpersonen (Vater George, Mutter Jean, Tochter Katie, Sohn Jamie) kapitelweise begleitet werden und man so alle vier und ihre jeweiligen Probleme kennen lernt. Neben Georges “Krankheit” geht es um Jeans Affäre, Katies zweite Hochzeit und Jamies Quasi-Freund. In der Hauptsache geht es um Beziehungen und Missverständnisse und wie schnell sich Situationen und Einschätzungen ändern können. Ein Kapitel ist nichts für zimperliche Leser, aber vielleicht kam es mir auch nur so vor.

Wie Thomas schon bemerkte, ist das Buch völlig anders geschrieben als The Curious Incident, aber der lockere, unbekümmerte und gleichzeitig intime und distanzierte Schreibstil von Haddon bleibt natürlich. Wie immer empfehle ich das englische Original, das gut verständlich zu lesen ist und mit über 500 Seiten für ein paar Tage Unterhaltung sorgen sollte. Der deutsche Titel Der wunde Punkt ist diesmal einigermaßen gelungen, bietet aber nur knapp 450 Seiten.

Amazon-Partner-Links: Taschenbuch englisch (€ 9,18), Taschenbuch deutsch (€ 8,95), Hörbuch englisch (€ 28,99, gelesen von Steve Hodson)

PS: Mittlerweile bin ich bei goodreads angemeldet und wer auch dort ist, kann mir gerne eine Freundschaftsanfrage stellen.