Kategorie-Archiv: Alltag

Liukad #7: Council Tax und das Steuerjahr

In deutschen Landen haben die ersten Fleißigen schon ihre Steuererklärung abgegeben, doch hier im UK hat das alles noch Zeit. Ende Januar war kurz die Aufregung bei den Prokrastinierern groß, denn die Deadline für die Online-Abgabe für das Jahr 2011/2012 lief ab (Quelle) und danach muss man Strafe zahlen (gleicher Link, etwas weiter unten).

Doch warum so spät, wird der verwirrte Deutsche fragen. Nun das Steuerjahr geht vom 6. April bis 5. April. Warum das so krumm ist, hängt mit dem Kalenderwechsel im 18. Jahrhundert zusammen (Quelle). Die Briten sind ja gerne traditionell.

Neben der Einkommensteuer gilt dieses Datum auch für den sogenannten Council Tax, den jeder je nach Wert des Wohnraumes bezahlen muss. Das wird dann für lokale Dinge wie Schulen, Bibliotheken und Abfallentsorgung verwendet. Dazu kommen (Ab-)Wasserkosten. In Deutschland ist das für eine Mietwohnung meistens in den Nebenkosten enthalten. Meistens, weil z.B. in meinem vorherigen Wohnort Allensbach jeder Zugezogene seine Müllbeutel inkl. Rechnung beim Rathaus abholen muss und ab dem zweiten Jahr zugeschickt bekommt. Das nur am Rande.

Hier muss man sich bei Einzug für den Council Tax anmelden und je nach Wert des Hauses wird man in ein “Band” eingeteilt, der einem bestimmten Betrag Steuer entspricht. Klingt bescheuert und willkührlich, aber die haben sich sicher was dabei gedacht. Bei Mehrfamilienhäusern gilt das Band pro Wohnung. Dabei wird immer davon ausgegangen, dass zwei oder mehr Personen dort wohnen. Wer alleine wohnt (“when there are fewer than two residents”), bekommt 25% Rabatt, worüber ich sehr dankbar bin.

Liukad #6: Kein Name an der Tür

Eine weitere seltsame Eigenheit hierzulande ist die völlige Ignoranz gegenüber demjenigen, der an einer bestimmten Adresse wohnt. Die Royal Mail hat die Aufgabe, eine Sendung an die angegebene Adresse zu liefen. Egal, ob die dort lebende Person mit dem Namen auf dem Brief übereinstimmt. Klingt komisch, ist aber so.

Es ist wesentlich seltener, dass ein Name an der Türklingel oder an der Wohnungstür steht. Die meisten Mehrfamilienhäuser und Apartmentblocks haben nur Nummern als Klingel. Das heisst entsprechend, dass auf jeden Fall die Wohnungsnummer in der Adresse enthalten sein muss. Manche Häuser haben auch Namen, so dass dies als Angabe ausreicht. Da die Postleitzahlen oft auf eine einzige Strasse hinweisen, reicht es theoretisch, Hausnummer (plus Wohnung) und die Postleitzahl anzugeben und der Brief kommt an!

Normal

Man könnte jetzt denken, dass so Nachsendeaufträge schwer möglich sind, aber irgendwie schafft die Royal Mail das doch. Theoretisch zumindest, ich habe es noch nicht ausprobiert. Soweit ich das verstanden habe, ist das auch kostenlos und auf unbestimmte Zeit. Die Deutsche Post dagegen verkauft nur sechs- oder zwölfmonatige Weiterleitungen.

Anscheinend ist das den meisten Menschen aber nicht bewusst oder egal, denn ich bekomme regelmäßig Post für meine Vormieter. Ich weiß, dass einer eine Fahrschule hat(te), einer ein Kind, das Impfauffrischungen braucht, dass einer keine Kreditkarte von seiner Bank möchte und dass einer demnächst wieder einen kostenlosen Augenuntersuchungstermin wahrnehmen kann[1].

no junk mail

Liukad #5: Schnee

Ja, auch hier schneit es manchmal und die letzten Tage sogar ein paar Zentimeter, die sogar noch bleiben sollen. So sah es gestern morgen beim Blick aus dem Fenster aus:

Es schneit tatsächlich auuch in Schottland

Schneeflöckchen, Weißröckchen, wwwmmmmbbmmbwbwwwbbb

Am Dienstag gab es die erste Ladung und durch ungünstige Umstände (Schneefall mittags, Sonne nachmittags, Frost nach Einbruch der Dunkelheit) war der Heimweg eine große Rutschpartie. Mich hat es zweimal mit dem Rad hingelegt, da meine schicken blauen Rennradreifen kein Profil haben. Mein Steißbein tut jetzt noch weh und ich bin den Rest des Weges (inkl. Umweg, da an der Landstraße kein Gehweg ist) nach Hause gelaufen.

Doch das soll nicht Thema sein. Das Problem war, dass trotz Priorität 1 der fraglichen Straßen noch nicht gestreut war, obwohl einige Stunden seit Schneefall vergangen waren. Laut dem Plan der Stadtverwaltung werden diese Straßen vorsorglich und als erstes bei Schnee und Eis gestreut. Pustekuchen! Selbst am nächsten und übernächsten Tag waren noch Eisreste zu sehen[1].

Es schneit doch öfters.

Im Dezember war es nur ein bisschen Puderzucker

Hier wird einfach anders kalkuliert und das Chaos bei den seltenen Wintereinbrüchen in Kauf genommen. Wie Konstantin schon schrieb (Bericht aus London), gibt es wesentlich weniger Räumfahrzeuge und kaum Winterreifen. Ich habe das Thema mal auf Arbeit angesprochen und keiner wusste, dass die sich schon ab 7°C lohnen und nicht nur bei Schnee sinnvoll sind. Kann das evtl. mit Versicherungen zusammenhängen? Ich meine, dass in Deutschland ein Anreiz besteht, mit Winterreifen zu fahren.

Liukad #4: Temperaturunempfindlichkeit

Die Temperaturen sind auch hierzulande mittlerweile um die Null Grad und wir hatten sogar schon ein paar Schneeflocken. Als Normalsterblicher begegnet man diesem Naturereignis mit entsprechend angepasster Kleidung. Briten, und ganz besonders Schotten, fallen allerdings nicht in diese Kategorie. Die laufen immer noch hier und da mit T-Shirts oder kurzen Stoffhosen und Chucks durch die Gegend. Seitdem ich darauf achte, sind die Jogger in Shorts in der eindeutigen Mehrheit. Selbst bei knapp unter Null und Eis auf den Straßen lässt die präferierte Laufkleidung die Beine frei. Zu beobachten z.B. auch beim Great Winter Run vor vier Jahren:

Great Scottish Winter Run 2009

Beim nächsten Mal werde ich auch dabei sein, aber garantiert mit langer Hose und Thermounterhemd. Ich habe mal einen Läufer gefragt, warum er denn unbedingt Shorts anzieht und er meinte “they are much more comfortable than those long running tights”. Seltsame Vorstellung von Komfort! Als Test bin ich auch einige Male bei ca. fünf Grad mit Dreiviertelhose laufen gewesen und es ist tatsächlich auszuhalten. Kurzärmelig würde ich allerdings nicht empfehlen, denn die Arme frieren sonst evtl. ab. Auf dem Rad werde ich das nicht testen, wobei ich in den letzen Tagen einige Unerschrockene mit knielangen Hosen gesehen habe.

Ein Argument, das ich öfter gehört habe, war “You dress for the second mile”. Das hat tatsächlich seinen Sinn, denn auch wenn man anfangs friert, hat man den ganzen Rest der Strecke adäquate Kleidung. Ist allerdings doof, wenn man nicht munter durch die Gegend radelt, sondern bibbernd an der Bushaltestelle steht.

Gestrandet in Glasgow

Gestern Abend war ich auf einem Konzert der Wave Pictures (mein mittlerweile drittes) und es war sehr spaßig. Sänger David sah ein bisschen blass und aufgedunsen aus und ich hoffe nicht, dass die Flasche Jack Daniels, an der er nebenher genippt hat, ein böses Zeichen ist. Allerdings waren alle drei in guter Stimmung und besonders David hat viele Soli gespielt.

Darum soll es hier aber überhaupt nicht gehen, wie die Überschrift verraten haben wird. Das Konzert endete nach drei Zugaben (insgesamt 18 plus zwei Vorbands) um halb zwölf. Das war perfekt, denn um Mitternacht und fuhr der vorletzte Zug. Ich kam überpünktlich am Bahnhof an und habe mich erstmal nicht gewundert, dass kein Gleis für den abfahrenden Zug angegeben wurde. Es gab nur zwei ankommende Züge aus Edinburgh um 0:01 und 0:26.

Erst sehr langsam dämmerte es mir, dass keiner mehr zurück fuhr. Ich hatte die Zeiten zweimal geprüft, aber irgendwie muss ich einen Knick in der Optik gehabt haben.

Jedenfalls habe beim Warten in der Taxischlange nach Hostels und Hotels gesucht und mehrere angerufen. Samstags in Glasgow ist aber ohne Reservierung nichts zu machen. Schlussendlich habe ich was gefunden, was wenige Gehminuten entfernt war und preislich verschmerzbar.

Frühstück

Hmm, lecker und reichhaltig

Das Zimmer war kurzfristig aufgrund eines Notfalls frei geworden und ich konnte zugreifen. Ich habe sogar ein Ladegerät ausleihen können, das einem Mitarbeiter gehört, so dass ich nicht völlig informations- und weckerlos die Nacht überstehen musste.

Immerhin hat man mir mein Frühstück schon in einer braunen Papiertüte ausgehändigt. Das besteht aus einer Mini-Cornflakes-Packung[1], einer Mini-Milchflasche (250ml!!) und einem Orangensaft.

Leben im UK als Deutscher (Liukad) #3: Sahne

Willkommen zum dritten Teil meiner kleinen Serie, wo es diesmal um die angekündigte Sahne gehen soll. Wie auch bei der Milch gibt es hier fetthaltige Unterschiede. Wie ich gerade bei Wikipedia gelernt habe “ist [Sahne] physikalisch gesehen eine Emulsion von Milchfett in Wasser, die daraus durch Emulsionsumkehr hergestellte Butter eine Emulsion von Wasser in Milchfett.”

Muss man nicht unbedingt wissen, denn es reicht, dass es in Deutschland süße und saure Sahne gibt. Grob gesagt. Bei der sauren kann man noch Schmand und Crème fraîche hinzuzählen, aber meine Geschichte handelt von Schlagsahne. Ich stand im Supermarkt und brauchte für einen Nachtisch (für geladene Gäste!) Schlagsahne, d.h. whipping cream, die aber nicht aufzufinden war. Es gab nur single, double und clotted cream. Da mir die double cream als viel zu dick und schwer in Erinnerung war, habe ich single cream genommen, was ein fataler Fehler war.

Crème chantilly

Nach mehreren Minuten vergeblichen Rührens habe ich parallel auf dem Handy im Internet nach Erklärungen gesucht und herausgefunden, dass die 18% Fett nicht ausreichen, denn damit die Sahne steif wird, benötigt es mindestens 30%. Wieder was gelernt! Die single cream wird hier so wie sie ist über den Kuchen oder die Erdbeeren gegossen. Mir kommt das nicht sehr appetitlich vor, aber ist sicherlich nur Gewöhnungssache.

Umgekehrt rümpfen die Briten sicherlich die Nase über die deutsche Kaffeesahne mit 10%. Diese wird zwar immer seltener benutzt, aber meine Großeltern können sich kaum etwas anderes in den Kaffee vorstellen. Hierzulande ist das wiederum die half cream (12%, laut Wikipedia “uncommon, some cocktails”). Für den deutschen Kaffee wird vielleicht noch Kondensmilch akzeptiert, welche normalerweise 10% Fettgehalt hat.

Leben im UK als Deutscher (Liukad) #2: Wohnungssuche

Nachdem der erste Liukad-Beitrag gut ankam und nach mehr verlangt wurde (und die Kommentare jetzt wieder funktionieren), geht es nun mit dem nächsten Thema weiter.

Als ich im Juni hierher gezogen bin, war natürlich meine dringenste Frage die nach einer Wohnung. Die erste Zeit konnte ich günstig über die Uni im Studentenwohnheim wohnen, aber das hatte ich optimistischerweise für maximal einen Monat eingeplant.

Es hat auch tatsächlich geklappt, dass ich nach zwei Wochen schon in meine eigene Wohnung einziehen konnte. Ein bisschen Glück und Kompromiss war allerdings dabei. Mein Vorteil war, dass der turnover[1] die Fluktuation sehr hoch ist. Die durchschnittliche Zeit in einer Mietwohnung ist wesentlich kürzer als in Deutschland. Das hat meiner Meinung nach zwei Hauptgründe: möblierte Wohnungen und kurze Kündigungszeiten. Dazu kommt, dass nicht der Mieter die Maklergebühren zahlt (falls anwendbar), sondern der Vermieter und dann sind auch nur um die £75 für eine erfolgreiche Vermittlung fällig.

Umzugskartons

am Tag nach dem Einzug sah es noch etwas chaotisch aus

Die Suche läuft nach völlig anderen Kriterien, denn die Größe einer Wohnung wird nach Schlafzimmern berechnet, d.h. eine Zweizimmerwohnung wird als “1 bedroom flat” bezeichnet. Die Grundfläche wird selten angegeben (eher bei Verkauf als bei Vermietung) und einen Grundriss gibt es nur in Ausnahmefällen. Wie soll man denn da wissen, ob die Wohnung geeignet ist? Da hilft nur Anschauen. Das lässt sich zum Glück schnell arrangieren.

Leben im UK als Deutscher (Liukad) #1: Milch (und Einheiten)

Es sind nun schon über sechs Wochen seit meinem letzten Eintrag vergangen und so möchte ich Euch endlich mal am täglichen Leben hier in Schottland teilhaben lassen. Es gibt kaum große, aber viele, kleine Unterschiede, die mir auffallen und die möchte ich in einer neuen Beitragsserie vorstellen. Wenn Euch das zusagt/interessiert, lasst es mich wissen[1].

Inspiriert wurde ich von einem gestrigen Erlebnis, das mich beinahe in die Verzweiflung getrieben hat. Es geht um Milch. Man könnte denken, das ist in Europa alles ähnlich, aber er gibt gewaltige Unterschiede! Bevor wir ins proteinliche Detail gehen, beschäftigen wir uns zunächst mit dem Empire.

Ja, hier wird häufig noch in imperialischen Maßen gerechnet. Vor zehn Jahren war es viel schlimmer, da musste man schon Glück haben, dass auf der Packung die Angabe in ml ebenfalls angegeben wurde. Mittlerweile ist diese Angabe zwingend notwendig (meine ich), aber es gibt meist noch in Klammern oder in kleiner Schrift die Menge in fl oz (1 fluid ounce = 28,4 ml). Damit einhergehend haben sich auch die Packungsgrößen angepasst, d.h. Sahne wird z.B. im 300 ml Becher verkauft und nicht als 10 fl oz (= 284 ml). Zur Sahne komme ich in einem gesonderten Eintrag noch einmal zurück (und warum ich gestern fast verzweifelte).

Frischmilch hingegen wird immer noch in Pintgrößen verkauft und zwar in allen erdenklichen: ½ 1, 2, 3, 4, 6 Pint. Der Grund ist, dass es billiger wird, je mehr man kauft. Außer für Extremtrinker und Großfamilien ist es aber extrem unpraktisch, 3½ Liter-Kannen zu kaufen und so bezahlt man eben mehr.

Test: Fotobuch von Prentu

Im Juli habe ich ein Fotobuch verschenkt (aus Anlass einer Hochzeit) und zufällig bekam ich von Prentu das Angebot ein beliebiges Produkt zu testen. Da meine Voraussetzungen an ein Fotobuch erfüllt wurden (mattes Fotopapier, ca. A4-Format, erweiterbare Seitenanzahl) habe ich zugesagt.