Englisch Lernen mit TV-Serien #55: All Right?

Die heutige Lektion mag überflüssig erscheinen, denn all right dürfte selbst jemandem bekannt sein, der kein Englisch spricht. Doch natürlich soll es nicht um die Standardbedeutung gehen. Man darf gespannt sein, denn erst gibt es noch einen kleinen Exkurs in die Schreibweise.

All Right muss (zumindest nach den meisten Wörterbüchern und Style Guides) auf jeden Fall getrennt geschrieben werden, d.h. alright ist kein richtiges Wort. Mehr dazu gibt es bei Grammar Girl, wo auch zwei andere Wortpaare vorgestellt werden, bei denen beide Varianten existieren und eine jeweils andere Bedeutung haben.

Die Bedeutung von all right, um die es heute gehen soll, ist eine eindeutig britische bzw. englische und hat mich am Anfang sehr verwirrt. Die Serie, die uns die Sache näher bringen wird ist Line of Duty, wo gerade die zweite Staffel bei der BBC läuft. Das erste Beispiel stammt aus der ersten Folge, wo der Vorgesetzte unseres Helden zum Essen in einem Restaurant einlädt.

Police Superintendent HASTINGS
All Right?

MRS HASTINGS
Hi.

Police Superintendent HASTINGS
Thanks for coming. Steve, meet the trouble and strife.

Der letzte Satz mag seltsam erscheinen, aber das ist rhyming slang und soll wife heißen. Falls die Bedeutung noch nicht klar sein sollte, ein weiteres Beispiel aus der dritten Folge:

DI COTTAN
All Right?

DS ARNOTT
All Right.

DC FLEMMING
You All Right?

DI COTTAN
So, Gaffer says you were probies with Akers.

DC FLEMING
Yeah, I went through Ryton with her.

Steve sagt Hallo.
Steve geht es gut.

Die letzten zwei Zeilen brauchen uns nicht zu interessieren und dienen mehr dazu zu zeigen, dass der Wortschatz nicht ganz so begrenzt ist. In der fünften Folge gibt es ein weiteres Beispiel, aber das würde ähnlich aussehen.

Der Punkt ist, dass die Frage All Right? in England eine Begrüßung ist und (wahrscheinlich) eine Kurzform von Are You All Right? – zumindest ist das eine logische Erklärung. Wer etwas mehr dazu lesen möchte, dem sei dieser Forumsbeitrag empfohlen wo jemand ähnlich verwirrt war wie ich. Nachdem mir öfter Leute im Flur im Vorbeigehen mit All Right? begegneten habe ich mal nachgefragt und es ist tatsächlich eine Grußformel, sozusagen die umgangsprachliche Variante von How Do You Do?, was man ja häufig in der Schule lernt. Es wird keine Antwort erwartet, sondern einfach nur ein All Right zurück (wie im zweiten Beispiel), ein Grußwort (wie im ersten Beispiel) oder dass es ignoriert wird (wie in der zweiten Hälfte des zweiten Beispiels).

So, die Serie kann ich einfach nur empfehlen und wie so oft spielen sehr viele britische Schwergewichte mit. Die bekannten Gesichter aus der ersten Staffel (Martin Compston, Vicky McClure, Adrian Dunbar, …) werden diesmal von Keeley Hawes, Jessica Raine, Mark Bonnar und anderen unterstützt.

All Right?

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Dieser Beitrag ist Teil 24 von 25 der Beitragsserie Englisch lernen mit britischen TV-Serien

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

6 Gedanken zu „Englisch Lernen mit TV-Serien #55: All Right?“

  1. Das OED scheint kein ja Problem mit „alright“ zu haben, wo es als „also: alright“ aufgeführt wird:

    There is no logical reason for insisting that all right should be written as two words rather than as alright, when other single-word forms such as altogether have long been accepted. Nevertheless, alright is still regarded as being unacceptable in formal writing.

    Im Schulunterricht haben wir Begrüßungen nur sehr rudimentär gelernt – also „hello“ und die tageszeitabhängigen Begrüßungen, und dann wurde uns noch von der Existenz des veralteten „How do you do?“ erzählt. Das aber natürlich begleitet von einem geraunten und leicht abschätzigen „das meinen die nicht ernst, wenn die euch das fragen“. Tja, ich meinte das auch nicht ernst, als ich zu meinem ehemaligen Mitbewohner „auf Wiedersehen“ gesagt habe, als er ausgezogen ist (and good riddance). Diese ganzen informellen kleinen Varianten wie z.B. „all right“ wurden uns nicht beigebracht (ich bin sogar ziemlich sicher, dass uns eingetrichtert wurde, dass „hi“ ein Scheinanglizismus wäre). Begrüßungen sind aber nicht das einzige, wo GB eine reiche Auswahl an informellen Höflichkeitsformeln hat – „cheers“ als „dankeschön“ ist mit glaube ich als erstes in Hustle begegnet. Beruhigenderweise finden aber nicht nur Nichtmuttersprachler die informellen Höflichkeitsformeln als verwirrend, sondern Amis gehts da oft auch nicht anders.

  2. Ha, die Amis und Briten sind ja „separated by a common language“ (kurzer Einschub: falls noch nicht auf deinem Radar, so empfehle ich Blog und Twitter-Account von Lynne Murphy http://separatedbyacommonlanguage.blogspot.com/ https://twitter.com/lynneguist – eine amerikanische Linguistin, die an der Uni Sussex lehrt).

    Und ja, alright ist so langsam im Kommen, das wird auch in dem Grammar Girl-Artikel (bzw. Podcast) erwähnt.
    Cheers ist sehr beliebt bei E-Mails z.B. weil es eine Brücke schlägt zwischen den arg formellen und viel zu persönlichen Abschiedsformeln.

    Ich finde es auch faszinierend, wie „goodbye“ synchonrisiert wird, da es nunmal *nicht* Auf Wiedersehen heißt, wie du ja schon angemerkt hast.

  3. Ja, vor allem bei den schriftlichen Abschiedsformeln gibt es im Englischen einen ziemlich großen Graben zwischen den förmlichen und vertrauten Versionen, zumindest ist dieser Graben größer als im Deutschen. Dadurch, dass man mit Muttersprachlern oft gleich den Vornamen nimmt, relativiert sich das wieder ein bisschen (wobei ich da auch ganz froh bin, dass man bei den Briten noch das „cheers“ zur Verfügung hat, während beim Kontakt mit Amerikanern eine große „cheers“-förmige Lücke entsteht). Wenn man aber mit Nichtmuttersprachlern in Kontakt ist, oder noch schlimmer, einem Muttersprachler und einem Nichtmuttersprachler gleichzeitig, kann das schwierig werden (außer bei Franzosen, da liegt man mit der förmlichstmöglichen Variante immer richtig).

  4. Das mit den Vornamen ist ein echter Vorteil und die Kommunikation mit Franzosen (die ich verstärkt in meinem alten Job hatte) vermisse ich mal so gar nicht 🙂

    Amerikaner kennen cheers ja am ehesten noch als Prost (bzw Serie/Bar) und das sorgt nun eher für Verwirrung.

  5. Wobei man zugeben muss, dass Kommunikation mit mittelinformierten Deutschen für Englischmuttersprachler auch kein Spaß ist – ich erinnere mich mit Grausen an den einen Kollegen, der sich über die Unfreundlichkeit aufgeregt hat, dass er von dem amerikanischen Organisator einer Konferenz mit „Hello [Vorname]“ angeschrieben wurde. Man konnte es ihm nicht erklären, dass dieses Herstellen von (für Deutsche aufdringliche oder gar verlogene) Nähe ein Zeichen von Höflichkeit ist und die deutsche Distanziertheit als stocksteif und damit irgendwie subtil unfreundlich empfunden wird. Von daher hilft es auch immer ein bisschen, zu wissen, wie die Höflichkeitsformen in der Muttersprache des Adressaten sind, denn wenn man was von jemandem will, sollte man der Person besser nicht auf die Füße treten, egal in wie die Konventionen in der verwendeten Geschäftssprache sind…

  6. Naja, das wäre dann schon unterinformiert 🙂 Wobei man sich dann fragen sollte, wie der Kollege an den Job kam, da man solche Kommunikationsstandards doch sicher in der Schule lernt oder zumindest in der Uni davon hört.
    Andererseits dann (laut Klischee) von einem Ami zu erwarten, dass er anderer Länder Gepflogenheiten kennt, ist natürlich nicht zu erwarten…

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