Weg mit dem ganzen Zeug: Bücher nur noch elektronisch oder ausgeliehen

Meine Reise hin zu weniger Zeug[1] geht in die nächste Runde. Mein Plan für Februar ist, keine zwingend notwendigen physischen Dinge zu kaufen. Im Januar hat das noch nicht so geklappt und deswegen versuche ich es erneut. Doch das soll hier nicht das Thema sein, denn mindestens ebenso wichtig ist die Dezimierung vorhandener Bestände.

Anfang des Monats habe ich tatsächlich auch meine Lieblingsbücher an einen Massenankaufsservice geschickt. Noch vor einigen Monaten wäre dies unvorstellbar gewesen, doch mittlerweile will ich einfach alles loswerden, was nur irgendwie geht. Die elektronische Version enthält genau dieselben Buchstaben und in diesem Format nehmen sie wesentlich weniger Platz weg.

Das einzige Problem dabei ist, dass nicht alle Bücher auch elektronisch verfügbar sind. Wenn man nur nach Lesestoff sucht, ist man digital im Vorteil, da es z.B. gemeinfreie (=alte) Werke kostenlos gibt. Aber wenn es ein bestimmter Titel sein soll, ist man darauf angewiesen, dass der Verlag bzw. Autor die Rechte erteilt hat.

Da kommt meine wiederentdeckte Leidenschaft für die Leihbücherei ins Spiel. Einen Ausweis kann man bequem online bestellen und der ermöglicht es, in allen Filialen der Stadtbücherei auszuleihen. Und da die Stadt mit der Zeit geht, gibt es auch eine App (z.B. zum Reservieren und Verlängern) und man hat Zugang zu mehreren Online-Bibliotheken. Letzteres wollte ich eigentlich schon lange ausprobieren, aber bisher war keines der gesuchten Bücher verfügbar.

Bücherstapel
mein erster Bücherstapel

Aber die nächste Filiale ist nur zwei Straßen weiter und hat zwei Tage die Woche bis 20 Uhr geöffnet. So bin ich seit einigem Monaten fleißig am abarbeiten diverser Leselisten. Wer mir auf Goodreads folgt wird vielleicht mitbekommen haben, dass sich mein Lesetempo stark erhöht hat. Es ist aber auch zu einfach, denn ich bestelle ein Buch in „meine“ Bücherei und sobald es verfügbar ist, bekomme ich eine E-Mail. Dann habe ich zehn Tage Zeit, um die Reservierung abzuholen.

Das war damals ™ noch anders, als ich einen Ausweis aus Karton hatte, auf dem jeweils das nächste Abgabedatum aufgestempelt wurde. Und der Katalog war ein großer Kasten mit Karteikarten. Den habe ich oft durchstöbert in der Hoffnung, dass Ardistan und Dschinnistan von Karl May (Band 31+32 der gesammelten Reiseerzählungen) wieder auftauchen. Hui, eine Suche ergab gerade, dass die online verfügbar ist. Moderne Zeiten![2]

So, nachdem ich jetzt so oft „Bücher“ geschrieben habe, werde ich mich gleich wieder mit meinem aktuellen beschäftigen…

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  1. Die englische Variante „war against stuff“ klingt zu kriegerisch, aber stuff ist ein wesentlich besseres Wort. []
  2. Wer Durch das Land der Skipetaren auf holländisch lesen möchte, wird beim Projekt Gutenberg fündig. []
Dieser Beitrag ist Teil 4 von 5 der Beitragsserie Weg mit dem ganzen Zeug

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

14 Gedanken zu „Weg mit dem ganzen Zeug: Bücher nur noch elektronisch oder ausgeliehen“

  1. Ein cooler Service der Bibliothek, und bei fast allem kann ich es nachvollziehen.
    Aber ein paar wenige Ausnahme Bücher könnte ich mir persönlich noch nicht vorstellen wegzugeben …

  2. Mit Büchern ist es für mich fast noch schwerer. Also das von ihnen trennen meine ich. Bei Filmen geht das immer ganz gut, wenn ich weiß dass ich nie wieder reinschauen werde. Bei Büchern wäre das noch unrealistischer, aber dennoch… hach…

    Hmm. Matt Ruff sollte ich auch mal wieder lesen…

  3. Das ist ein langer Prozess 🙂 Vor drei Jahren hatte ich eine handvoll Buecher, die ich nach langem Ueberlegen weggeben wollte. Es wurden ein paar mehr, als mir bewusst wurde, dass „sollte ich mal wieder lesen“ doch nie passiert. Und dann fielen nach und nach auch die letzten Barrieren.

  4. Ich habe zwar nur wenige Bücher, aber die muss ich auch behalten. Nicht, weil sie nicht in elektronischer Version verfügbar wären, sondern weil ich beim Lesen einfach etwas in der Hand halten möchte, das keinen Akku braucht, nicht von selbst leuchtet und nach Papier riecht 😀

    Ich bin auch ein Fan davon, so viel wie möglich in elektronischer Version zu haben, alleine schon um mobil zu sein und die Möglichkeit zu haben für ein paar Monate in einer anderen Stadt oder sogar einem anderen Land zu arbeiten, aber selbst da müssten diese (wenigen) Bücher dann mitkommen.

  5. Hallo und willkommen, Tobias.

    Wenige Bücher sind ja kein Problem beim (temporären) Umzug, aber ich habe vor drei Jahren über 7 Regalmeter davon gehabt 🙂
    Und das mit dem Geruch ist mMn ein artifiizieller Grund genauso wie Haptik. Wenn das niemand erwähnt hätte im Vergleich zum bösen Kindle, wäre das keinem Bücherfreund aufgefallen.

  6. Ich finde da geht es um Feeling und Atmosphäre. Ich kann meinen Kaffee auch in einem Zug trinken, um wach zu werden und dabei das Bild eines Cafés betrachten, aber selbst in einem richtigen Café mit toller Atmosphäre zu sitzen, ist einfach etwas anderes.

    Wer mit Kindle oder ähnlichem aufwächst, dem ist das vermutlich egal und der wird auch nichts vermissen. Der oder die hört in Zukunft wahrscheinlich sowieso nur noch Hörbücher.

  7. Hm, der Vergleich hinkt ein wenig, finde ich, denn elektronisch heisst ja nicht, dass ich die Buchstaben verschlinge, ohne sie zu registrieren. Und warum ist es immer entweder-oder?! Man doch *beides* nutzen. Ich leihe mir Bücher aus, weil sie entweder nicht für Kindle verfügbar sind, oder für das einmalige Lesen zu teuer.
    Ich finde die Atmosphäre und die Freiheit, die mir ein elektronisches Lesegerät bietet, einfach fantastisch. Gerade lese ich ein populärwissenschaftliches Buch mit Dutzenden Hinweisen im Anhang und es ist ein Graus, mit zwei Lesezeichen ständig hin und her zu blättern. Außerdem ist das Buch sehr schwer. Da wäre die elektronische Variante viel besser.

    Hörbücher kannst du hier nicht reinbringen. Das ist eine völlig andere Kategorie und spricht völlig andere Menschen an.

  8. Sehr inspirierend – ich bin auch immer noch in der Phase wo ich mich eigentlich von dem ganzen Krempel lösen will, aber manche Bücher kann ich trotzdem irgendwie nicht weggeben (wie z.B. die 3-4 signierten). Denke immernoch das ich die Bücher auch einfach irgendwo einlagern kann, aber im Endeffekt beweist man damit ja schon das man sie nicht mehr braucht.

    Viel schlimmer finde ich es aber noch diese ‚Trennung‘ zu verwalten – jedes einzelne Teil bei eBay/Kleinanzeigen/irgendwelchen Apps reinsetzen ist viel zu aufwendig, noch schlimmer dann alles einzeln zu verschicken. Alles an rebuyer zu senden ist meist auch nicht viel befriedigender, weil die ja die Hälfte der Bücher wegen „Mängeln“ ablehnen. Selbst zum verschenken findet man kaum Interessenten. Letztlich weigere ich mich aber immernoch die Sachen in die Mülltonne zu werfen, dafür sind sie doch irgendwie zu schade…

  9. Oh, hattest du echt so schlechte Erfahrungen mit rebuy? Ansonsten kannst du das nicht in „charity shops“ abgeben? Sowas ist ja seltener in Deutschland, aber gibt es doch sicher auch. Meine Eltern haben mal einige Kisten an jemanden verschenkt, der die entweder verkauft oder recycelt und sogar abholt. Hast du mal in den Kleinanzeigen geguckt, ob es so jemanden in der Nähe gibt?

  10. Ich habe bisher hauptsächlich DVDs an rebuyer verkauft, da waren auch 2-3 dabei die die nicht haben wollten. Aber grade bei Büchern scheinen die sehr pedantisch zu sein sobald das Buch nicht mehr neu aussieht – und die meisten von mir haben nunmal „creases“ im Buchrücken, sind leicht vergilbt, o.ä…

    Bei Oxfam habe ich auch schon was abgegeben, habe aber gehört das die dort auch nicht alles annehmen… eine Option hier ist noch der öffentliche Bücherschrank, da kann man alles reinstellen (wenn genug Platz ist) 🙂

  11. Tsts, creases gehen ja gar nicht 🙂 Da bin ich vorsichtig und evtl hat es deswegen bei mir immer geklappt.

    Bei Oxfam habe ich mittlerweile keine Skrupel mehr. Ich packe alles in eine Kiste und lasse das da. Wenn sie es nicht gebrauchen koennen, wird es eben recyclelt (hoffe ich…).

  12. Also bei uns in der Stadt steht in der Seitenstraße (der Hauptstraße) ein Regal, wo die Leute ihre Bücher, die sie nicht brauchen, abstelle. Da können arme Menschen, oder Messis die Bücher sich kostenlos nehmen.
    Da habe ich die meisten Bücher gebracht. Vor allem die, die ich gelesen habe.
    Muss ja nicht immer ein Geschäft sein.
    Das Problem mit dem elektronischen (Kindle) Bücher ist, das die Abbildungen, Grafiken, Bilder wirklich schlecht zu lesen sind. Da muss ich ein klassisches Exemplar holen.
    Sonst kann man viel schneller lesen und natürlich besorgen.
    Was gefunden und in 3 Minuten schon lesen. Super Sache!

  13. Hallo und willkommen, Peter.
    Was meinst du damit, dass sich „Messis“ die Bücher nehmen können? Nur Menschen, die krankhaft alles möglich sammeln und nichts wegwerfen können, dürfen diese Bücher nehmen?
    Ich finde, dass Abbildungen auf dem Kindle sehr gut funktionieren (solange es keine farbigen sind). Bisher ist mir noch kein Bild begegnet, wo ich mir ein physisches Exemplar gewünscht hätte.

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