Ein Rant gegen Spoiler Oder: Ein Pladoyer für Ignoranz

In diesen Minuten wird An Adventure in Time and Space ausgestrahlt, das die Entstehungsgeschichte von Doctor Who vor 50 Jahren erzählt. Das Jubiläum der ersten Folge ist am Samstag und (gefühlt) die ganze Welt wartet gespannt auf das Special The Day of the Doctor. Soweit ich das mitbekommen habe, strahlt die BBC andauernd an allen möglichen und unmöglichen Stellen in anderen Sendungen Trailer und Hinweise aus. Ich freue mich natürlich auch, vor allem weil es so viel neues und interessantes Material in vielen weiteren Medien gibt. Allerdings habe ich auch „Angst“ vor Spoilern, denn ich finde, dass je weniger man weiß, umso mehr Spaß hat man. Dazu meine Theorie zu den verschiedenen Stufen des Erfreuens an einer guten Serie (oder Film):

0. Absolutes Unwissen
Theoretisch wird jede Folge so strukturiert und erzählt, dass der Zuschauer kein Vorwissen haben muss. Bzw. es ist ein Merkmal guter Erzählkunst, dass man sofort einsteigen kann. Die besten Effekte werden erzielt, wenn der Zuschauer völlig ahnungslos ist, d.h. die Spannungskurve ist darauf ausgelegt, dass in den richtigen Momenten starke Emotionen hervorgerufen werden.

Mein Beispiel dazu ist Dalek, die sechste Folge aus der ersten Staffel der neuen Serie. Ich wusste davor nichts von dem titelgebenden Monster und der Eindruck war umso überzeugender und weitreichender.

1. Inhaltliche Bekanntheit
Man hat die Folge schon einmal gesehen und kann sich bei der erneuten Sichtung auf die Hinweise zur späteren Handlung konzentrieren. Man entdeckt Dinge im Hintergrund und einige Beziehungsdynamiken ergeben mehr Sinn. Außerdem versteht man hoffentllich endlich alles genauer, wenn es beim ersten Mal Anschauen etwas kompliziert war.

In Dalek kann man sich die Assistentin genauer ansehen, die Gadgets von Adam unter die Lupe nehmen und auf die verschiedenen Tötungsarten des Daleks achten.

2. Hintergrundwissen
Nach der zweiten Sichtung ist normalerweise eine größere Pause und es ist wahrscheinlich, dass man in der Zwischenzeit mehr Informationen über die Inhalte der Folge bzw. der Serie insgesamt erfährt. Ein guter Weg ist z.B. ein Audiokommentar oder eine Dokumentation. Oder das sogenannte Internet. Da soll es ja alle möglichen Informationen geben.

Meine erste Sichtung von Dalek nachdem ich die ersten Episoden der klassische Serie gesehen hatte, war besonders beeindruckend. Die Daleks tauchten gleich im zweiten Serial auf und sind verdient die bekanntesten und größten Feinde des Doktors. Des weiteren konnte ich so einige Artefakte in van Stattens Museum erkennen.

(3. Verbreitung der frohen Kunde.)
Optional kann man dann den Rest der Welt von der Qualität seiner Lieblingsfolgen überzeugen. Es soll tatsächlich Leute geben, die so etwas machen. Oder auf Veranstaltungen gehen, die die Serie zum einzigen Inhalt haben…

Ich hoffe, es ist einigermaßen verständlich, warum ich es so wichtig finde, so wenig wie möglich im Vorhinein zu wissen. Ich finde, dass Trailer nur für diejenigen gedacht sind, die erst noch überzeugt werden müsssen und ein paar Anreize benötigen, um einzuschalten (bzw. ein Ticket zu kaufen). Wer schon Fan ist, der schaut sich alles sowieso an.

Ein weiteres Beispiel für meine Theorie ist die vor einer Woche ausgestrahlte Minifolge Night of the Doctor. Wer die Folge noch nicht gesehen hat, kann das hier schnell nachholen.

Na? Sind nur 8 Minuten, das geht wirklich schnell! Ansonsten verderbe ich gleich den Spaß!

Ok, letzte Warnung, ich erzähle gleich etwas von der Folge und ich möchte kein Spielverderber sein!

Nun gut. Die Folge wurde mittags veröffentlicht und sofort war es in meiner Timeline auf Twitter ein großes Thema. Ich habe davon erst am Abend gelesen, da ich tagsüber keine Zeit hatte. Dieser Tweet hier hat mich davon überzeugt, nicht weiter zu lesen:

Und das war ein verdammt guter Ratschlag, denn nur wenige Zeit später verriet Florian, dass Paul McGann nach 17 Jahren Pause endlich wieder den Doktor auf dem Bildschirm spielte. Darauf habe ich Florian angesprochen und das war seine Antwort:

Doch es war eben nicht geplant, dass die Zuschauer von Paul McGanns Wiederauftauchen wissen. Es sollte Teil der Überraschung sein. Ich bin fast zersprungen vor Entzücken als er auftauchte! Und dieses Gefühl hätte ich niemals missen wollen. Die Folge wurde zu früh veröffentlich, weil es bekannt wurde, wie es diesem Interview heißt.

NB: In Audioform ist der achte Doktor sehr aktiv, aber das wissen leider viel zu wenige. Dass er Companions erwähnte, die nur in den Audiofolgen auftauchen, hilft hoffentlich diesen Missstand zu reduzieren (hier entlang).

Steven Moffat ist ein großer Gegner von Spoilern und vor zwei Jahren hat er ein sehr erbittertes Interview gegeben als jemand nach einer Vorschau der neuen Folgen alles verraten hat. Letztes Jahr dagegen hat es super geklappt, dass auch nach drei Kinovorschauen keiner verraten hat, dass die neue Companion schon einige Folgen vorher auftaucht. Auch ich wusste es entsprechend schon eine Woche vor der TV-Ausstrahlung, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, das zu verraten.

Was mich nun zum Samstag bringt. Ich kann die Jubiläumsfolge nicht im Kino sehen, da ich zu dieser Zeit im Flugzeug sitze. Zum Glück gibt es weitere 3D-Ausstrahlungen in meinem Lieblingskino, dass ich am Montag trotzdem noch in den Genuss kommen werde. Ich werde aber garantiert am Samstag spät noch per iPlayer gucken und mich bis dahin von Internet (insbes. Twitter) fernhalten. Hoffenlich geht das gut!

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

5 Gedanken zu „Ein Rant gegen Spoiler Oder: Ein Pladoyer für Ignoranz“

  1. Am besten mit der neuen Serie von 2005. Die ist extra darauf ausgelegt, dass du kein Vorwissen haben musst. Wenn du richtig einsteigen willst, schau dir die ersten drei Folgen an, die geben einen guten Eindruck von der Bandbreite und ob den Stil magst. Andererseits ist vielleicht der entsprechende Doktor nichts fuer dich, dann gibt es ein paar gute Folgen aus den anderen Staffeln: http://49suns.de/2009-12-06/doctor-who-fuer-anfaenger-teil-1-die-neue-serie
    Oder du faengst mit Staffel 5 an, d.h. mit Matt Smith, dem aktuellen Doktor, da auch diese Folgen darauf ausgelegt sind, dass du so einsteigen kannst.

  2. Ich habe mich auch schon öfter gefragt, ob ich nicht mit Dr. Who anfangen soll, da mich in 80ern (oder frühen 90ern) ein paar Episoden der TV-Serie ziemlich verstört hatten. Gibt ja eine nette Box in UK mit den ersten 4 Staffeln der ab 2005er Doktoren.

    Bzgl. Spoiler ging es mir übrigens ähnlich mit „Breaking Bad“ – bin dennoch nicht ganz drum rumgekommen, nun aber froh endlich damit durch zu sein.

  3. Hehe, die 80er waren kontrovers. Und die 70er ganz besonders. Die 60er waren aber auch sehr traumatisch für Kinder… Weißt du noch ungefähr welche Folgen das waren? Meines Wissens wurden nur Doktoren 6 und 7 synchronisiert und Anfang der 90er in D ausgestrahlt.

  4. Ich habe keine Ahnung mehr welche Folgen das war. Denke sie wurden bei RTL ausgestrahlt? Kann mich aber auch täuschen… fand ich nur stets sehr strange mit der Zeitreise-Thematik und kam mir auch überraschend düster vor. Aber war auch noch sehr jung damals… 😉

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