Liukad #11: Girokonto und Kreditkarte

Heute sprechen wir mal über Geld! Ja, macht man nicht, aber es ist vielleicht interessant zu wissen, dass EC-Karten eine deutsche Erfindung sind und im UK im letzten Monat ein schneller Kontowechselservice eingeführt wurde.

Eine meiner ersten Aufgaben letzes Jahr war der Eröffnen eines Bankkontos. Das Gehalt muss ja irgendwohin überwiesen werden und die Ausgaben müssen von irgendwoher getätigt werden. Das Problem ist, wenn man ein Konto eröffnen will, braucht man einen Adressnachweis (Stromrechnung o.Ä.) und wenn man sich auf eine Wohnung bewirbt, muss man ein Bankkonto angeben. Klingt kompliziert, ist es auch.

Die Lösung ist ein sogenannter passport account, wo man „nur“ einen Identitätsnachweis benötigt. Meine Recherche hatte ergeben, dass nur eine Bank einen solchen kostenlos anbietet. Somit war die Entscheidung, welche Bank ich denn nehme, schon gemacht. Die Eröffnung ging relativ schnell vonstatten und ich bekam dazu eine debit card, eine Mischung aus EC- und Kreditkarte. Die Gemeinsamkeit mit der EC-Karte ist, dass das Geld sofort vom Konto abgezogen wird. Aber wie eine echte Kreditkarte gibt es eine 16-stellige Nummer, die zum Bezahlen im Internet genutzt werden kann.

Da mit dieser Karte der alltägliche Zahlungsverkehr abgedeckt ist, haben Kreditkarten eine völlig andere Bedeutung und das spiegelt sich in den verschiedenen Arten wieder. Wer einen Eindruck bekommen will, schaue sich hier um. Man kann z.B. Punkte sammeln (cashback), Schulden übertragen lassen (balance transfer) oder größere Anschaffungen bezahlen (purchase).

Das soll hier keine ausführliche Beschreibung des Systems werden, aber jedenfalls wird das KREDIT in Kreditkarte betont. Dank der Bankenkrise ist es schwieriger geworden, eine Karte zu bekommen. Eine Kundenberaterin meinte zu mir, dass vorher automatisch jeder Kunde nach einem halben Jahr eine angeboten bekommen hat, egal was für ein credit score derjenige hat. Das ist so ähnlich wie eine SCHUFA-Abfrage und es fließen einige Faktoren ein, z.B. ob man als Wähler registriert ist, ob man Schulden hat, wie oft eine Abfrage getätigt (und abgelehnt) wurde (Infografik). Man kann sich auch online auf eine der vielen, vielen Karten bewerben, aber ein zwingendes Kriterium sind drei Jahre Adressnachweis.

Ich habe gerade die Bank gewechselt (s.u.) und beim Öffnen des neuen Kontos habe ich auch eine Kreditkarte bekommen. So konnte ich die drei Jahre Adressnachweis umgehen. Allerdings war es nicht möglich, automatisch die Rechnung jeden Monat per Lastschrift zu bezahlen! Man kann jeden Monat einen festen Betrag bezahlen (zum Abstottern der Schulden) oder per Hand überweisen. Für die Lastschrift muss ich extra anrufen und das beantragen. In Deutschland war das dagegen immer die Standardeinstellung.

Wie erwähnt hatte ich bei meiner Ankunft in Schottland keine Wahl der Bank und so habe ich noch immer meinen current account (entspricht dem Girokonto) ebenda. Aber nicht mehr lange, denn nächste Woche beginnt für mich der 7 day switch zu einem neuen Konto. Das Tolle daran ist, dass ich mich um (fast) nichts kümmern muss: Lastschriften, Daueraufträge und Guthaben werden automatisch übertragen. Die Bank informiert alle anderen Parteien (z.B. meinen Arbeitgeber) und schließt das alte Konto für mich. Für 13 Monate garantieren sie, dass keine Anfrage, positiv wie negativ, verloren geht. Wenn doch, bezahlen sie alle Kosten, die mir dadurch entstehen. Ich bin mal gespannt, wie das in der Praxis aussieht. Diesen Service gibt es seit Mitte September, weil im Durchschnitt im UK die Leute nur alle 26 JAHRE (!) ihr Konto wechseln und dabei natürlich viele Nachteile in Kauf nehmen (s. BBC-Nachricht).

So, ich muss jetzt meine neue Bank anrufen (erreichbar 24/7) und die Lastschrift für meine Kreditkartenrechnung beantragen…

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Dieser Beitrag ist Teil 11 von 16 der Beitragsserie Leben im UK als Deutscher (Liukad)

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

6 Gedanken zu „Liukad #11: Girokonto und Kreditkarte“

  1. Sehr ähnlich hier in Irland, sehr sehr ähnlich. Aber „passport accounts“ gibt’s nicht, dafür kann der Arbeitgeber einen Brief ausstellen an EINE Bank, die Bank mit der er am liebsten zusammenarbeitet, und die akzeptiert einen dann.

  2. Die ganze Geschichte, dass sich das mit der Kontoeröffnung und der Anmietung einer Wohnung im Kreise dreht, ist in Frankreich auch nicht anders. Dort ist wohl das übliche Vorgehen, sich nen Bürgen zu besorgen. Früher musste das ein Franzose sein (auch schon zu EU-Zeiten), inzwischen muss auch zähneknirschend ein Bürge aus der EU außerhalb Frankreichs akzeptiert werden. Ich vermute mal, dass uns dieses Wechselspiel in Deutschland durch unser Meldesystem und vor allem die Existenz von Persos erspart bleibt.

    (Aus deutscher Sicht hat mans in GB ja manchmal mit dem Bezahlen schwer, weil man als Deutscher im Regelfall ne Chip+Signature-Kreditkarte in die Hand gedrückt kriegt. Außerhalb Londons geht das im Regelfall auch mit Unterschrift, aber in London akzeptieren ganz viele Stellen nur Chip+PIN und wenn man dann nicht bezahlen kann, wird die EC-Karte mit PIN auch nicht so oft akzeptiert wie außerhalb Londons. Fazit, wenn ich nach London fahre, brauche ich deutlich mehr Bargeld als im Rest von GB.)

  3. tobi, hat denn der Arbeitgeber Vorteile von der Wahl der Bank? Kannst du eine Empfehlung aussprechen?

    muerps, meinst du wirklich EC-Karte? Ich habe im Urlaub in England immer mit Kreditkarte bezahlt, wobei die PIN-lose Zahlung sehr für Verwirrung gesorgt hat. Zum Glück haben alle Geschäfte das akzeptiert, weil ich kaum Bargeld mitgenommen hatte und nur Beträge unter 5 GBP in bar gezahlt habe.

  4. Ja, ich meine die EC-Karte. Wenn die Zahlung mit Kreditkarte und Unterschrift nicht ging (weil das Gerät darauf eingestellt war, ausschließlich Chip+PIN zu akzeptieren), dann ging in nem guten Teil der Fälle immer noch die EC-Karte, weil die ja ne PIN hat. Bei dem Teil, bei dem das nicht ging, kann ich mir nur vorstellen, dass das Terminal keine Debit-Karten akzeptiert, als was die EC-Karte in GB ja gilt. Wie gesagt, außerhalb Londons hatte ich (vom schlechtesten B&B Großbritanniens abgesehen, das sich in Oxford befindet) nie Probleme, mit Unterschrift zu zahlen, aber in London konnte das schon etwas an den Nerven sägen, wenn das Gerät mal wieder ne PIN wollte und meine Karte aber die PIN grundsätzlich nur an Geldautomaten freigeben will.

  5. Der Arbeitgeber nimmt einfach die Bank, mit der er am meisten macht, man selbst hat da keinen Einfluss drauf.
    Ergebnis ist, dass man als Einwanderer oftmals nach 2-3 Monaten im Land die Bank wechselt, weil man dann alles zusammen hat um bei ner selbst ausgewählten Bank angenommen zu werden.
    Hatte persönlich das Glück, dass mein Arbeitgeber ne Bank nutzt mit der ich leben kann…

  6. Keine Einflussnahme des Mitarbeiters möglich, und der Arbeitgeber wählt halt die Bank mit der er am meisten zusammenarbeitet.
    Bei mir passte das, die Bank ist ok, aber viele Einwanderer wechseln nach 2 Monaten halt wieder, weil dann alle Unterlagen da sind um bei ner anderen Bank angenommen zu werden.

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