Mein erster Halbmarathon – Das Rennen

Wie gestern angekündigt berichte ich nun vom eigentlichen Rennen meines ersten Halbmarathons. Damit Ihr meinen Ausführungen auch gut folgen könnt, habe ich die Strecke mit Zusatzinfos und die Zwischenzeittabelle (am Ende) eingefügt.

Mein Startband war relativ weit hinten, da ich eine geschätzte Zeit von 2:30 angegeben hatte und es zu spät war, diese zu ändern, als ich meinen Plan auf zwei Stunden änderte. Um mich herum waren fast alles Läufer für einen guten Zweck, so dass ich mit meiner Team Amnesty-Weste sehr gut ins Feld passte. Es dauerte mehrere Minuten bis wir an der eigentlichen Startlinie ankamen[1].

Nach dem Start ging es erstmal stetig bergab durch die Massen. Das Manövrieren durch die anderen Läufer war mitverantwortlich, dass ich nach nicht mal einem Kilometer über eine Bremswelle gestolpert bin und mir mehrere schmerzhafte Schürfwunden zuzog. Ich bin natürlich sofort wieder aufgestanden, unter ermunternden Zurufen der anderen Läufer, aber meine Hände habe noch eine ganze Weile gebrannt. Immerhin hatte ich so ein ablenkendes Detail und musste nicht schon über die noch bevorstehenden Kilometer nachdenken.

Ein Problem, das ich bereits vermutet hatte, machte sich schnell bemerkbar: es gibt nur 13 Meilenmarkierungen, keine Kilometerangaben! Man könnte meinen, man befindet sich in einem imperialistischen Land![2] Seltsamerweise sind die Standorte der Wasserstationen in Kilometern angegeben und sorgen so für komplette Verwirrung.

Streckenverlauf mit Höhenangaben
Streckenverlauf mit Höhenangaben (Klick für Originalgröße)

Wie Ihr auf der Karte mit Höhenangaben erkennen könnt, sind wir durch Leith Richtung Küste und dann den Strang entlang nach Portobello und Musselburgh gerannt. Die Sonne hat zu dem Zeitpunkt zwar angeblich noch einstellige Temperaturen produziert, aber so hat es sich nicht angefühlt und ich habe es bereut, die erste Wasserstation bei 5km ignoriert zu haben.

Bei 10km gab es eine Zeitmessermatte und meine Aufzeichnung zeigte 56 Minuten – knapp zu langsam! Zu dem Zeitpunkt hatte sich jedoch das Feld ein bisschen auseinander gezogen und es waren weniger Läufer langsamer als ich unterwegs. Außerdem fällt es mir normalerweise leicht, das Tempo zu halten oder anzuziehen, wenn ich einmal die erste halbe Stunde Einlaufen überstanden habe.

Dann zogen auch noch ein paar Wolken auf und es war wesentlich angenehmer, fast schon perfekt. Doch natürlich blieb es nicht dabei, denn so langsam machte sich mein rechtes Knie bemerkbar. Der Schmerz war unbekannt, d.h. nicht das übliche Ziehen über dem Knie, das durch meine schlechte Lauftechnik (Fersenauftritt) verursacht wird. Das Ziehen wurde immer stärker und teilweise bin ich ein bisschen eingesackt. Doch nach einer Weile des Ignorierens ist es wieder erträglich geworden und ich bin normal weitergelaufen.

Nach einer Weile kam der Schmerz wieder und ich musste zweimal ein Stück gehen (bei knapp 15 und 16½ km – siehe grüne Pace-Kurve). Eine Läuferin hat mir dabei auf den Rücken geklopft und gesagt „Not long now!“. Das hat mich wieder motiviert und ich habe mich auf meine Lauftechnik konzentriert, so dass es wieder ein bisschen leichter und schneller voranging.

Wir sind zu dem Zeitpunkt links gelaufen und rechts die Läufer, die schon von Umkehrpunkt zurückkamen. Diesen habe ich herbeigesehnt und es hat sich viel mehr als drei Kilometer angefühlt. Endlich war es dann soweit und kurz danach kam die letzte Wasserstation, d.h. wirklich nicht mehr weit! Ich habe gemerkt, dass noch ein paar Reserven vorhanden waren und bin den letzten (geschätzten) Kilometer wieder etwas schneller angegangen.

Der Zieleinlauf war auf einer großen Wiese mit Gummimatten und da bin ich noch mal ein bisschen flotter gelaufen, wobei nicht mehr viel möglich war. Aber es war ja endlich vorbei! Meine Laufapp runtastic hat ungefähr 2h01m angezeigt und eine später eintreffende SMS vom Veranstalter bestätigte die Zeit von 2:01:00.

Ich habe also mein Ziel von unter zwei Stunden knapp verfehlt, wobei ich es garantiert ohne den Sturz geschafft hätte! Naja, das war sicher nicht mein einziger Halbmarathon…

Verletzt aber glücklich
Verletzt aber glücklich (grün-blaue Knie nicht sichtbar)
Distance Pace Speed Avg. Duration Elev. gain Elev. loss
1.00 km 5:20 min/km 11.23 km/h 05:43 5 m 21 m
2.00 km 5:38 min/km 10.63 km/h 11:29 5 m 5 m
3.00 km 5:39 min/km 10.60 km/h 17:03 2 m 6 m
4.00 km 5:41 min/km 10.53 km/h 22:29 8 m 10 m
5.00 km 5:27 min/km 10.99 km/h 28:01:00 2 m 18 m
6.00 km 5:33 min/km 10.79 km/h 33:37:00 0 m 11 m
7.00 km 5:31 min/km 10.85 km/h 39:19:00 0 m 2 m
8.00 km 5:39 min/km 10.61 km/h 45:11:00 0 m 2 m
9.00 km 5:40 min/km 10.58 km/h 50:21:00 0 m 2 m
10.00 km 5:35 min/km 10.74 km/h 56:05:00 5 m 0 m
11.00 km 5:39 min/km 10.60 km/h 01:01:47 2 m 0 m
12.00 km 5:49 min/km 10.30 km/h 01:07:38 0 m 0 m
13.00 km 5:27 min/km 10.99 km/h 01:13:13 0 m 11 m
14.00 km 5:42 min/km 10.52 km/h 01:18:49 0 m 0 m
15.00 km 6:10 min/km 9.72 km/h 01:25:04 10 m 0 m
16.00 km 6:04 min/km 9.87 km/h 01:31:10 1 m 0 m
17.00 km 6:11 min/km 9.70 km/h 01:36:54 2 m 5 m
18.00 km 5:49 min/km 10.30 km/h 01:43:12 0 m 3 m
19.00 km 5:56 min/km 10.10 km/h 01:48:38 10 m 3 m
20.00 km 5:43 min/km 10.49 km/h 01:54:58 5 m 8 m
21.00 km 5:34 min/km 10.75 km/h 01:59:59 2 m 0 m
21.23 km 5:02 min/km 11.89 km/h 02:01:04 0 m 5 m

PS: Ich habe danach noch den Zieleinlauf der letzten Halbmarathonläufer und der ersten Marathonläufer angesehen. Der Gewinner hat den Streckenrekord um sechs Sekunden verfehlt und mit 2:15:42 die 42 Kilometer absolviert. Vor einigen Wochen ist er einen Halbmarathon in 1:01 gelaufen, d.h. ich habe auf jeden Fall noch Raum für Verbesserung…

  1. Während der Anmarschierphase habe ich mir selber einen Schock verpasst, indem ich die Helligkeit meines Handys von automatisch auf dunkel stellte, was im strahlenden Sonnenschein in unlesbar resultierte. Ich musste mir einen schattigen Platz suchen und das wieder ändern. []
  2. Großbritannien hat offiziell das metrische System übernommen, aber leider ist das noch nicht bei allen Veranstaltern angekommen… []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

8 Gedanken zu „Mein erster Halbmarathon – Das Rennen“

  1. Danke für den Bericht und gratuliere zu der Zeit, die ich selbst als ziemlich großartig erachte – und das noch über die weite Strecke! Da kannst du auf jeden Fall stolz auf dich sein, zumal du ja mit dem Sturz und dem schmerzenden Knie viel Zeit verloren hast.

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