Liukad #5: Schnee

Ja, auch hier schneit es manchmal und die letzten Tage sogar ein paar Zentimeter, die sogar noch bleiben sollen. So sah es gestern morgen beim Blick aus dem Fenster aus:

Es schneit tatsächlich auuch in Schottland
Schneeflöckchen, Weißröckchen, wwwmmmmbbmmbwbwwwbbb

Am Dienstag gab es die erste Ladung und durch ungünstige Umstände (Schneefall mittags, Sonne nachmittags, Frost nach Einbruch der Dunkelheit) war der Heimweg eine große Rutschpartie. Mich hat es zweimal mit dem Rad hingelegt, da meine schicken blauen Rennradreifen kein Profil haben. Mein Steißbein tut jetzt noch weh und ich bin den Rest des Weges (inkl. Umweg, da an der Landstraße kein Gehweg ist) nach Hause gelaufen.

Doch das soll nicht Thema sein. Das Problem war, dass trotz Priorität 1 der fraglichen Straßen noch nicht gestreut war, obwohl einige Stunden seit Schneefall vergangen waren. Laut dem Plan der Stadtverwaltung werden diese Straßen vorsorglich und als erstes bei Schnee und Eis gestreut. Pustekuchen! Selbst am nächsten und übernächsten Tag waren noch Eisreste zu sehen[1].

Es schneit doch öfters.
Im Dezember war es nur ein bisschen Puderzucker

Hier wird einfach anders kalkuliert und das Chaos bei den seltenen Wintereinbrüchen in Kauf genommen. Wie Konstantin schon schrieb (Bericht aus London), gibt es wesentlich weniger Räumfahrzeuge und kaum Winterreifen. Ich habe das Thema mal auf Arbeit angesprochen und keiner wusste, dass die sich schon ab 7°C lohnen und nicht nur bei Schnee sinnvoll sind. Kann das evtl. mit Versicherungen zusammenhängen? Ich meine, dass in Deutschland ein Anreiz besteht, mit Winterreifen zu fahren.

Außerdem ist es nicht üblich, dass Anwohner Gehwege freiräumen. Der Grund ist dass Viele fürchten, sonst verklagt zu werden. Klingt komisch, ist aber so. Wenn ich räume, gebe ich zu, dass ein Problem besteht, denn ich habe versucht, es zu beseitigen. Wenn sich dann jemand die Hüfte bricht, bin ich schuld, denn ich habe nicht gründlich genug geräumt. Hätte ich nichts getan, wäre der gebrechliche Fußgänger von alleine darauf gekommen, vorsichtig zu sein und wäre nicht gefallen. So zumindest die Logik. Auf dieser Regierungsseite wird darauf hingewiesen, dass es unwahrscheinlich ist, dass man verklagt wird. Aber man weiß ja nie… In Deutschland ist das anders und natürlich gründlich geregelt. Wer sich für die Details interessiert kann das hier bei Sascha nachlesen.

Mein Rennradreifenproblem habe ich hoffentlich gelöst, denn ich habe mir gestern einen passenden Winterreifen geholt. Ja, einen, denn erstens ist das Vorderrad das größere Problem und zweitens war es mir wegen der Nabenschaltung zu anstrengend, den Hinterreifen zu wechseln. Ab Mittwoch beginnt das Abenteuer und es ist noch eine Menge Schnee[2] bis dahin angesagt!

Serien-Navigation:<< Liukad #4: Temperaturunempfindlichkeit
Liukad #6: Kein Name an der Tür >>

  1. Da ich kein Risiko eingehen wollte, bin ich eine Woche auf den Bus umgestiegen. Vom oberen Stockwerk kann man wunderbar den Straßenzustand beobachten. []
  2. Mente = mehr als fünf Zentimeter []
Dieser Beitrag ist Teil 5 von 16 der Beitragsserie Leben im UK als Deutscher (Liukad)

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

8 Gedanken zu „Liukad #5: Schnee“

  1. Ein sehr unterhaltsamer Artikel. Schon interessant, wie unterschiedlich so manche Herangehensweisen sind. Eines ist jedoch gleich: Auch bei uns wird erst viel zu spät geräumt bzw. gestreut – die Wintereinbrüche kommen ja immer ach so überraschend…

  2. Dabei habe ich in den Highlands sogar mit eigenen Augen ganze zwei Skilifte gesehen. Also scheint es doch mindestens zwei (Idioten)Hügel in GB zu geben, auf denen man mit Schnee rechnet.

  3. Schöne Bilder.
    Finde ich übrigens reichlich abartig, unsere Regelung mit der Gehwegräumung.
    Aber ich finde ja auch so ziemlich alle anderen unserer Regelungen abartig.

  4. bullion, ist eine sehr subjektive Sache, gell?! In den meisten Fällen ist es ja egal, aber wenn man mal darauf angewiesen ist, enttäuschen die Winterdienste.

    muerps, es gab gestern in den Highlands eine Schneelawine, die vier Urlauber getötet hat http://www.bbc.co.uk/news/uk-scotland-21101217 Es gibt also schon genug Schnee.

    Muriel, das sagst du nur, weil du dich momentan auf geräumte Wege verlassen kannst. Sobald das nicht mehr der Fall ist, vermisst du das schon und möchtest deinen Teil beitragen. Vermute ich jetzt mal 😉

  5. In der Tat. Ist bei den anderen Regelungen natürlich genauso. Don’t know what you got til it’s gone, man kennt das.

  6. Ich schiebe gerade jeden Morgen meine Tochter im Kinderwagen 10 Minuten einen Hügel hoch. Doch, da ist man schon froh, wenn die Leute den gröbsten Schnee weggeschoben haben. 😉 Aber aus Cardiffer Zeiten erinnere ich mich auch daran, dass es zeitweise interessant war, das Haus zu verlassen, weil in der ganzen Stadt kaum mal gestreut war.

    „Ich meine, dass in Deutschland ein Anreiz besteht, mit Winterreifen zu fahren.“

    Ist es nicht gesetzlich vorgeschrieben, dass das Auto „angemessene Bereifung“ haben muss? Es steht nirgends explizit, glaube ich, aber wer im Schneesturm mit Sommerreifen einen Unfall baut, kann sicher damit rechnen, dass es teuer wird.

    Klar, bei uns schneit es öfter und in Deutschland hat man generell mehr Platz zum Lagern der Reifen, glaube ich. Im typischen Terraced House ohne Garage und Keller wüsste ich nicht, wo die Winterreifen übersommern sollten. Schaden würde es den Briten aber sicher auch nicht.

    Aber ehrlich jetzt, die Schotten stellen sich da ähnlich unbeholfen an? Ich hätte ehrlich gesagt gedacht, dass Schnee dort viel häufiger vorkommt als im Großraum London und man entsprechend besser vorbereitet ist.

  7. Also Schottland ist noch relativ beeinflusst vom Meer (Atlantik/Golfstrom und Nordsee) und daher evtl. etwas milder. Wobei man da zwischen Lowlands, Highlands und Islands unterscheiden muss…

    Laut meinen Kollegen gibt es Jahre ohne Schnee („no real snow“). Andererseits hatte es vor einigen Jahren sehr viel („two or three foot“). Die Wahrheit liegt wohl dazwischen und auf Anekdoten sollte man sowieso nichts geben. Es hat sich halt so entwickelt ueber die Jahrzehnte, dass hier traditionell Panik geschoben wird. Hat wohl auch ein bisschen mit dem uebertriebenen Health and Safety zu tun.

  8. @muerps in den Cairngorms kannst Du teilweise bis Anfang Sommer Schnee finden und da gibt es auch eine Wintersportindustrie. Dort und in ein paar anderen Gegenden koennen die Winter ziemlich hart werden und man hoert recht regelmaessig von Leuten die das unterschaetzen und dann in Probleme kommen.

    An der Westkueste und dort insbesondere auf den Inseln hingegen schneit es nur all paar Jahre so richtig, zumindest in niedrigeren Lagen. Normalerweise ist der Schnee dort innerhalb von ein paar Stunden wieder geschmolzen. Auf Islay ist es im Winter sehr oft waermer als bei mir 500 Meilen suedlich in West Berkshire.

    Ansonsten kann man nur Ian Hislop zustimmen: http://www.bbc.co.uk/news/uk-politics-21195257

Kommentare sind geschlossen.