Leben im UK als Deutscher (Liukad) #1: Milch (und Einheiten)

Es sind nun schon über sechs Wochen seit meinem letzten Eintrag vergangen und so möchte ich Euch endlich mal am täglichen Leben hier in Schottland teilhaben lassen. Es gibt kaum große, aber viele, kleine Unterschiede, die mir auffallen und die möchte ich in einer neuen Beitragsserie vorstellen. Wenn Euch das zusagt/interessiert, lasst es mich wissen[1].

Inspiriert wurde ich von einem gestrigen Erlebnis, das mich beinahe in die Verzweiflung getrieben hat. Es geht um Milch. Man könnte denken, das ist in Europa alles ähnlich, aber er gibt gewaltige Unterschiede! Bevor wir ins proteinliche Detail gehen, beschäftigen wir uns zunächst mit dem Empire.

Ja, hier wird häufig noch in imperialischen Maßen gerechnet. Vor zehn Jahren war es viel schlimmer, da musste man schon Glück haben, dass auf der Packung die Angabe in ml ebenfalls angegeben wurde. Mittlerweile ist diese Angabe zwingend notwendig (meine ich), aber es gibt meist noch in Klammern oder in kleiner Schrift die Menge in fl oz (1 fluid ounce = 28,4 ml). Damit einhergehend haben sich auch die Packungsgrößen angepasst, d.h. Sahne wird z.B. im 300 ml Becher verkauft und nicht als 10 fl oz (= 284 ml). Zur Sahne komme ich in einem gesonderten Eintrag noch einmal zurück (und warum ich gestern fast verzweifelte).

Frischmilch hingegen wird immer noch in Pintgrößen verkauft und zwar in allen erdenklichen: ½ 1, 2, 3, 4, 6 Pint. Der Grund ist, dass es billiger wird, je mehr man kauft. Außer für Extremtrinker und Großfamilien ist es aber extrem unpraktisch, 3½ Liter-Kannen zu kaufen und so bezahlt man eben mehr.

MILK

Der nächste Unterschied betrifft den Fettgehalt. Es gibt hauptsächlich semi-skimmed (fettarm) und skimmed (fettfrei), kaum whole (Vollmilch). Vor zehn Jahren, als ich zum ersten Mal hier wohnte, habe ich das sehr befremdlich gefunden und es war mir unverständlich wie man „gefärbtes Wasser“ trinken kann. Mittlerweile nehme ich nur noch semi-skimmed…

Und ich nutze praktisch nur H-Milch. Die heißt hier UHT (ultra-heat treatment) und ist eher unüblich, weil es eben dank der verschiedenen Packungsgrößen seltener vorkommt, dass Milch schlecht wird. Ein weiterer und völlig unlogischer Grund ist bzw war der höhere Preis! Mittlerweile ist der Preis vergleichbar, aber die Einkaufsgewohnheit hat das noch nicht mitbekommen. Kurioserweise wird H-Milch in 1 Liter-Tetrapaks verkauft und nicht in Pint-Einheiten wie die Frischmilch. Des weiteren wird sie oft im Backregal versteckt und man muss echt suchen, weil es immer nur ein paar gibt. In „meinem“ Supermarkt gibt es zum Glück Sechserpacks, die ich nehme, weil dann der Liter 10p billiger ist.

Auf die Eigenart, dass der Milchmann jeden Morgen Milch in Glasflaschen vorbeibringt, gehe ich nicht ein, denn das ist erstens kaum noch üblich und in der Großstadt sowieso nicht.

Und nun immer raus mit den Kommentaren – was habt Ihr hinzufügen oder korrigieren?

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  1. Ja, das ist ein schamloses Betteln um Kommentare, aber die waren in den letzten Beiträgen rar. []
Dieser Beitrag ist Teil 1 von 16 der Beitragsserie Leben im UK als Deutscher (Liukad)

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

21 Gedanken zu „Leben im UK als Deutscher (Liukad) #1: Milch (und Einheiten)“

  1. Noch ein Grund, warum ich kein allzu großer Freund von Jetpack bin. 🙂 Jedenfalls: Mit dieser Serie darfst du gerne so weitermachen. Nur bei H-Milch fällt mir eigentlich nur „bäh!“ ein…

  2. Ich würde auch die H-Milch kaufen; mache ich auch hier in Deutschland. Frischmilch ist für ein Baby und Kleinkinder wichtig, aber für Erwachsene nicht unbedingt notwendig, weil wir ja noch so viel anderes Vitaminreiches essen. Also wäre das für mich dort kein Problem, aber natùrlich für Familien mit Kindern.

  3. Ich liebe diese Serie jetzt schon, weil ich die Eigenheiten anderer Länder super interessant finde und Edinburgh im speziellen so und so.

  4. Ok, dann wird dann hoffentlich jetzt eine regelmaessige Serie 🙂 Ich habe schon eine ganze Reihe Ideen.

    Brigitte, sind denn wirklich so viele Vitamine in der Frischmilch als dass es einen Unterschied macht? Wobei Kinder ja sehr viel Milch trinken und sich da die grossen Frischmilch-Packungen lohnen.

  5. Entschuldige den späten Kommentar. Aber ich freue mich natürlich auch sehr über diese Serie!

    Wenn du möchtest kannst du sie gerne auch parallel auf dem Englisch-Blog veröffentlichen…

  6. Mein recht kurz nach deinem Beitrag hinterlassener Kommentar wurde offenbar verschluckt. Auch ich hatte meine Freude über diese Reihe verkündet und auf mögliche Phänomene wie fehlende Mischbatterien und Doppelverglasung hingewiesen. Und ich hoffe, du wirst nie über deine Erfahrungen mit dem NHS berichten müssen.

  7. Hallo Ingo, sieht so aus als ob du beim ersten Mal im Spam gelandet bist…

    Im naechsten Eintrag geht es um die Wohnungssuche und da kommen Mischbatterien und Doppelverglasung vor 🙂
    Meine bisherigen Erfahrung mit dem NHS sind positiv!

  8. Ich bin kein Ernährungswissenschaftler, aber ich denke mal, dass Milch, die hocherhitzt wird, C-Vitamine verliert. Ich kaufe H-Milch, trinke die aber nie pur, sondern im Kaffee, und ich nehme sie auch zum Kochen her: Pfannkuchen, Kaiserschmarren, Spätzle, Kartoffelbrei etc. Und auch zum Backen. Bei all dem wird die Milch ja sowieso erhitzt und verliert C-Vitamine.

  9. Ah, fein, jetzt gehen die Kommentare wieder. Ich hatte es schon beim letzten Versuch geschrieben, auch in Frankreich gibt es kaum Vollmilch und wenn dann zu hohen Preisen. Das dürfte mit dem Herstellungsprozess zusammenhängen. Es ist nämlich so, dass Milch bei der Verarbeitung grundsätzlich erstmal in ihre Bestandteile zerlegt wird – also das Wasser, Milchfett, etc. Wenn dann die ganze Hitzebehandlung durch ist (also die Frischmilch einmal auf 120°C gebracht wurde und die H-Milch auf 150°C), dann wird die Milch wieder zusammengesetzt (dabei darf auch nur wieder das rein, was vorher drin war, man kann also bspw kein milchfremdes Wasser zufügen, zumindest nicht in der EU) und ggf. anschließend homogenisiert. Und es ist natürlich billiger, wenn man nicht wieder z.B. alles Milchfett zusetzen muss, sondern das anderweitig verwerten und zu Geld machen kann. Und @Brigitte: Wie gesagt, es wird alles sowieso erhitzt, wenn man nicht gerade Rohmilch kauft (es sei denn, man findet mal im Supermarkt ne Frischmilch ohne „länger haltbar“). Verglichen mit anderen Lebensmitteln muss man schon relativ viel Milch zu sich nehmen, um daraus den Vitaminbedarf zu decken, und gerade für das von dir erwähnte Vitamin C gibt es wahrlich bessere Quellen.

  10. Ich freue mich auch über diese neue Serie. Es ist an Weihnachten zwei Jahre her, dass wir von Cardiff zurück nach Deutschland gezogen sind, und Wales fehlt mir noch immer. Da schwelge ich gerne etwas in nostalgischen Details. 😉

    Und ja, die imperialen Einheiten irritieren mich auch immer. Bei den Amis ist das ja wohl noch schlimmer mit ihren Fahrenheit, aber ist ja so auch schon nervig. Ich kann mir zudem nie merken, wofür „oz“ steht, also ausgesprochen.

    Was die Milch betrifft mochte ich die kleinen Half-Pints sehr gerne. Das Zeug wird mir sowieso ständig schlecht, so viel Milch braucht man ja nicht. Bei den kleinen Packungen muss man dann zumindest weniger wegkippen. In Deutschland muss man nach 500-ml-Packungen ja doch öfters suchen in den Läden.

  11. Also ich bevorzuge Frischmilch, weil sie besser schmeckt. H-Milch mag ich nicht so gerne, besonders pur merkt man den geschmacklichen Unterschied schon sehr. Und mit den Mengen hätte ich kein Problem, ist doch perfekt. 2 3,5-Liter Flaschen kaufen, für eine Woche versorgt sein.

  12. muerps (sag doch, wenn die Kommentare nicht gehen!), danke für die Erklärung mit dem Milchfett! Die Frage ist nun, ob der Preisunterschied real ist (z.B. in Deutschland 5 Cent pro Liter).

    Johannes, du bist also einer derjenigen, die vernünftigerweise den höheren Preis zahlen als den Rest wegzukippen. Wobei ich auch kein großer Milchtrinker bin, sondern diese nur für Kaffee und ab und zu für Porridge und Müsli nehme. Ein Liter hält sich locker eine Woche.

    Wenn man natürlich in der Zeit dreieinhalb sieben Liter verbraucht, wie David, dann lohnt sich das Leben hierzulande 🙂

  13. Weiss jetzt nicht was Deine Definition von Grossstadt ist, aber mindestens in Swindon fuhr noch vor ein paar Jahren (und vermutlich auch heute noch) der Milchlieferwagen durch die Strassen.
    Hier auf dem Dorf in Aldermaston Wharf gibt’s das auch noch immer.

    Und wie ich eben mal bei schnellem googlen gesehen habe kannst Du es zumindest in einigen Gegenden auch in Edinburgh bekommen.

    Nur heutzutagen selten in Glasflaschen, meisten eher Plastic.

  14. Googlen ist immer gut 😉

    Schneit’s bei Euch schon? So als Deutscher wo Schneeschippen Pflicht ist musst Du da bestimmt drueber schreiben….

  15. Heute nacht hat es zum ersten Mal geschneit und ich fand es sehr befremdlich, dass die Buergersteige nicht geraeumt sind. Aber ich bin auch im Laendle aufgewachsen 🙂

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