Wie ich zu Elvis kam

Aus Anlass des 35. Todestags von Elvis Presley hat Leserin Brigitte einen Gastbeitrag geschrieben. Sie hat bei einem Beitrag mit Übersetzungen von Elvis-Songs vor fünf Jahren einige weitere Übersetzungen in die Kommentare geschrieben und so kamen wir in Kontakt. Hier beschreibt sie wie sie zu Elvis kam und was er für sie bedeutet. Viel Spaß beim Lesen! Und großen Dank an Brigitte!

Heute vor 35 Jahren verstarb ELVIS, und auf fast allen Radio-und TV-Kanälen wurde verkündet: „Der King ist tot!“ Die Welt war schockiert! Man sah weinende Menschen (nicht nur Frauen). Sie konnten die TATSACHE nicht akzeptieren, obwohl sie wussten, dass sie wahr war.
ELVIS ist 1977 mi 42 Jahren verstorben – aber sein Tod war nicht wirklich. Es gibt ihn noch!
Bis heute im Jahre 2012 hört man seinen Namen jeden Tag auf irgend einer Radio-Station, bei Musiksendungen, bei Konzerten, Wunschsendungen, in TV-Serien und Spielfilmen von heute. ELVIS ist nicht nur in der Musik-Welt lebendig; er ist wohl der Mensch mit den meisten Fans auf dieser Welt. Aus Kassettenrekordern, CD- und DVD-Anlagen, Computern und dergleichen in mehreren tausend Haushalten erklingen täglich seine Songs und Shows. Im Facebook gibt es die ELVIS-Woche. Und wenn jemand einmal sein Fan wurde, dann bleibt er es sein Leben lang: Man möchte ihn hören, man möchte ihn sehen, man möchte ihn fühlen!
Schade, dass ich erst so spät sein Fan wurde, da habe ich viele glückliche Jahre verpasst!

Ich bin verheiratet und habe 3 Kinder, die alle in ihrer Kindheit und Jugendzeit aktiven Roll- und Eiskunstlauf betrieben haben und Meisterschaften gelaufen sind. Da war für mich nur Zeit für Familie, Eheleben, Schule und Sport.
Erst als mein Sohn im Musikunterricht einen Vortrag halten sollte, wählte er sich Elvis aus.
Wir kauften Schallplatten, und er hörte seinerzeit in seinem Zimmer einen Song nach dem anderen. Irgendwann rief er mich dann zu sich und verlangte, dass ich mir mal Zeit nehmen und richtig zuhören sollte. „THAT’S WHEN YOUR HEARTACHES BEGIN“. Als ich dann sagte: „Gut, gefällt mir“, meinte er: “ Ist das alles, was Du dazu sagst?“ Und ich musste mich zu ihm setzen und mir den Song nochmals anhören. – Ja, ich war begeistert, und mein Sohn war zufrieden, aber Zeit für ELVIS habe ich mir – leider – nicht genommen!
Erst als meine beiden Töchter Lungenentzündung hatten und nicht ins Training konnten – wobei die Bayerischen Meisterschaften ausfielen – füllte ich meine Trauer darüber und die innere Leere mit ELVIS aus und hörte mir immer wieder I WANT TO BE FREE, ARE YOU LONESOME TONIGHT, YOUNG AND BEAUTIFUL, STAY AWAY, IN THE GHETTO und natürlich THAT’S WHEN YOUR HEARTACHES BEGIN und viele, viele andere seiner über 600 seiner Songs an. Jetzt erst hatte ich wirklich verstanden, was mein Sohn damals meinte, als er sagte:“ Ist das alles….?“ – Und ab da war ich nicht nur eine Gefangene von ELVIS’s Stimme, sondern er hatte mich, ohne dass es mir weh tat, vom Traurigsein wegen der ausgefallenen Meisterschaften befreit! Da war etwas, an das ich ständig denken musste, auf das ich mich für meine Freizeit freuen konnte. Und als er dann 1977 verstarb, liefen im TV ständig Shows und Filme, die ich nicht versäumen DURFTE. Aber ich war über seinen Tod eigentlich nicht sehr traurig. Ich erkannte, dass es nicht mehr weitergehen hätte können, und vielleicht wollte er es auch nicht!

Damals war ich 45, und meine Begeisterung dauert nun schon 35 Jahre. Es verging kein Tag, an dem ich nicht irgend einen seiner vielen Songs im Kopf hatte oder hingebungsvoll zuhörte. Und oft dachte (und denke) ich, dieses oder jenes Lied noch nie SO gehört zu haben wie jetzt.
Ich habe Rad-Touren in Parks mit Walkman und Kopfhörern unternommen und bin im ELVIS-Rhythmus gefahren, ich habe auf Rollschuhen nach ELVIS-Liedern getanzt. Mit dem so häufigen Hören seiner Songs lernt man ganz leicht , sich fließend englisch zu unterhalten, besser als so mancher Abiturient. Ich habe viele seiner Lieder übersetzt. Ich habe mir selbst Musikkassetten gebaut und daraus mit ausgesuchten Songs kleine Stories gebaut, vom Anfang einer Liebe mit I’m FALLING IN LOVE TONIGHT u.a. bis zum Ende mit DON’T CRY DADDY, LONG BLACK LIMOUSINE und THIS IS THE STORY…“
ELVIS ist für mich nicht nur ein einzigartiger Sänger mit VIELEN Stimmen und Tonfällen und Künstler, der fast alle Lebens-Situationen besungen hat. Irgend ein Song passt immer, ob aufregend, traurig oder erfrischend.
Ich glaube, ich wurde der größte ELVIS-Fan!
Meine Kinder sind alle erwachsen und schon lange aus dem Hause, und mein Ehemann hat nicht nur nichts dagegen, wenn ich mir z. B. beim Bügeln meine selbst gebauten Kassetten anhöre, im Gegenteil, auch er hört sie gern. Und abends, wenn im TV nichts Interessantes zu sehen ist, schaut er sich mit seinen 84 Jahren immer wieder gern mal ACAPULCO,
GI-BLUES, KING CREOLE, CHAMGE OF HABIT usw. und seine frühen Fernsehauftritte und ganz besonders seine 1968er COME-BACK-SHOWS an.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker