Schrott oder Schnäppchen? Zwei analoge Kameras vom Flohmarkt

Seit gestern abend läuft in Konstanz der grenzüberschreitende Flohmarkt und da mir versichert wurde, dass man sich das nicht entgehen lassen sollte, habe ich die Gelegenheit wahrgenommen[1]. Der Konstanzer Flohmarkt wird sogar auf der entsprechenden Wikipedia-Seite erwähnt! Es hat sich vielleicht gelohnt, doch dazu kommen wir gleich.

Dacora dignette und Agfa Optima 535

Vorsorglich habe ich nur 20 Euro mitgenommen, dass ich nicht in Versuchung komme und außerdem habe ich nicht nach etwas Bestimmem gesucht. Der Flohmarkt ist absolut riesig mit 14 Laufkilometern, d.h. wer alles sehen möchte, kommt leicht auf über 20 Kilometer. Wir haben früh angefangen – kurz nach der offiziellen Eröffnung um 19 Uhr – und hatten nach vier Stunden einen Großteil „abgegrast“. Die Bandbreite reicht von Kinderzimmeraufräumaktionen über Sammlerangebote und Haushaltsauflösungen bis hin zu professionellen Händlern.

Kommen wir nun endlich zum eigentlichen Thema: zufällig habe ich einem Verkäufer zugehört, der einer japanischen (?) Studentin eine alte Kamera mit Belichtungsmesser verkaufen wollte. Er hatte noch eine andere Kamera, eine Agfa Optima 535 (von 1976, im Bild oben rechts). Die kam mir bekannt vor und außerdem musste ich an Jeriko denken. Ist zwar ein ganz anderer Fall und eine andere Klasse von Kamera, aber der Grundgedanke ist derselbe: analog! Und für fünf Euro habe ich nicht mal nachgefragt, ob die Optima überhaupt noch funktioniert.

Von da an habe ich nach weiteren alten Kameras Ausschau gehalten, ohne wirklich zu wissen, auf was man achten muss und was es für Modelle gibt. Diejenigen, die ordentlich aussahen, kosteten entsprechend mindestens 50 Euro und auch wenn ich das Geld gehabt hätte, hätte ich nicht auf Risiko einfach so ein Ding gekauft.

Eine weitere habe ich noch erworben, die etwas heruntergekommen aussah und wo die Ledertasche fast auseinanderfiel. Für eine Dacora Dignette habe ich die restlichen 15 Euro ausgegeben (im Bild oben links). Das Modell konnte ich (bisher) nicht bestimmen, denn das Gehäuse entspricht einer Pronto (1962, ohne Entfernungsmesser, mit Rückspulkurbel), aber das Objektiv ist wie das der Dignette L (1963, mit Senkrechtauslöser). Kennt sich jemand mit Dignetten aus oder weiß, wo es Infos gibt?

Zuhause habe ich entdeckt, dass noch ein Film eingelegt war. Meine Befürchtung, diesen durch das Öffnen des Fachs ruiniert zu haben, war egal, wie sich zeigen sollte. Heute morgen bin ich losgezogen und habe Blenden (f/2.8 bis f/22) und Zeiten (1/125 bis 1/30) geraten bis der Film voll war. Beim Zurückspulen ist dieser jedoch gerissen, d.h. ich werde nie erfahren, ob vorher etwas auf dem Film war und/oder ob ich Blödsinn produziert habe.

Für Letzteres bleibt natürlich genug Gelegenheit, nachdem ich mir morgen zwei Kleinbildfilme besorgt habe. Wie genau ich das mit der richtigen Belichtung mache, muss ich mir noch überlegen. Die Optima kann das alleine, denn man gibt nur Blende und Entfernung vor. Für die Dignette jedoch müsste z.B. die kleine FinePix F200EXR mit. Und dann heißt es aufschreiben, in welcher Kombination das Foto gemacht wurde, weil das ja nicht in den EXIF-Infos stehen wird…

PS: Ein Buch habe ich auch noch „erstanden“ und zwar ein Experimentroman, der absichtlich kostenlos weitergegeben werden soll von Concord Free Press.

  1. Normalerweise wäre ich mit dem Seehas gefahren, aber da ich am Morgen mein neues Fahrrad abgeholt hatte, waren die 11 Kilometer bis in die Innenstadt ein Klacks. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

4 Gedanken zu „Schrott oder Schnäppchen? Zwei analoge Kameras vom Flohmarkt“

  1. Ist das richtig, der Markt öffnet wirklich um 19 Uhr?
    Wenn Du weiter in den die Analog Geschichte einsteigen möchtest, ich habe noch eine Minolta x-300s mit 200mm Wechselobjektiv hier herumliegen. Über den Preis ließe sich verhandeln.

  2. Ja, der Markt öffnet wirklich um 19 Uhr und geht durch die Nacht. Wer das weiß, hat eine Taschen- oder Kopflampe mit, um alles genau sehen zu können. Die Verkäufer haben entweder Gaslampen (o.ä.) oder Kerzen, damit ihre Stände beleuchtet werden.

    Eine analoge Spiegelreflex ist mir (noch) zu kompliziert 🙂 Muss erstmal gucken, ob ich das mit den Filmen, Entwickeln etc überhaupt machen möchte…

  3. Kleiner Tipp, mach dich mit „Sunny 16“ vertraut. Negativfilme verzeihen sowieso einiges, Positivfilme kriegt man mit ein wenig Routine auch ohne weiteres hin. Ich hab nur ein einziges Mal meine DSLR als Belichtungsmesser dabei gehabt, ansonsten immer geschätzt.

    Und vergiss EXIF! Niemand fragt bei einem tollen Foto, wie und womit das gemacht wurde 😉

    Viel Spaß mit den beiden Schätzchen!

  4. Ah, genau, darauf bin ich auch schon gestoßen auf der Suche nach „Sonne lacht, Blende acht“. Das hier ist die ausführlichere Variante, aber zum Einstieg nehme ich doch lieber die Wikipedia – Danke 🙂

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