Buchempfehlung: Doctor Who: The Writer’s Tale: The Final Chapter

The Writer's TaleSo viele Doppelpunkte gibt es selten in einer Überschrift, aber wir haben es hier auch mit einem seltenen Exemplar von Buch zu tun.

Alles begann im Februar 2007 mit der Idee, dass der Redakteur einer Zeitschrift – Benjamin Cook vom Doctor Who Magazine – dem Drehbuchschreiber von Doktor Who – Russell T. Davies – ein paar Fragen zum Schreibprozess stellt, um daraus einen Artikel zu machen. 31 Monate und 693 eng beschriebene Seiten später kann man davon ausgehen, dass das eine ziemlich optimistische Herangehensweise war.

Jedenfalls war die Prämisse der Great Correspondence, dass RTD am Beispiel des Skriptes für das Weihnachtsspecial 2007 erklärt, wie er ein Skript für Doctor Who schreibt. Nach anfänglichen allgemeinen Mails, die RTD hauptsächlich mit Prokrastinieren verbringt, geht es endlich los und dem Leser wird ein tiefer Einblick geboten. Das mäandert natürlich durch viele Themen, wie Schreiben allgemein, Hintergrundvorgängen zu Doctor Who, vorherige Arbeiten als auch die Biografie von RTD.

Benjamin Cook stellt einige wirklich knackige Fragen, aber der Großteil der Zeilen stammt von seinem Gegenpart, der vor allem tief in der Nacht sehr persönliche und ehrliche Geschichten und Gedankengänge offenbahrt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und wer von sich denkt, an Aufschieberitis zu leiden, der kann hier von einem Meister noch was lernen. Man spürt richtig die Verzweiflung zwischen den Zeilen, die dann und wann zu echter Euphorie umschwankt, wenn er wieder eine tolle Idee hatte und/oder viele Seiten Skript geschafft hat.

Für mich war das Buch optimal geeignet, denn ich interessiere mich sowohl für Doctor Who als auch für die Vorgänge hinter den Kulissen. Es macht Spaß zu entdecken, welche Details schon Jahre vorher geplant waren (z.B. die letzte Zeile des zehnten Doktors) und welche großen Umwälzungen erst in letzter Minute getätigt wurden (z.B. das Ende von Adelaide Brooke). Witzigerweise hat auch der E-Mail-Austausch hier und da Einfluss auf die Skripte gehabt. Außerdem lernt man durch die schonungslose Offenheit ganz andere Seiten von RTD kennen wie den verletzlichen Schreiber und den rücksichtslosen Produzenten.

Das Buch ist wie schon angedeutet eine Sammlung von E-Mails (plus einiger SMS) und alleine die Betreffzeilen lohnen den Kauf („Charlie Hunnam’s Arse“, „Stephen Moffat’s Thighs“ etc.). Diese Taschenbuchausgabe mit dem Zusatz The Final Chapter erschien im Januar 2010 und ist eine Verdoppelung im Vergleich zur gebundenen Ausgabe, die im September 2008 erschien. Ich würde in jedem Fall das Taschenbuch empfehlen, nicht nur weil es billiger ist, sondern auch weil es nicht mitten in den Vorbereitungen zu The Next Doctor abbricht, sondern mit RTDs L.A.-Umzug nach Beendigung von David Tennants Ära endet.

So gut das Buch auf meine Interessen zugeschnitten ist, so ungeeignet mag es für andere Leser sein. Man sollte sich sowohl für die Serie interessieren[1] als auch dafür wie Fernsehen gemacht wird, insbesondere der Schreibprozess am Beispiel von RTD. Einige Rezensionen beschweren sich darüber, dass das gar kein Einführungsbuch für angehende Drehbuchschreiber sei, aber die haben einfach den Titel nicht richtig gelesen. Außerdem würde ich allen RTD-Hassern und Gay Agenda-Verschwörern abraten.

Wer nicht dazu gehört und/oder meine Interessen teilt, möge beherzt zugreifen und zwar gerne über meine Amazon-Partnerlinks: DE für 21,99 € oder UK für £ 8,94.

Die Früchte der ganzen Schinderei kann man übrigens auf der offiziellen Seite herunterladen, d.h. dort gibt es die Skripte für alle 2009er-Specials und sechs aus Staffel vier inkl. des Xmas-Specials.

PS: Mein Dank geht an Markus vom English-Blog, bei dem ich einen Gutschein gewonnen habe, mit dem ich das Buch gekauft habe.

PPS: Wer kennt das Buch schon und kann ebenfalls ein Urteil abgeben?

  1. Wobei man dank hilfreicher Fußnoten auch komplett ohne Vorkenntnisse durchkommen sollte. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

3 Gedanken zu „Buchempfehlung: Doctor Who: The Writer’s Tale: The Final Chapter“

  1. Ich kenn das Buch nur vom in der Hand halten in nem Buchladen in Exeter. Hab ich damals nicht mitgenommen, weil ich schon einiges eingekauft hatte und von vornherein nicht sooo weit unter der Freigepäckgrenze lag. Steht aber ganz oben auf der Einkaufsliste für den nächsten Urlaub, zusammen mit dem Büchlein über die TARDIS, das fand ich nämlich ganz putzig geschrieben und es standen tatsächlich auch Sachen drin, die man als Fan nicht ohnehin schon weiß (ich könnt mir beides zwar auch von hier aus bestellen, aber ich hab noch nen hohen Stapel ungelesene Bücher hier liegen).

  2. Büchlein über die TARDIS?! Welches?!? Ich liebäugele ja gerade mit dem vom Rob Shearman und Toby Hadoke geschriebenen „Running through corridors“. Wobei auch mich viel zu viele noch zu lesene Bücher abhalten. Das heir habe ich ja schon im Frühjahr gekauft und jetzt erst gelesen. Allerdings hatte ich es dann in zwei Wochen durch, was für einen solchen Wälzer bei wenig Zeit recht flott ist.

  3. „The TARDIS Handbook“ heißt das. „Running through corridors“ klingt aber auch interessant. „Moths ate my Doctor Who scarf“ fand ich ja ganz allerliebst.

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