Buchempfehlung: Christopher Moore – Fool

Christopher Moore - FoolNebenstehendes knallgelbe Buch ist mir neulich im Buchladen ins Auge gesprungen und da ich „cover blurbs“ normalerweise ignoriere, habe ich nur die Namen Douglas Adams und Terry Pratchett überflogen und mich ans erste Kapitel gemacht. Diesen Schritt habe ich nicht bereut und ob es auch was für Eure Augen ist, soll dieser Beitrag zeigen.

Bevor der geneigte Leser richtig anfangen kann zu lesen, bekommt er eine Warnung über profanes Vokabular, split infinitives und eine Besetzungsliste präsentiert. In Letzterer tauchen illustre Namen wie Lear, Goneril, Regan und Cordelia auf. Theaterfreunde und Englischstudenten werden hellhörig, denn ja, das ist tatsächlich bis auf ein paar Details dieselbe Liste wie bei Shakespeare’s King Lear. Beachtenswerte Ausnahmen sind das Benennen des Narren als Pocket, Drool (Narren-Auszubildener) und ein Geist („There’s always a bloody ghost“). Eine größere Abweichung sind die Hexen aus Macbeth, aber die bereichern die Geschichte ungemein.

Erzähler ist der namensgebende Fool und neben den aktuellen Ereignissen um den ereignisreichen Ruhestand von König Lear, gibt er seine Geschichte zum Besten, wie er in einem Kloster aufwuchs, als reisender Gesell im Schloss ankam und die drei Königstöchter kennenlernte.

Die Sprache ist wirklich derb und geeignet, um sein (britisches) Fachvokabular rund um Sex zu komplettieren und sich auf Jahre hinaus einen Vorrat an außergewöhnlich farbenfrohen Beleidigungen anzueignen. Doch hauptsächlich ist es einfach sehr witzig geschrieben und die Verweise auf Adams und Pratchett sind gerechtfertigt. Außerdem sind sie geeignet, das richtige Publikum anzuziehen, denn der absurde und schwarze Humor ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Doch wer wie ich Freude daran findet, wird dieses Buch lieben. Moore ist Amerikaner und deswegen bedient er genau die britischen Slangklischees, die man als Mitausländer sich so vorstellt.

Ein weiteres Merkmal sind die vielen Referenzen auf verschiedene Religionen (Christeintum, Paganismus, Griechen, Hexen, …) und wie die Protagonisten ständig hin und her konvertieren. Zeitlich passt das nicht so ganz, denn im 13. Jh. war alles fest in christlicher Hand und Moore gibt auch selber im Nachwort zu, dass das eher in achten oder neunten Jahrhundert geschah. Die Zeitachse war jedoch schon durcheinander gewirbelt, da der historische Leir of Britain, falls er tatsächlich existierte, eher um das Jahr 400 v. Chr. lebte und da gab es keine Schlösser und Hofnarren.

Um die zeitliche Verwirrung auf die Spitze zu treiben, ist die Sprache nicht nur dem heutigen Englisch angepasst – Shakespeare-Englisch versteht man heute kaum noch und Chaucer-Englisch erst Recht nicht – sondern strotz so vor Anachronismen. Es werden Weetabix und Mazdas erwähnt und eine Anspielungen auf Pasteur fiel mir auf.

Fazit: Empfehlung für Freunde absurden Humors, die an der Verballhornung von Shakespeare und britischer Geschichte keinen Anstoß nehmen.

Wer zugreifen möchte, kann das z.B. bei Amazon für 8,70 € tun. Wer Banause sein möchte und die deutsche Version lesen, muss bis Oktober warten und 8,99 € ausgeben [Partnerlinks]. Ich beschäftige mich derweil mit den anderen Büchern von Christopher Moore, von denen ich schon so einiges gehört habe (z.B. Lamb. The Gospel According to Biff, Christ’s Childhood Pal).

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

9 Gedanken zu „Buchempfehlung: Christopher Moore – Fool“

  1. Ich habe Die Bibel nach Biff (und nein, ich wurde zum Banausen gemacht, da es ein Geschenk war) gelesen und muss sagen, ich hatte meinen Spaß. Wenn ich demnächst 8 und ein paar mehr Euro übrig habe, ist Fool mein. 🙂

  2. Ich empfehle sehr „Blues und Vollmond für Kojote“ und „Ein todsicherer Job“. Im Moment lese ich gerade „Der Lustmolch“ und bin ein wenig enttäuscht. Die englischen Titel der Bücher kenne ich leider nicht.

    🙂

  3. Da bin ich wohl zufällig über einen tollen Autoren gestolpert :hurra:

    Chlorine, vielleicht findest du das Buch ja auch auf einem Flohmarkt oder sonstwo gebraucht für weniger. Bei Tauschticket sieht es für die deutschen Versionen sehr gut aus, für die englischen sehr mau.

    daRONN, willkommen! Es dürfte sich bei deinen Empfehlungen um Coyote Blue und The Dirty Job handeln. Die merke ich mir auch mal vor 🙂

    tobi, soweit ich das nach einem Buch beurteilen kann, kann man das sehr gut im Original lesen. Und hier besonders weil er sich auch an Cockney Rhyming Slang versucht. Zur Entschlussfindung lies einfach mal die Beschreibungen bei Amazon durch. Die Übersetzung versucht ebenso derb zu sein, aber für mich klingt das ein bisschen zu bemüht.

  4. Ich habe von ihm die Bibel nach Biff gelesen und kann behaupten, mich bei wenigen Büchern so schlapp gelacht zu haben. Meine zweite Erfahrung beruht auf „Ein todsicherer Job“. Auch hier viel Kreativität, viel Humor und gutes Handwerk zum Geschichten erzählen. Weitere Bücher haben mich von der Beschreibung her noch nicht gereizt.

  5. Habe bis jetzt auch nur „Die Bibel nach Biff“ und „Ein dodsicherer Job“ von ihm gelesen. Der Rest interessiert mich jetzt nicht so, aber „Fool“ wird gekauft… auf deutsch! 😀 *wird von Steinen getroffen* 😆

  6. Dany, ich habe Biff jetzt bei Tauschticket angefordert und werde mich hoffentlich dann auch bald schlapp lachen 🙂

    Steve, berichte dann mal von deinem Eindruck. Ich kann mir eine angemessene Übersetzung mit dem starken Slang echt nicht vorstellen. Das wird vermutlich entweder hölzern-lächerlich oder gewöhnlich-unlustig werden. Aber Ausnahmen bestätigen ja die Regel 😉

  7. Ach, ich möchte doch nur, dass meine Leser ihre Strom- bzw. Handyrechnung bezahlen können 🙂 (und fleißig bei Amazon über meine Partnerlinks einkaufen, damit ich nach fünf Jahren endlich mal über die Auszahlungsgrenze komme)

Kommentare sind geschlossen.