warum werden im deutschen (free) tv praktisch nur amerikanische serien gezeigt und keine/kaum britische(n)?

im rahmen meiner aktion on tour hat julia den vorschlag gemacht, ich sollte mal spekulieren wieso im deutschen fernsehen amerikanische serien einen viel höheren anteil haben als britische. ich denke über den ziemlich hohen anteil amerikanischer serien im deutschen fernsehen, und das auf sehr guten sendeplätzen, beispiele hierfür muss ich wohl nicht machen. bei britische serien sieht das um einiges schlechter aus, wenn es eine serie überhaupt ins free-tv schafft, dann meist auf schlechten sendeplätzen und/oder bei sendern mit geringerer zuschauerfrequenz, „life on mars“ habe ich glaube ich nachts um 11 auf einem dritten, „jekyll“ nachts um 10 auf arte gesehen, um nur mal zwei beispiele zu nennen – gleichzeitig kommen „house m.d.“, „the simpsons“ und „c.s.i.“ um 8 oder 9 uhr abends.

nun könnte es ja mehrere gründe geben, warum dies so ist, ich will mal auf ein paar grundsätzlich möglichen gründen eingehen:

der erste mögliche grund wären kulturelle differenzen. außer serien aus usa, uk und frankreich gibt es eigentlich nur deutsche serien bei uns zu sehen, oder kennt jemand von euch eine schwedische, israelische oder indische serie im deutschen free-tv? kulturelle differenzen können ein grund für sowas sein, eine serie über das indische kastensystem würde bestimmt in deutschland probleme haben, aber zwischen england und deutschland fallen die unterschiede ja nicht wirklich groß ins gewicht. beide länder zählen zu den größeren staaten europas, sind aufgeklärte demokratien und sind historisch christlich geprägt. genau diese beiden länder waren die motoren der industrialisierung, die probleme und wünsche der bevölkerung dürften ähnlich sein. das kann also nicht der grund sein!

aber vielleicht ist es ja auch nicht die kultur im gesamten, sondern nur der britische humor. dass dieser ein sehr spezieller ist, ist wohl unbestritten, aber in meinem bekanntenkreis kenne ich niemand der beispielsweise monty python nicht liebt, und die sind wohl ein schon extremes beispiel für den schwarzen humor von der insel. und solange „house m.d.“ von einem egozentrischen und zynischen misantrophen lebt und gut ankommt, kann der britische humor den import nicht behindern.

als nächstes wäre die qualität ein mögliches k.o.-kriterium für programmdirektoren. und wenn man die anfänge von doctor who ansieht könnte man dies auch glauben, die in deutschland beliebte britische fünf-freunde-verfilmung aus den 70ern ist aus heutiger sicht vielleicht auch nicht das perfekte aushängeschild – aber wer jekyll gesehen hat muss zugeben dass deutschland eine serie solcher qualität nicht aufweisen kann, und diese ist nur ein leuchtturm für gute britische serien. fällt dieser grund also auch aus!

dass die quantität ein grund wäre kann wohl keiner glauben, wer alles ernstes glaubt es gäbe kaum britische serien, kann auf diesem blog direkt eines besseren belehrt werden! also wieder den grund nicht gefunden.

sicherlich zumindest ein kleiner grund ist die unterschiedliche staffellänge. wo amerikanische serien eine staffel gerne mal mit mehr als 20 folgen füllt, bringt eine britische serie es oft nur zu 12 bis 15 folgen. damit lässt sich natürlich weniger programm füllen, wenn man nicht die abstände zwischen den einzelnen folgen zu hoch werden lassen will. wir sind in deutschland halt die amerikanischen serien gewöhnt, und das ist bestimmt ein argument (für die einkäufer) weiter aus amerika zu importieren.

zu den preisen der serien im vergleich usa – uk kann ich natürlich nichts sagen, außer dass auch die syncronisationskosten nicht unterschiedlich sein können ist ja zumindest schonmal klar. was ich allerdings vermute, ist dass es bei den einkäufen der sender spezielle vertragsklauseln gibt, welche uns das problem bescheren. ich könnte mir gut vorstellen, dass ein agent von 20th century fox beispielsweise dem kaufwilligen deutschen dann eröffnet, dass er eine erfolgreiche serie wie „the simpsons“ halt nur kaufen kann, wenn er auch noch 2 „schrott“-serien kauft, und wenn man die rechte schon hat kann man die serie ja auch auf weniger guten sendeplätzen dann verbraten, sonst ist das ja totes kapital das man investiert hat.

würde man diesen füllstoff nicht senden müssen, könnte man auf diesen sendeplätzen ja mal was aus großbritannien testen – ich glaube mit entsprechender bewerbung könnte das gut funktionieren. als doctor who kurz auf pro7 ausgestrahlt wurde, kam es ja auch zu einer massiven zunahme der entsprechenden fans in deutschland, von denen einige auch nach der absetzung geblieben sind. liebe programmchefs, ihr könnt euch gerne bei julia oder mir melden, wir hätten da auf alle fälle ein paar vorschläge!

p.s. wenn ihr, wie julia, auch gerne einen gastbeitrag von mir auf eurem blog hättet, einfach themenvorschlag einreichen und vielleicht landet der nächste beitrag ja bei euch! und danke julia, für das schöne thema und die möglichkeit bei dir zu schreiben!

16 Gedanken zu „warum werden im deutschen (free) tv praktisch nur amerikanische serien gezeigt und keine/kaum britische(n)?“

  1. Eine sehr interessante Aufstellung! Besonders das mit den Staffellängen würde ich auch als Grund sehen. Damit kann man den Zuschauer nicht lange halten. Und Ewigsendungen wie Neighbours gibt es ja trotzdem bei uns. Was jetzt nicht heißen soll, dass East Enders und Coronation Street ausgestrahlt werden soll…

    Danke für den tollen Beitrag, tobi!

  2. Gerade Neighbours geIMDbled (wow, das ist wohl definitive ein krüppel-wort) und bin beindruckt. SOAPs scheinen besonders gut zu gedeien.

    Naja, zum glück gibt es Schlitz-V-De, so kommen auch wir in den Genuss britischer Serien =).

  3. „Cornation Street“ und „Eastenders“ gucken wir schon lange nicht mehr, weil es depressiv ist und auch schon zu lange läuft. Ehrlich gesagt würde ich diese Serien im deutschen Fernsehen lieber sehen als „Reich und Schön“ 😡 auf ZDF.

    Der britische Humor ist klasse. Gavin and Stacey ist im Moment unser Favorit. Echt gut gemacht! :clap:

  4. Gamlor, das hätten sich die IMDb-Macher mal besser vorher überlegen sollen 😉
    Aber was bitte ist Schlitz-V-De? Eine Suche ergab nur Schraubenzieher und selbst mit Übersetzung komme ich auf keine brauchbare Erklärung.

    Netty, Soaps sind auch eher für nebenher gedacht, oder? Dass der Zuschauer jederzeit einsteigen und aussteigen kann nach Zeit und Gefallen.
    Von Gavin & Stacey habe ich jetzt durch James Corden öfter was gehört – mal sehen ob ich da mal reinschaue.

  5. Eine Schlitz-V-De ist eine DVD. Die kann man in Schlitze einschieben /zumindest bei gewissen DVD-Player oder MACs). Darum die bezeichnung Schlitz-V-De. =)

  6. Netty, danke, das sieht schon mal interessant aus 🙂

    Gamlor, immer diese Computermenschen! Mein DVD-Player hat eine Schublade und keinen Schlitz.

  7. Ja, Computermenschen erfinden gerne Wörter. Ein neues Wort für etwas Uraltes und schon lässt sich wieder Zeug verkaufen =)

  8. kennt jemand von euch eine schwedische, israelische oder indische serie

    Liegt vielleicht auch daran, dass man hierzulande nicht darauf eingerichtet ist, solche Sprachen für uns zu synchronisieren? Kosten-Nutzen-Aufwand vielleicht zu hoch?

  9. ich würde vermuten übersetzer kosten für weniger gebräuchliche sprachen etwas mehr, aber die sprecher könnten dann ja genau so eingesetzt werden. deshalb vermute ich dass der unterschied auf die gesamtfinanzierung nicht so groß ins gewicht fallen würde, oder?

  10. Ein weiterer Punkt neben der Formatfrage (eine Stunde! nur 6/8/13 Folgen!): Die deutsche Abneigung gegen Untertitelung. Wie oft passiert es, dass in britischen Serien fremdsprachliche Dialoge stattfinden, die oftmals gar nicht untertitelt werden – selbst die UTs für Hörgeschädigte bieten dann nur die Fremdsprache an (gerne gespickt mit kleinen Fehlern). In Deutschland wird dagegen alles durch die Bank synchronisiert, auch Selbsterklärendes oder Sachen, bei denen in einer gleichsprachigen Synchro nur Quark rauskommt. Wenn sich tatsächlich jemand traut, „nur“ deutsch zu untertiteln, statt die betreffende Stelle zu synchronisieren , ist das Geschrei erstmal groß. Das hat man schön bei (der deutschen Serie) „Im Angesicht des Verbrechens“ gesehen, wo russische Dialoge im Original zu hören waren. Dass man diese Russen im echten Leben gar nicht verstehen würde, weil dann keine Untertitel am unteren Rand des Sichtfeldes eingeblendet würden, zieht als Argument grundsätzlich nicht.

    Davon abgesehen ist dem deutschen Fernsehen und seinen Zuschauern das Mehrteiler-Konzept relativ fremd (um mal den deutschen Begriff zu nehmen). Bei den deutschen Sendern ist da nach 2, maximal 3 Teilen Schluss. Von vornherein einstaffelige Serien mit 5 oder 6 Teilen haben einfach kaum eine Entsprechung in der deutschen Fernsehlandschaft.

  11. sorry muerps, aber das mit der synchro verstehe ich nicht, man kann doch britische serien genau so synchronisieren wie amerikanische und der deutschen gewohnheit anpassen.
    aber mit dem, was in england mini-series genannt wird, hast du recht – und wir verpassen da wirklich was.

  12. Es geht mir darum, dass in britischen Serien (bei amerikanischen weiß ich es nicht genau, weil ich die nicht im Original kenne), öfters mal anderssprachige (deutsch, französisch, japanisch…) Dialoge eingefügt werden, z.B. wenn mal eine Szene im Ausland spielt oder nicht-englischsprachige Figuren miteinander reden (wohlgemerkt oft ohne Übersetzung für rein englischsprachige Zuschauer!). In der deutschen Synchronfassung wird dieser anderssprachige Dialog in nahezu 100% der Fälle Deutsch synchronisiert, also die Sprache der Landessprache angeglichen. Die Macher dürften sich aber etwas dabei gedacht haben, wenn diese Dialoge nicht in Englisch stattfinden. Man konnte das mal wieder schön bei der (ansonsten äußerst gelungenen) Synchro von Children of Earth sehen – das war wirklich nicht nötig, die ausländischen Nachrichtensprecher zu übersetzen. Was die sagen konnte man sich auch so ausmalen, und wenn man im Ausland den Fernseher anschaltet, sprechen die Leute da nunmal nicht deutsch. Das war noch ein harmloser Fall, da hats nur genervt, aber eine Freundin meinte, dass in Heroes bei demselben Verfahren ziemlicher Mist rauskam.

    Ich verstehe Synchro so, dass damit dem Zuschauer, der die nötige Fremdsprache nicht beherrscht, ein Seherlebnis so nah wie möglich am Seherlebnis des Originalzuschauers geboten wird. Wenn sowas übersetzt wird, wars das mit der Original- und auch Wirklichkeitsnähe.

  13. ah ok, verstehe deinen punkt. aber das ist ja mehr nur eine frage der anweisungen an die synchromacher. gibt übrigens auch gute beispiele, in der amerikanischen serie scubs trat mal ein deutscher auf, der wurde im deutschen halt einfach zum dänen. leider ging der musikwitz danach (nenas 99 luftballons) dadurch kaputt.

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