Serienkritik: How Do You Want Me?

Heute empfehle ich eine britische Serie, die leider wieder mal viel zu kurz ist (zwei Staffeln mit sechs Folgen à 30 Minuten), die aber natürlich jede einzelne Minute wert ist. Das meist als Komödie eingestufte How Do You Want Me? ist mittlerweile gut zehn Jahre alt und ist meiner Meinung nach eher ein Drama mit komischen Elementen. Letztere resultieren aus dem Aufeinandertreffen von zynischem Großstädter und bornierter Dorfgemeinschaft. Die Situation kommt zustande, weil die frisch verheirateten Ian und Lisa Lyons (Charlotte Coleman und Dylan Moran) von London in ihr Heimatdorf in Sussex ziehen.

How Do You Want Me

Die erste Hürde für Ian ist Lisas Familie, besonders sein Schwiegervater, der Truthahn-Mogul der Gegend. Und dann muss er auch noch einen komplett neuen Job finden:

Just over a fortnight ago, I left one of the biggest, most successful comedy clubs… Quite big…little…but successful comedy club I ran in London. I gave it all up for you. I come down here, and now you expect me to pick mushrooms.

Das Problem ist schnell gelöst, denn er übernimmt das Fotostudio des Dorffotografen – natürlich ohne die geringste Ahnung vom Fotografieren zu haben. Und während so etwas in der anonymen Stadt kein Problem darstellen sollte, so erfährt dank der Dorfbuschtrommeln bald jeder davon. Er schlägt sich jedoch tapfer und darf bald Kätzchen und widerspenstige Schüler ablichten.

Diese offensichtlichen Eingewöhnungsschwierigkeiten sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs, denn da warten noch der sadistische Schwager Dean (hervorragend gespielt von Peter Serafinowicz), Lisas alte Flamme Derek (ebenso toll gespielt von Mark Heap), mit dem sie zusammen in der Dorfschule arbeitet und generell die Dorfbewohner, die wenig übrig haben für Ians Zynismus. All das zerrt natürlich an der Beziehung von Lisa und Ian und wie der Titel schon andeutet, gibt es da so einige Höhen und Tiefen.

Die Prämisse klingt jedenfalls interessant, aber nicht ungewöhnlich. Was die Serie aus dem Durchschnitt hervorhebt sind die absurd-realen Situationen und pointierten Dialoge von Simon Nye (der ebenfalls die letztwöchige Doctor Who-Folge Amy’s Choice schrieb). Einerseits ist es unglaublich, was in Snowle so alles passiert, aber andererseits scheint es eine exakte Bestandsaufnahme des britischen Landlebens zu sein. Ein Vergleich, der mir da in den Sinn kommt ist Loriot’s Pappa Ante Portas, wo ebenfalls auf den ersten Blick ungewöhnliche, aber dennoch absolut alltägliche Situationen eingefangen wurden.

Wer Dylan Moran aus Black Books kennt (Kritiken bei tobi, beety und mir), wird hier eine völlig andere Seite kennenlernen und von seinem schauspielerischen Talent überzeugt werden. Er spielt Ian sehr leise und verzweifelt und somit umso überzeugender.

Eine weitere besondere Erwähnung sollte der Musik gelten, sowohl die mundharmonische Titelmusik, die öfter auftaucht, als auch die Songauswahl (z.B. die Specials) und den Schlusssong von Michael Storey (in der ersten Staffel). Darüber wurde im imdb-Forum diskutiert und Drehbuchtautor Simon Nye persönlich (hoffe ich) beantwortete die Frage danach.

Die DVD-„Box“ mit beiden Staffeln auf je einer DVD erschien 2006 und enthält leider keinerlei Extras. Man bekommt sie jedoch für angemessene € 9,88 bei Play.com (Verkäufer DVDukltd). Ich weiß nicht, wie lange das Angebot noch gilt (ich habe vor einigen Wochen bestellt), also sollte man sich bei Gefallen beeilen. Oder darauf hoffen, dass Amazon UK den Preis von £ 13,93 in nächster Zeit reduziert (Partnerlink). In Deutschland muss man mehr als € 20 investieren, wenn man über Amazon-Marketplace zuschlägt. Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, hat jedoch dank YouTube die Gelegenheit dazu, denn jemand hat neun der zwölf Episoden in jeweils drei Teilen dort hochgeladen. Als Teaser hier den ersten Teil der ersten Folge:

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

7 Gedanken zu „Serienkritik: How Do You Want Me?“

  1. Das klingt allein aufgrund der Besetzung schon sehr vielversprechend. Werd ich die Woche auf jeden Fall mal reinschauen.

  2. Ich komme in letzter Zeit nicht mehr so zum Serien gucken. Auf jedenfall klingt das sehr interssant und ist auf meiner Guck-Liste.

  3. Gamlor, immerhin kommt ja jetzt einige Monate kein Nachschub mehr an aktuellen Serien aus den USA 🙂
    Das Problem kenne ich aber und selbst wenn es keine neuen Serien/Folgen geben würde, hätte ich immer noch genug an exzellenten Sachen, die ich einer zweiten oder gar dritten Sichtung unterziehen würde.

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