Erster von hinten ist besser als nix!

Wie gestern angekündigt habe ich mich wagemutig in das Abenteuer Citylauf gestürzt, bei dem es galt, 10 Kilometer in schneller-als-Gehen-Geschwindigkeit zu absolvieren. Nach nur vier Wochen Training war ich zwar nicht optimal vorbereitet, aber frohen Mutes, dass ich durchhalten werde.

Vom ungefähren Ergebnis hatte ich keinerlei Vorstellung, nur dass ich die 1:33h vom Spitblog-Lars (sehr amüsanter Bericht – unbedingt lesen) unterbieten wollte. Vor dem Lauf bekam ich die Info, dass man unter 1:15h in die Wertung kommt – das war also das neue Ziel. Als Geschwindigkeitsvorgabe hatte ich irgendwas um die 7:00 min/km im Sinn, denn das bin ich im Training immer mindestens gelaufen. Zur Einhaltung dieser Vorgabe hatte ich mein neues Spielzeug dabei, das mir im Abstand von 500m die Zeit bzw. die Pace (Zeit pro km) ansagt. Eigentlich wollte ich auch noch Musik hören, aber da ich mich mit einigen netten jungen Herren unterhalten habe, habe ich das sein lassen[1].

Das Wetter war natürlich pünktlich zum Samstag ungemütlich geworden. In den Trainingswochen hatte ich das Glück, dass es nur an den Pausentagen geregnet hat, aber wat mutt dat mutt! Immerhin hörte der Nieselregen im Verlauf des Rennens auf und so war die einzige Unannehmlichkeit die matschigen Streckenabschnitte, die zu pfützenbestückten Ausrutschproblemzonen geworden waren.

Natürlich bin ich am Anfang viel zu schnell gelaufen, aber sonst wäre ich sofort mit großem Abstand zurückgelassen worden. Die Konsequenz war ein Geschwindigkeitseinbruch nach zwei Kilometern (siehe Laufgraph unten), aber danach bin ich nur langsam langsamer geworden.

Laufstrecke Citylauf

Da die Strecke aus viermal 2,5 km bestand (Karte eingetragen bei Jogmap), blieb es nicht aus, dass ich überholt wurde und zwar schon nach dreieinhalb Kilometern in der zweiten Runde. Aber das ist ja kein Wunder bei doppelt so große Schrittweiten. Als ich am Ende der Runde wieder am Start ankam, bekamen die Läufer vor und hinter mir zugerufen „Noch eine Runde!“ und mir galt das „Noch zwei Runden!“ zusammen mit einem mitleidigen Blick. Vielleicht war der auch aufmunternd gemeint. Jedenfalls wurde ich danach nicht mehr überholt, denn der Schnellste kam über zwei Minuten nach Beendigung meiner zweiten Runde ins Ziel. Wobei das schon deprimierend genug ist, denn der war am Ende bis auf ein paar Sekunden exakt doppelt so schnell wie ich!

Die dritte Runde war die schwerste, denn da hatte ich einen Großteil der Strecke noch vor mir, das rechte Knie fing an zu schmerzen und die angesagten Zeiten wurden merklich schlechter. Doch Aufgeben gibt’s nicht und so habe ich die im Ziel rumstehenden fertigen Läufer nach der dritten Runde rigoros aus dem Weg geräumt und bin weiter gelaufen.

Ein Streckenposten teilte mir mit, dass ich nicht Letzte bin und so habe ich erst Recht durchgehalten. Die Sache änderte sich jedoch einen halben Kilometer vor Ende, als wie aus dem Nichts vier Läufer auftauchten und mich praktisch mühelos überholten. Danach kamen nur doch die Helfer, die die Absperrbänder und Hinweistafeln einsammelten und mich ins Ziel begleiteten. Leider ließen sie sich nicht erweichen, mich auf dem Fahrrad mitzunehmen.

Die letzten Meter wollte ich eigentlich nochmal das Tempo anziehen, aber das war nicht mehr möglich und da mein eigentliches Ziel – Durchhalten – sicher war, habe ich nicht mehr die Kraft aufgebracht. Mit knackigen 1:09:13 habe ich knapp die doppelte Zeit des Ersten (34:45) unterboten. So sah das Ganze aus Sicht der Laufapp aus (Länge von 10,5km, weil ich Schlangenlinien gelaufen bin):

Laufgraph 10K

Nach dem Lauf habe ich mich auf die Getränke gestürzt und Wasser und (alkoholfreies) Bier abgestaubt. Die beiden jungen Herren, die mich vor dem Start motiviert hatten, waren natürlich viel schneller gelaufen, aber meine Platzierung war wesentlich besser, da in meiner Altersklasse nur sechs Läuferinnen waren.

Mein elektronisches Tag habe ich gegen eine matschgrüne Tasse eingetauscht, an der ich einige Minuten später den Henkel abgebrochen habe. Das andere Tag hätte ich als Tombolalos verwenden können, um Tickets für einen WM-Boxkampf von Sebastian Sylvester zu gewinnen. Der lief übrigens auch zu Trainingszwecken mit und kam kurz vor mir ins Ziel (als ich drei Runden fertig hatte).

Insgesamt also ein voller Erfolg, denn ich habe durchgehalten und werde das evtl. nochmal machen. Mit dem Training muss ich aber erst mal ein bisschen Warten, da ich mein Blasenpflaster zu früh abgezogen habe und da jetzt eine unschöne und schmerzhafte Kraterlandschaft unterm Fuß ist.

  1. An dieser Stelle einen herzlichen Gruß an Robert und Sebastian! []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

19 Gedanken zu „Erster von hinten ist besser als nix!“

  1. Respekt – durchhalten wäre da auch mein Ziel gewesen, wobei ich die Zeit ohne Training sicher nichtmal ansatzweise so hingekriegt hätte.

  2. Ankommen ist alles und das hast du doch grandios geschafft. Und die vorgenommene Zeit hast du auch unterboten. Past doch. Ich vergebe zwei Daumen hoch!

  3. Glückwunsch, sowohl zum sportlichen Erfolg als auch (leicht verspätet zum Milestone. Den wollte ich auch. Verdammte Pest, ich hatte ihn sogar schon ausgepackt und in der Hand, aber die fehlende Audible-Kompatibilität war dann doch ein Dealbreaker.
    Ja, äh, also wie gesagt: Glückwunsch zum sportlichen Erfolg.

  4. Moritz, vier Wochen ist ja nicht „ohne Training“ 🙂

    kamil, besten Dank!

    Muriel, dafür war die Spotify-App ein Verkaufsargument für mich 😉

  5. erstmal glückwunsch, die strecke hätte ich aktuell 100%ig nicht durchgehalten!
    aber in letzter zeit tauchen immer mehr lauf-berichte in meinem reader auf, neuer trend allgemein oder nur in der blogger-gemeinde?

  6. :clap:

    Hätte ich noch mitlaufen sollen, dann hättest du jemanden gehabt, den du überrunden kannst. Vielleicht sogar zweimal. 🙂

  7. „Schuld“ war ganz klar die fehlende Musik, das nasskalte Wetter und… Simon Peggs Fuß! Wobei es eigentlich nichts zu entschuldigen gibt, da du Großes vollbracht hast. Gute Besserung für Knie und Fuß! 🙂

  8. tobi, ist mir noch nicht aufgefallen, aber vielleicht liegt es an den neuen Smartphones?!

    cimddwc, das ist zu bezweifeln, denn so langsam kann man nicht laufen 😉

    Postpunk, beim nächsten Mal wird es schneller! (also falls es ein nächstes Mal gibt)

    Chlorine, besten Dank, ich werde es weitergeben 😉

  9. Dabei sein ist alles, ich schätze ich würde 10km noch nicht mal im lockeren Gang am Stück schaffen 🙂 Ich fühle mit deinen Füßen und spende eine kühle Packung.

  10. Na, das hört sich doch gut an und liest sich zudem sehr amüsant. Müsste auch einmal wieder einen „richtigen“ Lauf mitmachen.

  11. @Julia: Laufen (im nicht-schwäbischen Sinn) vielleicht nicht, aber 10km am Stück laufen, ohne meist gehen zu müssen??? 🙂

    Aber immerhin würd ich einen halbwegs schnellen 10km-Spaziergang noch schaffen. 😀

  12. Robert, besten Dank, meinen Füßen geht es wieder sehr gut 🙂

    bullion, du bist doch gut in Form, was hält dich ab?!

    cimddwc, solange man wirklich langsam trottet, muss man auch nicht gehen 😉

  13. *jay* 10KM gestanden, das muss man erst mal packen. Glückwunsch zur ‚Feuerprobe‘ (sagt man glaube ich, wenn man das erste Mal einen Volkslauf mitgemacht hat, oder so)

  14. Respekt und herzlichen Glückwunsch zum Überwinden des inneren Schweinehunds. Ich habe es noch nicht geschafft ihn zu überwinden, auch wenn ich mich immer wieder aufraffe.

    Geht die Aufzeichnung des Streckenverlaufs via Google Maps? Oder ist das eine Extra-Software?

  15. ruediger, Stehen ist ja relativ einfach und Feuer war da keins, nur Wasser 😉

    Luto (hallo mal wieder!), die Software ist eine App namens CardioTrainer und die nutzt GoogleMaps und GPS zur Erfassung des Workouts. Das ist die dritte Trainings-App, die ich ausprobiert habe und fand ich am besten.

  16. seeseekey, das ist ja alles nur eine Frage der Vorbereitung: wenn du dir vorher Zeitstoppdingens besorgt hast, dann kannst du in Ruhe durch die Gegend spazieren 😉

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