Buchempfehlung: Mark Haddon – A Spot of Bother

Vor knapp zwei Monaten habe ich Mark Haddons Buch The Curious Incident of the Dog in the Night-Time vorgestellt, das einfach nur fantastisch ist. In den Kommentaren schlug Thomas das zweite Erwachsenen-Buch von Haddon vor, der sonst eher für Kinder schreibt.

Doch erst war ich ein wenig zögerlich, denn die Inhaltsangabe von A Spot of Bother sprach mich nicht so an. Es geht um einen Rentner, der einen verdächtigen Fleck auf seiner Hüfte entdeckt und überzeugt ist, dass er an Krebs sterben wird. Dadurch bringt er sein Leben und das seiner Familie gehörig durcheinander, die allerdings auch selbst genug Blödsinn veranstalten.

Schließlich habe ich mir das Buch gebraucht besorgt und war ziemlich schnell angetan. Haddon hat eine unglaublich tolle Art der Beschreibung, mit sehr vielen kleinen Details, die man kennt, aber nie darauf achtet. Er versteht es, selbst wirklich dämliche Handlungen durch die Gedankengänge der jeweiligen Person als die einzig logische Verhaltensweise darzustellen. Das ist eine weitere Besonderheit des Buches, dass nämlich die vier Hauptpersonen (Vater George, Mutter Jean, Tochter Katie, Sohn Jamie) kapitelweise begleitet werden und man so alle vier und ihre jeweiligen Probleme kennen lernt. Neben Georges „Krankheit“ geht es um Jeans Affäre, Katies zweite Hochzeit und Jamies Quasi-Freund. In der Hauptsache geht es um Beziehungen und Missverständnisse und wie schnell sich Situationen und Einschätzungen ändern können. Ein Kapitel ist nichts für zimperliche Leser, aber vielleicht kam es mir auch nur so vor.

Wie Thomas schon bemerkte, ist das Buch völlig anders geschrieben als The Curious Incident, aber der lockere, unbekümmerte und gleichzeitig intime und distanzierte Schreibstil von Haddon bleibt natürlich. Wie immer empfehle ich das englische Original, das gut verständlich zu lesen ist und mit über 500 Seiten für ein paar Tage Unterhaltung sorgen sollte. Der deutsche Titel Der wunde Punkt ist diesmal einigermaßen gelungen, bietet aber nur knapp 450 Seiten.

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PS: Mittlerweile bin ich bei goodreads angemeldet und wer auch dort ist, kann mir gerne eine Freundschaftsanfrage stellen.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

3 Gedanken zu „Buchempfehlung: Mark Haddon – A Spot of Bother“

  1. Mein Lieblingskapitel: George sieht sich im Kino «The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring» an und sieht vor allem einen Fleck im Gesicht von Christopher Lee und die hautlosen Orcs. «When he looked at the screen again he found himself watching close-up after close-up of grotesquely magnified faces, every one of them bearing some peculiar growth or region of abnormal pigmentation, each one of them a melanoma in the making.»

  2. Jetzt fällt mir auch wieder ein, welches Kapitel ein wenig ungemütlich zum Lesen ist: George im Badezimmer. Das ist aber auch eine ganz starke Stelle.

  3. Ah, Lord of the Rings. Witzigerweise kam der letzte Woche und ich musste an George denken 🙂

    Und ja, das im Badezimmer war nicht ganz einfach zu lesen.

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