Nachfolger-Debütalbum-Vergleich: Vampire Weekend – Vampire Weekend / Contra

Vor anderthalb Jahren habe ich einige neue Alben mit dem Vorgänger verglichen (Fratellis, Last Shadow Puppets, Dirty Pretty Things) und da gestern endlich Contra, das zweite Album von Vampire Weekend bei Spotify verfügbar wurde (Link) werde ich das mit dem selbstbetitelten Debutalbum vergleichen.

Alben von Vampire Weekend bei Spotify

Vampire Weekend (Debut von 2008)

Vor zwei Jahren war ich so begeistert von dem frischen Sound aus „Indiepop, Punk und afrikanischen Einflüssen (Paul Simon lässt grüßen)“, dass es einen Platz in meinen zehn besten Alben des Jahres eroberte.

In meiner Albumkritik vergab ich gute vier von fünf Punkten in meinem Fazit meinte ich

[…] angenehm kompakte[s] und kurzweilige[s] Album. Wer einen Song mag, dem gefällt das Gesamtwerk. Eignet sich hervorragend zur Dauerrotation für jede Gelegenheit, sowohl als Untermalung nebenher als auch mit voller Aufmerksamkeit.

Das Album ist mit 34 Minuten wirklich kurz, aber es macht sehr viel Spaß. Kann daran liegen, dass ich Graceland sehr gerne mag. Jedenfalls ein Kracher von einem Debutalbum, der die Erwartungen für den Nachfolger sehr hoch ansetzen ließ.

Contra (Nachfolger von 2010)

Wieder eine Januarveröffentlichung, was für diese Art Musik eher gewagt ist, aber es gab in den letzten Monaten so einige Häppchen, z.B. den ersten Song Horchata als kostenlosen Download. Ich fand den beim ersten Hören nicht so umwerfend, aber die Melodie blieb dann doch irgendwann hängen und die Zeile „In December, drinking Horchata I look psychotic in a balaclava.“ ist nun wirklich so dämlich, dass sie schon wieder gut ist.

Die erste Single Cousins hat ebenfalls erst keine Begeisterungsstürme ausgelöst[1], da sich hier schon ein wenig die elektronischere Ausrichtung ankündigte.

Im Track by Track Guide bei DiS erklärt Bassist Chris Baio die Entstehung der einzelnen Songs. Warum er auf California English am stolzesten ist, kann ich nicht nachvollziehen, denn der künstlich-schnelle und autotune-verzerrte Gesang ist schrecklich und ich muss mich richtig zwingen, den Song anzuhören und nicht zu skippen. Mit 36 Minuten ist es etwa genauso lang und nach einigen Durchgängen bin ich hin und her gerissen, ob es ein geniales oder enttäuschendes Album ist.

Die cleveren Melodien und quirligen Texte machen auch dieses Album aus, aber mir sind viel zu viele elektronische Effekte eingebaut. Die Buschtrommeln wurden größtenteils durch einen Drumcomputer ersetzt[2] und die dangelige Gitarre kommt viel zu selten zum Einsatz. Andererseits ist die völlige Abkehr auch super, wie z.B. in Giving Up the Gun.

Man erkennt in jedem Song, dass wir es mit Vampire Weekend zu tun haben, aber eher als ob jemand ein Remixalbum angefertigt hat. Deswegen ist das Album nicht schlecht, es zeigt eine erkennbare Weiterentwicklung und Erweiterung der Bandbreite, aber in eine für meinen Geschmack nicht so angenehme Richtung.

Ich würde deshalb nur drei von fünf Punkten vergeben und künstlerisch einen Punkt draufgeben.

  1. Ich habe den Song auch erst sehr spät hören können, da alle Videos sofort wieder gelöscht wurden. []
  2. Ob beim Debut alles von Hand eingespielt wurde, weiß ich nicht, aber zumindest hört es sich nicht nach Computer an. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

3 Gedanken zu „Nachfolger-Debütalbum-Vergleich: Vampire Weekend – Vampire Weekend / Contra“

  1. Ich finde das Album gut. Allerdings habe ich es bisher nicht mit dem Debut verglichen…so wie du. Das sollte ich mal machen.
    Für sich allein steht es dort bei mir momentan recht weit oben…
    Eine Weiterentwicklung finde ich zunächst einmal immer gut. Bands, die immer nur das gleiche machen sagen mir eher nicht so zu.
    Da ich ja in diesem Monat das Vergnügen habe sie live zu sehen, werde ich einmal abwarten und danach nochmal ein Urteil fällen…

  2. Sascha, reib noch Salz in die Wunde! Viel Spaß beim Konzert 🙂
    Und ja, Weiterentwicklung ist gut. Ich hätte eine Wiederholung des Debuts mindestens genauso enttäuschend gefunden. Wobei das dann eine künstlerisch motivierte Enttäuschung gewesen wäre, während es so eine persönliche ist, da ich eben den Stil nicht mag.

    Bluespfaffe, ein Vergleich bot sich hier an. Vor allem, da ich Contra sicher nicht so oft gehört hätte (sechs Mal vor Verfassen der Kritik), sondern es nicht weiter beachtet, wenn ich das Debutalbum nicht so toll fände.

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