Albumkritik: Enno Bunger – Ein bisschen mehr Herz

Im Dezember schon war Lukas in seiner Listenpanik der Band Enno Bunger auf der Spur, die sich nach ihrem Sänger benannt hat („das Danko-Jones-Phänomen“) verortete sie zwischen Florian Silbereisen und Blumfeld/Kante/Tocotronic. Bekanntermaßen für mich alles Unbekannte, doch das muss ja nicht so bleiben. Ich durfte in das am 19. Februar erscheinende Album Ein bisschen mehr Herz schon mal reinhören, nachdem Bassist Bernd Frikke mich kontaktiert hatte.

Enno Bunger (Foto: Gerald von Foris)

In den letzten Tagen habe ich das Album ziemlich oft gehört und es hat sich als angenehmer Begleiter durch den Tag herausgestellt. Die Jahreszeit ist dabei dienlich, denn es ist ein absolutes Winteralbum für gemütliche Abende vor dem Kamin. Schauen wir uns das mal genauer an:

Enno Bunger - Ein bisschen mehr Herz

  1. Herzschlag beginnt mit einem eher nach Echolot klingenden Klopfen und schon setzt das lockere Klavier ein, das die sonst schwermütige Stimmung etwas hebt. Textlich wird das Interesse geweckt, doch es muss noch ein bisschen anziehen, damit das über Albumlänge so bleibt.
  2. Etwas beschwingter geht Hier & Jetzt mit Coldplay-Anleihen. Die Stimme von Enno ist angenehm und gerade individuell genug. Das ist der Moment, genau hier und jetzt sofort.
  3. 8′ Gedackt ist wirklich zwanzig Sekunden lang und ich bin nicht nicht sicher, ob das nicht ein Schreibfehler ist.
  4. Bei der philosophische Frage Warum muss alles nur so kompliziert sein? geht es wieder runter mit dem Stimmungsbarometer und die plüschigen Drums verstärken den Eindruck, der ab und zu durch ein flockiges Xylophon durchbrochen wird.
  5. Gerade als man denkt Ich kann’s nicht mehr hören wird genau das von der Band angesprochen. Es geht jedoch mehr um den täglichen Trott und die allgemeine Resignation. Der harte Bass unterstreicht das „Burn-Out-Syndrom“, wobei mir nicht klar ist, ob das aufrüttelnd oder deprimiert sein soll. Der eher Aufbruch vermittelnde Beat würde ersteres vermuten lassen.
  6. Doch dann folgt schon der Weltuntergang, der aber entgegen dem Titel sehr positiv und selbstbewusst ist. Ein Unterstützungssong, der wieder viel Gebrauch vom klaren Klavier macht und dazu auffordert, die Hauptrolle zu übernehmen. Mein Favorit!
  7. Bei Unfassbar wird wieder die Coldplay-Referenz ausgepackt und mit ein bisschen Chor unterlegt. Sehr episch und könnte ich mir gut als Single vorstellen.
  8. Auch in Liebesdingen wird der Hörer versorgt. Man könnte Pass auf dich auf zwar anders auslegen, aber diese abgeklärten Worte sagen für mich genau das aus.
  9. Noch abgeklärter und spärlicher instrumentiert kommt Wahre Freundschaft daher. Die schwierige Dreiviertelstelle des Albums hält sich gut und auch hier wird es wieder episch.
  10. Das schönste Intro bietet das titelgebende Ein bisschen mehr Herz und auch hier wird wieder ein Blick auf die Gesellschaft geworfen. Mein zweiter Favorit, der sich ebenfalls gut als Single eignen würde, zumal der Frühling namentlich erwähnt wird.
  11. Bei Alles wird gut höre ich Nina Ruge grinsen, aber das vergisst man schnell bei diesem schwermütigen Lied mit aufmunternder, mantra-ähnlicher Botschaft. Jede Strophe ist ein bisschen fröhlicher und am Ende ist man bereit zum Weltverbessern.
  12. Zum Abschluss Das Lied vom Nachtwind, bei dem ein orgeliges und perliges Keyboard aufgefahren wird. Sehr gut geeignet zum Ausklingen des oberflächlich schwermütigen, aber eigentlich sehr optimistischen Albums.

Fazit: Ein mustergültiges Deutschpop-Album für die melancholischen Stunden im Winter. Wer sich selber einen Eindruck verschaffen möchte, kann auf der MySpace-Seite die ersten beiden Songs anhören und auf der offiziellen Seite gibt es die Single Herzschlag und die beiden zugehörigen B-Seiten. Mustergültig ist auch die Netzaktivität der drei (neben Enno und Bernd noch Nils Dietrich am Schlagzeug), denn es gibt einen Twitter-Account und eine Facebook-Seite.

Heute abend spielen Enno Bunger beim Kölner Schlaraffentag. Dort treten auch Voltaire, Schöftland und weitere auf.

Wer schon überzeugt ist, dem drehe ich noch meine Amazon-Partnerlinks an:
Herzschlag-EP als mp3 (€3,60) oder als CD (€7,99),
Album als mp3 (€9,98), CD (€12,99) oder LP (€13,99).

Bandfoto: (c) 2009 Gerald von Foris

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

5 Gedanken zu „Albumkritik: Enno Bunger – Ein bisschen mehr Herz“

  1. Huch, diesen Tag muss ich mir rot im Kalender anstreichen: Julia hört deutschsprachige Musik und mag sie auch noch… 😀

  2. Nach den beiden Songs, die es auf myspace zu hören gibt, bin ich sehr angetan. Sie erinnern mich vom Stil ein bisschen an „Klee“ oder „Auletta“. Kennst Du die?
    Auf jeden Fall werde ich mir das Album mal in Gänze anhören, wenn es im Februar erscheint.

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