Buchempfehlung: Mark Haddon – The Curious Incident of the Dog in the Night-Time

The Curious Incident of the Dog in the Night-TimeZu Weihnachten habe ich ein bezauberndes Buch geschenkt bekommen, das ich Euch ans Herz legen möchte. Ich kann es aus mehreren Gründen empfehlen, sowohl vom Inhalt und dem Schreibstil her als auch als idealer Einstieg für das Lesen von englischsprachigen Büchern.

Der seltsame Titel deutet es schon an, dass es sich hier nicht um ein 08/15-Buch handelt. Es ist geschrieben aus der Perspektive des 15-jährigen Christopher Boone, der Asperger-Syndrom hat, eine Form des Autismus. Das wird jedoch nie explizit gesagt, sondern man merkt es allmählich, wenn Christopher von seinem Alltag erzählt, dass er nicht aus Gesichtern auf die Stimmung schließen kann, dass er nicht angefasst werden möchte und dass er kein gelbes Essen isst. Sein Autismus ist nicht Teil der Geschichte, sondern erlaubt „nur“ eine ungewöhnliche Erzählweise.

Es beginnt damit, dass Christopher erzählt, wie er den Hund der Nachbarin mit einer Forke im Leib tot aufgefunden hat und dass seine Lehrerin ihm aufgetragen hat, darüber Buch zu führen. So erklärt er alle Unklarheiten des täglichen Lebens, schweift ab und berichtet von seiner Begeisterung für Mathematik. Letztere führt auch dazu, dass die Kapitel mit Primzahlen nummeriert sind. Doch immer ist sein Ziel die Aufklärung dieses „Verbrechens“ und er macht tatsächlich einige Entdeckungen, die große Umwälzungen für sein Leben bedeuten.

Das Buch hat einige namhafte Preise gewonnen. Dies ist für mich kein Kriterium, wenn ich ein Buch aussuche, aber hier ist dies durchaus berechtigt durch die außergewöhnliche Art der Präsentation, wie feinfühlig sich Mark Haddon in seine Figur versetzt hat. Ich kann nicht beurteilen, ob die Verhaltensweisen korrekt wiedergegeben werden, aber alleine schon, dass es in die Geschichte integriert wird und nicht Hauptbestandteil ist, spricht dafür. Genau das hat Daniel Tammet in seinem Buch Embracing The Wide Sky: The Enormous Potential of Your Mind beim Film Rain Man kritisiert und ich denke The Curious Incident… würde ihm sehr viel besser gefallen. Tammet hat selber das Asperger-Syndrom und wurde bekannt durch das Rezitieren von 22.514 Nachkommastellen von Pi und dass er Isländisch in einer Woche gelernt hat.

Das Buch ist also in jedem Fall empfehlenswert. Und wie ich oben schon schrieb halte ich es für einen idealen Einstieg in die unermessliche Welt der englischen Bücher. Es ist gut verständlich geschrieben, d.h. mit einigen Jahren Schulenglisch sollte man alle Wörter und Satzkonstrukte zumindest aus dem Zusammenhang verstehen. Zudem ist es mit 268 Seiten (Taschenbuchausgabe, inkl einiger Bilder) recht kompakt und sollte in wenigen Stunden bis Tagen zu lesen sein. Wer sich das ohne Hilfe nicht zutraut, dem sei die Ausgabe mit deutschen Anmerkungen empfohlen.

Wer sich davon noch nicht überzeugen lassen mag, der sei auf den deutschen Titel verwiesen: Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone. Warum hat man nicht einfach Der seltsame Vorfall mit dem Hund mitten in der Nacht o.Ä. genommen? Es gibt sicher kein Buch, Song oder Film mit ähnlichem Titel, so dass eine Verwechslung befürchtet werden muss. Außerdem wird so der Fokus vom Inhalt auf die „Krankheit“ gelenkt, was ich für falsch halte. Das heißt natürlich nicht, dass die Übersetzung an sich schlecht sein muss, aber ein schlechter Anfang ist gemacht.

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Embracing The Wide Sky: The Enormous Potential of Your Mind (€ 9,90)

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

18 Gedanken zu „Buchempfehlung: Mark Haddon – The Curious Incident of the Dog in the Night-Time“

  1. Vor dem Buch habe ich schon einige Male im Buchladen gestanden, konnte mich aber nie dazu entschließen es zu kaufen. Vielleicht ändere ich ja nun beim nächsten Mal meien Meinung… 😕

  2. Sehr gute Empfehlung, denn das ist wirklich ein sehr gutes Buch. Ich habe es schon vor längerem gelesen und mich eine Zeit lang gefragt, ob der Autor selber vielleicht Autist ist.

  3. Dany, jetzt hast du schon zwei Empfehlungen, also Zugreifen!

    kamil, ich habe gerade mal nachgesehen und bei Wikipedia heißt es

    Haddon’s knowledge of Asperger syndrome, a condition on the autism spectrum, comes from his work with autistic people as a young man.

  4. Wo über schlechte Übersetzungen geschimpft wird, will ich dabei sein. Ich würde ja wirklich einen beträchtlichen Aufwand auf mich nehmen, wenn ich dafür die Gelegenheit bekäme, mir mal einem zuständigen Mitarbeiter eines Verlags oder Filmvertriebs erklären zu lassen, wie genau diese Titel zustande kommen.
    Um auch noch was zum eigentlichen Thema zu sagen: Mir hast du das Buch verkauft. Das englische natürlich.

  5. Über das Buch bin ich schon das eine oder andere Mal gestolpert. Es hat mich zwar interessiert, aber so wirklich herangetraut hab ich mich noch nicht! Das werde ich jetzt nach deiner tollen Kritik aber sicher ändern! Wird gleich mal auf die „zu lesen“-Liste gepackt!

  6. Ich habe dieses Buch diesen Sommer gelesen. Es ist wirklich empfehlenswert, unkonventionell und schön. 🙂

    Ich habe es per Zufall entdeckt. Mangels Budget reiste ich diesen Sommer nur ein bisschen im schönen Heimatland rum. Ich wartete auf ein Zug, wollte die Zeit vertreiben und darum entschied mich ein Buch zu kaufen. Der Bücher-Landen war klein, die Auswahl darum bescheiden. Weil ich nichts fand, das mir zusagte, kaufte ich einfach das Buch mit dem seltsamsten Titel. Uns so kam ich, das ich diese Buch kaufte. 8)

  7. Muriel, meine Vermutung ist ja, dass das Vergeben der Titel eine Art Trinkspiel ist. Viel Lesevergnügen!

    beety, auch dir viel Vergnügen. Dein Tweet von goodreads hat mich übrigens fast soweit, dass ich mich auch anmelde 😉

    Gamlor, da kann man mal sehen, was der Titel ausrichten kann!

  8. Das Buch hatte ich auch schon vor ein paar Jahren in den Fingern und war auch ganz begeistert. Gerade weil die autistische Erzählweise viel besser rüberkommt als bei Forest Gump und wirklich geradezu dazu einlädt das Weltbild des Erzählers ständig zu überdenken und die erzählte Geschichte für das innere Auge zu „objektivieren“.

    BTW: beim deutschen Buch fehlt ein h im Link.

  9. flash, danke für den Hinweis mit dem Link!

    Forrest Gump ist mir auch in den Sinn gekommen, denn da fand ich die „Idiotenschreibweise“ im Buch nervig und nicht angemessen.

  10. Und wer von «Curious Incident» begeistert ist, kann auch gleich das folgende Buch von Haddon lesen: «A Spot of Bother». Ganz anders geschrieben, aber ebenso umwerfend erzählt. Ein älterer Mann bemerkt kurz vor der zweiten Hochzeit seiner Tochter einen seltsamen Hautfleck. Die Umstände bringen ihn langsam um den Verstand.

  11. Thomas, das Buch hatte ich mir auch mal angesehen, doch es sprach mich nicht so an. Doch wenn du es empfehlen kannst, dann merke ich es mir mal vor.

  12. Ich habe das Buch absolut durch Zufall angefasst und es nicht bereut. In diesem Zusammenhang möchte ich Matt Ruffs „Ich und die anderen“ (http://twiturl.de/iuda) für die Schilderung multipler Persönlichkeiten und Jonathan Safran Foers „Extremely loud & incredibly close“ (http://twiturl.de/jsf) für ein absolut rührendes Buch aus Sicht eines Kindes empfehlen.

  13. Hallo und willkommen, Burgherr!
    Deine beiden Empfehlungen hören sich auch sehr gut an und ich werde die in meine Liste zu-lesen aufnehmen. Überhaupt sieht dein Blog sehr interessant aus, was nicht nur am Eilean Donnan Castle liegt 😉

  14. Danke für die nette Begrüssung (ich weiss, eigentlich „Buckel-s“, aber ich tippe gerade auf einer Tastatur in der Schweiz) und das Lob, welches ich für Deinen Blog ebenfalls aussprechen kann, sonst wäre ich ja nicht hier! 😉
    Ich würde “Extremely loud & incredibly close” sehr weit oben auf der Liste aufnehmen.

  15. Sehr schoenes Buch, das man auch mit wenig Englischkenntnissen sehr gut lesen kann, finde ich. Also sollte die Uebersetzung wirklich nicht so gut sein, dann kann man sich da durchaus ranwagen, wenn man sonst eher nicht Englisch liest. Das ist nicht schwer geschrieben!

    Sonst natuerlich eine super Empfehlung, die einem auch das innere Hadern mit den Alltagssituationen aus einem anderen Blickwinkel aufzeigen.
    Thomas‘ Tipp mit dem zweiten Haddon Buch kann ich bekraeftigen! 😉

  16. Danke, Alex, für die Bekräftigung mit dem Englischen und dass das zweite Erwachsenen-Buch von Haddon auch empfehlenswert ist. Ich werde es auf jeden Fall lesen 🙂

  17. Hi.

    Also ich lese das Buch im Moment in der Schule. Mache FOS (Fachabitur) und bin nun in der 12. Also ich sage mal so; ich bin nicht die Beste in Englisch, aber auch ich finde,dass es relativ gut zu verstehen ist und ich empfehle es auch jedem weiter 🙂

  18. Danke, Vany für deine hilfreiche Einschätzung. Bei uns im Englischunterrricht haben einige sich zusätzlich die deutsche Version gekauft, um schwierige Passagen verstehen zu können 🙂 Ist das bei Euch auch so? Ich hab das auch bei Pride & Prejudice (Stolz und Gefühl) gemacht, da das wirklich teilweise schwierig zu verstehen war.

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