Meine zehn Alben des Jahres 2009

Ein Jahr kann nicht zuende gehen, ohne dass ganz viele Bestenlisten veröffentlicht werden. Dieses Jahr gibt es zusätzlich noch die Jahrzehntslisten und man verliert völlig den Überblick[1] und hat schnell das Gefühl, die eigene Liste sei unvollständig. Doch irgendwann muss man sich mal entscheiden und meine Top 10 gibt es dieses Jahr sogar mit Reihenfolge und Begründung (dank der WhiteTapes). Es finden sich nur wenige der allerorten auftauchenden Interpreten in meiner Liste (mehr sind auf den Plätzen 20-11), da ich die gehypten Alben zwar fast alle gehört habe, sie aber in den meisten Fällen nicht zu mir durchdrangen. Interessant ist ebenfalls, dass die folgenden zehn Alben zwischen dem Februar und Juli erschienen. Das liegt wohl daran, dass ich oft länger für das Entdecken eines Albums brauche, sowohl was das Registrieren des Erscheinens als auch was das Schätzenlernen des Inhalts betrifft. So, nun aber genug der Vorrede und auf ins Vergnügen.

10: The Wave Pictures – If You Leave It Alone

10: If You Leave It AloneDie drei jungen Männer aus Loughborough sind ein Garant für hörbar handgemachte Musik mit unglaublich verqueren Texten. War der Vorgänger Instant Coffee Baby letztes Jahr noch eher an der Spitze meiner Jahrestopalben, so schafft es If You Leave It Alone gerade noch so in die begehrte Top 10. Das Album enthält eine Fülle toller Liedzeilen und instrumentaler Ideen, aber der Nervenkitzel des Neuen ist nicht mehr gegeben (und kein Konzertbesuch dieses Jahr). Anspieltipp:

Anhören: MySpace (alte und neue Songs), Spotify (komplett), Last.fm (nur Titeltrack komplett)

9: There Will Be Fireworks – s/t

9: There Will Be FireworksAufmerksam auf das sperrige Werk wurde ich durch eine 9.3/10-Bewertung bei Music Fans Mic. Nach ein bisschen Eingewöhungszeit und Einlassen auf dieses über 50 Minuten lange Werk, gefiel es mir immer besser. Der durchklingende schottische Akzent half auf dem Weg, doch ein Vergleich mit anderen Bands wie The Twilight Sad und Frightened Rabbit greifen nur bedingt, da es hier viel epischer und ungewöhnlicher zugeht und man in jedem Fall das komplette Album hören sollte. Mehr dazu bei diesem Track by Track Guide und bei den Whitetapes gibt es einen (Nicht-Album-)Song zum Download. Anspieltipp:

Anhören: MySpace (alte und neue Songs)

8: Angelika Express – Goldener Trash

8: Goldener TrashMeine Einstiegsdroge in deutschsprachigen Gitarrenpop und auch wenn ich als Aktionärin voreingenommen bin, so gefällt mir das Album ausgesprochen gut. Schön ohrwurmige Melodien und ernst-witzige Texte, die mir gezeigt haben, dass es auch auf deutsch geht. Da kann ich es auch verzeihen, dass mein Name im Booklet falsch geschrieben wurde und damit der beste Song des Albums Dich gibt’s nicht in Erfüllung geht. Anspieltipp:

Anhören: NICHT bei MySpace, sondern auf der offiziellen Seite und bei Last.fm (inkl. zwei kostenloser Downloads)

7: Elvis Costello – Secret, Profane & Sugarcane

7: Secret, Porfane & SugarcaneFast unbemerkt brachte der Altmeister sein drölftes Studioalbum heraus und von dem unaufgeregten Nashville-Sound war ich sofort begeistert. Auch wenn oder gerade weil die Richtung eher leicht verdauliche Kost ist, höre ich das öfter mal ganz gerne. Es ist natürlich kein Standard-Bluegrass-Album, sondern hat den gewissen MacManus-Touch, der es über die Einheitsware hinaushebt. Anspieltipp:

Anhören: MySpace (Hörproben), Spotify (komplett), Last.fm (Hörproben)

6: The Decemberists: The Hazards of Love

6: The Hazards of LoveDas Album musste natürlich auftauchen, alleine schon wegen The Rake’s Song, dem von mir wahrscheinlich meistgespielten Song des Jahres. Das gesamte Konzeptalbum in seiner Dramatik und Folkigkeit ist sehr gelungen, auch wenn ich die Geschichte der vier Protagonisten noch nicht so ganz durchblickt habe (nicht als Einzige). Wie die meisten Alben in dieser Liste erschien es sehr früh im Jahr und es war von Anfang an klar, dass es in meiner Jahresendliste auftauchen würde. Anspieltipp:

Anhören: MySpace, Spotify

5: The Low Anthem: Oh My God, Charlie Darwin

5: Oh My God, Charlie DarwinEinen Überraschungseintrag finden wir auf halber Strecke, der natürlich durch den Titel meine Aufmerksamkeit erregte. Überraschend ist auch der Inhalt, denn wir finden hier eine breite Folk-Palette von Falsetto-Gesang über Fleet Foxes-Harmonien bis Tom Waits-Gegrummel, stilecht mit Mundharmonika, Steelgitarren und äh Oboe und Spieluhr. Trotz des total unterschiedlichen Gesanges wandert das Album „nur“ durch die verschiedenen Spielarten des Folk und ist damit kohärent, aber abwechlsungsreich. Anspieltipp (gibt es als kostenlosen Download):

Anhören: Spotify, Last.fm, Daytrotter

4: Metric – Fantasies

4: FantasiesDieser fluffig-flotte Elektropop mit energetischer Stimme begeisterte mich erst langsam und dann umso mehr. Am Anfang und in der Mitte des Albums die beiden stärksten Songs zu platzieren ist eine hervorragende Strategie und wenn man nach einer knappen Dreiviertelstunde das Album durchgehört hat, möchte man gleich nochmal. Der gute Laune-Faktor dieser fröhlichen Songs mit melancholischen Untertönen ist nicht zu unterschätzen und eines meiner liebsten Unterwegs-Alben. Anspieltipp:

(Gibt es eine Erklärung dafür, dass das jeweils offizielle Video der Band bei YouTube wegen Länderbeschränkungen (= mein Unwort des Jahres) nicht verfügbar ist, bei Vimeo dagegen schon?!?)

Anhören: Albumplayer, Spotify

3: The Pains of Being Pure at Heart – s/t

3: The Pains of Being Pure at HeartEin weiterer Vertreter des von mir gerne als Noise Twee bezeichneten fluffigen Pops mit ernsten Elementen. Ich liebe diese jangelige Leichtigkeit, in die man sich sofort verliebt und wegen der Vielschichtigkeit nie genug von bekommt. Außerdem gibt es für einen solchen Bandnamen sowieso Pluspunkte. Das selbstbetitelte Debutalbum wurde wie bei so vielen Bands lang erwartet und davor und danach gab es exzellente EPs, die auch jeweils begeisterten. Auch hier gilt, dass man das Album wieder und wieder hören kann. Anspieltipp:

Anhören: MySpace, Spotify, Last.fm

2: We Were Promised Jet Packs – These Four Walls

2: These Four WallsUnd nochmal ein paar Schotten, aber diesmal etwas rockiger. Einige komplizierte Elemente und lange instrumentale Passagen gibt es zwar im Debutalbum (s. meine Kritik), aber im Grunde ist es knackiger, handgemachter Rock, der live unglaublich viel Spaß macht. Ein starker schottischer Akzent ist da nur die Kirsche auf der Sahne auf dem Eis. Anspieltipp:

Anhören: MySpace, Spotify

1: Slow Club – Yeah, So?

1: Yeah So?Der Spitzenplatz ist weder eine Überraschung noch anfechtbar. In diesem Jahr wurde öfter über das Duo berichtet, doch diesem Artikel bei HeyTube gebührt der Ehrenplatz, der mich auf diesen beschwingten Pop aufmerksam machte. Es ist unglaublich, was Charles und Rebecca nur zu zweit zustande bringen und wie ich bei meiner Albumkritik schrieb „Neben den Folkelementen, Tweepopexkursen und lockerleichten Harmoniegesängen haben es mir vor allem die witzig-ironischen Texte angetan“ und einen davon gibt es jetzt hier im Anspieltipp:

Anhören: MySpace (Christmas-EP), Spotify, Last.fm

Die Glücklichen unter Euch, die Spotify nutzen können, finden 7,2 der hier aufgeführten Alben in einer eigens angelegten Playliste. Viel Spaß beim Hören!

Fragt sich jemand, warum Glasvegas hier nicht auftauchen, deren fantastischen Debutalbum im Januar erschien? Nun, in Deutschland erschien das Album dieses Jahr, aber ich habe es vier Monate vorher in England gekauft und deswegen war es letztes Jahr in meinen Top 10. Da ich Ländergrenzen im internationalen Internet für überholt und bekloppt halte, zählt für mich hier die Erstveröffentlichung. Nach diesem Kriterium dürfte „Oh My God, Charlie Darwin“ nicht hier auftauchen, weil es ein Re-Release aus dem letzten Jahr ist, aber da kannte ich das Album noch nicht.

  1. Listen der besten Alben und Songs aus verschiedenen hochrangigen Quellen gibt es bei Stereogum, wo allerdings u.a. die Top 50 von DiS und die Top 30 von Beety fehlt. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

10 Gedanken zu „Meine zehn Alben des Jahres 2009“

  1. Eieiei. Ich glaube, ich muss mir allmählich Sorgen machen – von keiner dieser Bands habe ich je etwas gehört, also nicht einmal den Namen. Ich werde bestimmt noch einer dieser Typen, die mit jägermeisterfleckigem Feinrippunterhemd vor der Glotze sitzen und Musikantenstadl gucken, weil sie mit diesem ganzen neumodischen Kram nichts anfangen können…
    Gruß & schöne Feiertage!

  2. Hehe, bis auf Elvis Costello sind das auch alles Bands, die es erst seit diesem Jahrtausend gibt (was aber bei Alben des Jahres nicht ungewöhnlich sein sollte). Allerdings ist von denen hier bis zum Musikantenstadl noch ein sehr, sehr, sehr weiter weg 🙂

    Gruß zurück und noch schönere Feiertage!

  3. So viel mir unbekannte Musik, das interpretiere ich mir jetzt einfach als Weihnachtsgeschenk, bedanke mich ganz artig und wünsche dir, deinen Lieben und dem ganzen Rest frohe und besinnliche Festtage fernab jeglichem Glaubenskitsch :hurra:

  4. Postpunk, da fällt mir ein Stein vom Herzen und ich kann beschwingt ins neue Jahrzehnt feiern 😉

    Uwe, viel Hörvergnügen mit diesem Geschenk und ebenfalls frohe Festtage 🙂

  5. Nun, wir haben keine (!) Übereinstimmung in unseren Listen. Obwohl ich ja auch nur acht Alben aufgelistet habe und stelle fest, dass unser Musikgeschmack doch unterschiedlicher ist, als ich bisher dachte… The Low Anthem – dass muss ich zur hoffentlichen Rettung unserer Musikfreundschaft jetzt noch einschieben
    😉 – habe ich schlichtweg vergessen. Welch Fauxpas! :kopfwand:
    Ansonsten werde ich mir einige Alben mal anhören. z.B. Elvis Costello und Metric.

  6. Interessanter Blog. Dieser Beitrag war wirklich eine Bereicherung für mich. Bekannte und für mich „noch“ unbekannte Künstler. Meine Plattensammlung wird auch dank Deinem Bericht wachsen.

  7. Bluespfaffe, ein bisschen Stöbern im Internet wirkt wie die beste Verjünungskur 🙂

    Micha, hallo und willkommen und viel Spaß und Erfolg beim Erweitern deiner Plattensammlung!

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