Meine drei schier gar fast endgültig besten Alben des Jahrzehnts

Eine fast unmögliche Aufgabe stellte Sascha von endgültig, indem er aufrief, die persönlich besten Alben des Jahrzehnts zu küren. Heute endet die Aktion und nach langem Hin und Her habe ich mich für den Moment auf ein Trio beschränkt. Die Auswahl erscheint mir jetzt gerade als die einzig richtige, aber morgen kann das schon wieder anders aussehen. Ich habe drei Meisterwerke ausgewählt, die jeweils stellvertretend für eine ganze Klasse stehen (im mathematischen Sinne) und so zumindest den Schmerz der Vorauswahl ein bisschen gemildert. Tadääää:

Meine drei Alben des Jahrzehnts

The Indelicates – American Demo

Simon und Julia Indelicate tauchten hier in den letzten zwei Jahren öfter auf und American Demo ist auch nach anderthalb Jahren immer noch ein fantastisches Album. Es steht für die Alben, die sich über Jahre entwickelten und mit persönlichem Einsatz, oft auch im eigenen Wohnzimmer entstanden. In den einschlägigen Blogs und Magazinen wurden schon teilweise jahrelang Demoversionen empfohlen und mit Spannung auf das Debutalbum einer neuen, vielversprechenden Band gewartet. Hier war es so, dass ich zwar relativ spät einstieg, aber noch rechtzeitig vor Erscheinen des Albums. Die cleveren Texte und die nicht überproduzierten Stücke machen immer und immer wieder Spaß und genauso ist es z.B. bei den Wave Pictures, Glasvegas, We Were Promised Jetpacks, Slow Club und unzähligen weiteren. Allesamt Bands, die in den letzten zwei Jahren „groß“ rauskamen und die ich alle schon live gesehen habe. Also die Beispielbands, nicht die Indelicates selber. Aber immerhin habe ich eine Packung Fudge (Beitrag folgt – wahrscheinlich).

Stellvertretend für das ganze Album und die verschiedenen Versionen, die es von einzelnen Songs über die Jahre gab, soll Julia, We Don’t Live in the ’60s dienen, mit dem für mich alles anfing:

Anhören: bei Last.fm gibt es nur zwei Songs komplett und sechs weitere in Schnipseln, bei Spotify in voller Länge (haben aber natürlich nicht alle Leute Zugriff drauf)

Kaiser Chiefs – Employment

War ja klar, dass hier ein britisches Gitarrenrockindiedingsbums auftauchen würde und hiermit fing alles an. Ich habe das Album zwar erst rückblickend über die Über-Single Ruby des Nachfolgealbums entdeckt, aber dafür mag ich es umso mehr. Besonders die B-Seiten der Singles sind einfach fantastisch und haben all die Elemente, die ich an dem „Genre“ so schätze. Die jungen, mehrheitlich britischen Bands machen einen Großteil meiner Musiksammlung aus und ich werfe da auch die 1990s, Arctic Monkeys, Art Brut, Ash, Babyshambles, Bloc Party, The Caesars, The Cribs, Dananananaykroyd, Dirty Pretty Things, The Feeling, Franz Ferdinand, The Fratellis, Hard-Fi, The Hives, Jet, The Last Shadow Puppets, The Libertines, The Killers, Maxïmo Park, Mando Diao, The Pigeon Detectives, The Rascals, The Redwalls, Snow Patrol, The Strokes, The Towers of London The Wombats, The Zutons und viele, viele mehr in den Topf. Irgendwo basierend auf den Beatles und gerne auch als zweite Welle des Britpop bezeichnet, haben wohl die Strokes Anfang des Jahrzehnts den Weg geebnet und es war unausweichlich, dass ich diesen kreuzen würde.

Die Kaiser Chiefs sind und bleiben eine meiner Lieblingsbands und selbst ihr drittes Album hat sich nach anfänglicher Enttäuschung als hörenswert herausgestellt. Auf ihrem Erstlingswerk gefallen mir nicht alle Songs supergut, aber ich höre es in der Gesamtheit immer wieder gerne[1] und wie gesagt, die B-Seiten sind einfach nur fantastisch, wie z.B. Sink That Ship (von I Predict A Riot Reissue), für das es ein Promovideo zu einem Spiel gibt:

Anhören: bei Last.fm und Spotify in voller Länge

The Replacements – Don’t You Know Who I Think I Was?

Jaja, das ist ein Best-Of-Album, aber es sind auch drei neue Songs drauf enthalten, von daher zählt das! Die Band hatte in den Achzigern ihre größten Erfolge und wurde vor allem im College-Radio gespielt (Stichwort Left of the Dial). Bis vor einigen Jahren waren die Achziger für mich vor allem poppig-süße Schnulzen mit schrecklichen Frisuren und modischen Exzessen. U.a. durch die Replacements lernte ich, dass es eine unglaubliche Fülle an guter Musik damals gab, die man grob als Postpunk bezeichnen kann und die Basis und Inspiration für viele spätere Bands war. Wie auch beim „Indie“ ist die Genrebezeichnung nicht genau festgelegt und ich meine hier Bands, die nach der großen Punkwelle kamen (wörtliche Interpretation) und zumindest ursprünglich eher im Untergrund bekannt waren als dem Mainstream-Publikum (in der Punktradition). Den Song Here Comes A Regular habe ich wie unzählige weitere durch die Serie One Tree Hill kennengelernt.

Anhören: bei Spotify (wie auch alle Alben in extended editions)

Fast hätte ich anstatt dieses Albums das Solowerk Stereo von Paul Westerberg (Sänger der Replacements) gewählt und wenn das Best-Of hier nicht zählt, dann wäre das die Alternative. Bei Spotify gibt es das Album sogar löblicherweise mit dem Gegenstück Mono von seinem Alter Ego Grandaboy.

Puh, sehr schwere Aufgabe und wie mein Kanzler-Premierminister Zitronenkopf eben schrieb, drücke ich ebenfalls schnell auf „Publizieren“ bevor ich mich wieder anders entscheide. Wer den Turbo einlegt oder sich schon Gedanken gemacht hat, kann noch bis Mitternacht teilnehmen an der Blog-Parade.

  1. In meinen Last.fm-Statistiken tauchen sie in letzter Zeit nicht mehr auf, da ich aus seltsamen Gründen der Ausgeglichenheit, die Zahl nicht erhöhen möchte. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

6 Gedanken zu „Meine drei schier gar fast endgültig besten Alben des Jahrzehnts“

  1. Von den Indelicates hatte ich noch nie gehört, gefällt mir aber, da sollte ich mal reinhören.
    Die Kaiser Chiefs halte ich ja von all den von dir im Text genannten Bands für die – neben den Arctic Monkey – mit Abstand schlechteste, nur ca. 3 Songs auf dem ersten Album finde ich überhaupt hörenswert. Was eigentlich komisch ist, da ich Franz Ferdinand, Bloc Party, Maximo Park und wie sie alle heißen noch immer ziemlich fantastisch finde.

  2. Phew, ich glaub durch deine 3 Alben muss ich mich erst durchhören bevor ich da groß was zu schreibe. Die Kaiser Chiefs sind mir natürlich wohlbekannt und auch das Album hab ich sicherlich mal gehört – aber wohl nicht intensiv genug.
    Von den Replacements kenne ich auch den einen oder anderen Song während ich ich von den Indelicates noch nie etwas gehört habe. Wird aber nachgeholt!

    Gezeichnet: Der Kanzler-Premierminister. 😀

  3. Ah, ich hätte noch die Spotify- und Last.fm-Links zu den Alben angeben können, damit ihr schön die Indelicates erfahren könnt! Kommt noch 🙂 (und auch die Smilies werden bald wieder grün – dämliches Update).

  4. Bis gerade sagten mir alle drei Bands gar nichts, lach
    Habe mich aber gerade mal reingehört und muss gestehen, dass z.B. Sink nun zum dritten mal läuft… 🙂

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