Gründe für und Arten von Coverversionen (Blog-Parade von beetFreeQ)

Old Vinyl
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Das Thema Coverversionen bietet Stoff für Diskussionen und ist damit ideal geeignet für eine Blog-Parade. Beety möchte wissen

welche Coverversion euch besonders gut gefällt! Welcher Song schafft es in seiner Neuauflage, das Original noch zu übertrumpfen? Weshalb ist das eurer Meinung so? Oder ist es gar ein Song, der im Original wirklich schlecht ist? Es dürfen auch gern mehrere genannt werden, solange es nicht in mehrere Stunden Musik ausartet. Wer mag, kann auch seine allgemeine Einstellung zu Coverversionen kund tun. Oder seid ihr vielleicht komplett gegen Coverversionen?

Vor knapp anderthalb Jahren habe ich dazu mal einen Beitrag verfasst, in dem ich eine sehr strenge Auffassung vertreten habe. Mittlerweile bin ich nicht mehr der Meinung, dass bestimmte Coverversionen nicht erlaubt sein sollten, auch dank der Kommentare zum Beitrag. Aber ich finde immer noch, dass zumindest gewisse Einschränkungen bzgl. des Geschmacks gelten und darüber lässt sich bekanntlich nicht streiten. In der zugehörigen Umfrage sprachen sich 19% für „immer erlaubt“ aus und 81% für „mit Einschränkungen“ und niemand war für „nie erlaubt“.

Da ich dieses Thema schon behandelt habe, wende ich mich der positiven Seite zu und sehe, welche Gründe es denn dafür gibt. In meiner Sammlung befinden sich eine Reihe Alben, die nur aus Coverversionen bestehen und um die verschiedenen Arten soll es hier gehen. Die Einteilung ist nicht absolut und viele Alben kann man in zwei oder mehr Kategorien einordnen. Wo vorhanden, verweise ich auf Last.fm und/oder Spotify, damit der interessierte Hörer sich selber einen Eindruck verschaffen kann.

  • Den eigenen Stil anwenden
    Wenn ein Projekt oder eine Band einen ganz speziellen Musikstil ausübt, dann produziert das Anwenden dieses Stils auf ursprünglich völlig andere Songs sehr interessante Ergebnisse. Für manche Bands ist das sogar deren Markenzeichen und sie konvertieren entweder alle möglichen Songs oder eine bestimmte Band in das eigene Genre.
    Beispiele: A Hillbilly Tribute to AC/DC von Hayseed Dixie (Hardrock zu Bluegrass, Spotify), Dream On von Scala & Kolacny Brothers (Querbeet zu Mädchenchor, Spotify), Version von Mark Ronson (Querbeet zu Produziert, Last.fm, Spotify)
  • Tribut an einen bestimmten Künstler
    Wenn andere Künstler versammelt werden, um für einen guten Zweck oder aus Anlass eines Jubiläums Songs des Künstlers aufzunehmen, hat das meistens viel mit Respekt zu tun. Oft ist es so, dass bekannte und unbekannte Bands mitmachen und sich die Gelegenheit zur Neuentdeckung bietet. Je nach Ausrichtung werden die Originale mehr oder weniger verändert und es können wirklich interessante Coverversionen entstehen.
    Beispiele: Almost You: The Songs of Elvis Costello (Last.fm), Burning London: The Clash Tribute (Last.fm), Teen(age) Hits: A Tribute to the Undertones (Spotify)
  • Neuauflage eines Albums zum Jubiläum
    Ein Spezialfall des Tributs ist das Aufnehmen eines bestimmten Albums. Initiatoren sind oft Musikmagazine, die „kleinere“, aber exquisite Bands aussuchen.
    Beispiele: Legacy: A Tribute to Fleetwood Mac’s Rumours (Last.fm), Mojo Presents Abbey Road Now! (CD-Beileger zur September-Ausgabe), Stereogum Presents Drive XV: A Tribute to Automatic for the People (kostenloser Download)
  • Musik für einen guten Zweck
    Der Sinn sollte selbsterklärend sein und hier gibt es sowohl Songs eines Künstlers als auch einfach nur generell Coverversionen. Auch hier lassen sich so einige Perlen entdecken und da es für einen guten Zweck ist, lohnt es sich doppelt.
    Beispiele: Dark Was the Night (für Red Hot AIDS Benefit Service, Spotify), Make Some Noise (Amnesty International Campaign to Save Darfur, Last.fm), Sampler Love Music Hate Racism (kurzzeitig verfügbar zur Unterstützung der Kampagne)

Nach dieser trockenen Liste fehlen noch meine Lieblingsversionen. Johnny Cashs Hurt wurde schon mehrfach genannt und das gehört bestimmt dazu, ebenso wie fast alles von den American Recordings I-V. Eine weitere fantastische Coverversion ist Golden Skans der Kaiser Chiefs (im Original von den Klaxons), das auf dem Album NME Awards 2008 drauf ist (Spotify – insgesamt empfehlenswert). Ich habe den CD-Beileger sogar deswegen bei eBay gekauft. Hier in einer nicht ganz so optimalen Soundqualität in einem Standbildvideo:

Wer selber noch seine Meinung zu Coverversionen kund tun möchte, kann dies noch bis morgen tun.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

9 Gedanken zu „Gründe für und Arten von Coverversionen (Blog-Parade von beetFreeQ)“

  1. Toller Beitrag! Konnte zwar die prognostizierte Zeit zum lesen einhalten, war aber trotzdem begeistert. Ich denke die „Gründe“ für Coverversionen die du anführst sind alle sehr positiv. Mir fehlen dabei auch die negativen, nämlich der Grund vom Erfolg eines Hits zu profitieren, weil man selber nichts anständiges zu Stande bringt (Beispiel Eisblume). Eine gut platzierte Coverversion ist Marketingstrategie und geschieht nicht immer aus den von Dir angeführten nobleren Gründen.

  2. Ja, da stimme ich dir zu und deswegen war bzw. bin ich ja nur für eine eingeschränkte Verwendung für Coverversionen (z.B. bei Danceverhunzungen).

  3. ich bin grundsätzlich ein fan von covern, wenn der erste punkt zum tragen kommt. die anderen punkte geben nur zusätzliche bestätigung für mich. die bates waren damals ja sehr beschäftigt damit viele alte lieder aufzupunken. und falls du das album nativity in black noch nicht hast, dann kann ich dir dieses black sabbath-tributalbum sehr ans herz legen. und das obwohl das beste stück gar nicht in kategorie eins passt. die megadethversion von paranoid ist dem original so ähnlich, ist aber trotzdem super.
    die von dir genannten danceverhunzungen sind für mich keine coverversionen. der künstler muss sich ernsthaft mit dem lied auseinandergesetzt haben und nicht einfach nur einen rechner davor.

  4. Lars, das Album Nativity in Black gibt es bei Spotify und ich werde mir morgen mal anhören. Und ja, für eine richtige Coverversion, sollte der Künstler das Original schätzen und kennen.

  5. Hab grad erst diesen Blogbeitrag entdeckt – und kurz vorher eine für mich enttäuschende Coverversion gehört (die fantastischen Katzenjammer aus Norwegen versuchten sich an „Land of Confusion“ von Genesis – da fehlt jeder Spaß… wenn sie das allerdings ganz in ihrem Stil gemacht hätten, hätte aus der recht belanglosen Nummer ein klasse Song werden können…)
    Vor allem das „Übersetzen“ von Songs in den eigenen Stil der Künstler finde ich oft spannend (Hayseed Dixie wurde ja erwähnt, auch Novelle Vague oder Richard Cheese könnte man nennen – man denke nur: Holiday in Cambodia von den Dead Kennedys als Weihnachts-Lounge-Swing für Klavier-Trio!). Manchmal sind aber die Ergebnisse da auch zweifelhafter Natur (so ist von Paul Ankas Rock Swings-Album lediglich die großartige Version von Wonderwall über den Langzeittest bei mir gekommen).
    Wenn ich bei Coverversionen allerdings keinen Unterschied zwischen Original und Neuauflage hören kann, fühle ich mich betrogen…

  6. Aja, Nouvelle Vague sind ein gutes Beispiel.

    Ein Cover ohne Unterschied als Betrug zu bezeichnen, trifft es sehr gut, weil nämlich dann auch keine (so hohen) Gebühren an den Originalschreiber abgetreten werden müssen. Ich erinnere da an „She’s so high“, das im Original von Tal Bachman ist und von einem norwegischen Popstar/DSDS-Äquivalent gecovert wurde. Wenn das im Radio gespielt wird, weiß ich nie, welche Version das jetzt ist.

  7. Ein Cover ist dann gut, wenn es einen kongenialen Gegenpart zum Original (oder dessen, was man dafür hält – sprich der populärsten Version) schafft. Wie? Die Genialität des Originals erhalten (ja, selbst da wirds für einige schon schwierig – siehe „Dance-Verhunzungen“) und gleichzeitig dem Song den eigenen Stempel aufdrücken.

    Gut gemacht haben das z.B. Sylvain Chauveau bei „Never let me down again“, Norman Palm mit „Boys don’t cry“ oder auch Tori Amos mit „Smells like teen spirit“. Und dass man sogar aus eigentlich uncoolen Songs noch was machen kann, zeigt Yael Naim bei ihrer Interpretation von „Toxic“.

    PS: Toller Blog. Ich komm jetzt öfter. 😉

  8. Hallo und danke, Wiebke! Eine knackige Definition von einem guten Cover hast du da (und eine, die ich sofort unterschreiben würde). Deine Vorschläge kenne ich nicht alle, werde ich aber (falls möglich, d.h. auffindbar) mal anhören.

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