Englisch lernen mit TV-Serien #23: genial

Wer bei der Überschrift denkt, dass ich den geneigten Leser und Lernwilligen veräppeln möchte, dem sei gesagt, dass wir es hier natürlich nicht mit dem deutschen Wort genial zu tun haben, sondern mit einem sog. false friend, der im Englischen etwas Anderes bedeutet.

Eine weitere Falle ist die Aussprache, die im Englischen sowieso selten logisch ist[1], aber dazu kommen wir später.

Das Beispiel stammt aus der besten aller Fernsehserien – Doctor Who – aus den Informationsuntertiteln der Geschichte The Silurians. Es geht um eine der Figuren, Dr Quinn[2], der im Skript ursprünglich anders angelegt war:

Another character who changed significantly during rehearsal is Dr Quinn. The scripted role is a little less genial and more openly authoritative. He is apt to call a false reading „nonsense“, for example, and he will give a bald order where on screen he will ask someone „would you mind“ doing this or that. He is also markedly less deferential to Dr Lawrence: in the script he always calls Lawrence „sir“. The grace notes in the character, like his tendency to say „thank you“, were the actor’s contribution. Quinn is played by Scottish actor Fulton Mackay (1922-87).

Eine weitere Figur, die während der Proben maßgeblich verändert wurde, ist Dr Quinn. Im Drehbuch ist die Rolle weniger herzlich und offener gebieterisch. Er ist z.B. geneigt einen falschen Messwert als „Blödsinn“ zu bezeichnen und unverblümt Befehle zu erteilen, während er in der gefilmten Version höflich fragt „Würde es Ihnen etwas ausmachen“ dies und das zu tun. Er ist außerdem merklich weniger eherbietig gegenüber Dr Lawrence: im Skript nennt er ihn immer „Sir“. Die ausschmückenden Eigenheiten, wie seine Neigung „Danke“ zu sagen, wurden vom Schauspieler eingebracht. Quinn wird vom schottischen Schauspieler Fulton Mackay (1922-87) gespielt.

Fulton Mackay als Dr Quinn in Doctor Who

Da der Text einige evtl. schwierige Wörter enthält, habe ich ihn komplett übersetzt. Wer Fehler korrigieren möchte oder passendere Wendungen vorschlagen kann, darf dies gerne in den Kommentaren tun.

Im Text habe ich mich für die Übersetzung herzlich von genial entschieden. Es kann auch so viel wie angenehm, belebend, gesellig, leutselig, wohltuend und einiges mehr bedeuten (s. LEO). Bei LEO kann man sich auch die Aussprache anhören und erfährt so, dass es mit weichem g (dschi) und mit deutschem i (wie in wie) ausgesprochen und auf der ersten Silbe betont wird.

Die Definitionen von Wiktionary und Merriam-Webster geben auch marked by genius an, die zumindest einer der Bedeutungen im Deutschen entspricht. Allerdings wird das eher selten verwendet im Vergleich zum Gebräuchlicheren ingenious. (in Kurzform: genial = herzlich, ingenious = genial)

Zur Serie schreibe ich diesmal nichts weiter, sondern verweise auf meine Gastbeitragserie dazu. Und für die Kaufwilligen auf meinen frisch eingerichteten Doctor Who-Shop (bei Amazon UK).

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  1. Markus hatte heute ein Beispiel zu tear, das in seinen verschiedenen Bedeutungen verschieden ausgesprochen wird. []
  2. Nein, das ist ein Wissenschaftler in einem Forschunglsabor, tsts. []
Dieser Beitrag ist Teil 9 von 20 der Beitragsserie Englisch Lernen mit Doctor Who

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

9 Gedanken zu „Englisch lernen mit TV-Serien #23: genial“

  1. grace-note n. (Mus.) Verzierung, die; Manier, die (fachspr.) – also würde ich da eher „Manier“ sagen oder „(ausschmückende) Eigenheiten“ oder „besonderer/individueller Stil“ anstatt „freundliche Anmerkungen“.

  2. das mit dem genial wusste ich nicht, aber die folge macht gaudi. das erste mal bessie, und der brig zeigt wie „böse“ er sein kann!

  3. Jau, mit Jabberwocky und „Watson“. Allerdings haben mich die extrem schwankenden und falschen Zeitangaben verwirrt. Die Doku auf der ersten DVD ist super und die werde ich sicherlich noch für meine Beitragsserie verwursten.

  4. Jetzt hab ich schon gedacht, kommt ein Artikel, in dem du uns dazu rätst, mehr englische TV-Serien zu schauen, damit man die Sprache besser lernt.

    Da war wohl der Titel ein False Friend 🙂

  5. Rolf, dass das hilft, ist sogar wissenschaftlich bewiesen, wie gestern bei SpOn stand:

    Wer Englisch lernen will, sollte sich Filme am besten im Original anschauen. Noch größer ist der Effekt, wenn man auch die englischen Untertitel einblendet, wie Forscher jetzt herausgefunden haben. Texte in der eigenen Muttersprache lenken dagegen eher von den Dialogen ab.

  6. Ich schaue ja auch gerne Filme und Serien auf Englisch und schwöre dabei auch auf englische Untertitel. Je nach (Un-)Deutlichkeit der Aussprache sind diese eine unschätzbare Hilfe und gerade die Bedeutung einer unbekannten Vokabel wird manchmal durch die Schreibweise verständlich.

    Umso unverständlicher und ärgerlicher finde ich es, dass immer noch auf vielen DVDs trotz englischer Tonspur keine englischen Untertitel verfügbar oder noch schlimmer teilweise sogar deutsche Zwangsuntertitel (*schauder*) eingebunden sind.

  7. symBadisch, ich schaue grundsätzlich nur mit Untertiteln weil man so viel mehr mitbekommt. Besonders Namen und Orte kann ich so viel besser zuordnen, weil ich bei komplizierten Sachverhalten evtl. den Überblick verliere.
    Die deutschen Zwangsuntertitel umgehe ich durch Bestellen der UK-Versionen 😉

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