Engagementpreis: GWUP unterstützt SOZIALHELDEN

Es folgt ein Beitrag vom Blog der Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP), der weiterverbreitet werden darf (und sollte). Da ich das Thema für sehr wichtig halte (sowohl die Ermöglichung als auch die Verhinderung), habe ich den Beitrag übernommen.

Eigentlich eine tolle Sache: 20 soziale Initiativen, Vereine und Projekte werben noch bis zum 15. November 2009 im die Gunst der Internet-Gemeinde beim Deutschen Engagementpreis der Kampagne „GebenGibt“. Per Maus-Klick entscheidet das Web-Volk, wer den Publikumspreis bekommt – immerhin 10.000 Euro. Echt eine tolle Sache. Doch es gibt einen Haken: Der Verein „Homöopathen ohne Grenzen“ (HOG) steht im Ranking kurz vor dem Sieg – ein Verein, der in Entwicklungsländern ernsthaft Homöopathie statt Medizin als Alternative gegen HIV/AIDS empfiehlt. Zitat aus einem HOG-Projekt: „Die Homöopathie ist eine sinnvolle Alternative zu den massiven Medikationen der Schulmedizin. Die eigene Lebenskraft zu stärken nützt natürlich auch den Patienten, die unter einer HIV Infektion leiden.“

Das heißt: Handlungsbedarf! Gewinnen die Homöopathen, geraten 10.000 Euro in die falschen Hände. Dagegen protestieren bereits Skeptiker und Wissenschaftler aus aller Welt in der Blogosphäre (Links siehe unten). Einzige Chance: Stimmen sammeln für einen wirklich sozialen Verein, dessen gute Platzierung das jetzt noch verhindern kann: die SOZIALHELDEN. Wir sprachen mit Raul Krauthausen, dem Initiator des Projekts.

GWUP: Raul, seit wann gibt es die SOZIALHELDEN?
Ein genaues Gründungsdatum gibt es nicht. Es muss so um 2004 oder 2005 gewesen sein. Anfangs war es eine Idee von meinem Cousin und mir. Wir waren im Urlaub und wollten mal wieder ein gemeinsames Projekt machen. Lokal und sozial sollte es sein und Spaß musste es machen. Es geht uns nicht um’s Geldverdienen sondern darum, etwas zu bewegen, zu verändern und zu gucken, was möglich ist, wenn man sich in seiner Region für etwas einsetzt. Irgendwann meinte einer von uns beiden: „Lass uns den Namen SOZIALHELDEN nehmen“. Zum Glück war die Domain http://sozialhelden.de noch frei, als wir aus dem Urlaub zurückkamen. Nun hatten wir einen Namen und aus der Vergangenheit ein paar private Projekte.

GWUP: Das war der Startschuss. Und wie ging’s weiter?
Nach einer Party bemerkte mein Cousin die vielen Pfandtflaschen in der Wohnung und fragte, ob man diese wegen des Geldes oder wegen der Ordnung zurückbringt. Wir entschieden uns für die Ordnung und überlegten uns, ob man das Pfandgeld nicht dann auch gleich spenden könnte. Eine folgenschwere Idee war geboren: Die Zeitschrift NEON hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben. „Was fehlt in der Welt?“ war die Frage. Dort reichten wir die Idee ein, gewannen ein Auto, obwohl wir beide keinen Führerschein hatten, und waren total geflasht. Einen smart-Roadster, in den mein Rollstuhl gar nicht reingepasst hätte. Das Auto haben wir dann wieder verkauft und uns entschieden, das Geld in die SOZIALHELDEN zu stecken. Von dem Geld entwickelten wir die Pfand-Spenden-Idee weiter und produzierten Prototypen. Inzwischen hat das Projekt den Namen „Pfandtastisch helfen!„. Wir kooperieren ausschließlich mit gemeinnützigen Vereinen, denen das Pfandgeld zugute kommt. Darunter sind größere wie Pro Familia und die Berliner Tafel aber auch kleinere Organisationen wie Masifunde und AllgemeinGut. Wir sind mit über 200 Sammelstellen in Deutschland vertreten und entwickeln die Idee ständig weiter. Das kostet Zeit, Geld und Kraft. Inzwischen sind wir etwa zwölf Leute, die aus den verschiedensten Richtungen kommen und realisieren ein bis zwei Projekte pro Jahr.

GWUP: Wie kam es zu eurer Nominierung beim Deutschen Engagementpreis?
Wir arbeiten, bis auf eine 400 Euro-Kraft, alle ehrenamtlich, haben kein Büro und finanzieren uns über Wettbewerbe. Da wir uns über das Internet koordinieren und organisieren, stoßen wir auch immer wieder auf neue Ausschreibungen und Preise. So auch bei GebenGibt.

GWUP: Für den Publikumspreis gibt’s 10.000 Euro. Falls ihr gewinnt – was wollt ihr mit dem Geld machen? Habt ihr schon konkrete Ideen?
Ja, wir wollen damit etwas Neues machen: Wheelmap.org – Deutschlands größte Karte für barrierefreie – also rollstuhlgerechte – Orte. Rollstuhlfahrer und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen – also Ältere und Familien mit Kinderwagen – haben bisher kaum Möglichkeiten nachzusehen, ob der Ort den sie besuchen wollen, eine Stufe am Eingang hat, oder nicht. Wir wollen diese Daten sammeln und weitergeben. Jeder User soll nach dem Wiki-Prinzip selbständig barrierefrei-Daten eingeben und aktualisieren können. Das ganze steht dann wieder unter einer offenen Lizenz der Allgemeinheit zur Verfügung. Mit dem Geld wollen das System entwickeln (Programmieren) lassen. Parallel bauen wir SOZIALHELDEN Kontakte auf, akquirieren Daten und sorgen für eine nachhaltige Plattform.

GWUP: Um eure Platzierung bei „GebenGibt“ ist einiger Trubel im Web entstanden. Wie steht ihr SOZIALHELDEN denn dazu?
Wir haben das Anfangs gar nicht mitbekommen. Als wir dann merkten, dass total viele Stimmen an uns gingen, waren wir natürlich froh, dass es Unterstützer gibt. Wer wäre das nicht. Etwas schade finden wir, dass es bei den Stimmen weniger um unsere Sache als SOZIALHELDEN geht, als viel mehr um das „Nicht-Stimmen“ für einen anderen Wettbewerbsteilnehmer. Wir finden Homöopathie nicht grundsätzlich schlecht. Es gibt Menschen, denen es hilft. Bei mir tut es das nicht. Wissenschaftlich ein heikles Thema. Placebo oder nicht? Wir erlauben uns da kein Generalurteil. Letztendlich ist der „Deutsche Engagementpreis“ aber auch ein Publikumspreis. Das heißt, das Publikum entscheidet, wer den Preis am ehesten verdient hat.

GWUP: Warum sollten das Publikum ausgerechnet für die SOZIALHELDEN stimmen, obwohl es doch einige gute Bewerber gibt?
Ich glaube, was uns auszeichnet ist die Andersartigkeit. Wir sind neu, jung und manchmal auch ein bisschen verrückt. Wir prangern nicht an, sondern handeln. Wir versuchen nicht das Rad neu zu erfinden, sondern bestehende Mittel zu nutzen, um ein aktuelles Problem zu lösen. Dabei scheuen wir keine Herausforderung – ob es um das Entwickeln von Pfandboxen geht oder um ein reines Internetprojekt wie Wheelmap.org eines ist. Wir sind einfach anders.

GWUP: Raul, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch viel Erfolg – und dass viele Menschen euch hier ihre Stimme geben!

Video zum Thema:
Raul Aguayo-Krauthausen im ARD-Porträt bei „Echtzeit“ (28.06.2009):

Proteste gegen die Homöopathen ohne Grenzen e.V.:

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

4 Gedanken zu „Engagementpreis: GWUP unterstützt SOZIALHELDEN“

  1. Vielen Dank für die Weitergabe unseres Artikels! Alle Leser von 49suns dürfen den Artikel ebenfalls gerne in ihre Blogs übernehmen. Die SOZIALHELDEN brauchen jede Stimme, damit der Deutsche Engagementpreis nicht in die falschen Hände fällt. – Vielen Dank!

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