Serienkritik: Blackpool

Eine offensichtliche Wahl als Beitrag zur Reisestation Blackpool, oder nicht? Mal sehen. Die Serie trägt den Titel der Stadt zu Recht, denn sowohl die Stadt selbst als auch all das, wofür sie bekannt ist, stehen im Mittelpunkt und es werden Elemente aus Drama, Komödie, Krimi und Musical vermischt. Ja, Musical, denn Songs aus den vergangenen Jahrzehnten werden von den Figuren mitgesungen. Das funktioniert erstaunlich gut, denn es wird sparsam eingesetzt (drei oder vier Songs pro 58-minütiger Episode – Liste) und ist eine erfrischende Abwechslung.

Inhalt: Ripley Holden (David Morrissey) ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der gerade eine neue Spielhalle eröffnet hat und ohne Umwege auf sein erstes Las Vegas-style Casino-Hotel zuzusteuern scheint. Doch dann wird eine Leiche in der Spielhalle entdeckt und das wird nicht sein einziges Problem bleiben. Es fängt damit an, dass ein Inspektor von außerhalb auf den Fall angesetzt wird, denn Peter Carlisle (David Tennant) ist unbeeindruckt von der Vetternwirtschaft, die in der großen Kleinstadt vor sich geht. Doch auch er verkompliziert die Sache indem mehr als nur fallbezogenes Interesse an Ripleys Frau Natalie (Sarah Parish) entwickelt.

Blackpool: Fruit Machine

Die Aufklärung des Mordes rückt mal mehr, mal weniger in den Hintergrund, wenn die Verwicklungen der fast erwachsenen Kinder oder der Kumpels von Ripley zur Sprache kommen und am Ende ist es gar nicht mehr so wichtig, wer die Tat begangen hat. Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Fazit: In den sechs knapp einstündigen Folgen gibt es einige kleine Längen, die jedoch durch die geschickten Irreführungen des Zuschauers wieder ausgeglichen werden. Die Darsteller sind allesamt hervorragend und durch die seltsame Mischung von Genres kommt jeder auf seine Kosten. Der Humor ist eher im schwarzen Bereich anzusiedeln, wie man das von der Insel kennt, aber es gibt auch Running Gags wie z.B. Carlisles ständiges Vertilgen von Gebäck und Fast Food.

Ob die Serie gefällt ist schwer einzuschätzen, weil sie so ungewöhnlich ist. Ich fand sie sehr gut und habe mittlerweile alle Folgen mindestens dreimal gesehen. Ein zusätzliches Schmankerl sind die vielen Doctor Who-Verbindungen, denn neben dem zehnten Doctor (David Tennant) tauchen noch The Next Doctor (David Morrissey) und The Empress of the Racnoss (Sarah Parish) auf. Auch auf Torchwood wird verswiesen, denn Bryan Dick (D.C. Blythe) spielte Adam in der gleichnamigen Folge. Und dann war da noch das hier:

Blackpool: Doctor Who Museum

Das einzige ständige Doctor Who Museum werde ich wahrscheinlich gerade besuchen, während Ihr das hier lest. Mal sehen, ob ich mich im Souveniershop zurück halten kann.

Die Stadt: So ein Museum ist nur möglich, da Blackpool vom Tourismus lebt und ansonsten eher trostlos ist. In der Serie scheint das öfter mal durch, aber im Großen und Ganzen bekommt der Zuschauer jedoch einen guten Eindruck – vorausgesetzt man muss dort nicht wohnen und seinen Lebensunterhalt verdienen. Großbritanniens meist besuchter Küstenort ist sowas wie die britische Variante von Las Vegas mit einem großen Freizeitpark, vielen Spielhallen, doppelstöckigen Straßenbahnen, einem Pseude-Eiffelturm und den berühmten Blackpool Illuminations, die in diesem Jahr von Anfang September bis Anfang November stattfinden:

Also known locally as The Lights or The Illuminations, they run each year for sixty six days, from late August until early November at a time when most other English seaside resorts‘ seasons are coming to an end. Dubbed as The greatest free light show on earth, they are 6 miles (10 km) long and use over one million bulbs.

Kaufen: Der interessierte Leser wird erfreut sein zu wissen, dass die 3-DVD-Box momentan recht günstig zu haben ist. Neben der eigentlichen Serie gibt es noch den Fortsetzungsfilm Viva Blackpool dazu, der aber nicht so empfehlenswert ist. Bei Amazon UK [Partner-Link] muss man £7,58 (€ 8,70) plus Versand investieren, bei Play ist man mit versandkostenfreien €10,49 um drei DVDs reicher. Die Extras sind leider recht mager, denn es gibt nur Untertitel und Direktzugriffe auf die Musiknummern wie z.B. Cupid von Johnny Nash:

Das Video gibt einen guten Eindruck, wie das mit der Musik gelöst ist und wem das zusagt, der sollte erst die weiteren Videos ansehen (vorsicht: Spoiler!) und dann zugreifen.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

4 Gedanken zu „Serienkritik: Blackpool“

  1. morrissey ok, aber tennant dürfte ich probleme haben mit was anderem zu verbinden als einem durchgeknallten zeitreisenden.

    aber nen blick drauf werfen sollte bei den preisen für die dvd ja mal drin sein.

  2. Gamlor, hier in England habe ich das Boxset fuer 11 Pfund im Laden gesehen, also lohnt sich wie so oft das Bestellen im Internet 🙂

    tobi, das dachte ich auch erst, aber hier ist er total anders und auch mit schottischem Akzent, dass man den Doktor ganz schnell vergisst.

  3. Pingback: Blackpool | Gamlor

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