Literatur und Natur: Wuthering Heights und der Peak District

In Vorbereitung auf meinen Aufenthalt im schönen Nationalpark Peak District habe ich pflichtbewusst den Roman Wuthering Heights (Sturmhöhe) von Emily Brontë gelesen[1]. Der Titel leitet sich aus einem der beiden Schauplätze des Romans, dem Anwesen Wuthering Heights. Dort und in Thrushcross Grange spielt praktisch die gesamte Geschichte. Die Anwesen liegen im Peak District und die Landschaft wird öfter erwähnt und hat einen indirekten Einfluss auf die Charaktere, aber das war es auch.

Panorama: Peak District

In dieser Hinsicht war das Lesen umsonst, aber es hat sich dennoch gelohnt. Wuthering Heights wird mittlerweile als der beste Roman der Bronte-Schwestern angesehen und auch wenn ich keine weiteren Werke kenne, so kann ich sagen, dass Emily mit ihrer einzigen Arbeit etwas Ungewöhnliches geschaffen hat. Hierzulande verbindet man mit englischer Literatur von weiblichen Autoren aus dem 18./19. Jh. oft die ungleich bekanntere Jane Austen, doch deren Romane sind mit Wuthering Heights nicht vergleichbar. Hier geht es richtig zur Sache, das Leben ist einfacher, der Umgangston rauher und das Ende kein glückliches. Die Erzählweise ist viel kompakter, es gibt weniger handelnde Personen und Schauplätze. Das lässt Raum für die Konzentration auf die Emotionen und Beweggründe der Hauptpersonen. Ich war positiv überrascht von der Ehrlichkeit und Intensität der Beschreibungen.

Die komplizierte und unglückliche Liebesgeschichte von Geschichte von Heathcliff und Catherine wird in Rückblicken von einer Haushälterin erzählt. Am Anfang war es schwer sich einzufinden, weil die Sprache ungewohnt ist und die Familienverhältnisse undurchsichtig. Doch nach und nach gewöhnt man sich daran und es hat seinen Sinn, dass man nicht sofort durchsteigt, wer mit wem wie verwandt ist. In der Ausgabe der Wadsworth Collection[2] sind einige Wörter in Fußnoten erklärt und so versteht man auch den Diener Joseph, der im lokalen Dialekt spricht.

Durchaus ein empfehlenswertes Buch also. Ob eine bzw. welche der deutschen Übersetzungen empfehlenswert ist, weiß ich nicht, aber ich würde raten, wer gut genug Englisch kann, das im Original zu lesen. Es gibt Ausgaben speziell für den Schulunterricht, wo schwierige Passagen erklärt und interpretiert werden.

Den ersten Kontakt mit dem Roman haben die meisten wahrscheinlich unwissentlich mit dem gleichnamigen Song von Kate Bush gehabt, der auf dem Roman basiert und aus der Sicht von Catherine geschrieben ist:

Durch die hohe Tonlage versteht man den Text nicht sehr gut und so schaffte es der Song in die Top 10 der missverstandenen Poptexte:

Misheard: Healthcliff! „It’s me; I’m a tree, I’m a wombat. Oh, so cold at the end of your winter“

Actual: „Heathcliff! It’s me, Cathy and I’ve come home oh, so cold, let me in-a your window“

Bildquelle: Wikimedia Commons

  1. Dann wird die Nummer 7 jetzt fett statt grün in der Liste der gelesenen Bücher sein. []
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Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

6 Gedanken zu „Literatur und Natur: Wuthering Heights und der Peak District“

  1. Pingback: Kunst und Kultur
  2. Mit Wuthering Heights konnte ich mich bisher noch nicht so recht anfreunden. Die Charaktere sind mir einfach zu unsympathisch. Und die Stellen, die im schottischen Dialekt verfasst sind, sind anstrengend zu lesen und reißen mich aus der Geschichte raus.

    Jane Austens Pride and Prejudice dagegen ist mein Lieblingsbuch. Nicht nur wegen der Liebesgeschichte, sondern auch wegen ihres witzigen und ironischen Schreibstils.

  3. So ein schöner Song. Ich habe immer schon für Kate Bush geschwärmt, obwohl die ja eigentlich viel zu poppig für mich ist. Ich habe weder den Roman gelesen noch die Landschaft im Park genossen. Beim Lesen des Artikeltitels hatte ich aber das Gefühl, eine Gelegenheit zu haben den Song nochmal auf die schnelle zu hören 🙂

  4. Lizzy, man gewoehnt sich an den Yorkshire-Dialekt (schottisch ist das nicht). Heute war ich in Chatsworth, das evtl. als Vorlage fuer Pemberly (Pembroke?) gedient hat und wo auch der letzte Film gedreht wurde. Die Bueste von Darcy gibt es dort zu bewundern.

    Spontis, die Kate ist schon was Spezielles – und die National Parks in England sind alle eine Reise wert 😉

  5. @Julia: Stimmt ja, irgendwie hatte ich mir nur gemerkt, dass die Handlung ziemlich weit im Norden spielt. Deshalb habe ich mir Joseph wohl als Schotten gedacht…^^

    Wie war denn der Besuch in Chatsworth?

  6. Naja, aus dem Lesen selber erkennt man wahrscheinlich den Dialekt nicht wirklich, ausser man ist Experte.

    Chatsworth war einmalig. Zwar teuer, aber sehr interessant. Man darf mit Blitz fotografieren und in jedem Raum gibt es Mitarbeiter, die Fragen beantworten.

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