Welten entdecken mit Walter Moers

Jetzt habe ich also die einmalige Gelegenheit für Julia einen Gastbeitrag zu schreiben  solange Sie Ihre Reise macht und da lasse ich mich natürlich nicht lumpen und behandle heute ein Thema, welches vor allem die Bücherwürmer unter Euch Lesern ansprechen dürfte. Ich persönlich bin eine große Leseratte und dabei beschränke ich mich nicht auf feste Genres, sondern lese das, was mir gefällt und ganz neu entdeckt habe ich für mich die literarische Welt von Walter Moers und dabei ganz besonders seine Zamonien-Romane. Ich möchte Euch also heute eine kleine Rezession über die 2 bereits von mir gelesenen Zamonien-Romane geben und einen kurzen Ausblick auf die 3 für mich noch ausstehenden, die da wären: Rumo & Die Wunder im Dunkeln, Der Schrecksenmeister, Ensel & Krete, Die Stadt der Träumenden Bücher und die 13 1/2 Leben des Käpt`n Blaubär. Die meisten verbinden Walter Moers sicherlich erstmal mit Käpt`n Blaubär so wie er in der Sendung mit der Maus gezeigt wird, oder aber mit dem kleinen Arschloch, aber welch fantasievolle Welten und Figuren er mit Zamonien geschaffen hat, dass wissen die wenigsten und ich kann Euch garantieren, es lohnt sich, aber fangen wir einfach an.

Rumo & Die Wunder im Dunkeln: 1. „Obenwelt“ und 2. „Untenwelt“

Teil 1: „Obenwelt“: Der Wolpertinger Rumo wird eines Tages zusammen mit seinen Besitzern, freundlichen Fhernhachen, von Teufelszyklopen entführt und gefangen gesetzt. Dies geschieht genau an dem Tag, an dem drei wichtige Entwicklungen im Leben des Wolpertingers ihren Anfang nehmen: zunächst wächst ihm sein erster Zahn (das Gebiss wird später Rumos wichtigste Waffe); dann geht er zum ersten Mal auf zwei Beinen (und wird damit zu einem aufrecht gehenden Wolpertinger, der im Gegensatz zum wilden „menschliche“ Fähigkeiten wie Sprechen, Lesen und Schreiben entwickeln kann); und schließlich wittert er zum ersten Mal den Silbernen Faden (Wolpertinger nehmen olfaktorische Reize visuell wahr; weibliche Exemplare senden diesen silbernen Duft aus. Es ist also die große Liebe, die Rumo hier wahrnimmt und die von nun an zum Inhalt seiner Handlungen wird.) Während der Zeit seiner Gefangenschaft macht Rumo die Bekanntschaft der Haifischmade Volzotan Smeik, die ihm das Sprechen beibringt, ihn zum ersten Mal mit ein wenig Bildung vertraut macht und in ihm die Lust an (Helden-)Erzählungen und dem Kämpfen weckt. Nach ihrer Flucht wandern Rumo und Smeik – anfangs gemeinsam, später getrennt – durch Zamonien. Seinem Silbernen Faden folgend, erreicht Rumo bald die Stadt Wolperting, die Heimat aller Wolpertinger. Dort findet er in Gestalt der Wolpertingerin Rala den Ursprung des Silbernen Fadens und wird zunächst in ein artgerechtes Leben eingegliedert.

Teil 2: „Untenwelt“: Während Rumo eines Tages in den gefährlichen Nurnenwald unterwegs ist, um ein Stück des kostbaren Holzes der Nurnenwaldeiche zu besorgen und daraus als Geschenk für Rala eine Schatulle zu schnitzen, verschwinden alle Wolpertinger aus der Stadt. Zurück bleibt nur ein großes Loch im Boden. Um das Verschwinden seiner Freunde aufzuklären, steigt Rumo in das Loch hinab, welches ihn in die „Untenwelt“ führt.

Die Untenwelt ist ein eigener Kosmos. Deren Hauptstadt Hel beschreibt Moers als einen akribisch ausgetüftelten schrecklichen Ort, der christlichen Strafhölle vergleichbar. Zu ihrer Ausgestaltung bedient sich Moers zahlreicher Mythen – an erster Stelle der germanisch-altdeutschen Sagenwelt, aber auch der antik-hellenistischen– oder auch der historischen römischen Antike. Hel liegt unter der von gefährlichen „Nurnen“ umgebenen Nurnenwaldeiche Yggdra Sil. Es wird von einem selbstverliebten Tyrannen (angelehnt an historische Gestalten wie Caligula oder Nero) beherrscht. Im Hintergrund ziehen Alchimisten die Fäden, die Exekutive dieses Stadtstaates besteht aus den Kupfernen Kerlen, einer Armee von Maschinenmenschen mit ihrem Anführer „General Ticktack“. Das nur scheinbar idyllische Wolperting erweist sich als eine von den Untenwelt-Bewohnern errichtete sog. Fallenstadt, deren Bürger als Gladiatoren für ihre tödlichen Kampfspiele zwangsrekrutiert werden. Die Kämpfe im Theater der Schönen Tode bestimmen nun, neben Rumos Weg zur Stadt Hel, die Handlung.

Der Schrecksenmeister:

Der Schrecksenmeister spielt in Sledwaya, der ungesündesten Stadt Zamoniens. Dort verliert ein „Krätzchen“ namens Echo seine Besitzerin. („Kratzen“ unterscheiden sich nur dadurch von Katzen, dass sie alle Sprachen aller Lebewesen sprechen sowie zwei Lebern und ein quasi perfektes Gedächtnis besitzen.) Da Echo bei den Bewohnern der Stadt keine Unterstützung findet, droht ihm der Hungertod. Succubius Eißpin, der von allen gefürchtete Stadtschrecksenmeister und geheime Herrscher über Sledwaya, schlägt ihm einen Pakt vor: Eißpin wird das Krätzchen bis zum nächsten Vollmond mit den raffiniertesten Leckereien mästen und darf es anschließend töten. Der Schrecksenmeister benötigt nämlich das in der Alchimie wertvolle Kratzenfett – welches zum Beispiel ein Perpetuum Mobile weitaus besser schmiert als herkömmliches Fett. Er darf es jedoch nur im Einvernehmen mit der betroffenen Kratze entnehmen, wenn es wirksam sein soll. In seiner Not willigt Echo ein. Jedoch hat der Schrecksenmeister nicht mit dem Überlebenswillen und dem Erfindungsreichtum des Krätzchens gerechnet. Echo trifft vielerlei Wesen, viele werden zu Freunden und zusammen mit der letzten Schreckse in Sledwaya, die Eißpin noch nicht vertrieben oder getötet hat, entwickelt Echo einen ausgeklügelten Plan.

Diese beiden Bücher habe ich also bislang schon gelesen und habe gerade mit „Die Stadt der Träumenden Bücher“ begonnen, welches schon auf die gleiche skurrile Art und Weise beginnt, wie die anderen Bücher auch.

Ensel & Krete:

Ja hier denkt man schon richtig, wenn einem dabei das Grimmsche Märchen Hänsel & Gretel einfällt, nur das Moers es hier als Parodie wiedergibt und mit zwei „Fhernhachenkindern“ – äußerst liebenswürdigen und anständigen Halbzwergen – als Helden darstellt. Ensel und Krete spielt im sogenannten „Großen Wald“ Zamoniens. Dieser wurde vor Jahrzehnten von den Buntbären bevölkert und zu einer vorbildlichen Naturkolonie ausgebaut. Hier verbringt die Familie „von Hachen“ ihre Ferien. Die beiden Kinder, der Knabe Ensel und seine Schwester Krete, verirren sich eines Tages im verbotenen, unzivilisierten Teil des Forstes. Eine lange erlebnisreiche Wanderschaft beginnt, bei der sie zunächst harmloseren zamonischen Daseinsformen wie Einhörnchen, Doppelköpfigen Wollhühnchen, Dreiäugigen Schuhus, Elfenwespen und Fledertratten begegnen. Nach ihrem Abenteuer mit einem gefährlicheren Rarlebewesen, dem Laubwolf, in dem sie das erste Mal in Lebensgefahr geraten, führt Moers die Geschichte zu einem ersten scheinbaren Happy End: Die Fhernhachenkinder werden von einem Trupp Buntbären gerettet. Der Buntbärenbürgermeister stellt die beiden als Helden dar, die den Laubwolf erlegt haben, und die beiden werden bejubelt und gefeiert. Da er gleichzeitig einen wertvollen Schatz entdeckt hat, wähnt sich Ensel sogar als finanzieller Retter der Buntbärenkolonie. Die ganze Geschichte um den Laubwolf herum erweist sich jedoch als Halluzination, womit die eigentliche Gefahr des Waldes benannt ist: Die giftigen Dämpfe, die von der Verbrennung der Waldspinnenhexe übrig geblieben waren und Wahnvorstellungen hervorrufen können.

Die Stadt der Träumenden Bücher:

Die Handlung folgt dem in Fantasy- und Abenteuerromanen häufigen Modell der Quest: Von seinem im Sterben liegenden „Dichtpaten“ Danzelot von Silbendrechsler erhält Hildegunst von Mythenmetz einen genialen Text mitsamt dem Auftrag, dessen unbekannten Autor ausfindig zu machen. Zu diesem Zweck solle sich der junge Lindwurm in die „Stadt der Träumenden Bücher“, nach Buchhaim, aufmachen. Von der Erfüllung dieser Aufgabe hänge es ab, ob Hildegunst eines Tages des „Orms“ teilhaftig werden könne, einer geheimnisvollen Kraft, die in allen großen Dichtern wirke.

In Buchhaim angekommen, ist Mythenmetz überwältigt von der Fülle der auf ihn einströmenden Erfahrungen und verwirrt von den Begegnungen mit einigen Einheimischen, darunter ein Impresario und drei Antiquare. Er erfährt nach und nach, dass die ganze Stadt von einem düsteren System ausgedehnter, labyrinthischer und überreich mit alten Büchern angefüllter Katakomben untertunnelt ist. Dort liefern sich die skrupellosen, blutrünstigen Bücherjäger erbitterte Kämpfe um kostbare Druckerzeugnisse– nicht nur untereinander, sondern auch mit einem Volk von Zyklopen, den Buchlingen (denen nachgesagt wird, sie fräßen Literatur) sowie zahllosen anderen, größtenteils höchst gefährlichen Daseinsformen. Über allem herrscht dort unten eine unfassbar grausame und erbarmungslose Gestalt, der Schattenkönig.

Als Eigentümer des genialen Manuskripts findet sich der Lindwurm alsbald inmitten einer undurchsichtigen Intrige wieder. Mit Hilfe eines giftigen Buches betäubt, wird er ins Labyrinth verbracht und verirrt sich immer tiefer in dessen Gängen. Inmitten vieler gefährlicher Abenteuer findet Mythenmetz schließlich auch die Wahrheit über die Buchlinge und den Schattenkönig heraus. Die zweite Hälfte des Buches nimmt über längere Passagen Züge eines Bildungsromans an, der uns schildert, wie der junge Hildegunst von Mythenmetz gewissermaßen in die Lehre geht, um schließlich das Orm zu erlangen.

Die 13 1/2 Leben des Käpt`n Blaubär:

Der Titel nimmt Bezug auf die 27 Leben, die ein Blaubär hat. Aber nur über die ersten 13½ Leben erzählt der Protagonist. Moers beschreibt im Ich-Erzählstil die Ereignisse dieser Leben aus Blaubärs Sicht in 14 Kapiteln (wobei jedes ein, bzw. ein halbes Leben schildert).

Da die Auflistung der einzelnen Kapitel hier jetzt allerdings den Rahmen sprengen würden, wo ich eh schon so viel geschrieben habe, lasse ich das jetzt mal. Abschließend sie noch gesagt, dass die Bücher sich teilweise mit Fußnoten zu einem der jeweils anderen bedient, so das man schon wirklich alle lesen sollte, um Zusammenhänge komplett verstehen zu können. Für alle weiteren Informationen zu Walter Moers und seinen Zamonien-Romanen, verweise ich auf meine Quelle.

6 Gedanken zu „Welten entdecken mit Walter Moers“

  1. Wow, danke Suriel, das ist ein super Beitrag! Habe jetzt nicht alles gelesen (die Uhr laeuft), aber daheim werde ich mich nochmal ausfuerhlich damit beschaeftigen 🙂

  2. Und nochmal ein Wow, denn das klingt absolut interessant und ja, auch ich habe Walter Moers bisher nur mit Blaubär und Arschloch in Verbindung gebracht und wusste nicht, dass er auch richtige Bücher geschrieben hat. Die wahnwitzigen Beschreibungen klingen fast nach Douglas Adams – ist dieser Vergleich einigermaßen korrekt?

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