Filmkritik: Julie & Julia

Julie & Julia-FilmplakatNächste Woche läuft der Film Julie & Julia an, der wichtige Abschnitte im Leben der beiden titelgebenden Figuren Julie Powell und Julia Child zeigt. Erstere hat 2002 einen Blog begonnen, der drei Jahre später als Buch veröffentlicht wurde. Den Blog begann Powell als Begleitung zu ihrem Julie/Julia Project, bei dem sie alle Rezepte eines Kochbuchs innerhalb eines Jahres zubereitet. Und hier kommt Julia Child ins Spiel, denn die veröffentlichte 1961 ihr Mastering the Art of French Cooking, dessen 524 Rezepte gemeistert werden sollten. Im Film wird die Entstehungsgeschichte des Kochbuchs ebenfalls verfolgt, basierend auf My Life in France, das Julia Child zusammen mit ihrem Großneffen Alex Prud’Homme schrieb.

Hört sich sehr nach einem Frauenfilm an und dies war Anlass genug für eine gewisse Kinokette, diesen Film in der Reihe CineLady eine gute Woche vor Filmstart zu zeigen. Vorher gab es ein Glas Prosecco und für Internetkartenbesteller zusätzlich einen Teller Kartoffelsuppe (allerdings nicht nach Rezept aus dem Buch). Das Kino war voll besetzt mit Frauen aller Altersklassen und dem einen oder anderen Mann zwischendurch (und einem Baby). Vor Beginn des Films führte ein Mitarbeiter des Kinos in rhetorisch verbesserungswürdiger Form in den Film ein. Passend zum Thema des Films wurden zwei Kochbücher von Johann Lafer verlost, von denen ich eins gewann.[1]

Worum geht es?

Dann endlich konnte der Film beginnen und wir werden ins Jahr 1949 in Frankreich entführt und parallel dazu ins New York des Jahres 2002. In Paris ist Julia Child, die dort mit ihrem Mann Paul, einem Botschaftsangestellten, hingezogen ist, begeistert von dem hervorragenden Essen und sie stürzt sich ins Marktleben und versucht so ein wenig französisch zu lernen. Sie möchte mehr als eine Hausfrau sein und nach einigen Umwegen erkennt sie ihre Bestimmung in der Kochkunst. Mit ihrem erfrischenden, offenen Wesen und 1,87 m Körpergröße wirbelte sie die von Männern besetzte Domäne gehörig auf. Natürlich gab es einige Höhen und Tiefen auf dem Weg zur Veröffentlichung ihres berühmten Buches und der Fernsehshow The French Chef, doch wie wir wissen, war sie am Ende erfolgreich und schrieb einen der Bestseller der Kochgeschichte.

Sprung ins neue Jahrtausend, in dem Julie Powell als Telefonistin Versicherungsanfragen von 9/11-Opfern bearbeitet. Sie ist Zeitarbeiterin in einem Großraumbüro und unzufrieden mit ihrem Job im Speziellen und ihrem Leben im Allgemeinen. Ihr 30. Geburtstag steht bevor und die neue Wohnung in Queens hat ihre frustrierenden Eigenarten. Da hat sie bzw. ihr Mann Eric die Idee mit dem Projekt und Julie stürzt sich diese Aufgabe. Anfänglich noch unbeachtet, entwickelt sich ihr Blog bald sehr erfolgreich und sie kocht und kocht. Auch hier gibt es Höhen und Tiefen, die teilweise in Parallelmontagen mit Julia Childs Erlebnissen dargestellt werden. Auch hier wissen wir, dass das Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde und sich dadurch sogar Julies Traum als Schriftstellerin erfüllte.

Wie gefällt der Film?

Der Film hat eine lockerleichte Erzählweise (Drehbuch und Regie: Nora Ephron) und vermittelt ein gutes Gefühl, von daher ist es wirklich ein typischer Frauenfilm. Es werden auch ernstere Töne angeschlagen, aber immer subtil verpackt in kleinen Gesten, Nebensätzen, vermeintlich unbedeutenden Ereignissen. Es lohnt sich also, den Film mehrmals zu sehen, um die vielen Schichten zu entdecken.

Wer das Buch Julie & Julia kennt, wird begeistert und enttäuscht zugleich sein. Viele kleine Details wurden übernommen und es macht Spaß, diese zu entdecken und an die ausführlicheren Geschichten hinter den Andeutungen erinnert zu werden. Andererseits war es unvermeidlich, dass vieles weggelassen wurde und einige Lieblingsbegebenheiten der Schere zum Opfer fielen. Schlussendlich ist es eine Mainstream-würdige Fassung geworden, die das größtmögliche Publikum anspricht, aber hoffentlich viele Zuschauer dazu animiert, das Buch bzw. die beiden Bücher zu lesen, auf denen der Film basiert.

Wie gefällt der Film im Vergleich zum Buch?

Ich war vor zweieinhalb Jahren ziemlich begeistert von dem Buch und sehr gespannt auf den Film. Zwar stehe ich Literaturverfilmungen grundsätzlich skeptisch gegenüber, aber der Trailer im Mai versprach Gutes.

Wie eine unrepräsentative Umfrage ergeben hat, wussten die meisten Besucher zwar, dass der Film auf einem Buch basiert, aber sie hatten es nicht gelesen. Von den Befragten wusste keiner, dass das Buch vorher ein Blog war, aber das ist hierzulande auch nicht verwunderlich, auch wenn mittlerweile sieben Jahre seit Beginn des Blogs von Julie Powell ins Land gegangen sind. Sie führt übrigens seit August 2005 einen weiteren Blog, in dem es in den letzten Monaten vor allem um Pressetermine ging. Sie schreibt locker und witzig und immer wie ein Kind in einem Freizeitpark, das umsonst alle Attraktionen besuchen darf.

Von ihrer Schreibe lebt auch das Buch und macht es zu einem besonderen Leseerlebnis. Es werden einige Blogbeiträge übernommen, aber der größte Teil des Buches besteht aus den Geschichten drumherum während des Projektes, aus Julies Kindheit, über ihre Famlie und wie sich Julia Child und ihr Mann in China während des zweiten Weltkriegs kennenlernten. Diese Dinge tauchen im Film nicht auf. Im Falle von Julia war die Entscheidung gut, denn für die Entstehungsgeschichte ist die Zeit in Frankreich wichtiger. Schade war dagegen, dass Julies Kampf mit dem Kochen so gekürzt wurde. Das Beschaffen der Zutaten war ein großer zeitlicher und finanzieller Aufwand und die altmodische Zubereitung oftmals kompliziert. Das wurde nur ein paar Mal kurz im Film angesprochen. Ebenso fehlte ein wirklicher Grund warum sie die Wohnung so sehr hasst und die Darstellung des sozialen Aspekts ihres Blogs, ihre vielen Kommentatoren, die sie im Laufe der Zeit immer besser kennenlernt. Letzteres war wohl nötig, um den Film für das breite Publikum verständlich zu machen, aber ersteres hätte man durchaus noch ein bisschen ausführlicher gestalten können. Das Ausbeinen der Ente als Beispiel für die schwierige Zubereitung war schön gewählt, aber in der kurzen filmischen Umsetzung sah es nicht so aus, als ob man sich davor fürchten müsse.

Fazit

Alles in allem ein sehenswerter Film, getragen durch die durchgehend tolle Besetzung (Meryl Streep als Julia Child, Amy Adams als Julie Powell, Stanley Tucci als Paul Child, Chris Messina als Eric Powell uvm.) in einer verhältnismäßig gelungenen Literaturverfilmung. Filmstart ist der 3. September.

Links: IMDb, offizielle Seite, offizielle deutsche Seite

  1. Ja Kinners, Glück is mit die Doofen! Soll ich jetzt passend dazu ein Julia/Johann-Projekt starten? Vorschläge willkommen! []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

29 Gedanken zu „Filmkritik: Julie & Julia“

  1. Also wirst du bald mal ne Ente ausbeinen? Das will ich sehen!
    Na, da lässt sich doch sicherlich ein kleine Blogparade draus basteln oder ein „Blog-Koch-Battle“ oder ein „Koch mein Rezept-Dingsbums“…Ach, tausend Ideen.
    Nun darf ich trotz der Tatsache, das Meryl Streep eine super Schauspielerin ist und Amy Adams echt wunderschön (gut in diesem Film eher nicht, wenn man nach dem Trailer geht), nicht in diesen Film, da du ihn als „Frauenfilm“ für immer und ewig unmöglich gemacht hast 🙂
    Also heimlich mal auf DVD 😉

  2. Der letzte Link, verweist wieder auf den gleichen Beitrag – gewollt?

    Nora Ephron-Filme sind grundsätzlich „Frauen-Filme“, oder? Und selbst da für Frauen manchmal zu … kitschig?

    @endgueltig. Komm wir machen ein Kochbattle! Ich als Legastheniker der Küche bin da Dein perfekter Gegner, den man unter den Tisch kochen kann. :clap:

  3. Dany, so sehr Frauenfilm ist das nicht, wie z.B. Schlaflos in Seattle.

    Du meinst den Link in meinem Kommentar? Da fehlte ein = im Quelltext, ich habs geändert.

  4. @Jul&iaL§ Ja, du suchtest doch nach einer Idee; ich wollte nur sagen es gibt mehrere…und dann kommen wir direkt zu…

    @Dany Ach, da wäre ich mir nicht so sicher, ich kann auch ne Lusche sein 😉 Also, Julia trägt uns auf, was es sein soll und wir battlen gegeneinander? Da bin ich mal dabei…Hurra

  5. Ah, genau, Idee! Ich such ein Rezept raus und das muss darf dann jeder kochen 🙂 Allerdings müsste die Bekanntgabe des Rezepts per E-Mail geschehen, oder? (von wegen Urheberrecht)

  6. Hmm, ich wollte mich evtl. an das Boeuf Bourguignon wagen, aber das verschlingt fünf Stunden Zeit und ist für sechs Personen. Sowas hattest du wahrscheinlich nicht vor…

  7. Ne, am Wochenende habe ich was vor, also müssen wir das streichen und aufschieben bis nach deinem Urlaub. Es sei denn du gibst Dany und mir einfach eine „Urlaubs-Beschäftigungs-Aufgabe“…

  8. Uiii, am nächsten WE ist es bei mir leider auch schlecht. Von wann bis wann bist Du denn nochmal in Urlaub, Julia? Also ich selbst bin vom 28.09 bis 05.10 im Urlaub. Ansonsten bin ich zu jeder Schandtat bereit.

    Wir könnten es auch in Julias Abwesenheit machen, aber ich glaube Julia sollte mitmachen!!!!

  9. Na, Julia ist bis zum 24. unterwegs und du fährst am 28..
    Ich schlage somit vor das das „Koch-Battle“ unsere Oktober-Beschäftigung wird.

  10. Oh, Dany, bist du Vegetarierin? Das muss ich natürlcih einkalkulieren. Ah, wollte sowieso vorher E-Mail schreiben und fragen, was Ihr nicht essen mögt/dürft.

  11. Also, ähm. Nein, ich bin nicht zwangsläufig Vegetarierin, ich esse nur nicht so gerne Fleisch. Habe ich aber 5 Stunden dafür geschwitzt, wäre es mir vermutlich egal. 😉

  12. Vielleicht ein „Frauenfilm“, aber ich schaue mir den als Kochfreak gerne an. Und das Buch habe ich nicht gelesen, aber da das den Genuss des Films schmälern könnte, verkneife ich mir das auch 😉

  13. Ok, Dany, aber trotzdem wäre es schade, wenn es dir nicht schmeckt. Wir sollten uns im Oktober nochmal direkter verständigen (per ICQ oder Skype oder sowas).

    Martin, am Besten wäre dann natürlich, erst den Film und dann das/die Buch/Bücher 🙂 Ist/Sind momentan günstig zu haben („Movie Tie-In heißt das auf neudeutsch).

  14. Ne, wenn es Dany dann nicht schmeckt wäre das ja doof. Das möchte ich auch nicht. Wir werden Fleischersatz suchen und finden und dann im Oktober tatsächlich nochmal inensiv per Skype oder so miteinander kommunizieren. Ich freu mich auf alle Fälle drauf. :clap:

  15. @Martin Yippieh! Ein weiterer Mann, der den Film sehen mag. Koblenz und Köln liegen ja eher nah beieinander, aber für nen Kinobesuch ist es dann doch zu weit. Ich suche also weiter traurig nach einer Frau (wie Julia vorschlägt), dich mich zwingt in den Film zu gehen oder eben nach einer, die überhaupt in den Film geht, damit ich dann danach einfach behaupten kann, ich sei gezwungen worden 😥

  16. Das finde ich aber lieb, dass ihr soviel Rücksicht auf mich nehmt. Ich freue mich auch auf das „Kochduell“. Ich bin am 05.10.2009 wieder zu Hause, dann kann es los gehen.

  17. @Julia: So habe ich das auch bei „Keinohrhasen“ gemacht: Film angeschaut und dann Soundtrack + Stofftier für wenig Geld bei amazon bestellt. Solche „Sets“ sind eine nette Sache. Also auch eine Art von „Tie-in“, oder?

    @endgueltig: Das Godesberger Kinopolis ist ein schönes Kino – wenn Du willst und es Dich nicht stört, dass ich mit „weiblicher Begleitung“ erscheine, dann können wir uns den Film doch dort zusammen anschauen, wenn Du magst. Wäre sicher lustig. Wir haben beide nicht allzu weit zu fahren und danach ab zum Brasilianer umme Ecke 🙂

  18. Martin, ob das nun Set oder Tie-in heißt: es wird mehr davon verkauft, da der Film gerade aktuell ist.

    Euch beiden (dreien) viel Spaß im Kino!

  19. Komme gerade aus dem Kino. Eigentlich hatte ich ja keine Lust auf diesen Film, aber meine liebe Freundin hat mich gezwungen. *lüg* 😆

    Ohne irgendein Buch oder Blog gelesen zu haben: Ich habe jetzt Lust auf eine Käseplatte mit frischem Baguette und einer Flasche Rotwein. Anschließend möchte ich ein Böff Burgingirgendwas kochen. Was hat der Film nur aus mir gemacht… 😯

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