Chartspunkte #14: Der King ist tot, lang lebe der King!

Heute vor 32 Jahren starb der King, was aber keinerlei Auswirkungen auf die aktuellen Top 20 der deutschen Singlecharts hatte. Einen ungleich größeren Effekt hatte der Tod des selbsternannten Pop-Oberhauptes auf die Charts im Juli und darauf werfen wir jetzt mal einen Blick. Was die lustigen, bunten Punkte zu bedeuten haben steht am Ende des Beitrags.

Neueinsteiger vom 10.07

  • Platz 18 Michael Jackson – Billy Jean
    plusplus Ja, das waren noch Zeiten! Ob der Song objektiv so gut ist, kann ich unmöglich beurteilen, aber da ist sicherlich ein Nostalgie-Plus irgendwo versteckt. Der arme Kerl, der hier ein Kind untergeschoben bekommen soll. Im wahren Leben war es ja laut den neuesten Gerüchten eher umgekehrt.
  • Platz 15 Söhne Mannheims – IZ On
    minusminusminus Diese Unentschlossenheit hinter dem Gestreiche macht mich wanhnsinnig. Und dann dieses Pseudo-Tschakka-Getue im Refrain mit so etwas ähnlichem wie englisch. Bleib mir weg!
  • Platz 14 Michael Jackson – Beat It
    plusplus Gefällt mir noch einen Tick besser als Billie Jean und wenn die coolen Typen lächerlich durch die Gegend hüpfen, verdient das Bewunderung.
  • Platz 12 Michael Jackson – Earth Song
    plus Mit der Botschaft muss man ja dafür sein, oder?! Nein, der Song ist zu pathetisch und dieses uahoahaohaoh geht dann irgendwann doch auf die Nerven.
  • Platz 9 Michael Jackson – Thriller
    plus So toll ist der Song gar nicht, habt Ihr das mal bemerkt? Dieses dämliche Gequatsche macht alles kaputt und auf einem tollen Video alleine kann man ja nicht bauen.
  • Platz 8 Lady Gaga – LoveGame
    minusminusminus Immer wenn man denkt, das Gaga-Mädchen kann sich nicht mehr selbst unterbieten, lässt man mal eben 5-jährigen Sohn des Produzenten ein paar Minuten alleine am Mischpult und der drückt dann ein paar Standard-Knöpfchen. Dazu noch ein Video unter dem Motto Flashdance meets Softporno meets Miami Vice gedreht und fertig ist der Chartserfolg.
  • Platz 7 Black Eyed Peas – I Gotta Feeling
    minusminus Der Anfang klingt interessant, aber mit einer Zeile Text und einer halben Hookline hat man noch lange keinen Song. Da können auch die schicken neongrünen Hände nichts mehr reißen.

Die weiteren 20 MJ-Songs in den Top 100 kennt Ihr sicherlich alle (mittlerweile) und außerdem soll es hier ja um aktuelle Musik gehen.

Neueinsteiger vom 17.07

  • Platz 18 Michael Jackson – Heal The World
    plus Hmm, ein bisschen lasch und dick aufgetragener Text. Das wesentlich bessere Man in the Mirror taucht leider nicht auf.
  • Platz 12 Michael Jackson – They Don’t Care About Us
    plus Ein bisschen flotter, aber nicht weniger effekthascheriger Text. Warum müssen gerade diese Songs in die Charts? Schlechtes Gewissen? Verdienen eigentlich die ursprünglich vorgesehenen wohltätigen Organisationen immer noch daran?
  • Platz 11 The Gossip – Heavy Cross
    plusplus Es hat etwas gedauert, aber nach einem halben Dutzend Hördurchläufen finde ich richtig Gefallen an dem treibenden, trockenen Beat und der unglaublichen Stimme.
  • Platz 6 Cascada – Evacuate The Dancefloor
    minusminusminus Ja, es muss evakuiert werden, weil sie infiziert ist und fast stirbt! Ist das ein schlechter Scherz, unglückliches Timing oder kalkulierte Geldmacherei?! Neben dem „Text“ ist die „Musik“ natürlich auch abgrundtief grässlich.

Neueinsteiger vom 24.07

  • Platz 18 Queensberry – Too Young
    minusminusminus Ein weiterer Softporno in Kalifornien (Florida?) unterlegt mit Standard-Dancebeat und klirrenden Stimmchen. Hat Jacko die armen Käufer so verwirrt, dass sie danach hierzu greifen mussten? Dass die Mädels zu jung sind, ist wohl auch nur Wunschvorstellung.

Neueinsteiger vom 31.07

  • Platz 16 Marquess – Arriba
    minusminusminus Aufwärts geht es wahrscheinlich nur mit dem Kontostand der Niedersachsen, denn der IQ der Käufer muss weit unter dem von Forrest Gump liegen.

Neueinsteiger vom 7.08

  • Platz 16 Dellé – Pound Power
    plusminus Da läuft einem ja schon vom Zusehen der Schweiß runter! Nicht meine Musik, aber durchaus hörbar.
  • Platz 15 Marit Larsen – If A Song Could Get Me You
    plusplus Bezaubernd! Die Stimme ist zwar stellenweise etwas quitschig, aber zerbrechliche und gleichzeitig starke Popmusik von Norwegerinnen kann es nie genug geben. Dazu ein unbeholfenes und kreatives Video zu einem zugegebenermaßen thematisch nicht sehr kreativen, aber trotzdem unbeholfenen Song und schon bin ich begeistert.
  • Platz 13 Green Day – 21 Guns
    plusplus Mittlerweile habe ich mich mit dem neuen Album angefreundet (wenn auch nur über Spotify und nicht per CD) und nehme es hin, dass die vier (!) Jungs ihre einmal gefundene Formel zum Geldscheißen ausnutzen. Der Song hat seine Momente und lädt zum Mitgrölen ein.
  • Platz 6 Jan Delay – Oh Jonny
    minusminus Aha, hierzulande kommt man auch nicht an den 80ern vorbei, wah?! Der Song an sich gefällt, aber diese Stimme ist dazu geeignet zum Mörder zu werden. Das halte ich keine Sekunde aus.

Neueinsteiger vom 14.08

  • Platz 20 David Guetta | Akon – Sexy Bitch
    minusminusminus Hier passen Verpackung (Titel) und Inhalt (Song) sehr gut zusammen und wer auf grenzdebile Texte, sinnlose Beats und Autotune steht, der wird hier fündig.
  • Platz 17 Milow – You Don’t Know
    plusplus Erstaunlich ohrwurmig und auch nach ein paar Berieselungsdurchläufen immer noch angenehm zu hören. Hier ist es Milow gelungen die Balance zwischen leichter Musik und schwerem Text zu halten.
  • Platz 8 Beyonce – Sweet Dreams
    minus Bald haben wir alle Songs des letzten Albums als Single gehört. Muss wohl sein, da die sehr durchwachsen sind. Hier ein langweiliges Stück Dance-RnB mit viel Haut und Arschgewackele im Video.
  • Platz 2 Nelly Furtado – Manos Al Aire
    plusplus Warum eine portugiesisch-stämmige Kanadierin spanisch singt, ist mir ein Rätsel und noch mehr, warum ein Song übers Verlieben ein Video hat, in dem es darum geht, Sportgeräte aus einem Armyjeep zu werfen und in verlassenen Straßen sich seiner Kleidung zu entledigen. Klingt aber gut. Exotische Sprache und so, gell!

War doch gar nicht so schlimm dieses Mal! Haben wir das dem Jacko zu verdanken oder besteht eine latente Hoffnung auf Besserung? Wir werden sehen, was die folgenden Monate bringen. Jetzt aber ist Eure Meinung gefragt!

  • minusminusminus Song hätte nie produziert werden dürfen und auch den/die „Künstler“ finde ich doof.
  • minusminus Auf dem Weg zur Unerträglichkeit und dem/den Künstler/n stehe ich wahrscheinlich auch skeptisch gegenüber.
  • minus Song gefällt mir nicht, aber den/die Künstler halte ich für ok.
  • plusminus Song ist mir relativ egal und je nach Laune würde ich zuhören oder abschalten.
  • plus Song ist ok, aber entweder nervt er auf Dauer oder ich stehe dem/den Künstler/n skeptisch gegenüber.
  • plusplus Ziemlich guter Song und auch der/die Künstler ist/sind mir sympatisch.
  • plusplusplus Song könnte ich andauernd hören und auch den/die Künstler finde ich gut.
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Dieser Beitrag ist Teil 14 von 20 der Beitragsserie Julias Chartspunkte

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

14 Gedanken zu „Chartspunkte #14: Der King ist tot, lang lebe der King!“

  1. Dir gefällt der Nelly Furtado-Song? Das hätte ich nicht erwartet. Mir übrigens auch. 😉
    Marquess finde ich immer wieder scheiße. Schon letztes Jahr mit ihrem freiübersetzten Schrotthit „Das Leben ist wie Limonade“ (???) setzten Würgereflexe ein. Ich frage mich, wie man sowas hören kann. Naja.
    Zu den Black Eyed Peas sage ich nur folgendes:
    http://twitter.com/miserany/status/2596226775 😳

  2. Nelly kann gut sein, wenn sie nicht von bösen Produzenten entführt wird!

    Und dass BEP eigentlich bekloppt sind, hast du ja durch den Hilfe-Zusatz schon erkannt 🙂

  3. Vielen Dank. Durch deine Analysen werde ich immer bestätigt, den Charts kategorisch fernzubleiben. Einzelne Perlen (Gossip) sind durchaus berechtigt, aber wie du schon so schön bei Green Day die „Formel zum Geldscheißen“ genannt hast, ließe sich durchaus auf einige andere Songs und Interpreten ausweiten. Immerhin bist du mein einziger Kontakt zur Welt der Charts 🙂

  4. Robert, ich opfere mich ja gerne 😉

    Schaps, ziehst du dir die Damen daheim bei vollem Verstand und guter Anlage rein oder auf lauten, alkoholvernebelten Partys?

  5. Es ist ein Segen, wenn ich von anderen lesen darf, wie sehr Lady GaGa „nicht geht“. Danke für das Chartgelästere!
    Soweit mir die Songs bekannt sind, kann ich tatsächlich zustimmen. (Auch wenn ich momentan keinen Jackocontent mehr vertrage. ^^)

  6. Lemon (Darf ich Lemon sagen? Oder bestehst du darauf, dass du nur ein Kopf bist?), Jacko hat sich ja mittlerweile wieder zurückgezogen. Was man von Frau Gaga (im Kopf) nicht sagen kann.

  7. Ich war von deiner „Oh Jonny“-Bewertung zunächst überrascht, aber mit der Erläuterung stimme ich dann wieder ganz überein. Über diesen Textfetzen „Trag Ed Hardy“ kann ich jedes Mal wieder lachen.

  8. Lemon ist auch vollkommen in Ordnung! Andere Möglichkeit wäre vielleicht noch „Marc“, weil so nennt man mich auch. 😉

    Lady Gaga (im Kopf) ist der beste Beweis dafür, dass Einträge in den Charts nicht zwangsläufig etwas mit Musik zu tun haben müssen.

  9. Muriel, so genau habe ich mir den Text nicht angehört 🙂 Magst du denn die Beginner? (wobei die Single von Denyo so schlecht nicht klingt)

    Ok, Marc, dann sind wir uns ja auf ganzer Linie einig 😉 Die Chartspunkte hatte ich ja ins Leben gerufen, als Schnuffel wochenlang auf Platz 1 war, womit also die Theorie „Musikcharts != Geschmack“ sowieso schon bewiesen wäre.

  10. @JuliaL49: Wenn das mal kein Fehler war. Ich finde, der Text ist mit weitem Abstand das Beste an dem Song. Dass ich generell die Beginner mag, würde ich nicht sagen, aber sie gehören zu den gar nicht mal so vielen Bands, die ich nicht reflexartig wegschalte, wenn sie im Radio gespielt werden.

  11. Muriel, wenn es sich um den Text handelt, der auf der offiziellen Seite steht (ich hör mich das nicht nochmal an, die Stimme finde ich zu schrecklich), dann ist das nicht so berauschend!

    Markus, diese Thriller-Version ist wirklich beeindruckend! (Zufall, dass du dass nicht zwei Wochen später veröffentlicht hast 😉 ).

  12. @JuliaL49: Naja, wer hat schon berauschende Texte? Ich finde den Text ganz witzig, und das reicht für mich völlig, um ihn zum mit Abstand besten Teil dieses Liedes zu machen.

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