Albenkritik-Stöckchen: Julian Plenti – Julian Plenti Is… Skyscraper

Julian Plenti Is... SkyscraperDanys wunderbares Albenkritik-Stöckchen stockt momentan bei Chris und deswegen wurde ich zum Einsatz gerufen. Dany hat mir Julian Plenti mit seinem seltsam betitelten Album Julian Plenti Is… Skyscraper vorgeschlagen[1].

Erst wollte ich nichts über den Interpreten wissen und völlig unvoreingenommen berichten. Doch in den letzten 24h häuften sich die Beiträge, weil ein neues Video veröffentlicht wurde und so habe ich definitiv mitbekommen, dass Julian Plenti in Wahrheit Paul Banks, der Frontmann von Interpol ist (das Umleiten seiner Wikipediaseite macht es eindeutig). Immerhin der erste Albumdurchlauf geschah fast ohne Vorwissen, d.h. ich hatte irgendwas von einem Pseudonym gelesen, aber nicht wer genau sich dahinter versteckt.

Genug der Vorrede. Hört sich das Album nach Interpol an (= hätte er sich sparen können) oder ist es etwas völlig anderes (= Pseudonym war nötig)? Nun, er hat die richtige Mischung gefunden, denn wie hieß es schon bei den WhiteTapes:

Es ist ja so. Soloausritte eines Künstler können bei den Fans immer einige Bedenken hervorrufen. Fallbeispiel Nummer Eins: Der Sound erinnert zu sehr an die eigentliche Hauptband. Man hätte was anderes erwartet und die Enttäuschung ist groß. Fallbeispiel: Nummer Zwei. Der Soloausflug betritt ein komplett neues Genre. Die Enttäuschung der Fans ist auch hier vorhanden, da es sich stilistisch zu sehr abwendet und man ist erschrocken.

Ein Markenzeichen von Interpol ist Paul Banks tiefe Stimme, die hier auch größtenteils zu hören ist. Der vorsichtige und basslastige Einsatz (à la Joy Division) wird aber erfreulicherweise öfter mal durch kräftiges Singen abgewechselt und da erinnert er plötzlich an Cat Stevens, was im Zusammenhang mit den Songs erstaunlich gut funktioniert. Die Songs sind auch leichter instrumentiert, d.h. der durchgehende Bass wurde z.B. durch eine akustische Gitarre ausgetauscht. Der letzte Song H fällt total aus der Reihe mit Klavier, Flöte und elektronischen Klängen, was sicherlich der Abwechslung gut tut, aber nicht so geeignet ist als Abschluss.

Insgesamt ein wenig fluffiger also. So richtig überzeugt mich das Album aber nicht. Vielleicht ist es ja eines dieser Alben, die wachsen und erst nach einem Dutzend Mal Durchhören beginnen zu wirken. Nun, ich muss zugeben, dass ich die Editors Interpol vorziehe, doch wem es anders geht, der wird Julian Plenti eher ins Herz schließen. Zur Einschätzung gibt es beim Label Matator Records zwei kostenlose Downloads: Games For Days und Fun That We Have. Zu ersterem gibt es auch das eingangs erwähnte Video:

So, ich höre das jetzt noch ein paar Mal (Spotify, Luisterpaal) und sehe, ob es wächst und derweil werfe ich weiter an den Postpunk, der bitte seine Meinung zu Slow Club – Yeah, So? (Spotify, Luisterpaal, Last.fm) aufschreiben möge. Bin mal gespannt, ob es seine Zustimmung findet und ich verrate deswegen auch nicht, dass ich die nächsten Monat live sehen werde.

  1. Mehr zum Stöckchen und die Regeln bei Dany oder in meinem ersten Beitrag. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

13 Gedanken zu „Albenkritik-Stöckchen: Julian Plenti – Julian Plenti Is… Skyscraper“

  1. Hallo Julia, wow. Wir sind einer Meinung, was das Entfalten des Albums angeht. So richtig hat mich das auch nicht vom Hocker gehauen, aber trotzdem sehe ich durchaus Potential in dem Album. Werde es daher noch ein paar Mal hören.
    Kleine Anmerkung: ganz unten hast Du die Verlinkung nicht auf die Regeln des Albenkritik-Stöckchens verlinkt, sondern noch mal auf eine der kostenlosen mp3s.

    PS: Vielen Dank für das Wiederaufgreifen des Stöckchens. Das freut mich!

  2. Ah, mit den Links bin ich in letzter Zeit schludrig! Immer alles überprüfen!

    Falls es das Stöckchen wieder hakt, übernehme ich 🙂

  3. ha, ja das album ist tatsächlich ein grower, also freu dich auf weitere durchläufe. ach ja, ziehe die editors übrigens auch interpol vor 😉

  4. So, habe dem Chris nun etwas auf die Sprünge geholfen (da Kai leider gar keine Reaktion mehr zeigt) und nun geht es die Tage hoffentlich weiter…
    So ein schönes Stöckchen kann man ja nicht im Sande verlaufen lassen….

  5. Also, das Stöckchen ist zu beety, zu mir, dann zu David, dann zu Chris. Da stockte es und nun ist es von dort zu Schorsch (www.zone-g.de) geflogen.
    Du hattest doch nur eine Kritik dazwischen geschoben…
    So habe ich das nun verstanden!

  6. Und da sehe ich auch gleich, das du es ja auch weiter geworfen hast an Postpunk. Nun hat es also zwei Äste. 😕

    Bei Chris ist halt auch keine Bemerkung, das du es weiter machst; deshalb nun zwei Äste.

    @Dany Da wächst dein Baum.

  7. Aha, der Schorsch ist nun dran! Macht ja nix, da ein Stöckchen normalerweise ja immer weiter verästelt und es kann nicht schaden, wenn es einen Backup-Ast gibt, damit wir bei einer weiteren Stockung (!) nicht mehr so lange warten müssen.

    Ich dachte Dany hätte was bei Chris gesagt. Bei solchen Gelegenheiten ist es doof, wenn jemand keine Kommentarverfolgung per E-Mail anbietet.

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