Albumkritik: We Were Promised Jetpacks – These Four Walls

We Were Promised Jetpacks - These Four WallsEine Gruppe junger Schotten, die Gitarrenmusik machen und ihren Akzent gut hörbar einbringen, kann man nicht oft genug empfehlen. Aus diesem Grunde schrecke ich auch vor dem 2342. Loblied über die vier Jungs von We Were Promised Jetpacks nicht zurück und reihe mich ein in die Armee der „Next-Big-Thing“-Propheten (eine Liste mit lesenswerten Kritiken gibt es am Ende des Artikels). Ihr Auftritt beim diesjährigen SXSW-Festival hat sicherlich zu diesem Medienecho beigetragen.

Nach diesem etwas pathetischen Anfang muss ich einschieben, dass sie bei mir sowieso gewonnen haben, da sie aus Edinburgh kommen und „Freunde“ von Frightened Rabbit sind. Naja, zumindest auf MySpace und als Supportband letztes Jahr, da sie beide beim Label FatCat Records sind. Die verängstigten Kaninchen eignen sich als Stichwort sehr gut, denn wer die Truppe aus Glasgow gut findet, wird garantiert auch die nocht seltsamer benannten WWPJ gut finden.

Der Titel des Albums lässt sich nur auf der Rückseite der CD ablesen, was sicherlich erst in Zukunft (ab dem zweiten Album) Probleme bereiten wird. Ein Minuspunkt wird vergeben für fehlende Texte im Booklet, das eigentlich ein ausklappbares Miniposter ist. Einen Pluspunkt gibt es für die Danksagung, die mit „Thank you for buying this album.“ endet. Gern geschehen! Mit knapp 50 Minuten Spielzeit für 11 Songs bekommt man ordentlich was geboten. Hören wir also mal rein.

Beginnend mit It’s Thunder And It’s Lightning wird gleich klar gemacht, wo der Hammer hängt. Klingt nach Frightened Rabbit mit Akzent. Aber das ist nur dazu gedacht, um den Hörer in den Bann zu ziehen. Danach folgt nämlich einer der stärksten Songs des Albums Ships With Holes Will Sink, der mit einigen Sätzen im herrlichen schottischen Akzent beginnt und dann rockig-flüssig weitergeht (Text). Das erste Songtrio wird komplettiert von der gerade veröffentlichten zweiten Single Roll Up Your Sleeves (Video), in der gekonnt zwischen ruhigen Tönen und schrammeligen Gitarren gewechselt wird. Ein bisschen Verzweiflung in der Stimme und Klavier kommen auch immer gut.

Der Mittelteil wird eingeleitet durch das ruhige Conductor, das selber einen fast choralen Schlussteil hat. A Half Built House dagegen ist nicht viel mehr als eine Bandansage und bunte Soundcollage. Ist sehr geschickt gemacht und man merkt das nur beim genauen Hinhören. Textlich ominös geht es weiter mit This Is My House, This Is My Home, wo mitgeteilt wird, dass irgendwas auf dem Dachboden passiert ist. Bevor der Hörer sich verwundert abwenden kann, kommt der Übersong und erste Single Quiet Little Voices (Video). Fast jede Zeile wird dreimal wiederholt (Text) und das funktioniert hervorragend. Davon kann sich jeder überzeugen, denn den Song gibt es als kostenlosen Download bei SXSW.

Fast ebenso fantastisch ist Moving Clocks Run Slow, das das Schlussquartett einleitet. Ah, von diesen dangeligen Gitarren kann man nie genug bekommen. Dem Namen alle Ehre macht Short Bursts mit energetischem Getrommel und fetten Gitarren. Keeping Warm ist zur Hälfte ein Instrumentalstück, das seinem Namen ebenfalls alle Ehre macht und die wichtige Aufgabe des Erwähnen vom Albumtitel hat. Zum Abschluss noch das Sahnestück An Almighty Thud, das mit Akustikgitarre glänzt und den fantastischen Zeilen „I lost my crown when it hit the ground with an almighty thud / I went to pick it up but revealed my weaknesses to the crowd“ beginnt. Herrlich!

Fazit: Ein auf den ersten Hörer in einem Stil gehaltenes Album, der durch viele Spielereien voll ausgenutzt wird. Macht eine sehr gute Figur in Dauerrotation und wächst mit jedem Durchlauf.

Anspieltipps: Quiet Little Voices, Ships With Holes Will Sink, Moving Clocks Run Slow, An Almighty Thud (eigentlich alle!)

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Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

4 Gedanken zu „Albumkritik: We Were Promised Jetpacks – These Four Walls“

  1. Puuhhhh, ich komme leider viel zu selten dazu, deine Musiktipps genauer zu betrachten (auch mit dem Ohr natürlich!!! *g*) – habe mir hier mal die beiden Singles angehört. Das Cover hat mich irgendwie angesprochen …

    Also „Quiet Little Voices“ ist super, das kann man nicht anders sagen. War mir im ersten Moment nicht rockig genug (ist jedenfalls immer noch ruhiger als manches vom Arctic Monkeys-Debüt! *g*), aber solche Songs wachsen ja immer nach mehrmaligem hören, wie du richtig schreibst. Die zweite Single „Roll Up Your Sleeves“ fängt gittaresk noch besser an, wird mir dann aber ein bißchen zu lasch irgendwie. Aber das ganze Album mehrmals durchzuhören könnte sich noch auszahlen! 🙂

  2. Jau, mehrmals durchhören 🙂 Allerdings müsstest du dafür das Album erwerben, denn z.B. bei Last.fm oder Spotify ist es nicht komplett verfügbar.

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