Englisch lernen mit TV-Serien #19: Verbification

Das heutige Thema hört sich kompliziert und seltsam an, aber davon lassen wir uns natürlich nicht abschrecken. Es handelt sich vielmehr um die seltsame und vor allem in Nordamerika verbreitete Eigenart, dass andere Wortarten und sogar Namen in Verben verwandelt und als solche verwendet werden.

Das Beispiel, das mich auf die Idee brachte ist ein Extremfall, doch es zeigt die Selbstverständlichkeit, mit der z.B. Namen verbifiziert werden. Wir werfen einen Blick auf die Serie How I Met Your Mother, die vielfach als Nachfolger von Friends gehandelt wird und teilweise kann ich da zustimmen. Mehr dazu und zur Serie allgemein am Ende des Beitrags. Nun aber zur Folge 1.07 Matchmaker in der sich folgender Dialog abspielt. Zum Verständnis sollte man wissen, dass die titelgebende Verkupplerin eine Agentur namens Love Solutions hat, bei der Ted nach der Liebe seines Lebens sucht:

ROBIN
So, Love Solutions? Did you meet the love of your life?

TED
She said it’d take three days. It’s been five days. Should I be worried?

LILY
Oh, just play it cool. Don’t Ted out about it.

TED
Did you just use my name as a verb?

BARNEY
Oh, yeah. We do that behind your back. Ted out: to overthink. Also see Ted up. Ted up: to overthink something with disastrous results. Sample sentence: Billy Tedded up when he tried…

TED
Okay, I get it. Don’t worry. I’m not going to Ted anything up. Or out. I should give it a few more days.

Die hier verwendete Verbifizierung sollte eindeutig sein. Verbification ist die (im Englischen) am häufigsten verwendete Konversion eines Wortes in eine andere Form (s. engl. Wikipedia), die auch langsam im Deutschen ankommt. Wir sagen z.B. googeln, twittern oder skypen anstatt korrekterweise „die Suchmaschine Google benutzen“, „Beitrag bei Twitter schreiben“ oder „mit der Software Skype telefonieren“. Das Verb ist viel kürzer und es versteht trotzdem jeder, was gemeint ist.

Markennamen werden gerne genommen, z.B. wird to xerox für to photocopy verwendet, auch wenn kein Xerox-Kopierer benutzt wird[1] oder to TiVo, was mittlerweile im normalen Sprachgebrauch bedeutet, etwas mit einer Set-Top-Box aufzunehmen, nicht notwendigerweise mit dem TiVo.

Freunde von Friends werden die Verbifizierung to xerox aus der Folge TOW Ross and Rachel Take a Break kennen. Genauso wie to pull a Monica aus der Folge TOW the Dozen LasagnasTOW the ‚Cuffs, was soviel wie Missgeschick passieren bedeutet.

Und was bekommt man, wenn man Friends und Suchmaschinen verknüpft? Richtig, Bing! Ich hoffe nur, dass wir nicht bald anfangen, zu bingen anstatt zu googeln. Ein weiteres Verbifizierungsbeispiel in HIMYM ist to suit up, das sehr oft (von Barney) verwendet wird.

Einige neu gebildete Verben haben sich im Laufe der Zeit etabliert, wie z.B. to impact (on) sth., das mittlerweile synonym zum ursprünglichen to have an impact on genutzt wird (s. LEO). Wie immer hat auch Grammar Girl was zum Thema Verbification of a noun zu sagen. Der verlinkte Artikel ist ein Transkript der Podcastfolge 77, die dort heruntergeladen werden kann.

Zum Abschluss der „Lektion“ noch ein Extrembeispiel mit Calvin and Hobbes:

Calvin and Hobbes: Verbing Weirds Language

Calvin: I like to verb words.

Hobbes: What?

Calvin: I take nouns and adjectives and use them as verbs. Remember when „access“ was a thing? Now, it’s something you do. It got verbed. Verbing weirds language.

Hobbes: Maybe we can eventually make language a complete impediment to understanding.

Hier wird das Adjektiv weird zum Verb und drückt damit aus, dass Verbifizierung Sprache verkomischiert. Äh, verfremdet.

Zur Serie: Wie gesagt, wird HIMYM oft als Friends-Ersatz gehandelt und es gibt so einige Parallelen (eine Gruppe Freunde, Beziehungschaos, New York, Abhängen in einem Cafe bzw. einer Bar, etc.), aber auch genug Alleinstellungsmerkmale. Sehr schön finde ich den Aufbau der einzelnen Episoden, denn oft geht es nicht chronologisch, sondern nach verschiedenen Sichtweisen oder Interpretationen voran und es wird geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers gespielt. Das war auch der ausschlaggebende Grund, weshalb ich nach der ersten Staffel doch weitergesehen habe. Oder dass die Protagonisten in meinem Alter sind und ich ihre Situationen, Beweggründe und Gefühle oft nachvollziehen kann.

Jedenfalls geht mein Dank wie so oft an David und Ini, die mir in ihrer unermüdlichen Werbung für die Serie einen brauchbaren Ersatz in mein Serienleben gebracht haben.

Wer kann weitere Verbifizierungsbeispiele aus Alltag und Serien nennen?

Nachtrag: gerade bei USA erklärt entdeckt, dass auch der arme Pluto verbifiziert wurde und es so sogar zum Wort des Jahres 2006 schaffte (s. PDF auf Seite 4).

Serien-Navigation:<< Englisch lernen mit TV-Serien #18: discombobulate
Englisch lernen mit TV-Serien #21: two-tier(ed) health care >>

  1. Die Firma geht seit Jahren mit verschiedenen Kampagnen dagegen vor, da der geschützte Name sonst evtl. als allgemeiner Ausdruck gelten könnte. Mehr dazu bei Wikipedia. []
Dieser Beitrag ist Teil 4 von 18 der Beitragsserie Englisch lernen mit amerikanischen TV-Serien

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

11 Gedanken zu „Englisch lernen mit TV-Serien #19: Verbification“

  1. Freut mich, dass HIMYM jetzt auch gut bei dir ankommt, da lohnt sich doch das unermüdliche Schreiben von Serienchecks. Vor allem, wenn dann noch lehrreiche Beiträge dazu verfasst werden. Ein nächstes Thema könnten Barneys Wortschöpfungen wie possimpible sein, die es schon ins Urban Dictionary geschafft haben, siehe hier.

  2. Seinfeld ist übrigens eine Fundgrube für Freunde der Verbifikation, mein persönlicher Favorit aus diesem Beitrag ist das hier:

    SUSAN: Well, it’s alright, I’m your fiancee. Everyone assumes you’ll tell me everything.
    GEORGE: Where did you get that from?
    SUSAN: Well, we’re a couple. It’s understood.
    GEORGE: I never heard of that.
    SUSAN: Well, you’ve never been a couple.
    GEORGE: I’ve coupled! I’ve coupled!

  3. Naja, dank deiner Serienchecks überlege ich das Schlafen sein zu lassen, damit ich genug Zeit habe 😉

    An Seinfeld habe ich mich (noch) nicht rangetraut, weil das ganze acht (neun?) Staffeln sind. Aber z.B. Greg Linehan (IT Crowd) schwärmt auch immer davon und der muss es ja wissen.

    Ein wahrlich schönes Beispiel, das du da rausgesucht hast!

  4. Seinfeld ist Pflicht, sorry, dagegen ist Schlafen reinste Kür 😉
    Hat 9 Staffeln, die erste ist aber sehr kurz (5 Folgen glaub ich) und ab Season 3 ist es purer Kult.

  5. David, ein Klassiker sehr wohl, aber in einer anderen Episode! Da kommen zwar auch Lasagnen vor, aber hauptsächlich Handschellen. „You might even say that she „pulled a Monica“. She doesn’t know we switched it.“

    Markus, auch ein sehr schönes Beispiel :clap:

  6. Sehr sehr geil hier! Ich muss gestehen ich LIEBE solche verbifications, das fasziniert mich immer. Inishmore hat natürlich total Recht, Seinfeld hat das oft gemacht, klasse. Leider fällt mir jetzt gar nichts ein, ich steht aber total drauf, wenn Charaktere so abgedrehte Sachen sagen wie „I just can tell something’s wrong. My spider sense is tingling“ oder „Sorry to interrupt, but it’s the batsignal“. Passt zwar nicht zum Thema, mehr fällt mir gerade nicht, wenn ich über was stolpere werde ich was schreiben.

  7. Ich hab auch noch einen, der tatsächlich passt: Die neue Matt LeBlanc Serie „Episodes“. Ein britisches Autorenpaar kommt nach Hollywood. Was steht auf dem passenden Serien-Plakat? „They’ve just gotten L.A.’d.“ :clap: http://www.impawards.com/tv/episodes.html Besser und prägnanter kann man es kaum ausdrücken. :kuh:

  8. Oja, das ist ein schönes Beispiel! Und die Serie für die Unfähigkeit amerikanischer Serien, eine tolle Idee über längere Zeit zu halten. Ich war von den ersten beiden Episoden von Episodes begeistert, aber mittlerweile ist es nur noch meh.

    Doch das gehört natürlich nicht hierher 🙂

Kommentare sind geschlossen.