Herzschmerz-Mixtape (Beetys Blog-Parade – 2. Beitrag)

Beetys Blog-Parade zum perfekten Mixtape[1] läuft noch bis Ende des Monats und da mein Mixtape mit dem Thema „Herzeroberung“ nicht eigens für diese Aktion zusammengestellt wurde, habe ich ein weiteres erstellt.

Die Vorgabe war 60 Minuten, da viele Kassetten diese Länge hatten/haben. Mein erstes Tape hatte knapp 45 Minuten Länge (A-Seite einer 90-Minuten-Kassette) und dies hier sollte die B-Seite „Herzschmerz“ in 45 Minuten werden. Aber wie das so ist mit der Musik habe ich kein Ende gefunden und deswegen präsentiere ich hier eine komplette 90-Minuten-Kassette mit A- und B-Seite.

Vorher habe ich noch ein bisschen Recherche betrieben und diverse Beiträge zum Erstellen von Mixtapes gefunden. Zum einen bei wikiHow „How to Make a Perfekt Mix Tape“. Ganze zwei Beiträge mit vielen Regeln gibt es bei Sounding Plumbline (Teil 1, Teil 2), an die ich mich teilweise gehalten habe. Sehr wichtig fand ich folgende Zeilen:

What joins scope and theme together is transition: between songs, between sides or between tapes/discs, between the overall ideas of your mix. Transition is the actual movement from A to B, how you get from your first song to your last one. Good transition involves both scope and theme.

Auf den Handlungsspielraum (scope) habe ich diesmal sehr viel Wert gelegt, da ich es darüber auch geschafft habe, die Songs auf 90 Minuten zu begrenzen. Ich wäre übrigens dafür, dass beety zum Ende der Parade das T-Shirt verlost, auf dem folgendes Zitat aus High Fidelity steht:

Now, the making of a compilation tape is a very subtle art. Many do’s and don’ts. First of all, you’re using someone else’s poetry to express how you feel. This is a delicate thing.
The making of a great compilation tape, like breaking up, is hard to do, and takes ages longer than it might seem. You’ve got to kick it off with a killer, to grab attention. Then you gotta take it up a notch, but you don’t want to blow your wad, so then you’ve gotta cool it off a notch. There are a lot of rules.
Rob Gordon[2]

Eine Mix-CD mit klassischen, Mainstream-Heartbreak-Songs habe ich vor gut zwei Jahren mal erstellt. Hier kommen andere Songs und Interpreten (mit einer Ausnahme) zum Zug. Auch Interpreten vom Herzeroberungs-Mixtape sind ausgeschlossen, was ich aber teilweise durch Coverversionen zu umgehen versucht habe.

Cover des Herzschmerz-Mixtapes

Jetzt auf Play drücken und genießen bzw. mitleiden:

A-Seite: Herzschmerz beginnt

Wie schon erwähnt, verfolge ich einen speziellen Handlungsstrang. Das ist nötig, da es mehr Herzschmerz-Songs als Atome im Weltall gibt. Es beginnt mit dem Ende einer langjährigen Beziehung und da das erste Mixtape mit dem „Marry Song“ endete, setze ich voraus, dass das Paar hier auch verheiratet ist.

  1. Maxïmo Park – Acrobat
    (Text) Einstieg mit einem seltsamen, intensiven Song, der den Frust und die Resignation ausdrückt, wenn eine Beziehung in einer Sackgasse steckt.
  2. Third Eye Blind – How’s It Going To Be
    (Text) Ein musikalisch leichter verdaulicher Song, der sich der Frage widment, was denn passieren würde, wenn die einzig logische Konsequenz aus den ganzen Streitereien gezogen würde.
  3. Elvis Costello – Brilliant Disguise
    (Text) Eine überraschend leichte Version dieses Boss-Songs, der nichtsdestotrotz vor Augen führt, dass seit Jahren die Luft raus ist und man nur noch das liebende Ehepaar spielt.
  4. Glen Hansard – Lies
    (Text) Ein leiser Song, der sich zwischendurch steigert und aufgestauten Ärger über die ganzen Lügen in der Beziehung rauslässt und weiter den Gedanken verfolgt, dass es besser wäre, Schluss zu machen.
  5. Heather Nova – Sugar
    (Text) Ein Blick zurück im Zorn, denn die Beziehung war nicht immer eitel Sonnenschein (hier: eine wegen Missbrauchs abgebrochene Schwangerschaft).
  6. Del Amitri – Driving With The Brakes On
    (Text) Nach dieser härteren Kost, wenden wir uns dem Problem zu, dass man den Anderen nicht mehr liebt und wie man das möglichst schonend beibringen könnte.
  7. Jens Lekman – I’m Leaving You Because I Don’t Love You
    (Text) Natürlich mit einem Song, der es klipp und klar ausdrückt. Die Botschaft wird auf so bezaubernde Weise vorgetragen, dass der/die Angesungene erstmal keine Zeit hat, zu reagieren.
  8. The Streets – Dry Your Eyes
    (Text) Wie die Beendigung einer Beziehung in Echtzeit aussieht, wird in diesem herzerweichenden Song dargestellt. Durch den Sprechgesang wird eine leichte Brücke zum ersten Song geschlagen.
  9. The Clash – Train in Vain
    (Text) Nach dem Ende kommt die Enttäuschung über das Brechen des (Ehe-)Versprechens in Form einer musikalisch aufgepeppten und textlich umgekehrten Version von Tammy Wynettes Klassiker.
  10. The Little Willies – Streets Of Baltimore
    (Text) Ein erfülltes Versprechen anderer Art (Umzug aus der Provinz in die große Stadt) erweist sich als Bärendienst und die Frau hält lieber der Stadt statt ihrem Angetrauten die Treue. Immerhin ist der Song etwas beschwingter und ein bisschen Country.
  11. Eva Cassidy – Penny To My Name
    (Text) Wie man sich fühlt, wenn der Wunsch nicht erfüllt wird, sondern eine Heirat wegen Schwangerschaft zur Häuslichkeit zwang und man nie die große Stadt zu Gesicht bekam, wird hier beschrieben. Mit diesen leisen und nachdenklich stimmenden Zeilen und Klängen endet die erste Seite des Mixtapes.

B-Seite: Herzschmerz wird verarbeitet

Nach dem Ende der Beziehung geht es ans Aufarbeiten mit allen Phasen, die dazu gehören. Die B-Seite lehnt sich sehr stark an High Fidelity an, denn es gibt einen Song vom Soundtrack und einige Songs erinnern thematisch an den Film.

  1. Emmy The Great – We Almost Had A Baby
    (Text) Nach dem Seitenwechsel wechseln wir auch den Ausgang der Frage nach einer ungewollten Schwangerschaft mit diesem gleichzeitig leichten und bedrückenden Song.
  2. Herman’s Hermits – No Milk Today
    (Text) Nach all diesen ernsten Songs, gibt es eine Comic Relief-Einlage, die dennoch des Themas würdig ist, denn unter der Oberfläche brodelt es ja weiter.
  3. Kaiser Chiefs – Everyday I Love You Less and Less
    (Text) Wir treten in die Verleugnungsphase der Beziehung ein mit diesem beschwingt-elektronischen Song der Chiefs.
  4. Alanis Morissette – You Oughta Know
    (Text) So langsam kommt die Verarbeitung und das Tempo in Fahrt und die Nachfolgerin wird beschimpft und generell Gift gesprüht.
  5. Moneybrother – I Don’t Want To Talk About It
    (Text) Nach dem Ausbruch kommt der Stimmungs- und Tempowandel und wir sind zurück in der Verdrängungsphase. Wer könnte das besser ausdrücken, als Moneybrother bei Kuttner?!
  6. Willie Nelson – Always On My Mind
    (Text) Nach der Verdrängung folgt die Bitte um Vergebung bzw. die verzweifelte Versicherung, dass doch alles gar nicht so schlimm war. Die bekannteste Version stammt von Elvis (veröffentlicht nach seiner Scheidung von Priscilla), aber den hatten wir schon und deswegen darf Willie Nelson ihn würdig vertreten.
  7. Bob Dylan – Most of the Time
    (Text) Wir schwanken weiter zwischen Verarbeitung und Verdrängung, doch das Traurigkeitslevel wird noch einmal ein bisschen angehoben.
  8. Sinéad O’Connor – Nothing Compares 2 U
    (Text) Die nächste Stufe in Verzweiflung und Traurigkeit erreichen wir mit dem Herschmerzsong unserer Generation, gesungen mit einer gänsehautigen, weiblichen Stimme.
  9. Johnny Cash – I’m So Lonesome I Could Cry
    (Text) Den Höhepunkt erreichen wir mit laut Elvis „probably the saddest song I ever heard“ in der Version von Johnny Cash kurz vor seinem Tod mit Mörderballaden-Buddy Nick Cave.
  10. Melissa Etheridge – Occasionally
    (Text) Wir fahren die Traurigkeit wieder etwas zurück mit diesem puristischen A-cappella-Song, der immerhin ein bisschen Hoffnung zeigt, dass die Trennung bald überwunden sein wird.
  11. Jack’s Mannequin – The Mixed Tape
    (Text) Ein letztes Aufbäumen vor dem Aufgeben mit einem Song, der perfekter nicht sein könnte, denn es geht um ein Mixtape in dem das Ende einer Beziehung verarbeitet wird.
  12. Martin Gallop – All the Pop Songs in the World
    (Text) Dass so ein Mixtape nicht funktionieren wird, hat Martin erkannt, denn All the pop songs in the world / Are never going to bring back that girl / She’s is gone and that’s a fact / And not even number one / Is going to bring her back.

So, die Tour de force ist geschafft! Wie findet Ihr die Umsetzung des Themas, die einzelnen Songs und die Reihenfolge?

Nachtrag: Hab wieder die Spotify-Playliste vergessen, was aber nicht so schlimm ist, da von den 23 Songs fünf entweder gar nicht vorhanden (Acrobat, Sugar) oder nur von anderen Interpreten angeboten werden (Brilliant Disguise, Penny To My Name, I Don’t Want To Talk About It).

  1. Sein eigener Beitrag ist übrigens mehr als empfehlenswert! Da vereinen sich exquisiter Musikgeschmack und ein tolles Thema. []
  2. Dass hier Rob Gordon als Urheber angegeben wird und nicht Rob Fleming zeigt, dass es sich auf den Film und nicht auf das Buch bezieht. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

12 Gedanken zu „Herzschmerz-Mixtape (Beetys Blog-Parade – 2. Beitrag)“

  1. Eine sehr schöne Zusammenstellung – aber ich hab auch nichts anderes erwartet ;).

    Hmm, das T-Shirt ist ja echt mal spitze, aber derzeit doch leider etwas über dem Gewinn-Ausschütt-Topf-Budget. 🙁 Liefern die überhaupt nach Deutschland?

    Die Dramaturgie haste übrigens super hinbekommen. Bei mir hat’s ja stilistisch auch eine Zweiteilung sein sollen, ist aber dann doch schon auf Seite 1 mit der Elektronik losgegangen. Bin ja auch überrascht, dass dir die Umsetzung so gut gefällt, wo man dich mit Elektronik ja sonst eher nicht so locken kann. Allerdings hab ich ja auch etwas rockiger eingeleitet 😉

  2. Besten Dank 🙂

    Ich denke schon, dass nach Deutschland geliefert wird – die Versandkosten sind halt entsprechend höher.

    Bei deinem Tape finde ich natürlich die erste Hälfte besser (Trivia: der Beatles-Track besteht fast nur aus C-Dur), aber für den von dir beschriebenen Anlass würde ich sowas durchaus genießen können.

  3. Also das Thema und die Idee des Mixtapes an sich finde ich gut, auch die Reihenfolge der Songs erscheint mir sehr gut durchdacht schlüssig. Nur ist das meiste nicht mit meinem Geschmack kompatibel, aber das muss ja auch nicht sein. 😉

  4. Nein, nicht zu ruhig. Das ist ein Gerücht, dass ich keine ruhige Musik mag, das sich irgendwie hartnäckig in der Blogosphäre verbreitet hat! 😉

  5. Sehr schöne Häkelarbeit, wirklich!

    Wahrscheinlich könnte jeder Kommentator noch einige Songs ergänzen. Mir fielen z.B. das etwas schmierige „It’s over“ von Level 42 oder „50 Ways to leave your Lover“ von Paul Simon ein, von dem es übrigens auch eine eher trashige aber nicht ungelungene deutsche Fassung der Gebrüder Blattschuss gibt.

    Ich habe mal nachgedacht, wie ich mich in Herzschmerzphasen verhalte, bzw. was ich höre und stelle fest, dass ich der konkreten Thematik erstmal ein wenig aus dem Weg gehe und eher so allgemeiner gehaltene Songs über kahle Bäume, triste Novembermontage oder das Gefühl, auf einer Brücke zu stehen und noch nicht genug Mut zu haben, höre. Das erspart mir erstmal die konkrete Auseinandersetzung und lässt mir doch genügend Möglichkeit, in meinem Selbstmitleid und Weltschmerz zu versumpfen … zumindest für ein paar Jahre ähhh…Tage.

    Von „I’m so lonely i could cry“ gibt es übrigens eine weitere hübsche Version der Cowboy Junkies, aufgenommen in einer alten Kirche.

  6. Ui, hallo und willkommen, Ihre Adligkeit 🙂

    Level 42 ist nicht so meine Musik, aber die 50 Ways hätten hier wirklich gut gepasst.

    Die Cowboy Junkies habe ich natürlich ebenfalls in meiner Sammlung – sogar doppelt, denn die haben die Trinity Session zum 20. Jahrestag nochmal wiederholt. Deren Version ist aber ganz knapp im Traurigkeitsvergleich gescheitert…

    Ah, Konna, jetzt hätte ich fast das “Gerücht” vergessen zu kommentieren. Vielleicht hätte ich sagen sollen “sanftere” Musik ist ja nicht so deins und davon haben wir hier ja einiges am Start.

  7. Wasn das? Da ist ja kein einziges deutsches Lied bei. Ne ne. Musiktechnisch kommen wir zwei aber auch nicht mehr zusammen. 😉

  8. Heike, ich habe mich bewusst gegen deutschsprachige Songs entschieden. Es gab zwar einige Kandidaten, aber für mich war das alles einfach nicht glaubwürdig und leidend genug. Außerdem hätte es sich blöd angehört, wenn da plötzlich einer in einer „unbekannten“ Sprache zwischenquatscht.

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