Chartspunkte #13: Sommer im Anmarsch

In den letzten Wochen hat sich so einiges getan in den deutschen Singlecharts und auf die Veränderungen werde ich wie gewohnt einen Blick werfen. Leider hat sich meine Quelle (viva.tv) als unzuverlässig erwiesen, da Neueinsteiger nicht als solche angezeigt wurden oder schon wochenlang in den Charts vertretene Songs als NEU angepriesen wurden. Aber da die Platzierungen an sich nicht so wichtig sind wie meine (faire, unbeeinflussbare, objektive) Bewertung, wird das einfach ignoriert. Auf geht’s!

Neueinsteiger vom 29.05

  • Platz 20 Alex Swings Oscar Sings – Miss Kiss Kiss Bang
    minusminusminus Wenn selbst ich mitbekomme, wie grässlich und peinlich der deutsche Beitrag zur grenzdebilen Jahresversammlung der Ewiggestrigen ist, das will schon was heißen.
  • Platz 11 Sportfreunde Stiller – Ein Kompliment
    plusplus Wenn ein schöner Song noch durch eine Unplugged-Version verbessert wird, dann gehört das in die Charts. Löbliche Ausnahme!
  • Platz 4 Alexander Rybak – Fairytale
    minusminusminus Soll das ein Wiedergutmachungs- oder Rechtfertigungsversuch sein? Wie konnte diese Grinsebacke mit schlechtem Englisch, dämlichem Text und Kreischstimme bloß gewinnen?! Und in die Singlecharts auch noch?!
  • Platz 1 Daniel Schuhmacher – Anything But Love
    minusminusminus Der Song ist seichter als die Sahara und die Stimme klingt wie die eines zwangskastrierten Schäferhundes. Ja, ich habe mir das tatsächlich angehört und gesehen, dass bei YouTube die ersten Ergebnisse keine Musik, sondern verunglückte Fahrstunden beinhalten.

Neueinsteiger vom 5.06

  • Platz 20 Lily Allen – Not Fair
    plusplusErster Gedanke beim Video (hui, offiziell einbettbar!): ABBA meets Bonanza im ZDF-Fernsehgarten. Passt aber hervorragend zum Song, der Countryelemente und 70er-Schwung verbindet. Wobei das Thema (Text) wohl bei diesen Institutionen niemals zur Sprache kommen würde.
  • Platz 12 Emiliana Torrini – Jungle Drum
    plusplus Erst wunderte ich mich, warum eine verrückte Frau im Schmetterlingskostüm und Knoten in der Zunge in die Charts fliegt (offizielles Video auch einbettbar!), aber dann wurde ich aufgeklärt. Naja, der Zweck heiligt die Mittel oder so.
  • Platz 5 QueensBerry – Too Young
    minusminusminus Soll ich? Bin ich stark genug? Jein, denn dieser Eurodance mit Windmaschinen und dünnen Stimmchen lässt mich wieder mal an der Zurechungsfähigkeit des deutschen Fernsehzuschauers zweifeln.
  • Platz 3 A-HA – Foot of the Mountain
    plus Der durchschnittliche A-HA-Zuhörer weiß ja gar nicht, dass es sich hier um ein Trio handelt. Aber vielleicht wollten die anderen beiden auch nicht von diesen seltsamen Böppeln im Video belästigt werden. Der Refrain ist ohrwurmig und wenn man es nicht zu oft hört, kann man Morten Harkets Stimme auch aushalten.

Neueinsteiger vom 12.06

  • Platz 16 Daniel Merriweather – Change
    plus Oh, ist es etwa schon 1994?! (Videos im Vergleich: heutedamals) Klamotten, Frisur, Melodie, Text, Rapeinlage, Stimmung – das alles klingt so dermaßen nach „15 Years Ago“, dass es fast peinlich ist. Aber Briten haben bei mir einen Stein im Brett. Und bei der extremen Pusherei war der Erfolg vorprogrammiert.
  • Platz 13 Ashley Tisdale – It’s Alright, It’s Ok
    minusminusminus Movie-Popsternchen mit 08/15-Song, in dem die kraftlose Stimme verzerrt wird und dazu ein Video mit viel Glitzer und Technik, mit dem die junge Disney-Gemeinde geködert wird.
  • Platz 8 Cassandra Steen & Adel Tawil – Stadt
    minusminusminus Zwei Stimmen, die bei mir Gänsehaut im negativen Sinne auslösen in einem überpathetischen Lied – einfach grässlich.
  • Platz 3 Black Eyed Peas – Boom Boom Pow
    minusminus Ein weiteres Beispiel, wie man von einem fantastischen Erstling immer tiefer sinken kann. Völlig uninspiriert und auch noch ein dämliches Video dazu.

Neueinsteiger vom 19.06

  • Platz 14 Billy Talent – Rusted From The Rain
    plus Endlich mal ein wenig rockiger. Muss natürlich mit einem politisch-korrekten Feel-Good-Video unterlegt werden, das zeigt, wie sehr sich die Band um den armen, unschuldigen Bodensatz der Gesellschaft kümmert.

Neueinsteiger vom 26.06

  • Platz 20 Silbermond – Ich bereue nichts
    minusminus Ja, ich schon, dass ich mir das angehört habe, diesen schmalzigen, vorhersehbaren Text und die stellenweise Dioneske Stimme.
  • Platz 15 Pitbull – I Know You Want Me
    minusminusminus Etwas ganz anderes, aber trotzdem noch viel schlimmer ist dieses gehirnamputierte Stück Computerlärm mit viel Bling und nackter Haut.
  • Platz 4 David Guetta Feat. Kelly Rowland – When Love Takes Over
    minusminus Alle Zutaten für einen Sommersong (Elektroklänge, Auto-Tune, Video mit räkelnder Kelly, Sonne, Meeresbrandung) und schon wird mir schlecht.

Neueinsteiger vom 3.07

  • Platz 4 Linkin Park – New Divide
    plus Erfreuliche Abwechslulng (deswegen der Pluspunkt), aber dennoch wird hier Altbekanntes und Bewährtes in einer leicht anderen Verpackung als neu serviert und das gilt für Song und Film.

Oha, das war mal wieder eine ausgesucht schlechte Auswahl, die uns die Musikkäufer eingebrockt haben. Wie seht Ihr das, liebe Leser?

  • minusminusminus Song hätte nie produziert werden dürfen und auch den/die „Künstler“ finde ich doof.
  • minusminus Auf dem Weg zur Unerträglichkeit und dem/den Künstler/n stehe ich wahrscheinlich auch skeptisch gegenüber.
  • minus Song gefällt mir nicht, aber den/die Künstler halte ich für ok.
  • plusminus Song ist mir relativ egal und je nach Laune würde ich zuhören oder abschalten.
  • plus Song ist ok, aber entweder nervt er auf Dauer oder ich stehe dem/den Künstler/n skeptisch gegenüber.
  • plusplus Ziemlich guter Song und auch der/die Künstler ist/sind mir sympatisch.
  • plusplusplus Song könnte ich andauernd hören und auch den/die Künstler finde ich gut.
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Dieser Beitrag ist Teil 13 von 20 der Beitragsserie Julias Chartspunkte

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

15 Gedanken zu „Chartspunkte #13: Sommer im Anmarsch“

  1. Soweit kann ich mich da in deiner Einschätzung gut wiederfinden. Zu „Not fair“: Den Song habe ich kürzlich im Radio gehört und mich ein bisschen gewundert, welche Textzeilen da ausgeblendet waren. Ich finde ja, wenn Kinder schon moralisch völlig verkommen, sobald sie bloß einen Begriff wie „wet patch“ hören, dann war mit denen von vornherein nicht viel los. Weißt du, wer über diese Ausblendungen entscheidet?

  2. Ich habe das Emiliana Torrini Album bereits vor einem Jahr ein paar Mal gehört, als die deutschen Charts noch weit von ihr entfernt waren. Jungle Drum halte ich dabei für eins der schlechtesten Lieder.
    Was diese Schmalzbacke vom Eurovision Contest angeht: absolute Übereinstimmung mit Deiner Einschätzung und ich bin froh, dass mir mal keiner entgegen schmettert: „Der ist aber so so so süß und das Lied hat er selbst geschrieben!“ (Als wäre das ein Qualitätsmerkmal) :kopfwand:

    PS: Ist es beabsichtigt, dass das Feld zur Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren zwischen der Email-Adresse und der Webseite angezeigt wird?

  3. Muriel, wie genau die Zensur im Radio (so kann man das noch nennen, oder?) abläuft, weiß ich nicht. Meines Wissens ist da auf jeden Fall ein Unterschied ob ÖR oder privat. Aber bei „Not Fair“ hätte ich das nicht vermutet (weil man eben genau auf den Text hören und recht gut englisch können muss). Wobei „Fuck You“ von Lily Allen wahrscheinlich erst gar nicht gespielt wird 😉

    Dany, so alt ist das schon? Naja, typisch!
    Das Selber Schreiben von Songs halte ich wiederum erstmal für einen Pluspunkt. Allerdings muss man das natürlich auch können, denn wenn ich z.B. mich daran versuchen würde, käme auch nur Mist raus 🙂
    Zum PS: Das habe ich geändert, weil ich dachte, das sei evtl. bequemer für den Kommentator (s. bei cimddwc). Oder ist das zu ungewohnt?

  4. Ungewohnt: ja! Deswegen muss es nicht schlecht sein, ich habe nur gedacht, dass vielleicht die Positionierung „verrutscht“ sei.

    Übrigen Dieter Bohlen schrieb die Songs von Modern Talking auch selbst. Dass meinte ich mit: nur weil jemand selbst schreibt, ist es noch lange kein Qualitätsmerkmal. Aber ich glaub‘ da haben wir uns genau richtig verstanden. 😀

  5. Als im Kino bei Transformers 2 der Abspann lief, dachte ich erst, dass die dasselbe Linkin Park Lied nochmal (in einem Remix oder so) genommen haben, hat sich aber dann ja doch als Irrtum herausgestellt. Kein überragender Song, aber okay, würde wohl auch ein + vergeben.

  6. Dann hol dir doch wöchentlichen Singlecharts bei MTV ab. Dort sind die Neueinsteiger schön sichtbar gemacht, wie die Ab- und Aufsteiger. Daniel Schumacher geht gar nicht. Aber ich gehöre auch nicht zur Zielgruppe. Und genauso der Jungle Song. Aber so sind die Geschmäcker halt verschieden. Nur der Sommersong des Jahres, der fehlt mir dieses Jahr sehr.

  7. Konna, wann lief denn der Song zum ersten Mal? Schon beim Vorspann?

    Heike, habe mich heute bei mtv.de orientiert und werde wohl da auch bleiben, weil die Farbgebung wirklich sehr viel besser ist (und auch kompakter präsentiert).
    Und der Sommersong kann ja noch kommen 🙂

  8. Also ich schlage als Sommersong irgendwas von dem neuen The Gossip Album vor. Heavy Cross? (Bin ein bisschen infiziert!) :god:

  9. @JuliaL49: Ich hatte auch nicht damit gerechnet, aber es wurde hart durchgegriffen.
    „So I lie here in the [komisches Geräusch] in the middle of the bed,
    I’m feeling pretty damn hard done by
    [Dudeldidudada]“
    Man kann sich auch anstellen, finde ich.

  10. Ah, irgendwie wirkt mein Kommentar ja völlig unvollständig (Krankheit lässt wohl grüßen). Ich meinte natürlich im Vergleich zu „What I’ve Done“ vom ersten Transformers Film. Der neue Song hört sich irgendwie so ähnlich an, finde ich.

  11. Dany, da muss ich nochmal genauer reinhören, denn bisher war ich nicht so begeistert.

    Muriel, das sieht mir außerdem sehr willkürlich aus!

    Konna, jetzt verstehe ich dich 🙂 Einfach noch ein paar Quarkwickel und du bist wieder wie neu!

  12. Da ich ja nicht zu den leidenschaftlichen Charthörern zähle, gehe ich mit den meisten deiner Wertungen die in dieser Ausgabe sehr „-“ lastig sind, konform. Lily Allen hätte mit ihrem Bonanza-Swing (eine sehr treffende Formulierung deinerseits) von mir rote Kreise bekommen, dieses Back-to-Folk für die aktuelle Generation mag ich nicht. Emiliana Torrini gefällt mir sehr gut, wenn auch sehr poppig, dafür aber ein bisschen was außergewöhnliches. Daniel Merriweather? Der soll bloß auf seiner Insel bleiben 😀

    Trotzdem Danke für deinen Einblick in die aktuellen Charts und deinen (wie immer) sehr treffenden Kommentare, die neben einige Musikstücken das Highlight bilden.

  13. Robert, ja, es gibt leider immer mehr rote als grüne Kreise und diesmal ist es besonders schlimm.
    Was meinst du mit aktueller Generation? Die Musiker oder die Hörer? Wenn Letzteres dann muss ich widersprechen, denn das ist ja eine Genre- und Geschmacksfrage.
    Werde mich Bemühen weiterhin highlightig zu kommentieren 🙂

  14. Queensberry ist doch kein Eurodance!!
    Cassandra Steen und Adel Tawil find ich sogar recht gut…
    Billy Talent: Richtig gut!
    Was David Guetta angeht…wie der damit in die Charts kommt, keine Ahnung. Ein Sommerhit ist das erstmal entgegen deiner Meinung nicht, und zweitens gibt es in der Elektroszene tausende Lieder die so klingen, und auch tausende die geil sind. Das hier ist einfach langweilig.

  15. Schaps, in meinem Amateurohr klang Queensberry nach Eurodance – du kannst den korrekten Begriff gerne anführen!

    Findest du Billy Talent nicht ein bisschen langweilig? Das ist doch eine sehr weiche, abgemildetere Form ihrer früheren Musik.

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