Testbericht: Noxon iRadio for iPod (Internetradio-Empfänger)

Hinweis: Für den folgenden Testericht wurde mir das zu testende Gerät unentgeltlich zur Verfügung gestellt und ich darf es behalten. Der Bericht spiegelt ungeachtet dessen meine eigene Meinung wider und wurde nicht beeinflusst.

Was macht man, wenn man sich selber auferlebt hat, drei Monate keine CDs zu kaufen? Man hofft darauf, dass ein Angebot zum Testen eines Internetradio-Empfängers ins Postfach flattert! So oder ähnlich kam es dazu, dass ich das Noxon iRadio for iPod von Terratec jetzt neben mir stehen habe. Ob sich die Anschaffung grundsätzlich lohnt, soll der folgende Testbericht zeigen.

Worum geht es überhaupt?

Der Begriff des Internet-/Webradio umfasst Sender, die entweder nur über Internet senden als auch traditionelle Radiosender, die ihr Programm zusätzlich im Internet anbieten. Der Vorteil ist natürlich, dass von überall auf der Welt in jeden Winkel gesendet werden kann – vorausgesetzt es gibt einen Internetanschluss. Ohne ein spezielles Empfangsgerät muss der Computer laufen, auch wenn man nur Radio hören will. Hier kommt das iRadio ins Spiel. Die Verbindung zum Internet erfolgt per LAN oder WLAN (bis zu drei verschiedene Profile einrichtbar – dazu gleich mehr), aber auch normaler Radioempfang mit FM-Antenne ist möglich.

Das hier zu testende Modell kann zusätzlich Inhalte von iPods und USB-Speichern abspielen und verschiedene weitere Services nutzen, wie z.B. laut.fm, Aupeo, BeSonic, classical.com (teilweise kostenpflichtig mit kostenloser Testzeit). Doch bevor es dazu kommen kann, muss das Ding natürlich erstmal eingerichtet werden.

Einrichtung und Inbetriebnahme

Noxon iRadio

Beim Aufstellen fällt auf, dass die gummierte Einfassung zwar sicherlich gut vor Erschütterungen schützt, aber auch ein Schmutzmagnet ist und man jeden Fleck sieht. Die abgerundeten Ecken und die glänzende Front sehen allerdings sehr schick aus. Das Netzkabel ist ausreichend lang für die meisten Zwecke (1,5m) und zur Not muss eben ein Verlängerungskabel her. Das Gerät verfügt über einen Standby-Knopf vorne und einen Ein-Aus-Schalter hinten, was dem stromsparenden Nutzer entgegenkommt.

Ganz mutig habe ich die Einrichtung ohne Quick Guide und Handbuch vorgenommen – nur die WLAN-Antenne angeschraubt und eingeschaltet. Man wird begrüßt und gebeten einige Einstellungen vorzunehmen. Mit den Pfeiltasten am Gerät geht das wunderbar einfach, denn die Bedeutung der einzelnen Tasten wird im Display erklärt. Nur das WLAN-Passwort muss mit der Fernbedienung (Batterien mitgeliefert) eingegeben werden. Intuitiv wollte ich das Lautsprecherrad für die Buchstabeneingabe nutzen, aber das ist leider nicht möglich. Nach Eingabe der benötigten Daten (Netzwerk, IP-Adresse, Subnetz, Proxy – alles optional) ist das erste Profil angelegt und es kann losgehen.

Die Fernbedienung erweist sich als bessere Wahl zur Navigation und Steuerung. Erstens weil einige Funktionen nur hier verfügbar sind und zweitens weil die Tasten am Gerät manchmal träge reagieren. Außerdem liegt sie sehr gut in der Hand und alle Tasten sind mit einer Hand bequem erreichbar. Da man sicherlich selten darauf angewiesen ist, unbedingt direkt am Gerät zu steuern, ist dies kein großer Nachteil.

Wie gesagt können bis zu drei Profilen eingerichtet werden, z.B. ein LAN und zwei WLANs. Aber auch ein Betreiben völlig ohne Internetzugang ist möglich (iPod, externe Festplatte, Discman). Leider wirft das das iRadio manchmal aus dem Konzept, weil beim Start eine Verbindung gesucht wird und die Wiedergabe erfolgt ohne Ton. Nach einem Neustart funktioniert aber alles einwandfrei.

Vorbildlich ist das Handbuch, das logisch chronologisch durch die Funktionen führt und zudem angenehm witzig geschrieben ist. Es richtet sich sowohl an Anfänger (Begriffserklärungen) als auch an Bastler (eigener UPnP-Musikserver), wobei genau die richtige Balance zwischen Bevormundung und Techniksprache gefunden wird. Einziges Manko ist ein fehlender Index.

Das Display ist ordentlich groß und lesbar, doch leider nur zweifarbig. In den maximal sechs Zeilen Inhalt ist zwar Platz für die wichtigsten Infos, aber die Anzeige von Plattencover oder Stationslogos hätte mir da sehr gut gefallen.

Internetradio hören

Das Einrichten hat im Idealfall keine Minute gedauert und man kann sofort loslegen. Im Stationen-Menü hat man die Auswahl zwischen lokalen, populären und neuen Sendern, nach Ländern und Musikrichtungen sortierten und einem „Best of NOXON“. Die Navigation erfolgt über die Pfeiltasten oder die Suche per Fernbedienung. Vorausgesetzt die Liste ist Liste alphabetisch sortiert, springt man nach Eingabe einiger Buchstaben und/oder Zahlen zur entsprechenden Position.

Die Beschriftung auf der Fernbedienung ist ungewohnt, da die Buchstaben unter den Tasten stehen und man vertippt sich am Anfang häufiger.

Die Auswahl ist mit über 13.000 Sendern beeindruckend und so komme ich nun z.B. in den Genuss von Radio Caroline oder BBC Radio Scotland. Bei jedem Sender wird angegeben, ob ein Livestream und/oder bestimmte Sendungen als Podcast verfügbar ist.

Podcasts sind zusätzlich separat über das Home-Menü erreichbar und nach Ländern und Richtungen sortiert. Letztere sind teilweise abenteuerlich (Eklektischer Talk, Unentdeckte Talente) und bunt gemischt (Comedy, Landwirtschaft, Persönliche Finanzen, Science Fiction, …).

Bei Podcasts ist man auf die Vorauswahl des Verzeichnisses vtuner.com angewiesen, aber bei Streamingdiensten kann man entweder neue vorschlagen (bei radio567.com) oder in seinen Favoriten einfügen. Das geht über ein Webinterface, das durch Eingabe der IP in den Browser aufgerufen wird (IP über im Gerät abrufbar). So sieht das dann aus (Klick für Vollversion):

Noxon Favoriten

Wenn man den abenteuerlichen Mix von Schreibweisen (Favo(u)rit und englisch-deutsch) außer acht lässt, fällt auf, dass alles als Favorit abspeicherbar ist (mit einem Klick auf der Fernbedienung/am Gerät oder über das Webinterface), d.h. Streams, Podcasts, Dateien auf USB-Speicher, Playlisten auf iPod, etc. Laut Handbuch sollen fast alle unter shoutcast.com gelisteten Sender als Favorit abspeicherbar sein.

Neben den Favoriten gibt es noch einen klassischen Senderspeicher (aufrufbar über die Tasten 0…9 am Gerät oder der Tastatur). Die parallele Verwendung von Favoriten und Senderspeicher leuchtet nicht ganz ein, denn beide haben Vorteile (beliebige Inhalte bzw. schnelle Anwahl auch aus Standby), werden aber unterschiedlich angewählt. Eine Verschmelzung würde zwar bedeuten, dass man die ersten zehn Favoriten gesondert behandeln muss, aber sowas ist sicherlich realisierbar.

Spezialfälle für Favoriten habe ich (noch) nicht getestet, denn bei der Auswahl an Sendern sollte für jeden etwas dabei ist. Ich werde aber dennoch ein paar Experimente starten und berichten.

Andere Quellen hören

Nachdem jetzt schon mehrfach von iPods und USB-Festplatten die Rede war, sollen diese Möglichkeiten genauer betrachtet werden. Bzw. sehr viel zu betrachten gibt es da nicht, denn nach dem Einstecken des externen Geräts erscheint dieses in der Liste der verfügbaren Quellen und man navigiert mit den Pfeiltasten zum gewünschten Song. Beim iPod ist das Menü Musik verfügbar (außer Coverflow), was eine Auswahl nach Album, Genre etc. ermöglicht, aber leider den direkten Zugriff auf Podcasts ausschließt. Schön ist, dass der iPod geladen wird, solange er im iRadio steckt. Über den USB-Anschluss werden USB-Massenspeicher im FAT32-Format erkannt und die Ordner-Struktur angezeigt. Unterstützt werden die Formate MP3, WMA, WAV, AAC, M3U und PLS. Bei Playlisten muss der Pfad relativ angegeben sein, denn sonst wird der Song nicht gefunden.

Normaler Radioempfang ist mit einer mitgelieferten FM-Wurfantenne möglich. Nach einer automatischen Sendersuche (Empfindlichkeit in drei Stufen einstellbar) werden die gefundenen Sender aufgelistet. Alternativ ist eine manuelle Suche möglich. Funktioniert also völlig unspektakulär wie jedes FM-Radio.

Von den weiteren Services, die unter my NOXON firmieren, habe ich laut.fm und Aupeo getestet, die ich beide sowieso nutze. Ersteres ist wie die Onlineversion kostenlos nutzbar, d.h. man sucht sich seinen Sender (nach Genre oder alphabetisch) und hört diesen. Letzteres benötigt einen Premiumaccount, der im ersten Monat kostenlos ist. Das Anmelden erfolgt durch Angabe der MAC-Adresse und erfordert keine Kontodaten, d.h. ich muss keine Angst haben, dass mir nach einem Monat Geld abgezogen wird. Danach kann ich vom iRadio aus auf meine Station, meine Mixtapes oder das Mood Radio zugreifen.

Sonstige Funktionen

Es gibt acht Equalizervoreinstellungen inkl. einem speziellen iRadio-Profil, das „den Ton dezent und liebevoll an die Charakteristik des iRadio-Gehäuses“ anpasst. Klingt ganz ordentlich und solange man nicht voll aufdreht, scheppert es auch nicht. Wem das nicht genug ist, kann über den analogen Ausgang einen zweiten Lautsprecher oder über den digitalen/optischen Ausgang einen Verstärker anschließen. Umgekehrt kann man über den Line-In-Anschluss einen CD- oder MD-Player oder was auch immer hören.

Vollständig alltagstauglich wird das Gerät aber über die Weck- und Abschalt-Funktion. Beim Wecker kann man zwei Profile einrichten mit Angabe der Häufigkeit (1x, tägl, Wochentag, Wochenende), Weckton (Favorit, Alarmton, FM) und Lautstärke. Beim Sleep Timer wird die Zeit festgelegt und schon wird das Display gedimmt. So muss das sein!

Den Betrieb eines UPnP-Musikservers habe ich nur kurz getestet. Die nötige Software TwonkyMedia wird auf CD mitgeliefert (Windows, Mac OS, Linux). Nutzer von Winamp und/oder iTunes können damit auf ihre Datenbank zugreifen und ansonsten können beliebige Verzeichnisse (mit Musik) freigegeben werden. Der PC erscheint nach Installation in der Liste der Wiedergabemöglichkeiten und dann kann nach Verzeichnis oder nach Künstler, Genre, etc. gesucht werden. Von iTunes und Winamp werden die Wiedergabelisten übernommen. Von Vorteil erweist sich hier die Möglichkeit, dass auch DRM-geschützte Dateien wiedergegeben werden können.

Fazit

Ist eine feine Sache so ein Internetradio ohne PC! Beeindruckt hat mich vor allem die einfache Installation und die intuitive Navigation, die ein bequemes Radiohören unabhängig vom Computer erlauben. Das Killerargument für mich ist die Möglichkeit außerdem von iPod und USB-Massenspeicher Musik zu hören, denn so etwas habe ich schon lange gesucht. Und mit der Weck- und Abschalt-Funktion kann mein altes Radio eigentlich komplett entsorgt werden.

Wer ein Gefühl für die Bedienung und den Umfang der Sender bekommen möchte, der kann die Softwareversion (Noxon Player, XP, Vista, OSX) ausprobieren.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

10 Gedanken zu „Testbericht: Noxon iRadio for iPod (Internetradio-Empfänger)“

  1. Nun wenn der Tag 48 Stunden hat, dann kann man das sicherlich nutzen! Hatte mir das auch schon mal überlegt, ist aber definitiv zu teuer! Netbook an der Surround Anlage tut es auch und man bekommt die schon für 130 Euro gebraucht beim bekannten Online Auktionshaus.

  2. Ich habe zwar ein Internetradio von der Konkurrenz mit weit weniger Schnick-Schnack, aber ich könnte wohl nie wieder ohne. Einfach in der Anwendung und man kann wirklich ortsunabhängig immer seinen Lieblingssender hören.
    IP-Radio ist für mich definitiv eine der Erfindungen des Jahrhunderts. Das sieht man schon daran, dass ich mein Fernsehkonsum seit Anschaffung des Internetradios massiv verringert hat.

  3. Postpunk, das Angebot an Möglichkeiten Musik zu hören ist wirklich verzweifelbar groß. Aber wenn man eben keinen Computer (in welcher Form auch immer) anschmeißen möchte, sondern nur mit einem Knopfdruck verschiedene Ressourcen hören, ist so ein Internetradio eine tolle Sache.

    flash, hörst du nur einen/wenige Sender oder probierst du (noch) aus, was es so alles gibt?

  4. Hallo rain und ebenfalls danke 🙂 Deinen Blog mit den Betatestberichten wollte ich bei weiteren Beiträgen mit einfließen lassen! Besonders das mit dem Last.fm-Proxy wollte ich mal ausprobieren, aber das geht ja nur unter Linux. (oder?)

  5. Grad wo LastFMProxy mit dem iRadio hier so schön lief, hat last.fm ihre Api und das Abo geändert. Da ich die Argumente von last.fm nicht nachvollziehen konnte, hab ich es nicht mehr laufen lassen. Es gibt ja noch Alternativen 🙂 Und ja, so wie ich es gebastelt habe, lief es nur unter Linux.
    Der Entwickler von LastFMProxy hat dazu hier ein kurzes Statement veröffentlicht.

    Anyway, würd mich freuen wenn auf dem Blog ein paar Anregungen für Dich dabei sind.

  6. Ja in D, UK und US ist last.fm Radio (Computer) hören ohne Kosten verbunden. Das geht.

    Aber um z.B mit LastFMProxy Zugriff auf die last.fm Schnittstelle zu bekommen, braucht es einen Abo Account, egal in welchem Land man sich befindet.

    Wenn ich also mit LastFMProxy und dem iRadio hören möchte, müsste ich bezahlen.

    So steht es hier

    Irgendwie waren die Praktiken nicht ganz nachzuvollziehen, deswegen habe ich last.fm ein „Bye Bye“ gewünscht.

    Es gibt aber von Logitech die Squeezebox, damit kannst Du last.fm hören. Hier ist der Link
    Die Firma unterhält wohl einen eigenen Proxy dafür, das macht halt Terratec nicht.

    Wenn Du grad am testen bist, teste doch auch mal die Squeezebox 🙂

  7. Hmm, in dem letzten Kommentar vom 18. April steht, dass LastFMProxy in Deutschland noch funktioniert. Gibt es da einen (illegalen?) Trick oder wurde das nur noch nicht umgestellt oder wie ist die Lage?

    Die Squeezebox teste ich gerne, wenn sie mir zugeschickt wird 😉

    Als nächstes wollte ich mich mal den Podcasts widmen. Ob es da eine Möglichkeit gibt, auch die zu abonnieren, die nicht im offiziellen Verzeichnis zu finden sind.

  8. Wie die Lage jetzt ist, muss hier ein anderer beantworten.
    Bin mit last.fm fertig xD

    Fällt mir spontan nur der Radio Tatort ein, wenn du den Link in eine Playlist kopierst geht es, wie steht hier.

    Ansonsten kannst du mal versuchen die Podcast Datei bei radio567.com hinzuzufügen.

    Näheres zu Podcasts unter Noxon iRadio und Podcasts

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