Zweitverwertung Zelluloid (Blog-Parade Verfilmungen)

Auf den letzten Drücker gibt es am heutigen Oscar-Sonntag noch meinen Beitrag zu beety’s Blog-Parade „Total verfilmt“ und wie mein Beitragstitel schon andeutet stehe ich dem Thema eher negativ gegenüber. Doch lasst mich ausholen.

Klassischerweise versteht man unter einer Verfilmung, dass aus einer literarischen Vorlage (Buch, Kurzgeschichte, Comic) ein Film gemacht wird. Handelt es sich ursprünglich um ein Buch, so bietet die Umsetzung in laufende Bilder Vor- und Nachteile. Schön ist es, wenn man endlich die Figuren und Orte „in echt“ erleben darf und mit Tönen untermalt. Es gibt zahlreiche Beispiele, wo dies ausgesprochen gelungen ist (Herr der Ringe-Trilogie[1], High Fidelity), doch genauso kann man dies als Problem sehen. Wer das Buch kennt, hat sich in seiner Vorstellung schon eine Landschaft geschaffen und in den meisten Fällen wird sie für den zum Zuschauer gewordenen Leser nur ein magerer Abklatsch sein. Dazu kommen die zwangsweise vorgenommenen Kürzungen von Charakteren (HdR: Tom Bombadil), Handlungssträngen und bis hin zu kompletten Änderungen von Intention, Begebenheiten und Stimmungen.

Dass gekürzt werden muss, ist keine Frage und eine 1:1-Umsetzung wäre viel zu lang und evtl. auch langweilig, denn Buch und Film sind nun mal verschiedenen Medien mit unterschiedlichen Stärken. Doch es kommt darauf an, was und wo gekürzt wird. Und wenn Handlungsstränge umgestrickt werden, sollte nicht die komplette Idee des Buches auf den Kopf gestellt werden. Ganz schlimm ist das Anpappen eines Happy Ends, weil sich sowas besser vermarkten lässt.

Schönes Beispiel dafür ist A Beautiful Mind, wo ein unehelicher Sohn und eine homosexuelle Beziehung weggelassen wurden und eine schmalzige Nobel-Dankesrede erfunden wurden. Das Hinzufügen von erfundenen Figuren (Charles und Marcee) dagegen war eine gute Idee, da sowas nur im Film funktioniert und wunderbar die Krankheit illustriert. Insofern sehe ich hier Buch und Film als parallele Produkte, die eine ähnliche Geschichte erzählen.

Beim Stichwort „im Film funktionieren“ fällt mir einer der beiden Filme ein, die mir besser als die Buchvorlage gefallen, nämlich Frühstück bei Tiffanys. Das ist insofern erstaunlich, als Truman Capote als grandioser Schriftsteller gilt, doch einige Elemente im Buch funktionieren einfach besser im Film (Andeutungen, was Holly wirklich ist; Songdarbietung) und für einen Film von 1961 werden erstaunlich heiße Eisen angepackt.

Bis hierhin habe ich nur von den Fällen geredet, wo ein Buch verfilmt wurde und wo ich beide Versionen kenne. Doch wenn ich entweder Buch oder Film nicht kenne, ist es müßig, darüber zu diskutieren. Es ist jedoch häufig so, dass ich bei Veröffentlichung einer Verfilmung auf das Buch aufmerksam werde und dann vorziehe, nur das Buch zu lesen. Das liegt erstens daran, dass ich sehr gerne Bücher lese und zweitens, dass ich in den letzten fünf Jahren kaum mehr im Kino war oder ferngesehen habe.

Zur Illustrierung ein Blick in mein Bücherregal, wo Narnia die „durch-Verfilmung-von-Buch-erfahren-und-nie-Film-gesehen“-Fraktion vertritt und einige Taschenbücher der eigentlich hier nicht behandelten Kategorie „Bücher zum Film“ (nicht alle!).

verfilmt

Des weiteren könnte man sich noch über Comicverfilmungen auslassen, doch an dieser Stelle nicht, da ich weder auf die papierne noch auf die filmstreifige Version stehe. [Edit]Gleiches gilt für Computerspiele.[/Edit] Bleiben noch die Remakes, die im Grunde auch Verfilmungen sind, nur eben mit einem anderen Film als Vorlage. Hier stellt sich die Frage, warum überhaupt ein Remake gemacht wird, wenn es doch schon einen Film gibt? Hier wird oft mit zeitgemäßer Umsetzung und neuen Techniken argumentiert. Ich behaupte, dass in den meisten Fällen Geldmacherei dahinter steckt, denn wenn ein Konzept schon einmal funktioniert hat, dann ist ein erfolgreicher Film wahrscheinlicher.

Eine wirklich überflüssige Kategorie sind die Amerikanisierungen von Filmen und Serien, wo dieselbe Story nochmal erzählt wird, nur diesmal mit amerikanischen Schauspielern und Schauplätzen. Extrembeispiel ist hier Mon père, ce héros (Mein Vater der Held) und My Father the Hero (Mein Vater der Held), in denen Hauptdarsteller und Dialoge identisch sind. Und ja, das betrifft auch Serien, wie z.B. die UK-Serien The Office (UK, US, DE), Life on Mars (UK, US), The IT Crowd (UK, US, DE). Wobei bei Letzterem der Markt funktionierte und es entweder nicht oder nur knapp zur Ausstrahlung kam (s. Wikipedia). Man könnte dagegen halten, dass der Vorteil bei US-Produktionen ist, dass sie langlebiger sind und dem Fan mehr Material liefern, denn bei The Office und Life on Mars gibt es nur je zwei Staffeln und das US-Büro ist mittlerweile in der fünften Staffel.

So, das ist also meine Meinung zu Verfilmungen und wer ebenfalls noch an der Blog-Parade teilnehmen möchte, sollte sich sputen, denn dafür ist nur noch heute Zeit.

  1. Tobias sieht das etwas anders []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

11 Gedanken zu „Zweitverwertung Zelluloid (Blog-Parade Verfilmungen)“

  1. Stimmt, du wolltest ja auch mitmachen. Hätte aber sicher auch ne kleine Verspätung durchgehen lassen. Immerhin komme ich wohl auch erst kommendes WE zur Auswertung.

    Dass du Verfilmungen eher negativ gegenüberstehst, hatte ich mir gedacht. Im Großen und Ganzen stimme ich dir da aber zu. Wobei ich auch denke, dass eine komplette Neuinterpretation einer Vorlage auch erlaubt sein darf. Manchmal wird ja nur das Szenario eines Buches aufgegriffen und mit einer eigenen guten Geschichte gefüllt.

    In Sachen Remakes bin ich allgemein auch auf deiner Seite. Allerdings kann so was, wenn es denn von den richtigen Leuten und aus den richtigen Gründen gemacht wird, auch sehr schön sein. So ein Grund wäre z.B. eine ernstgemeinte Hommage des Originals und auch der originalen Mitwirkenden.

    Im Endeffekt ist das wie bei Cover-Versionen eines Songs – die werden oft aus Geldmacherei schlecht neu aufgelegt, teilweise aber auch ganz großartig neu interpretiert. Dummerweise ist das Verhältnis zwischen toll und vergurkt im Film leider weitaus schlechter…

  2. Oh, wenn ich jetzt nicht geschrieben hätte, hätte auch ein Aufschub nichts mehr genützt 😉

    Der Vergleich mit einer Coverversion ist sehr gut, besonders das mit der Intention. Ich stimme dir voll zu, dass es auch gute Remakes gibt. Mist, jetzt fällt mir Alfie ein (hatte ich im FRS), der wurde wirklich gelungen in unsere Zeit portiert und mit einem fantastischen Soundtrack unterlegt.

    Bin wirklich sehr gespannt auf deine Auswertung. Ich habe mir gerade alle Beiträge durchgelesen und die sind wirklich (fast) ausnahmslos gelungen.

  3. Ja, die Qualität der Beiträge ist echt gut! Es sind zwar nur insgesamt 12, aber allesamt interessant und vor allem oft sehr lang. Ich glaub, ich werde auch jeden davon kurz anreißen und nochmal verlinken. Wäre viel zu schade, einzelne zu übergehen!

  4. Kann ich nur unterschreiben, wobei ich Comic-Verfilmungen (s.h. Asterix und Obelix) hin und wieder schon sehr mag, obwohl ich mich auch nicht unbedingt als Comic-Fan, sondern bezeichnen würde (die meisten Comics sind absolut nichts für mich 🙂 ).

  5. ach, so anders sehe ich das doch nicht. eigentlich sind unsere meinungen sehr nahe beieinander was den hdr betrifft julia, ich geh nur genauer auf die unmöglichkeit der perfekten umsetzung des stoffes ein. 🙂

    mein beitrag liest sich vielleicht recht negativ, aber den (positiven) letzten absatz muss man stärker bewerten – irgendwie 😉

  6. Boff, Asterix! Die habe ich ganz vergessen. Ist aber auch zu lange her 😉

    tobi, mach den letzten Absatz doch einfach in fetter und größerer Schrift 😀

  7. Interessante Blogparade. Ich sehe allerdings gerade, dass ich dafür zwei Tage zu spät komme, sonst hätte ich mitgemacht 8)

    Ich muss feststellen, dass ich von den meisten Stücken entweder nur das Buch gelesen ODER den Film gesehen habe. Ausnahme sind die Karl-May-Bücher und -Filme. Wobei dann halt doch erhebliche Unterschiede bestehen. Zum Teil fehlen Figuren völlig oder haben im Film einen völlig anderen Charakter.

    Bei Herr der Ringe oder Harry Potter habe ich somit keinen Vergleich mit der Vorlage.

    Bei Remakes von bereits vorhandenen Filmen ist es unterschiedlich, ob mir nun die erste oder die folgende Version besser gefällt. Mitunter gefällt mir ein neuer Film besser als die Vorlage – z.B. „Der Schakal“ mit Bruce Willis.

    Und was Filmfortsetzungen und daraus resultierende Serien anbelangt: Bei Star Trek darf es aus meiner Sicht durchaus noch weitere Filme und vielleicht auch eine neue Serie geben 8)

  8. Falk, wenn du beety ganz lieb fragst, darfst du sicherlich noch mitmachen 🙂
    Wenn du rechtzeitig über Blog-Paraden informiert werden möchtest, schau mal zu blog-parade.de, das ist eine zentrale Anlaufstelle, da kann jeder seine BP anmelden.

    Nun zu deinem Kommentar: Karl May! Hab praktisch alle Bücher gelesen und Filme gesehen. Aber ich hab die nie als zusammenhängend gesehen.
    HP und HdR bitte im nächsten Urlaub lesen 😀
    Und Fortsetzungen sind ja keine Remakes, oder? Die Star Trek-Serien und -Filme fallen meiner Meinung nach nicht in den Bereich „Verfilmungen“.

  9. Auf blog-parade.de habe ich erst am WE geschaut, weil ich da eine eigene neue Blogparade bekanntgegeben habe 8)

    Ich kenne diese Seite schon eine Weile, allerdings habe ich in den letzten Monaten dann irgendwie keine für mich interessante Parade entdecken können 8)

  10. Ein anderes Beispiel für geändert-gekürzte Filme ist „Gottes Werk und Teufels Beitrag (The Cider House Rules)“. Ich kannte den Film lange vor dem Buch und es war einer meiner Absoluten Lieblinge. Als ich das Buch gelesen hatte, war ich doch erstaunt wie viel mehr Handlung als in dem 3 Stunden Epos darin war. Und irgendwie kann mir der Film seither nicht mehr gefallen, obwohl ich ihn vorher genial fand.
    Eine wirklich gute Verfilmung war für mich Forest Gump, man hat es wirklich geschafft viele langweilige Geschichtchen in einen verdammt guten Film zu verwandeln.

  11. Ja, Forrest Gump ist als Buch wirklich doof (im Wahrsten Sinne des Wortes). Das ist das im Beitrag unerwähnte zweite Buch, das ich schlechter als den Film fand.

    Cider House Rules werde ich mir mal als Buch vormerken 🙂

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