Julias Chartspunkte #10: ein Jahr nach Schnuffel

Ui, die Chartspunkte werden zweistellig! So richtig in Feierlaune versetzen sie aber nicht, da mal wieder so einiges an Unhörbarem geboten wird. Oder sollte mich das zum Jauchzen animieren, da die unterirdische Qualität der deutschen Top 20 überhaupt erst zu diesem Spielchen geführt hat: Vor einem Jahr wurde bekannt, dass unser herzlichst geliebter Schnuffel mit dem Kuschelsong an der Spitze der Charts sein würde und ich vermutete den Untergang des Abendlandes und hob die Chartspunkte aus der Taufe. Viele schöne Stunden unerreichten Hörgenusses hat Schnuffel mir damit beschert und auch heute stürze ich mich wieder in das Vergnügen der Neueinsteiger in diesem noch jungen Jahr. Wie immer werde ich bis zu drei Plus- und/oder Minuszeichen vergeben. Eine Erklärung der Punkteverteilung ist am Ende des Beitrags nachzulesen.

Neueinsteiger vom 26.12

  • Platz 18 Leona Lewis – Run
    minus Ist die Langsamkeit im Original noch angemessen und der Pathos geht gerade bis vor die Unerträglichkeitsmarke, wird sie hier meilenweit überschritten. Gab es eigentlich eine Ausgabe der Chartspunkte ohne Frau Lewis? Wenn nicht mehr genug eigene Songschreiber ausreichen, muss gecovert werden.
  • Platz 15 Metallica – All Nightmare Long
    plusminus Joa, ist so schlecht nicht. Klingt wie massenkompatibel gemachter Metall. Ist es ja auch. Kann man sich anhören, aber da ich biografisch bedingt eine Abneigung gegen James und Co. habe, reicht es nur für Mittelmaß.

Neueinsteiger vom 2.01

  • Platz 17 Melanie Thornton – Wonderful Dream (2007)
    minusminusminus Auch der Tod schützt hier vor übler Nachrede nicht und wenn ich die Macht hätte, würde ich alle Archive und Erinnerungen von/an diesen/m schrecklichsten aller schrecklichen WeihnachtsSongs säubern.
  • Platz 15 Maria Mena – All This Time
    plusplus Das Damentrio ist komplett und endlich mal ein halbwegs guter Song. Durch die angenehm tiefe und zum Glück nicht vollkommene Stimme von Maria Mena hebt sich der Song aus dem üblichen Popkitsch heraus.

In den Wochen vom 9.01 und vom 16.01 gab es keine Neueinsteiger.

Neueinsteiger vom 23.01

  • Platz 10 Kevin Rudolf feat. Lil Wayne – Let It Rock
    plusminus Eine ungewöhnliche und irgendwie fesselnde Kombination, die dieses Sean Paul-Lookalike im Kid Rock-Outfit und das Tattoo-Zahnmonster gebastelt haben. Aber die Rapeinlagen machen alle positiven Eindrücke zunichte.
  • Platz 4 Rihanna – Rehab
    minusminusminus Auch Rihanna ist Stammgast in den Chartspunkten. Gab es den Song nicht schon mal? Technisch wohl nicht, da hier der Justin T. noch einen Auftritt hat. Doch bei Stücken mit so stark runtergemischter Stimme, die das Gefühl vermittelt, die Sängerin saß im übernächsten Zimmer, werde ich wahnsinnig. Und das ständige Wiederholen der selben Zeile ist auch selten ein Zeichen von Qualität.
  • Platz 3 Mando Diao – Dance With Somebody
    plusplusplus Erlösung! Gibt zwar bessere Songs der Schweden und überhaupt eine Menge viel besserer Songs, aber in den Charts darf ein solcher Song als Wunder gelten. Die Elemente des Videos hat man schon zigfach woanders gesehen, doch die rotzfreche Coolness der Band und die Grund-Catchiness des Songs machen schon was her.

Neueinsteiger vom 30.01

  • Platz 6 Die Zipfelbuben feat. Dschungel – Hier im Dschungel!
    minusminusminus Ohne die Chartspunkte wüsste ich ja gar nicht, was so zur Zeit alles an abgrundtief schlechten Fernsehsendungen läuft. Ist aber trotzdem kein Grund sich das anzuhören.
  • Platz 5 Eisblume – Eisblumen
    plusminus Wenn Band und Song (fast) gleich heißen, ist Vorsicht angesagt und tatsächlich kann dieses dünne Stimmchen keinen hinterm Ofen hervorlocken. Naja, die vom Hype geblendeten Käufer offensichtlich schon. Konna hat einen passenden Beitrag zu Original und Cover geschrieben.
  • Platz 1 James Morrison feat. Nelly Furtado – Broken Strings
    plusplus Nelly fängt sich wieder und auch wenn die Beiden kurz vor der Kitsch-Pathos-Zucker-Line stehen, wird sie dennoch nicht überschritten, dank James Morrisons Talent. Aufgrund dieses Songs würde ich zwar das zweite Album nicht kaufen, aber die Gelegenheit nutzten, das Debutalbum wärmstens zu empfehlen.

Neueinsteiger vom 6.02

  • Platz 18 Sido’s Hands On Scooter – Beweg Dein Arsch
    minusminusminus Die zwei von mir geradezu verabscheuten Musikgenres gehen eine Zusammenarbeit ein und wie vermutet finde ich das Resultat grässlich. Ja, ich habe mir das tatsächlich angehört, aber diesen Kunstbass und das Gejaule habe ich nicht lange ausgehalten.
  • Platz 17 Lily Allen – The Fear
    plusminus Mit ewiger Verspätung erreicht also der Lily-Hype auch Deutschland. Doch der Song ist mir zu dancelastig und klingt viel zu uninspiriert. Da kann auch der englische Akzent nicht mehr viel retten.

Neueinsteiger vom 13.02

  • Platz 7 Cassandra Steen – Darum Leben Wir
    minusminus Name unbekannt, Gesicht schon mal irgendwo gesehen. Wie die Kommentare bei YouTube verraten, war die beim Buvisco und damit haben wir auch die Erklärung für den Chartseinstieg. Die weinerliche Stimme und der übersteuerte Bass lässt mich das aber nach ein paar Sekunden abwürgen.

So, das war es mal wieder für die Chartspunkte. Jetzt seid Ihr wieder gefragt mit heftigster Gegenrede (oder auch Zustimmung).

  • minusminusminus Song hätte nie produziert werden dürfen und auch den/die „Künstler“ finde ich doof.
  • minusminus Auf dem Weg zur Unerträglichkeit und dem/den Künstler/n stehe ich wahrscheinlich auch skeptisch gegenüber.
  • minus Song gefällt mir nicht, aber den/die Künstler halte ich für ok.
  • plusminus Song ist mir relativ egal und je nach Laune würde ich zuhören oder abschalten.
  • plus Song ist ok, aber entweder nervt er auf Dauer oder ich stehe dem/den Künstler/n skeptisch gegenüber.
  • plusplus Ziemlich guter Song und auch der/die Künstler ist/sind mir sympatisch.
  • plusplusplus Song könnte ich andauernd hören und auch den/die Künstler finde ich gut.
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Dieser Beitrag ist Teil 10 von 20 der Beitragsserie Julias Chartspunkte

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

13 Gedanken zu „Julias Chartspunkte #10: ein Jahr nach Schnuffel“

  1. Cassandra Steen ist u.a. die Stimme von Glashaus und ist auch bei so ziemlich jedem Xavier Naidoo Projekt dabei. Die Dame hat ne geniale Stimme. Ich glaube ihr Duett mit Naidoo „Wann“ gehört zu meinen absoluten Lieblingslieder in 2008.

  2. Was hast du nur gegen den Dschungel-Song?! Der ist doch, ähm, toll!? 😆

    Leider ist das auch das einzige Lied, das ich von den oben genannten kenne; und das auch nur aus Zufall (!). Das neue Mando Diao Zeuch muss ich mir aber mal anhören.

  3. Sascha, halloho!
    Danke für die Info. Vielleicht liegt es am Song, dass Cassandras Stimme nicht so gut rüberkommt. Und Xavier mag ich auch nicht wirklich 🙂 Aber evtl. höre ich mir „Wann“ mal an.

    Boff, dich schicke ich gleich auch in den Dschungel!
    Mando Diao haben übrigens am letzten Freitag (wie ungefähr die halbe Musikwelt) ihr neues Album veröffentlicht. Muss ich auch noch reinhören. Spotify!
    (Nachtrag: Album gibt es noch nicht bei Spotify)

    PS: Dein Buch geht morgen auf die Reise.

  4. Maria Mena kann ich voll zustimmen, tolles Lied. Aber Melanie Thorntons Cocacolasong mag ich auch!
    Der Song von Sido hat nicht mehr allzu viel von dem Scooteroriginal…eine hörbare Kooperation ist das auch gar nicht. Es durften nur einige Ausgewählte Leute alte Scooterhits neuinterpretieren 🙂
    Cassandra Steen kennt man zB aus „Glashaus“, die machen echt gute Musik…sie hat auch ab und zu mit anderen bekannteren Künstlern zusammen gesungen.

  5. Ahhh… wie kann Eisblume denn bitte +- erreichen? Also von mir hätte es da glatte 5—– gegeben. 😉
    Danke aber, dass du auf meinen Artikel verlinkst. 🙂
    Den Rest der Charts kann man sich aber ebenso schenken, so wie es aussieht… vielleicht solltest du lieber die Albumcharts nehmen (und immer einen Song stellvertretend), da ist erfahrungsgemäß doch mehr zu holen. 😀

    Edit: Wieso wird mein Twitterlink nicht angezeigt, trotz Haken und der richtigen E-Mail-Addy? 🙁

  6. Schaps, dafür mag ich Last Christmas 😛
    Ah, bei Scooter heißt es ja auch „hands on“ – hab halt nicht nachgeguckt.

    Konna, das Original von Eisblume kenne ich ja nicht. Und im Vergleich zu den restlichen Songs ist es nicht abgrundtief schlecht.

    Deine Idee ist prinzipiell nicht schlecht, da die Albumcharts (meine ich) schneller wechseln und auch wirklich gute Sachen dabei sind. Aber dann müsste das Konzept ein ganz anderes sein.

    Zum Twitter-Link: sehr komisch! Bist du 100% sicher, dass es dieselbe E-Mail-Adresse ist?

  7. @Konna: Ich glaube, Julia ist doch den ganzen Müll, den sie sich hier jedes Mal freiwillig anhört, schon so dran gewöhnt, dass Eisblume deshalb so gut abgeschnitten hat 😉

    Ich hatte ja auch schon mal vor, ne eigene Version der Chartspunkte zu starten – vielleicht mache ich das echt mal. Albumcharts wären da aber nicht so meins. Auch wenn da hier und da auch mal was dabei ist, was ich mir sogar kaufen würde, hätte ich ansonsten eh kaum die Möglichkeit, die Alben wirklich anzuhören, um mir ein Urteil zu bilden.

  8. Nelly Furtado fängt sich wieder? Die Dame ist großartig und war es immer! 🙂
    Stimme Dir eigentlich überall da zu, wo ich den Song kenne, ist komischerweise die Minderheit.

  9. Ja, Julia, ich bin 100% sicher, dass es die richtige E-Mail-Addy ist. Aber vielleicht kommts beim nächsten mal oder so.

    Und zum Original von „Eisblumen“ – ich kann die soviel sagen, dass du es wohl nicht mögen wirst. 😉

  10. Mal kurz so alles durchgehört:
    Mando Diao scheint wohl auch nur ein kleineres Übel zu sein. Lilly Allen klingt wie die Pet Shop Boys irgendwann und ist deshalb akzeptabel, Donna Lewis Lied finde ich eigentlich o.k.; Kevins haben in der Musik und im Fußball grundsätzlich nichts zu suchen und der Typ klingt in diesem Fall wie … upps … die männliche Ausgabe von Monröschen bei „Strike the match“. Rihannas Lied ist scheisse, aber sie steht unter meinem persönlichen Schutz! Das wird auch Chris Brown noch bemerken. Cassandra Steen und Sido packen auch textlich ganz heiße Eisen an und gehen ganz neue unerforschte Wege. Haben die Herrschaften eigentlich alle den gleichen Texter?
    Aber letztendlich dennoch alles irgendwie besser als ein neues Lied von Ich & Ich in den Charts.

  11. beety + Konna, das neue Eisblumen ist einfach Durchschnitt, obwohl ich das Video ok finde. Da ich das Original vorher nicht kannte (außer durch Konna – und ich finde es besser), trifft es mich auch nicht so.

    beety, Wie würdest du denn die Alben beurteilen wollen? Es sind längst nicht alle als Stream verfügbar (bei last.fm oder luisterpaal etc).

    David, du weißt ja, dass ich Nellys Zusammenarbeit mit Timbaland nicht so gut fand. Ihr zweites Album habe ich und da sind einige gute Songs dabei.

    Konna, mit dem Twitterlink ist wirklich seltsam. Mal sehen, ob sich das in den nächsten Tagen ändert.

    Postpunk, Rihanna als Person ist ja noch wieder was anderes als ihre Musik. Wann besucht sie dich wieder im Podcast?!
    Und was den Texter betrifft: Wer das ist, darf ich aus Schutz meiner Gesundheit nicht verraten. Nur so viel: Er hat mehr Fell und einen höheren Karottenverbrauch als der Durchschnittsbürger.

  12. @Julia – na genau deshalb würde ich Alben ja nicht berwerten wollen. Eben weil oft kein Stream verfügbar ist – oder hab ich dich jetzt falsch verstanden?

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